Vom Verwaltungswerkzeug zur KI-Assistenz: Ein ERP-System mit guten Ideen

Advanced technology Artificial Intelligence for business management and strategy.big data analytics dashboard.information workflow.intelligence system for vision planning
Bild: ©hakinmhan/stock.adobe.com

Mit den Chancen und Möglichkeiten moderner Technologien steigen die Anforderungen an Unternehmen. Wurden Daten früher hauptsächlich für Berichte erfasst, geht es heute darum, Wissen in Echtzeit zu nutzen – für fundiertere Entscheidungen im Tagesgeschäft. Künstliche Intelligenz liefert diese Informationen wie kleine Canapés – mundgerecht und unmittelbar verwertbar. Dafür müssen sich Unternehmenssysteme weiterentwickeln: weg vom reinen Verwaltungswerkzeug hin zu einem Assistenten, der in vielen Situationen unterstützen kann. Besonders Fertigungsbetriebe, die derzeit von A wie Arbeitskräftemangel bis Z wie Zollkrieg vor zahlreichen Herausforderungen stehen, könnten davon profitieren.

Maik Donner, Sales Lead AI, Cosmo Consult
Maik Donner, Sales Lead AI, Cosmo Consult – Bild: Cosmo Consult SSC GmbH

Prozesse, die sich selbst optimieren

Steuern, Löhne, Energiekosten – in Deutschland zu produzieren war bereits in der Vergangenheit kostspielig. Bislang gelang es der Industrie, steigende Kosten durch Produktivitätszuwächse abzufedern. Doch das ist aktuell schwieriger, weil mehrere Belastungsfaktoren gleichzeitig wirken. Doch KI könnte die Produktion grundlegend verändern, die Kosten langfristig senken und fehlende Fachkräfte teilweise kompensieren. Bemerkenswert ist, dass sich bereits jetzt viel erreichen lässt, obwohl die Technologie sich noch in einem vergleichsweise frühen Stadium befindet. Digitalisierungsspezialisten und Entwickler finden kontinuierlich neue Wege, Prozesse zu verbessern, Anwendungen zu vernetzen oder große Datenbestände gezielt zusammenzuführen. Ein Beispiel ist die Integration von KI und KI-basierten Workflows in Arbeitsabläufe. Microsoft setzt dabei z.B. auf Werkzeuge wie ‚Copilot Agents‘ und ‚Copilot Studios‘. Beide verbinden Systeme für Enterprise Resource Planning (ERP), Kundenmanagement oder Unternehmensanalysen zu einer Plattform, die sämtliche betrieblichen Daten, Funktionen und Prozesse vereint. So lassen sich unterschiedliche Quellen effizienter analysieren oder Abläufe über mehrere Systeme hinweg automatisieren.

Neue Optionen kommen hinzu

Kommt dann noch KI hinzu, erschließen sich zusätzliche Optimierungsmöglichkeiten: Assistenten auf KI-Basis können bereits heute Prozesse eigenständig steuern und fortlaufend verbessern. Sie reagieren dabei nicht nur auf bestimmte Ereignisse, sondern berücksichtigen auch potenzielle Entwicklungen. Werden etwa Ineffizienzen oder Engpässe erkannt, ist es möglich, Abläufe dynamisch anzupassen. Auch in der Verwaltung können digitale Technologien dazu beitragen, Fehler zu vermeiden und Unternehmen in schwierigen Phasen zu stabilisieren. KI-basierte Prognosen unterstützen Mitarbeitende etwa durch alternative Szenarien oder Handlungsempfehlungen, noch bevor ein Problem konkret auftritt. So kann sich der Mensch verstärkt auf übergeordnete Aufgaben konzentrieren – beispielsweise auf strategische Unternehmensplanung oder kundennahe Entwicklungen. Ein gut integriertes ERP-System kann damit auch zur Innovationsfähigkeit beitragen.

