Datenwachstum effizient managen

Datenflut eine digitale Welle aus Informationen und Daten Generative KI
Bild: ©Moon/stock.adobe.com

Belege, Dokumente, Transaktionen – die Menge an Daten in SAP-Systemen erhöht sich täglich. Wird dieser Datenberg nicht richtig strukturiert, kann das die Performance beeinträchtigen und Kosten verursachen. Zudem birgt es die Gefahr, dass Compliance-Regeln und rechtliche Auflagen wie die DSGVO nicht eingehalten werden können. Abhilfe schafft eine Archivierungsstrategie. Es reicht allerdings nicht, alte Daten auf externe Speicher zu verschieben. Vielmehr kommt es sowohl auf fachliche als auch auf technische Aspekte an. Um SAP-Daten richtig zu kanalisieren, kann man bei der Archivierung der Daten in fünf Etappen vorgehen:

1. Alle Beteiligten einbinden

Die SAP-Archivierung ist zum einen eine Aufgabe für die IT, die zunächst die IT-Landschaft analysiert: Welche Daten können archiviert werden? Wo und in welchem Format sollen sie gespeichert werden? Welche Speicherlösung eignet sich (z.B. Datenbanken, Cloud-Archiv oder externe Speichersysteme)? Sind Sicherheitsaspekte genügend berücksichtigt?

Zum anderen muss das ganze Unternehmen beteiligt werden, denn auch Unternehmensabläufe und Compliance-Richtlinien müssen mitbedacht werden: Zu welchem Zeitpunkt können welche Daten archiviert werden? Wer ist für die Realisierung und Betreuung der Archivierungsobjekte verantwortlich? Gibt es rechtliche Bestimmungen, die eingehalten werden müssen, z.B. Aufbewahrungsfristen? Beginnen sollten Unternehmen also mit einem Konzept, in dem sowohl die technischen als auch die fachlichen Aspekte abgebildet werden. Das kann beispielsweise ein Archivierungsleitfaden sein, dem Beteiligte aus allen Fachabteilungen zustimmen.

2. Bewertungskriterien für Daten festlegen

Der Wert von Daten kann unterschiedlich sein. Es besteht daher die Möglichkeit, dass auch substanzielle Informationen aus Versehen im Archiv landen oder rechtlich erforderliche Daten langfristig im aktiven System bleiben. Unternehmen sollten Datenobjekte also anhand ihrer Bedeutung sortieren. Hier hilft ein datenbasiertes Kategorisierungsmodell. Mögliche Bewertungskriterien für die Daten sind etwa Zugriffsfrequenz, geschäftliche Relevanz, und Compliance-Vorschriften. Idealerweise unterstützen die Fachabteilungen, denn durch ihre Kompetenz können sie klären, welche Daten für Berichte, Audits oder künftige Vorgänge wichtig sind. Als praxistauglich erwiesen hat sich ein Klassifizierungsmodell, bei dem Daten nach Zugriffsfrequenz, Relevanz und rechtlichen Richtlinien sortiert wurden. Denn für geschäftlich erforderliche Daten mit hoher Audit-Bedeutung braucht es ein anderes Vorgehen als bei veralteten Transaktionen oder Stammdatensätzen, die keine historische Relevanz haben. Dadurch können Unternehmen zweckmäßige Aufbewahrungsintervalle und Zugriffsbedarfe festlegen.

3. Datenarchivierung mit Unternehmensabläufen koordinieren

Eine manuelle Sortierung bzw. Archivierung ist oft fehlerbehaftet und unzureichend. Findet eine Archivierung nur gelegentlich statt, werden Parameter oft nicht ordentlich festgehalten und wichtige Daten übersehen. Das führt zu Abweichungen, Lücken im Datenbestand und überflüssiger Systemlast. Moderne SAP-Systeme verfügen daher über eine automatisierte und regelbasierte Datenarchivierung. Entscheidend ist, dass das Archivierungskonzept und die individuellen Unternehmensabläufe miteinander koordiniert werden und dass die Prozesszyklen kontinuierlich absolviert werden. Es kann nützlich sein, ein zentrales Job-Management einzurichten und eine strukturierte Dokumentation des Archivierungsplans anzulegen. So kommen Archivierungsprozesse nicht ins Stocken, selbst wenn die zuständigen Mitarbeiter rotieren.

