Claas macht Mähdrescher fit für Refurbishing

Im It's OWL Projekt GoProZero arbeitet Claas daran, seine Mähdrescher fit für das Refurbishment zu machen.
Im It’s OWL Projekt GoProZero arbeitet Claas daran, seine Mähdrescher fit für das Refurbishment zu machen. – Bild: Claas

Der Landmaschinenhersteller Claas arbeitet im Rahmen des Projekts mit der Universität Bielefeld, dem Fraunhofer IOSB-INA und der Technischen Hochschule OWL zusammen. Das Team untersucht, wie sich Erntemaschinen elektronisch so vorbereiten lassen, dass Refurbishing – also die Wiederaufbereitung und funktionale Aufwertung von Bestandsmaschinen – technisch erleichtert werden kann. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse können später auch anderen Unternehmen aus dem Netzwerk als Orientierung dienen. Denn viele Maschinen- und Anlagenbauer kennen ähnliche Fragen: Die Grundmaschine ist auf eine lange Nutzung ausgelegt, elektronische Komponenten und digitale Funktionen müssen aber regelmäßig erneuert oder erweitert werden. Das Projekt geht am Beispiel Mähdrescher der Frage nach, wie sich Elektronik über mehrere Maschinengenerationen hinweg mitdenken lässt.

Wie arbeitet ein Mähdrescher?

Um den Ansatz von Claas im Projekt GoProZero einzuordnen, hilft ein Blick auf den Ernteprozess. Die Aufgabe eines Mähdreschers besteht darin, Getreide von Halmen und Pflanzenresten zu trennen und das Korn sauber zu gewinnen. Zunächst schneidet das Schneidwerk die Pflanzen ab und fördert sie in das Innere der Maschine. Im Dreschaggregat (1) werden die Körner zunächst ausgedroschen und im Abscheideaggregat (2) und in der Reinigung (3) mithilfe von Sieben und Luftströmungen von den restlichen Pflanzenbestandteilen wie etwa unterschiedlichen langen Strohresten und Spelzen entmischt. Das gereinigte – also von allen Pflanzenbestandteilen befreite – Korn wird im Korntank (4) gespeichert. Die restlichen kleinen Pflanzenbestandteile wie Spelzen werden auf das Feld zurückgegeben (5). Die langen Strohreste werden mit einem am Heck des Mähdreschers integrierten Strohhäcksler (6) zerkleinert und anschließend auf dem Feld verteilt (7).

Zwischen kleinster und größter Baureihe des Landmaschinenherstellers liegen große Unterschiede in Größe und Leistung. Die grundlegenden Prozessschritte ähneln sich jedoch in allen Baureihen. Diese Gemeinsamkeit möchte Claas nutzen: Wenn die Prozesse vergleichbar sind, stellt sich die Frage, ob sich elektronische Lösungen, Sensorkonzepte und Datenmodelle über verschiedene Baureihen und Generationen hinweg nutzen lassen.

Schematische Darstellung der wichtigsten Baugruppen eines Mähdreschers ohne Antriebssysteme. Gezeigt werden hier Dreschaggregat (1), Abscheideaggregat (2), Reinigung (3), Korntank (4), Spreuverteiler (5), Strohhäcksler (6) und Radialverteiler (7).
Schematische Darstellung der wichtigsten Baugruppen eines Mähdreschers ohne Antriebssysteme. Gezeigt werden hier Dreschaggregat (1), Abscheideaggregat (2), Reinigung (3), Korntank (4), Spreuverteiler (5), Strohhäcksler (6) und Radialverteiler (7). – Bild: IClaas

Elektronik über den Lebenszyklus mitdenken

Alle Baugruppen werden laufend weiterentwickelt. Das betrifft mechanische Komponenten ebenso wie Sensortechnik und Assistenzsysteme zur Prozessüberwachung und Optimierung. Neue Funktionen müssen sich im weltweiten Einsatz bewähren, bevor sie in die Serie einfließen. „Wir möchten besser verstehen, unter welchen Voraussetzungen sich Elektronik über viele Jahre erweitern oder ersetzen lässt, ohne bei jeder Maschine bei null anzufangen. Das Projekt soll uns dafür wichtige Daten und Denkanstöße liefern“, sagt Marvin Barther, Advanced Development Process Automation bei Claas.