Flexibel wie ein Friseur

Früher waren ERP-Systeme wie Bauprojekte: Nach der Einrichtung waren Änderungen nur mit großem Aufwand möglich. Wer möchte schon eine dauerhafte Baustelle im Betrieb? Heutige Systeme sind flexibler und modular aufgebaut. Einzelne Bereiche lassen sich gezielt anpassen, ohne das Gesamtsystem zu beeinträchtigen. Funktionen und Prozesse basieren auf definierten Regeln, die sich mit wenigen Klicks grafisch konfigurieren lassen. Auf diese Weise können individuelle Anpassungen unkompliziert und kurzfristig umgesetzt werden. Davon könnten insbesondere Fertigungsunternehmen profitieren: Prozesse wie Produktionsplanung, Kapazitätssteuerung oder Wartungszyklen lassen sich punktgenau optimieren – für mehr Effizienz und Wirtschaftlichkeit.

Im Reich der 1.000 Möglichkeiten

Laut dem ITK-Branchenverband Bitkom setzen aktuell 42 Prozent der deutschen Industriebetriebe KI-Technologien ein. Im Unterschied zu anderen neuen Technologien existieren bei KI bereits zahlreiche anwendungsnahe Beispiele. Dazu zählt etwa die automatische Lieferantenerkennung: Ein KI-gestütztes Texterkennungstool erfasst physische Dokumente wie Rechnungen oder Lieferscheine und überträgt relevante Daten direkt in das ERP-System. Das kann Zeit sparen und Fehler reduzieren. Auch bei der Ersatzteilsuche findet KI zunehmend Anwendung: In großen Lagern identifiziert sie Bauteile per Bild und verknüpft diese mit den passenden Artikeln. Im Vertrieb unterstützt KI beispielsweise bei Ausschreibungen im Maschinen- und Anlagenbau, indem sie Projektvorgaben analysiert und bei der Erstellung individueller Angebote hilft. Ein weiteres Beispiel ist die KI-gestützte Artikelkonfiguration: Digitale Assistenten begleiten Kundinnen und Kunden interaktiv zum passenden Produkt – abgestimmt auf ihre Anforderungen.

Neue Technologien strategisch nutzen

Erfolg beginnt im Kopf – das gilt auch für den Einsatz von KI. Die Technologie sollte als Chance betrachtet werden – nicht als Risiko. Erfolgreiche KI-Projekte entstehen aus Neugier, nicht aus Angst. Viele Ideen lassen sich schon jetzt mit überschaubarem Aufwand realisieren. Der Kreativität sind dabei kaum Grenzen gesetzt. Entscheidend ist, ins Handeln zu kommen. KI-Initiativen müssen keine radikale Transformation bedeuten. Häufig reicht es, mit einem klar abgegrenzten Projekt zu starten, erste Erfahrungen zu sammeln – und darauf schrittweise aufzubauen.



  • Thomas Hähn wird Vorstandsmitglied

    Thomas Hähn wird Vorstandsmitglied

    VDMA Robotik Thomas Hähn wird Vorstandsmitglied Der Vorstand von VDMA Robotik hat Thomas Hähn, Gründer & CEO der United Robotics Group, als neues Vorstandsmitglied berufen.

    mehr lesen: Thomas Hähn wird Vorstandsmitglied

  • Rockwell Automation übernimmt Clearpath Robotics

    Rockwell Automation übernimmt Clearpath Robotics

    Rockwell Automation übernimmt Clearpath Robotics Durch die Übernahme des kanadischen Robotik-Spezialisten Clearpath Robotics will Rockwell sein Portfolio für die autonome Produktionslogistik ergänzen.

