Steigenden Lizenzkosten ausweichen: Der Umstieg auf OpenJDK

A manager leads a team meeting in a modern office pointing to the computer screen to explain a project. The diverse group of colleagues works together to find a solution
Bild: ©ultramansk/stock.adobe.com

Nach 30 Jahren ist Java noch immer eine der meistgenutzten Programmiersprachen. Laut des ‚2025 State of Java Survey and Report‘ von Azul geben 99 Prozent der weltweit befragten Unternehmen an, Java zu verwenden. Bei 68 Prozent der Befragten laufen mehr als die Hälfte der Anwendungen entweder auf einer Java Virtual Machine (JVM) oder wurden mit Java entwickelt. Auch in der industriellen Fertigung spielt Java eine zentrale Rolle – insbesondere im Kontext von Industrie 4.0 und dem Industrial Internet of Things (IIoT). Die plattformunabhängige Programmiersprache ermöglicht die Integration von Maschinen, Sensoren und IT-Systemen. Ob in Manufacturing Execution Systems (MES), bei der Entwicklung von IoT-Gateways oder in der Analyse großer Produktionsdaten – Java bietet Stabilität, Skalierbarkeit und umfangreiche Bibliotheken.

Bis zu fünffach höhere Lizenzkosten

Da gerade im professionellen Umfeld stabile Systeme geschäftskritisch sind, setzt die Mehrheit der Unternehmen auf kommerziell unterstützten Java-Support – laut der Azul-Umfrage sind dies aktuell 85 Prozent. Im Vergleich zu 2023 ist dies ein Zuwachs um 19 Prozent. Bisher bezogen viele Unternehmen ihr Abonnement für Java-Laufzeitumgebungen und -Support von Oracle. Anfang 2023 änderte Oracle jedoch seine Lizenzbestimmungen für Oracle Java SE. Die Abrechnung erfolgt nun nicht mehr anhand der tatsächlichen Java-Nutzung, sondern der Mitarbeiterzahl des Unternehmens. Dazu zählen auch Drittparteien, Auftraggeber und Zeitarbeiter – eben jeder, der den Geschäftsbetrieb unterstützt. Das führt zu einem erheblichen Kostenanstieg, sodass einige Unternehmen zukünftig das Doppelte bis Fünffache des bisherigen Preises zahlen.

85% der Umfrageteilnehmer zahlen für kommerziellen Java-Support.
Bild: Azul Systems Inc.

Nach der Umfrage sehen 82 Prozent der Unternehmen, die derzeit Java von Oracle verwenden, die Preisgestaltung kritisch und überlegen, den Anbieter zu wechseln. Hauptmotivation dafür ist der Kostenfaktor (42 Prozent). Doch auch die Unzufriedenheit mit den Verkaufstaktiken von Oracle (37 Prozent), Verunsicherung durch laufende Preis- und Lizenzänderungen (36 Prozent) und die Oracle-Richtlinien (33 Prozent) spielen eine Rolle. Zudem geben 40 Prozent der befragten Java-Spezialisten an, dass sie schlicht eine Open Source-Software bevorzugen. Der Wechsel zu einer alternativen Java-Distribution basierend auf OpenJDK (Java Development Kit) kann dabei relativ einfach umzusetzen sein. Denn Oracle Java und OpenJDK-Distributionen basieren auf demselben Quellcode. Sie werden also nur unter verschiedenen Lizenzbedingungen vertrieben, können technisch als gleichwertig gelten.

So gelingt die Migration

Die Migration besteht auf technischer Ebene aus der Installation einer neuen Distribution und der anschließenden Konfiguration der Unternehmensanwendungen. Doch eine durchdachte Planung und Vorbereitung sind essenziell, insbesondere für langjährige Anwender, die unterschiedliche JDK-Versionen nutzen. In der Praxis hat sich eine dreistufige Methodik bewährt, die unabhängig von den unternehmenseigenen Migrationszielen greift:

  • Identifizierung – Zunächst gilt es zu erfassen, welche Java-Versionen auf welchen Anwendungen und Geräten im Unternehmen im Einsatz sind – auch bei Cloud-Bereitstellungen. Diese grundlegende Bestandsaufnahme hilft dabei, einen geeigneten Migrationsplan zu entwickeln. Bei Unsicherheiten können IT-Asset-Management-Tools und langjährig etablierte und auf Java spezialisierte Beratungsunternehmen unterstützen.
  • Installation – Um einen konsistenten Betriebsablauf zu gewährleisten, sollte auf allen Geräten, die eine Java-Laufzeitumgebung benötigen, die gleiche Version der aktuell verwendeten OpenJDK-Distribution installiert sein. Das vermeidet Kompatibilitätsprobleme. Darüber hinaus sind Anpassungen der Systemumgebung und der Konfiguration erforderlich, damit die Anwendungen gut mit der OpenJDK-Distribution zusammenarbeiten können.
  • Testing – Um sicherzustellen, dass alles funktioniert, ist ein Test der Anwendungen wichtig. Je nach Applikation variieren hier die Testvorgänge. Beispielsweise gilt es zu überprüfen, ob eine bestimmte Anwendung mit einem OpenJDK lauffähig ist und trotzdem genauso funktioniert wie mit Oracle Java. Hier bietet es sich also an, Vergleichstests durchzuführen.

Sind alle drei Schritte abgeschlossen, kann die Java-Umgebung betrieben werden. Außerdem lässt sich so leicht nachvollziehen, welche Anwendungen welche Java-Laufzeiten verwenden. Durch diesen Überblick können Verantwortliche auch eine mögliche finanzielle Haftung im Zusammenhang mit der jüngsten Preisänderung von Oracle vermeiden.

James Johnston Azul
Autor James Johnston – Bild: Azul Systems Inc.

Pfeiler moderner IT-Infrastrukturen

In Zeiten steigender Lizenzkosten, zunehmender Komplexität und wachsender regulatorischer Anforderungen ist der Umstieg auf OpenJDK ein möglicher Schritt hin zu mehr Kostentransparenz, Unabhängigkeit und Zukunftssicherheit.



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