Das ISMS als zentraler Baustein der Cybersecurity

Digitales ISMS: Überblick behalten, Informationssicherheit systematisch und nachweisbar steuern.
Digitales ISMS: Überblick behalten, Informationssicherheit systematisch und nachweisbar steuern. – Bild: ©insta_photos/stock.adobe.com

Die Diskussion über Cybersecurity hat sich grundlegend verändert. Noch vor wenigen Jahren stand die technische Absicherung von Systemen und Netzwerken im Mittelpunkt. Heute betrifft dieses Thema nicht mehr ausschließlich die IT-Abteilung eines Unternehmens. Mit der NIS2, dem EU Data Act und dem Cyber Resilience Act treten neue europäische Regelwerke in Kraft, die ebenfalls Anforderungen an den sicheren Umgang mit Daten formulieren. Unternehmen müssen Risiken bewerten, Verantwortlichkeiten festlegen, Kontrollen durchführen und ihre Maßnahmen dokumentieren. Insgesamt wird Informationssicherheit damit zu einer Man-agementaufgabe, für die die Geschäftsleitung die Verantwortung trägt.

Strukturen statt Flickwerk

Für Unternehmen bedeutet das, Informationssicherheit strukturiert zu organisieren. Viele Betriebe beschäftigen sich allerdings erst dann intensiv damit, wenn ein Sicherheitsvorfall eingetreten ist. Darin sieht Harald Lenders, Senior Reklamations- und Incident Manager beim Aachener Softwareentwickler ConSense, ein grundlegendes Problem: „Organisationen sollten vielmehr vorbereitet sein, damit ein Vorfall möglichst gar nicht erst eintritt. Wer seine Risiken, Verantwortlichkeiten und Maßnahmen kennt, ist in der Lage, ein nachvollziehbares, steuerbares und überprüfbares Sicherheitsniveau zu erreichen.“ Für Lenders ist ein Informationssicherheits-Managementsystem (ISMS) das passende Werkzeug zur Umsetzung. Indem es dabei unterstützt, Informationssicherheit in Unternehmen zu steuern und dauerhaft zu verankern.

Integriertes Risikomanagement: Risiken werden verschiedenen Assets zugeordnet, um ein Bild der Sicherheitslage zu vermitteln.
Integriertes Risikomanagement: Risiken werden verschiedenen Assets zugeordnet, um ein Bild der Sicherheitslage zu vermitteln. – Bild: ©Rawpixel.com/stock.adobe.com / ConSense GmbH

Den Überblick behalten

Nach den Erfahrungen des Softwareanbieters haben viele Unternehmen vor der Komplexität der Gesamtaufgabe Respekt, doch gesetzliche Vorgaben wie die verbindliche EU-Richtlinie NIS2 erhöhen den Druck, in Sachen Informationssicherheit zu handeln. Harald Lenders schildert die Herausforderung am Beispiel der eignen Erfahrung des Softwareentwicklers, der sich zunächst nach CISIS12, vor Kurzem dann nach ISO27001 zertifizieren ließ: „Wir waren mit einer sehr großen Anzahl von Anforderungen konfrontiert. Die entscheidenden Fragen dabei waren: Wie behalten wir den Überblick? Woher wissen wir, welche Informationen vorliegen, welche Nachweise fehlen und welche Kontrollen noch durchgeführt werden müssen?“ Um diese Anforderung herum entstand die Software ConSense GRC (Governance, Risk & Compliance), das auf der bestehenden IMS-Plattform basiert. Damit ließ sich ISMS aufbauen, welches nun die organisatorische Infrastruktur für Sicherheitsprozesse im Unternehmen bildet. Das ISMS schaffte bei dem Softwareentwickler eine strukturierte Grundlage, um Anforderungen zu erfassen, Risiken zu bewerten, Maßnahmen zu steuern und Nachweise systematisch zu dokumentieren. Was zuerst für den Eigenbedarf gedacht war, wurde zu einem Produkt weiterentwickelt, das sich inzwischen in vorhandene ConSense-Installationen integrieren lässt.