    mehr lesen: Rockwell Automation übernimmt Clearpath Robotics

  • LeanBI und Substring kooperieren

    LeanBI und Substring kooperieren

    IoT-Anwendungen für die Industrie LeanBI und Substring kooperieren Gemeinsam wollen LeanBI und Substring Produkte für das Internet der Dinge entwickeln und anbieten. Dafür haben die Unternehmen eine Entwicklungs- und Vertriebs-Kooperation…

    mehr lesen: LeanBI und Substring kooperieren

  • IFS übernimmt KI-Anbieter Falkonry

    IFS übernimmt KI-Anbieter Falkonry

    KI-gestützte Anomalieerkennung IFS übernimmt KI-Anbieter Falkonry Der schwedische Softwareanbieter IFS hat die Übernahme von Falkonry bekanntgegeben. Falkonry ist ein kalifornisches Industrie-KI-Softwareunternehmen, das auf die automatisierte Highspeed-Datenanalyse und Anomalieerkennung für die…

    mehr lesen: IFS übernimmt KI-Anbieter Falkonry

  • All About Automation in Chemnitz wächst gegenüber Vorjahr

    All About Automation in Chemnitz wächst gegenüber Vorjahr

    Praxisnah automatisieren All About Automation in Chemnitz wächst gegenüber Vorjahr Am 27. und 28. September 2023 dreht sich in der Messe Chemnitz alles um die Themen Industrieautomation, Digitalisierung und Robotik.…

    mehr lesen: All About Automation in Chemnitz wächst gegenüber Vorjahr

  • Viastore beruft Dominic Daly zum CFO

    Viastore beruft Dominic Daly zum CFO

    Manager in der Intralogistik-Branche Viastore beruft Dominic Daly zum CFO Dominic Daly (Bild) ist neuer CFO bei Viastore Group, einem Anbieter von Intralogistik-Systemen. Zuvor war der studierte Betriebswirt als Führungskraft…

    mehr lesen: Viastore beruft Dominic Daly zum CFO

  • Auftragseingang anhaltend schwach

    Auftragseingang anhaltend schwach

    Der Branchenverband VDMA hat im Juli bei seinen Mitgliedern erneut einen schwachen Auftragseingang ermittelt. Der Monatswert fiel bei den Maschinen- und Anlagenbauern real um elf Prozent niedriger als im Vorjahr…

    mehr lesen: Auftragseingang anhaltend schwach

  • KI-basierte Datenverarbeitung im autonomen Fahrzeug

    KI-basierte Datenverarbeitung im autonomen Fahrzeug

    Forschung an neuromorpher Hardware im Projekt KI-Flex KI-basierte Datenverarbeitung im autonomen Fahrzeug Im Forschungsprojekt KI-Flex wurde an einer Plattform gearbeitet, die im autonomen Fahrzeug alle Verkehrsteilnehmer sicher orten soll. Entstanden…

    mehr lesen: KI-basierte Datenverarbeitung im autonomen Fahrzeug

  • Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette

    Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette

    Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit für den Industriesektor Hand in Hand? Dies kann Realität werden. Das kürzlich abgeschlossene Forschungsprojekt ’Climate Solution for Industries’ (CS4I) unter Beteiligung des Fraunhofer IPA setzt bereits bei…

    mehr lesen: Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette

  • Neil Barua folgt auf James Heppelmann

    Neil Barua folgt auf James Heppelmann

    Nach 13 Jahren als CEO beim Softwareunternehmen PTC verabschiedet sich James Heppelmann in den Ruhestand. Sein Nachfolger wird Neil Barua.

    mehr lesen: Neil Barua folgt auf James Heppelmann

  • Skeptischer Blick auf den Sommer

    Skeptischer Blick auf den Sommer

    Ifo Geschäftsklimaindex im Mai Skeptischer Blick auf den Sommer Nach 93,4 Punkten im Vormonat, fällt der Ifo Geschäftsklimaindex im Mai auf 91,7 Punkte – der erste Rückgang in sechs Montanen.

    mehr lesen: Skeptischer Blick auf den Sommer

  • Kritik am Cyber Resilience Act

    Kritik am Cyber Resilience Act

    Kritik am Cyber Resilience Act Open-Source-Organisationen richten offenen Brief an EU Kommission In einem offenen Brief kritisieren neun Open-Source-Organisationen die EU Kommission, die Perspektive der Community im Rahmen des Cyber…

    mehr lesen: Kritik am Cyber Resilience Act