4. Sara oder ILM?

In vielen Unternehmen hat sich für die Archivierung das klassische SAP-Transformationstool Sara etabliert. Es archiviert verlässlich Daten, die nicht länger aktiv genutzt werden, aber aus juristischen oder ökonomischen Gesichtspunkten erhalten bleiben müssen. Jedoch kann das Tool aktuelle rechtliche Anforderungen wie eine dem DSGVO-Standard entsprechende Löschung, das Lebenszyklus-Management oder eine systemübergreifende Archivierung kaum handhaben. Mit SAP ILM (Information Lifecycle Management) hingegen können Unternehmen Regeln für die Lebensdauer von Daten festlegen und automatisiert durchführen – von der Aufbewahrung bis zum Löschen. ILM eignet sich besonders, wenn Migrationen nach SAP S/4Hana stattfinden. Denn es kann nicht nur archivieren, sondern auch obsolete Systeme ersetzen. Um das passende Tool zu finden, sollten Unternehmen daher ihre Anforderungen genau prüfen: Sind Compliance, Migration oder eine langfristige Aufbewahrung das Ziel, ist ILM vorwiegend das Mittel zum Zweck. Wer zügig und günstig für Entspannung sorgen will, ist mit Sara gut bedient.

5. Zugriff auf archivierte Daten erleichtern

Zwar ist die Archivierung technisch meist schnell umgesetzt, aber in der täglichen Arbeit können dennoch Schwierigkeiten auftreten. Stehen Prüfungen an, wird recherchiert oder werden Berichte erarbeitet, ist es häufig notwendig, auf archivierte Daten zuzugreifen. Deshalb ist eine strukturelle Vorgehensweise nötig, die das Risiko reduziert, dass dass archivierte Informationen abhandenkommen oder fehlerhaft sind. Aus diesem Grund sollten Unternehmen routinemäßig exemplarische Kontrollen und Integritätstests etablieren. Außerdem brauchen betroffene Mitarbeiter, sei es aus dem Einkauf, Controlling oder der Buchhaltung, regelmäßige Trainings, wie sie archivierten Daten finden. Auch die Dokumentation sollte kontinuierlich auf dem Laufenden gehalten werden. Sinnvoll ist mindestens ein jährliches Archivierungsreview. Dabei gilt es, jedes Mal folgende Fragen zu beantworten: Sind die Zugriffspfade noch aktuell? Sind die Fristen für die Aufbewahrung noch richtig? Hat sich bei den rechtlichen Richtlinien etwas geändert?

SAP-Systeme nachhaltig betreiben

Ist die Archivierungsstrategie durchdacht, können SAP-Systeme nachhaltig betrieben werden. Wesentliche Pluspunkte sind eine bessere Performance durch einfach zu erkundende Systeme, weniger Ausgaben für Speicher und Betrieb, Rechtssicherheit durch eine gegliederte Aufbewahrung und Löschlogik und leichtere Migration bei S/4Hana-Umstellungen. Eine eindeutige Strategie, bewusste Kategorisierung der Daten, geeignete Auswahl der Werkzeuge, Automatisierung und ein integritätsgesicherter Zugriff sorgen zugleich für eine Entlastung des Systems sowie für Effizienz und Regelkonformität.



  • The State of Industrial Cybersecurity

    The State of Industrial Cybersecurity

    Trend Micro beauftragte das unabhängige Marktforschungsinstitut Vanson Bourne mit der Durchführung einer Online-Umfrage unter 500 IT- und OT-Fachleuten in den USA, Deutschland und Japan. Daraus ging hervor, dass mehr als…

    mehr lesen: The State of Industrial Cybersecurity

  • Lenkungskreis unter neuem Vorsitz

    Lenkungskreis unter neuem Vorsitz

    Frank Possel-Dölken (Phoenix Contact) ist neuer Vorsitzender des Lenkungskreises der Plattform Industrie 4.0. Er übernimmt das Amt von Frank Melzer (Festo).