Integration statt Inselsystem

Viele Unternehmen arbeiten noch immer mit Excel-Tabellen, Word-Dokumenten und verteilten digitalen Einzelsystemen. Informationen liegen verstreut in verschiedenen Abteilungen, Maßnahmen werden separat gepflegt und Nachweise müssen zusammengesucht werden. Das erschwert Audits sowie das tägliche Management von Informationssicherheit. In Integrierten Managementsystemen (IMS) lassen sich die Anforderungen aus Informationssicherheit, Qualitätsmanagement, Umweltmanagement, Datenschutz und Compliance gebündelt in einer Plattform zusammenführen und verwalten. ConSense verfolgt diesen integrierten Ansatz mit ihrer webbasierten Software ConSense GRC. Dafür werden Anforderungen, Risiken, Assets, Audits, Maßnahmen und mehr nach einheitlicher Systematik erfasst, miteinander verknüpft und Zusammenhänge dargestellt. „Ein wesentlicher Vorteil besteht z.B. darin, dass Maßnahmen nicht isoliert betrachtet werden. Sie lassen sich ihrem Ursprung zuordnen, beispielsweise einem Audit, einer ISO-Anforderung oder einer gesetzlichen Vorgabe. Dadurch wird nachvollziehbar, warum eine Maßnahme existiert und welche Anforderungen sie erfüllt“, so Harald Lenders.

Organisatorische Infrastruktur für Sicherheitsprozesse: Mit digitalem ISMS zum transparenten Überblick über Anforderungen, Risiken und Maßnahmen
Organisatorische Infrastruktur für Sicherheitsprozesse: Mit digitalem ISMS zum transparenten Überblick über Anforderungen, Risiken und Maßnahmen – Bild: ConSense GmbH

Risiken werden greifbarer

Ein wichtiger Bestandteil von ConSense GRC sind die Dashboard-Funktionen. Sie ermöglichen es, den Status des ISMS in Echtzeit zu verfolgen und unterschiedliche Perspektiven abzubilden. Sie geben u.a. einen Überblick über den Stand der Umsetzung von Vorgaben, beispielsweise aus der NIS2 oder der ISO27001. Mitarbeitende können sich anzeigen lassen, welche Anforderungen aus ihrem Verantwortungsbereich erfüllt sind, wo die Risiken liegen und wer für welche Maßnahme zuständig ist. „Verantwortliche sehen auf einen Blick, wo Handlungsbedarf besteht und welche Fortschritte erzielt wurden“, sagt Harald Lenders. Die Dashboards gehen über reine Statusanzeigen hinaus. Sie unterstützen die Arbeit mit Kennzahlen, visualisieren offene Maßnahmen und ermöglichen eine Steuerung bis auf Team- oder Maßnahmenebene. Dadurch wird Informationssicherheit für Führungskräfte deutlich besser steuerbar. Ein weiterer wichtiger Entwicklungsschritt von ConSense GRC ist die Integration des Risikomanagements. Risiken lassen sich direkt den verschiedenen Assets zuordnen. Dadurch werden Zusammenhänge sichtbar gemacht und Verantwortliche erhalten ein detailliertes Bild der Sicherheitslage.

Informationssicherheit als kontinuierlicher Prozess

Die Einführung eines ISMS, darauf weisen die Fachleute von ConSense andere Unternehmen hin, ist kein Projekt mit einem festen Enddatum. Bedrohungslagen verändern sich, neue gesetzliche Anforderungen kommen hinzu und Unternehmen entwickeln sich organisatorisch weiter. Daher könnte ein ISMS etwa auf dem PDCA-Zyklus (Plan, Do, Check, Act) basieren, dem grundlegenden Regelkreis für einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP). Regelmäßige Kontrollen, interne Audits, Management-Reviews und kontinuierliche Verbesserung gehören daher auch zum Kern eines funktionierenden ISMS. Die Software der Aachener unterstützt dabei mit automatischen Erinnerungen und strukturierten Wiedervorlagen, damit diese Aufgaben im Arbeitsalltag zuverlässig umgesetzt werden.

