Digitale Maschinenzertifikate mit Trustpoint verwalten

trustpoint architecture 20250714 092542
Bild: Campus Schwarzwald

Im Gegensatz zur IT-Sicherheit im Büro-Netzwerk bringt der industrielle Kontext zusätzliche Herausforderungen mit sich: lange Lebenszyklen, fragmentierte Netzwerke, eingeschränkte Update-Möglichkeiten und proprietäre Schnittstellen. Gleichzeitig steigen regulatorische Anforderungen und Erwartungen an Nachvollziehbarkeit, Datenintegrität und Ausfallsicherheit. Digitale Identitäten von Maschinen spielen für die Sicherheit eine wichtige Rolle, indem sie Vertrauen zwischen Herstellern, Integratoren und Betreibern schaffen. Sie helfen dabei, Geräte eindeutig zu identifizieren, Kommunikation abzusichern und Manipulationen zu verhindern. In der Office-IT ist der Einsatz digitaler Zertifikate als Identitätsnachweis bereits etabliert. In der industriellen Automatisierungstechnik hingegen steckt dieses Thema oft noch in den Anfängen – obwohl hier besonders sensible Abläufe geschützt werden müssen. Standards wie OPC UA (OPC-10000-21) oder die Normenreihe IEC62443 fordern explizit den Einsatz digitaler Maschinenidentitäten zur Authentifizierung, Datenintegrität und Rückverfolgbarkeit. Diese ermöglichen es etwa:

  • Kommunikationspartner eindeutig zu identifizieren (z.B. Maschinen, Gateways, Steuerungen),
  • Firmware-Updates und Software sicher zu validieren,
  • den Ursprung von Komponenten nachzuvollziehen,
  • Ereignisse über den Lebenszyklus hinweg lückenlos zu dokumentieren.

Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Den Effekten einer Einführung stehen die Hürden einer Einführung entgegen. In vielen Fabriken fehlen zentrale Verwaltungsinstanzen für Zertifikate (PKI), geschweige denn Schnittstellen zwischen IT und OT. Häufige Herausforderungen ergeben sich weiter aus segmentierten Netzwerken mit eingeschränkter oder instabiler Internetverbindung. Hinzu kommen langlebige Systeme mit veralteter Firmware, die über keine sicheren Speicher für Schlüsselmaterial verfügen. In vielen Fällen fehlen zudem geeignete Benutzeroberflächen zur Eingabe von Zugangsdaten oder zur Verwaltung von Identitäten. Unklare Zuständigkeiten bei der Verwaltung digitaler Identitäten über den gesamten Maschinenlebenszyklus hinweg erschweren die Umsetzung zusätzlich. Darüber hinaus besteht häufig eine mangelnde Interoperabilität zwischen unterschiedlichen Herstellerlösungen. Die Folge: Viele Maschinen werden ohne echte Vertrauensanker in Netzwerke integriert – ein Einfallstor für Angreifer und ein Compliance-Risiko.

Trustpoint als Einstieg in Identitätsmanagement

Trustpoint ist eine Open-Source-Plattform zur abgesicherten Verwaltung digitaler Maschinenidentitäten in industriellen Netzwerken. Die auf Github auffindbare Software soll als Vertrauensanker den Lebenszyklus von Zertifikaten begleiten, von der Ausstellung über die Erneuerung bis zum Widerruf. Dabei adressiert sie die Herausforderungen industrieller Umgebungen. Die Plattform entsteht im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Verbundprojekts Trustpoint (Laufzeit: 2023-2026). Das Ziel ist es, eine skalierbare, offene und praxistaugliche Anwendung für das Management digitaler Identitäten bereitzustellen. Besonderes Augenmerk liegt auf der Sicherheit, Effizienz und Interoperabilität bei geringem Implementierungsaufwand.

Trustpoint ist für ressourcenbeschränkte Umgebungen konzipiert, schlank und wird als Docker-Applikation bereitgestellt. Damit eignet sich die Software auch für Edge-Umgebungen und Brownfield-Anlagen. Die Standardkonformität und die Unterstützung bewährter Sicherheitsprotokolle soll eine nahtlose, vertrauenswürdige Kommunikation über System- und Herstellergrenzen hinweg ermöglichen.

Schlüssel zur Industrie 4.0

Die sichere Verwaltung digitaler Maschinenidentitäten ist eine zentrale Voraussetzung für vernetzte, automatisierte Produktionsumgebungen. Sie ermöglicht vertrauenswürdige Kommunikation, schützt vor Manipulation und schafft Compliance – insbesondere im Kontext von Normen wie IEC62443 und regulatorischen Anforderungen wie dem EU Cyber Resilience Act. Trustpoint soll eine Lücke zwischen industrieller Praxis und sicherheitstechnischen Anforderungen schließen. Dazu bietet sie einen offenen und vergleichsweise leicht zugänglichen Weg für das Identitätsmanagement, unabhängig von proprietären Systemen, schlank und auf Kompatibilität ausgerichtet. Ob Greenfield oder Brownfield, manuelles oder automatisiertes Onboarding: Die Open Source-Plattform soll sich an industrielle Realitäten anpassen. Betreiber, Integratoren und Maschinenhersteller können damit eine Grundlage schaffen, um IT/OT-Sicherheit strukturiert und zukunftssicher aufzubauen.