    mehr lesen: Lenkungskreis unter neuem Vorsitz

  • Maschinen- und Anlagenbau rechnet mit Produktionsplus

    Maschinen- und Anlagenbau rechnet mit Produktionsplus

    Der VDMA hat die Produktionsprognose für das laufende Jahr angehoben. War der Verband bisher von einem Zuwachs von 4 Prozent ausgegangen, so rechnet man nun mit einem Produktionsplus von 7…

    mehr lesen: Maschinen- und Anlagenbau rechnet mit Produktionsplus

  • Der monetäre Wert produktions- und produktbezogener Daten

    Der monetäre Wert produktions- und produktbezogener Daten

    xyzWieviel sind Daten wert? Welche Daten sind für die Effizienzsteigerung der Produktion, die Qualitätssteigerung der Produkte oder neue Geschäftsmodelle für die produzierende Industrie und ihre Dienstleistungen von Nutzen und wie…

    mehr lesen: Der monetäre Wert produktions- und produktbezogener Daten

  • Produktionserwartungen legen zu

    Produktionserwartungen legen zu

    Die Auftragsbücher der deutschen Industrieunternehmen füllen sich und die Produktion nimmt zu. Laut Ifo-Konjunkturumfrage liegen die Produktionserwartungen im März sogar auf dem höchsten Stand seit 1991.

    mehr lesen: Produktionserwartungen legen zu

  • Vinci Energies eröffnet Security Operations Center

    Vinci Energies eröffnet Security Operations Center

    Mit dem Security Operations Center will Vinci Energies Cybersecurity-Spezialisten vernetzen. Die Eröffnung ist für das zweite Halbjahr 2021 vorgesehen.

    mehr lesen: Vinci Energies eröffnet Security Operations Center

  • Auftragseingang wächst im Februar zweistellig

    Auftragseingang wächst im Februar zweistellig

    Plus 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahr haben die deutschen Maschinen und Anlagenbauer in Ihren Auftragsbüchern verzeichnet. Dabei kamen besonders aus dem Ausland mehr Aufträge.

    mehr lesen: Auftragseingang wächst im Februar zweistellig

  • Industrie 4.0 beschäftigt jeden Produzenten

    Industrie 4.0 beschäftigt jeden Produzenten

    Bitkom-Umfrage zu Industrie 4.0 Industrie 4.0 beschäftigt jeden Produzenten Die Corona-Pandemie führte in 63 Prozent der Industrieunternehmen zu einem Innovationsschub. Das ergab die repräsentative Befragung ‚Industrie 4.0 – so digital…

    mehr lesen: Industrie 4.0 beschäftigt jeden Produzenten

  • Beschäftigte wollen neue Skills erlernen

    Beschäftigte wollen neue Skills erlernen

    Low-Code/No-Code-Entwicklungen bieten Potenzial für Industrieunternehmen. Dadurch wird Software-Programmierung auch Mitarbeitern zugänglich, die nicht über tiefes Fachwissen verfügen. Mendix hat in einer Studie untersucht, wie es um den Low-Code/No-Code-Ansatz in Deutschland…

    mehr lesen: Beschäftigte wollen neue Skills erlernen

  • Hexagon übernimmt CADLM

    Hexagon übernimmt CADLM

    Mit der Übernahme von CADLM will Hexagon sein Portfolio für autonome, intelligente Fertigung erweitern.

    mehr lesen: Hexagon übernimmt CADLM

  • Neuer CFO bei Process Analytics Factory

    Neuer CFO bei Process Analytics Factory

    Mit Pascal Redaoui hat Process Analytics Factory einen neuen Chief Financial Officer.

    mehr lesen: Neuer CFO bei Process Analytics Factory

  • Hilfsmittel für das Engineering

    Hilfsmittel für das Engineering

    Die Richtlinienreihe VDI/VDE 3695 ‚Engineering von Anlagen – Evaluieren und Optimieren des Engineerings‘ wurde komplett überarbeitet und an den Stand der Technik, insbesondere an Industrie-4.0-Vorgaben, angepasst. Im März 2021 erscheint…

    mehr lesen: Hilfsmittel für das Engineering