Dashboards in ConSense GRC informieren über den Stand der Umsetzung von Cybersecurity-Vorgaben
Dashboards in ConSense GRC informieren über den Stand der Umsetzung von Cybersecurity-Vorgaben – Bild: ConSense GmbH

Der wichtigste Faktor sitzt nicht in der IT

So wichtig technische Maßnahmen und Softwareunterstützung für Cybersecurity sind – über den Erfolg eines ISMS entscheidet letztlich die Unternehmenskultur. Harald Lenders erläutert: „Informationssicherheit muss von der Geschäftsführung getragen werden. Dass diese das Thema verinnerlicht und ins Unternehmen hineinträgt, ist oft erfolgsentscheidend für ein solches Projekt. Es braucht Ressourcen, klare Verantwortlichkeiten und die Unterstützung von ganz oben.“ Ebenso wichtig ist die Einbindung der Mitarbeitenden. Phishing, Social Engineering – also psychologische Betrugsmaschen – und unsichere Verhaltensweisen gehören weiterhin zu den größten Cyberrisiken. „Cybersicherheit wird nicht in einer IT-Abteilung gelöst. Das ganze Unternehmen muss eingebunden werden. Alle Mitarbeitenden müssen verstehen, welche Risiken bestehen und wie sie dazu beitragen können, sie zu reduzieren“, schildert Lenders.

Den perfekten Zeitpunkt gibt es nicht

Manche Unternehmen entscheiden sich mit Blick auf den Aufwand noch gegen die Einführung eines ISMS. Nach den Erfahrungen von ConSense ist dieser Schritt jedoch deutlich pragmatischer möglich, als häufig angenommen. „Der Aufbau eines ISMS ist keine Raketenwissenschaft. Man muss nicht alles auf einmal perfekt umsetzen. Entscheidend ist, jetzt zu beginnen, den Ist-Zustand zu analysieren und das System Schritt für Schritt weiterzuentwickeln“, findet Harald Lenders. Integrierte Software unterstützt dabei, indem sie regulatorische Anforderungen mit den Prozessen im Unternehmen verbinden sowie Transparenz über Risiken, Maßnahmen und Verantwortlichkeiten schaffen kann. Informationssicherheit wird damit im Arbeitsalltag besser handhabbar. Unternehmen, die diesen Weg früh gehen, erfüllen nicht nur gesetzliche Vorgaben. Sie stärken ihre Resilienz und womöglich auch das Vertrauen ihrer Geschäftspartner. Damit wird ein strukturiert aufgebautes ISMS zu einem zentralen Baustein für die Informationssicherheit im Unternehmen.



  • IT-Dienstleister steigern Umsatz

    IT-Dienstleister steigern Umsatz

    Das Marktforschungsunternehmen Lünendonk & Hossenfelder hat im Rahmen der Studie ’Der Markt für IT-Beratung und IT-Services in Deutschland’ 83 IT-Dienstleister in Deutschland analysiert. Demnach konnten 65 Prozent von ihnen ihren…

    mehr lesen: IT-Dienstleister steigern Umsatz

  • Dan Smoot wird CEO bei Riverbed

    Dan Smoot wird CEO bei Riverbed

    Riverbed ernennt Dan Smoot zum President und CEO und will damit die nächste Wachstumsphase vorantreiben.

    mehr lesen: Dan Smoot wird CEO bei Riverbed

  • Fachkräftemangel im Maschinenbau verschärft sich wieder

    Fachkräftemangel im Maschinenbau verschärft sich wieder

    Im Maschinen- und Anlagenbau gewinnt der konjunkturelle Aufschwung deutlich an Fahrt. Doch nun rücken wieder zunehmend Fachkräfteengpässe in den Fokus der Unternehmen. Laut einer aktuellen Umfrage des VDMA unter rund…

    mehr lesen: Fachkräftemangel im Maschinenbau verschärft sich wieder

  • T-Systems CTO steht Board of Directors der Gaia-X Association vor

    T-Systems CTO steht Board of Directors der Gaia-X Association vor

    Maximilian Ahrens, CTO von T-Systems, wurde zum Vorsitzenden des Board of Directors der Gaia-X-Initiative gewählt.