Refurbishing als Baustein der Kreislaufwirtschaft

Refurbishing spielt im Kontext der Kreislaufwirtschaft eine zentrale Rolle. Statt Maschinen früh auszutauschen, werden sie technisch überarbeitet, mit neuen Komponenten versehen und so für weitere Nutzungsphasen fit gemacht. Dazu gehören Maßnahmen wie die Erneuerung von Verschleißteilen, die Modernisierung der Elektronik oder softwareseitige Funktionsupgrades. Das Konzept der Kreislaufwirtschaft berücksichtigt verschiedene sogenannte R-Strategien. Dazu zählen z.B. Reparatur, Wiederverwendung, Refurbishment, Remanufacturing und Recycling. Alle Ansätze verfolgen das Ziel, Produkte möglichst lange im Einsatz zu halten und Materialkreisläufe zu schließen. GoProZero untersucht, welche Beiträge Elektronik und digitale Funktionen zu dieser Logik leisten können. Wenn Sensorik, Steuerungen und Software modularer aufgebaut sind, lässt sich die Funktionalität bestehender Maschinen grundsätzlich leichter erweitern. Das unterstützt sowohl die Ressourcenschonung als auch wirtschaftliche Aspekte wie Restwerte und Planungssicherheit.

Wie das Team vorgeht

Das Projektteam betrachtet zunächst ausgewählte Prozessaggregate im Mähdrescher. Hierfür sollen mehrere Maschinen mit unterschiedlichen Bautypen eines Aggregats ausgestattet werden. „In realen Ernten werden die Daten unserer elektronischen Systeme, insbesondere der Sensoren zur Prozessüberwachung, aufgezeichnet. In Kooperation mit den Instituten wollen wir dann auf Grundlage verschiedener Methoden die Übertragbarkeit der Bautypen untereinander und anschließend auch aggregatübergreifend untersuchen. In diesem Sommer konnten wir hierfür im Rahmen der Getreideernte erfolgreich die ersten Daten aufzeichnen. Parallel konnten wir die ersten Methoden aufarbeiten, um geeignete Modelle aufzustellen“, sagt Barther.

Auf dieser Datengrundlage untersuchen die Forschungspartner, wie gut sich verschiedene Aggregatvarianten miteinander vergleichen lassen. Im nächsten Schritt geht es darum, Zusammenhänge zwischen unterschiedlichen Baugruppen zu verstehen. Ziel ist es, Muster zu erkennen, etwa welche Sensoren welche Informationen unter welchen Bedingungen liefern und mit welcher Übertragbarkeit auf andere Maschinenvarianten. Die weiteren Arbeiten sind als iterative Schleifen angelegt: Daten analysieren, Modelle anpassen, Ergebnisse mit der Praxis rückkoppeln und daraus die nächsten Entwicklungsschritte ableiten.

Nutzen für andere Unternehmen

Für Claas bietet das Projekt die Chance, Erfahrungen zu sammeln, wie sich Elektronik so gestalten lässt, dass spätere Modernisierungen realistischer werden. Für andere Unternehmen im It’s OWL-Netzwerk kann dabei deutlich werden, welche Prinzipien sich grundsätzlich übertragen lassen – etwa beim Umgang mit Schnittstellen, beim Einsatz von Sensordaten oder bei der Verbindung von Feldversuchen mit digitalen Auswertungen. „Wir erwarten nicht, dass jede Maschine plötzlich komplett umrüstbar wird. Aber wir möchten lernen, wo schon kleine Entscheidungen in der Entwicklung später Spielraum für Modernisierung schaffen. Diese Lernkurve ist für uns mindestens so wichtig wie einzelne technische Ergebnisse“, sagt Barther.



  • Karten spielen und Werkzeug- und Formenbau lernen

    Karten spielen und Werkzeug- und Formenbau lernen

    Studierende und Auszubildende im Bereich Werkzeug- und Formenbau lernen mit einem Kartenspiel spielerisch die Grundlagen ihres Fachs.

    mehr lesen: Karten spielen und Werkzeug- und Formenbau lernen

  • Partnerschaft zwischen Senseye und PTC

    Partnerschaft zwischen Senseye und PTC

    Im Zuge einer Partnerschaft zwischen Senseye und PTC soll die Predictive Maintenance-Lösung von Senseye über die PTC IIoT-Plattform ThingWorx zur Verfügung stehen.