Wesentliche Funktionen im Überblick

– Zertifikatsmanagement über den Lebenszyklus: Erstellung, Erneuerung, Widerruf und Löschung digitaler Identitäten gemäß OPC UA und IEC62443
– Flexible Betriebsmodi: Betrieb als lokale Certificate Authority (CA) oder Registration Authority (RA) zur Anbindung externer PKIs
– Protokollunterstützung und Onboarding: Unterstützung von CMP, EST, REST sowie automatisiertes Zero-Touch-Onboarding nach BRSKI [BRSKI]
– Kryptografische Absicherung: Truststore-Management, Integration mit HSMs
– Industriegerechte Zusatzfunktionen: Zertifikatvorlagen, Domain-Management für Betriebsbereichstrennung, umfassendes Audit-Logging



  • Der Weg zur effizienten Datenstrategie

    Der Weg zur effizienten Datenstrategie

    Viele deutsche Mittelständler bieten innovative Produkte an, tun sich aber oft schwer, operative Prozesse mithilfe von Daten tatsächlich zu verbessern und wichtige Entscheidungen auf Basis ihrer Daten zu fällen. Der…

    mehr lesen: Der Weg zur effizienten Datenstrategie

  • Mehr Cybersicherheit für Fernwartungs-Router

    Mehr Cybersicherheit für Fernwartungs-Router

    HMS hat die neue Fernwartungs-Router-Generation Ewon Cosy+ auf erhöhte Sicherheit ausgelegt. Die Geräte bieten nicht nur moderne hardware-implementierte Sicherheitsmechanismen, sondern auch automatische Updates signierter Firmware über die firmeneigene Plattform Talk2M.

    mehr lesen: Mehr Cybersicherheit für Fernwartungs-Router

  • Catherine Kniker wird CSO bei PTC

    Catherine Kniker wird CSO bei PTC

    Mit dem Wechsel von Kathleen Mitford zu Microsoft wird Catherine Kniker zur EVP (Executive Vice Presdient) und Chief Stategy Officer bei PTC ernannt.

    mehr lesen: Catherine Kniker wird CSO bei PTC

  • Carsten Stiller wird Geschäftsführer bei Cybus

    Carsten Stiller wird Geschäftsführer bei Cybus

    Gemeinsam mit CEO Peter Sorowka leitet Carsten Stiller seit 1. April das Softwareunternehmen Cybus. Er verantwortet die Bereiche Marketing und Vertrieb.

    mehr lesen: Carsten Stiller wird Geschäftsführer bei Cybus

  • Dirk Didascalou wird CTO bei Siemens Digital Industries

    Dirk Didascalou wird CTO bei Siemens Digital Industries

    Siemens Digital Industries bekommt einen neuen CTO. Dirk Didascalou soll zum 1. September neuer Technikchef werden.

    mehr lesen: Dirk Didascalou wird CTO bei Siemens Digital Industries

  • Unveränderte Geschäftslage und Optimismus für 2021

    Unveränderte Geschäftslage und Optimismus für 2021

    Die Wirtschaft blickt überwiegend optimistisch in die Zukunft: Knapp 40 Prozent der Unternehmen wollen laut der jüngsten Konjunkturumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft 2021 im Vergleich zu 2020 mehr produzieren.

    mehr lesen: Unveränderte Geschäftslage und Optimismus für 2021

  • Künstliche Intelligenz erklärbar machen

    Künstliche Intelligenz erklärbar machen

    Künstliche Intelligenz hat meistens Black-Box-Charakter. Doch nur Transparenz kann Vertrauen schaffen. Um die jeweiligen Lösungswege künstlicher Intelligenz zu erklären, gibt es spezielle Software-Lösungen. Eine Studie des Fraunhofer IPA hat die…

    mehr lesen: Künstliche Intelligenz erklärbar machen

  • Quantencomputing wird zum Wettbewerbsvorteil

    Quantencomputing wird zum Wettbewerbsvorteil

    Quantencomputer können komplexe Berechnungen schneller durchführen als beispielsweise heutige Superrechner. Wie eine Befragung des Bitkom zeigt, verspricht sich die deutsche Wirtschaft viel von der Technologie.

    mehr lesen: Quantencomputing wird zum Wettbewerbsvorteil

  • Künstliche Intelligenz für kleine und mittlere Unternehmen

    Künstliche Intelligenz für kleine und mittlere Unternehmen

    Künstliche Intelligenz auch für KMUs nutzbar machen. Das ist das Ziel des Modellprojekts ’KI-Transfer Plus’

    mehr lesen: Künstliche Intelligenz für kleine und mittlere Unternehmen

  • Weniger Daten für geringere Emissionen

    Weniger Daten für geringere Emissionen

    Weltweit entstehen 6,4Mio.t CO2 durch den Speicherbetrieb in Rechenzentren. Dabei werden viele der gespeicherten Daten gar nicht mehr gebraucht – es handelt sich um sogenannte Dark Data.

    mehr lesen: Weniger Daten für geringere Emissionen

  • Cosmo Consult startet Geschäftsbereich ’Business Design’

    Cosmo Consult startet Geschäftsbereich ’Business Design’

    Seit April hat die Cosmo Consult-Gruppe einen neuen Geschäftsbereich gestartet. In diesem sollen Beratungsleistungen für Digitalisierungsprojekte gebündelt werden.

    mehr lesen: Cosmo Consult startet Geschäftsbereich ’Business Design’

  • Neuer Vertriebsleiter bei Creaform

    Neuer Vertriebsleiter bei Creaform

    Pierre Tanguy übernimmt bei Creaform die Vertriebsleitung für die DACH-Region und folgt damit auf Stefan Hoheisel.

    mehr lesen: Neuer Vertriebsleiter bei Creaform