    mehr lesen: T-Systems CTO steht Board of Directors der Gaia-X Association vor

  • Instabile Lieferketten machen Unternehmen zu schaffen

    Instabile Lieferketten machen Unternehmen zu schaffen

    Durchschnittlich 1Mio.€ Verlust Instabile Lieferketten machen Unternehmen zu schaffen Seit Anfang 2020 sind auch die Lieferketten weltweit immer instabiler und anfälliger geworden. Der Nachschub von Komponenten wie etwa Chips oder…

    mehr lesen: Instabile Lieferketten machen Unternehmen zu schaffen

  • SAP und TeamViewer arbeiten zusammen

    SAP und TeamViewer arbeiten zusammen

    Durch die strategischen Partnerschaft zwischen TeamViewer und SAP soll u.a. die AR-Lösung Frontline in das SAP-Angebot integriert werden.

    mehr lesen: SAP und TeamViewer arbeiten zusammen

  • Konsortium für Quantencomputing gegründet

    Konsortium für Quantencomputing gegründet

    Mit dem QUTAC haben sich zehn Unternehmen in einem Konsortium zusammengeschlossen um industrielle Anwendungen für Quantencomputing zu entwickeln.

    mehr lesen: Konsortium für Quantencomputing gegründet

  • Remote Work in der Fertigungsindustrie

    Remote Work in der Fertigungsindustrie

    Okta hat im Rahmen einer Studie ermittelt, wie Arbeitnehmer künftig arbeiten wollen. Demnach möchten sie ihr Arbeitsmodell zukünftig selbst wählen. Einige glauben jedoch nicht, dass ihr Arbeitgeber ihnen diese Flexibilität…

    mehr lesen: Remote Work in der Fertigungsindustrie

  • Siemens kauft Nextflow Software

    Siemens kauft Nextflow Software

    Transiente Strömungssimulation mit Simcenter Siemens kauft Nextflow Software Siemens erwirbt das französische Startup Nextflow Software. Durch die Integration deren CFD-Technologie ins Xcelerator-Portfolio sollen Anwender komplexe Applikationen mit transienten Strömungen und…

    mehr lesen: Siemens kauft Nextflow Software

  • Bundestag beschließt Unternehmensbasisregister

    Bundestag beschließt Unternehmensbasisregister

    Unternehmen sind in Deutschland in unterschiedlichen Registern erfasst, zwischen denen Daten selten oder gar nicht ausgetauscht werden. Mit dem nun beschlossenen Basisregister müssen Unternehmen ihre Daten künftig nur noch einmal…

    mehr lesen: Bundestag beschließt Unternehmensbasisregister

  • BSI eröffnet Stützpunkt in Saarbrücken

    BSI eröffnet Stützpunkt in Saarbrücken

    Am neuen BSI-Stützpunkt in Saarbrücken will das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik gemeinsam mit anderen Forschungseinrichtung seine Arbeit im Bereich künstliche Intelligenz ausbauen.

    mehr lesen: BSI eröffnet Stützpunkt in Saarbrücken

  • Kaspersky schickt Führungskräfte in virtuelles Kraftwerk

    Kaspersky schickt Führungskräfte in virtuelles Kraftwerk

    Mit einer VR-Version seines Simulationsspiels Interactive Protection Simulation will Kaspersky Führungskräften Knowhow darüber vermitteln, welchen Einfluss Entscheidungen auf die Cybersicherheit haben können.

    mehr lesen: Kaspersky schickt Führungskräfte in virtuelles Kraftwerk