    mehr lesen: Partnerschaft zwischen Senseye und PTC

  • Manipulation durch Microsoft-signierte Malware

    Manipulation durch Microsoft-signierte Malware

    Eine als Netzwerktreiber getarnte Schadesoftware ermöglicht Hackern die Manipulation des Datenverkehrs. Dabei trägt die Schadsoftware ein gültiges Microsoft-Zertifikat.

    mehr lesen: Manipulation durch Microsoft-signierte Malware

  • Datenerfassung über die Stromzufuhr

    Datenerfassung über die Stromzufuhr

    Ein Forschungsteam vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA hat ein Monitoringsystem für den niederschwelligen Einstieg in die digitale Produktion entwickelt. Damit können alten Bestandsmaschinen Daten entlockt werden. IT-Fachkenntnisse und…

    mehr lesen: Datenerfassung über die Stromzufuhr

  • Exportbetriebe nicht stärker von der Pandemie betroffen

    Exportbetriebe nicht stärker von der Pandemie betroffen

    Knapp die Hälfte der exportierenden privatwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland hat seit Beginn der Pandemie einen Rückgang ihrer Ausfuhren verzeichnet. Dennoch schätzen exportierende Betriebe im Schnitt ihre Geschäftslage nicht stärker negativ…

    mehr lesen: Exportbetriebe nicht stärker von der Pandemie betroffen

  • Cybercrime in Deutschland

    Cybercrime in Deutschland

    Schon seit Jahren ist zu beobachten, dass die Bedrohung durch Cyberkriminelle kontinuierlich zunimmt. Allein im Vorjahr wurden nach Angaben des Bundeskriminalamts (BKA) fast 110.000 Cyberattacken in Deutschland registriert. Das sind…

    mehr lesen: Cybercrime in Deutschland

  • Schutz von Industrieunternehmen

    Schutz von Industrieunternehmen

    Industrielle Netzwerke sind äußerst unterschiedlich. Entsprechend benötigen Unternehmen effektive Cybersicherheitslösungen, die sich auf die individuellen Anforderungen abstimmen lassen und sich mit ihren Zielen weiterentwickeln können, ohne ihre Infrastruktur oder ihr…

    mehr lesen: Schutz von Industrieunternehmen

  • Peter Schmidt wird Chief Revenue Officer bei iPoint

    Peter Schmidt wird Chief Revenue Officer bei iPoint

    Compliance-Software-Pionier Peter Schmidt wird Chief Revenue Officer bei iPoint Auf der neu geschaffenen Position des Chief Revenue Officer soll Peter Schmidt das internationale Geschäft bei iPoint-Systems voranbringen. Der strategischen Neuausrichtung…

    mehr lesen: Peter Schmidt wird Chief Revenue Officer bei iPoint

  • IT-Dienstleister steigern Umsatz

    IT-Dienstleister steigern Umsatz

    Das Marktforschungsunternehmen Lünendonk & Hossenfelder hat im Rahmen der Studie ’Der Markt für IT-Beratung und IT-Services in Deutschland’ 83 IT-Dienstleister in Deutschland analysiert. Demnach konnten 65 Prozent von ihnen ihren…

    mehr lesen: IT-Dienstleister steigern Umsatz

  • Neuer Bedrohungsakteur PuzzleMaker

    Neuer Bedrohungsakteur PuzzleMaker

    Bereits im April entdeckten Kaspersky-Experten eine Reihe extrem zielgerichteter Cyberattacken gegen mehrere Unternehmen, die zuvor unentdeckte Google-Chrome- und Microsoft-Windows-Zero-Day-Exploits nutzten.

    mehr lesen: Neuer Bedrohungsakteur PuzzleMaker

  • Dan Smoot wird CEO bei Riverbed

    Dan Smoot wird CEO bei Riverbed

    Riverbed ernennt Dan Smoot zum President und CEO und will damit die nächste Wachstumsphase vorantreiben.

    mehr lesen: Dan Smoot wird CEO bei Riverbed

  • Fachkräftemangel im Maschinenbau verschärft sich wieder

    Fachkräftemangel im Maschinenbau verschärft sich wieder

    Im Maschinen- und Anlagenbau gewinnt der konjunkturelle Aufschwung deutlich an Fahrt. Doch nun rücken wieder zunehmend Fachkräfteengpässe in den Fokus der Unternehmen. Laut einer aktuellen Umfrage des VDMA unter rund…

    mehr lesen: Fachkräftemangel im Maschinenbau verschärft sich wieder