Künstliche Intelligenz entlang der PLM-Prozesse: Wo die Früchte niedrig hängen

Aras Grafik 1 zur Studie
Bild: Aras Software AG

Im industriellen Umfeld wird KI zunehmend in Prozesse und Anwendungen integriert, auch im Product Lifecycle Management (PLM). Durch die intelligente Auswertung von Daten können Unternehmen Prozesse (teil-)automatisieren oder Entscheidungen entlang des gesamten Produktentstehungs- und Produktionsprozesses optimieren. So sollen Innovationskraft, Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit steigen. Aktuelle Studien spiegeln die Aufbruchstimmung in der Branche wider: So prognostiziert das Marktforschungs- und Analyseinstitut Gartner, dass generative KI bis 2025 bei 70 Prozent der text- und datenintensiven Aufgaben eine Rolle spielen wird – im Vergleich zu weniger als zehn Prozent im Jahr 2023. Und bis 2026 sollen generative KI-Funktionen in 50 Prozent der Systeme von PLM-Anbietern implementiert sein – im Vergleich zu derzeit fünf Prozent.

Niedrig hängende Früchte

Und in der Aras-Studie ‚Spotlight Zukunft 2024‘ äußerten 835 befragte Führungskräfte aus Europa, den USA und Japan, dass der Einsatz dieser Technologie unerlässlich ist, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. 84 Prozent der Unternehmen erwarten durch KI neue oder bessere Dienstleistungen, 82 Prozent eine Qualitätssteigerung. Doch wie bei jedem Trendthema gilt es auch bei KI, sich nicht von der allgemeinen Euphorie mitreißen zu lassen, sondern planvoll und strukturiert vorzugehen. Zwei zentrale Empfehlungen für Unternehmen im industriellen Umfeld:

  • Firmen sollten sich auf die ‚low hanging fruits‘ konzentrieren, das heißt auf die Bereiche, in denen ein schneller Wert erzielt werden kann.
  • Neue Technologie sollte echte Probleme lösen helfen und nicht nur dem Showeffekt dienen.

Fokus auf Effizienzsteigerung

Oft ist ein inkrementeller Ansatz sinnvoll, der sich auf die Steigerung der Effizienz und Produktivität bestehender Prozesse konzentriert. Bereits durch die schrittweise Einführung von KI-basierten Werkzeugen können erhebliche betriebliche Optimierungen erzielt werden. Dies betrifft auch die Konstruktions- und Produktentwicklungsprozesse, also jene Bereiche, die eng mit dem zentralen Anwendungsfeld PLM verknüpft sind. Wichtige Bereiche, in denen die schrittweise Einführung von KI-Assistenten insgesamt zu großen Veränderungen führen kann:

Technische Dokumentation – Die Erstellung technischer Dokumentation ist ein zeitaufwendiger Prozess. Sie ist jedoch für viele Produkte unerlässlich und oft gesetzlich vorgeschrieben. Generative KI unterstützt dabei, Bedienungsanleitungen, Wartungshandbücher und andere wichtige Dokumente zu schreiben. Technische Redakteure und Autoren werden weiterhin benötigt, um Fehlerfreiheit und Vollständigkeit sicherzustellen. Die Unterstützung durch KI vereinfacht und beschleunigt diese Aufgaben jedoch beträchtlich.

Kundendienst und After-Sales-Management – KI-gestützte Systeme sind Meister darin, in kürzester Zeit personalisierte Angebote oder Dienstleistungen zusammenzustellen. So wie in der Produktion die Losgröße 1 die industrielle Antwort auf die zunehmende Individualisierung geworden ist, kann KI dies auch im Servicebereich leisten. Darüber hinaus liefert KI das notwendige Wissen, um Trends und Kundenbedürfnisse frühzeitig zu erkennen und den Kundenservice zu verbessern.

Compliance – Unternehmen müssen bereits bei der Entwicklung neuer Produkte alle Konformitätsanforderungen berücksichtigen. Je mehr Branchen oder Regionen beliefert werden, desto anspruchsvoller wird diese Aufgabe. Mit KI können die Anforderungen bereits in der Entwicklungsphase einem Soll-Ist-Vergleich unterzogen werden. Erfüllen alle Komponenten und Produktionsprozesse die regulatorischen Anforderungen? Drohen regulatorische Konflikte durch mögliche Markt- oder Gesetzesänderungen? Auch weltweite regulatorische Analysen und Compliance-Checks werden mit KI-Unterstützung schneller als bisher möglich.

Suchen und Finden – Ein KI-gestützter Chatbot kann es Ingenieuren ermöglichen, relevante Komponenten und Dokumentationen über eine Suche in natürlicher Sprache schnell zu finden. Dadurch können Ingenieure effizienter arbeiten und ihre Konstruktionen durch die verstärkte Wiederverwendung vorhandener Inhalte verbessern. In Zukunft kann die KI den Ingenieuren auch relevante Vorschläge für ihre Konstruktionen machen.

Simulationen – Simulationen werden zunehmend in Produktentwicklungsprozessen eingesetzt. Der Einsatz von KI zur Rationalisierung und Optimierung von Simulationsprozessen verspricht bessere Ergebnisse in kürzerer Zeit. Wenn KI in der Lage ist, Muster zu erkennen und automatisch Alternativen für sich wiederholende Aufgaben vorzuschlagen, werden bessere Produkte entstehen.

Aras Grafik 2 zur Studie
Bild: Aras Software AG

Offenheit kann schädlich sein

Grundsätzlich gilt für KI-Anwendungen: Je sorgfältiger die Originaldaten aufbereitet sind und je offener die Daten ausgetauscht werden, desto besser sind die Analyseergebnisse. Der Einsatz von KI in PLM- und Produktentwicklungsszenarien wirft jedoch auch einige spezifische Fragen auf. Denn im PLM werden einige der wichtigsten Eigentumsrechte eines Unternehmens bearbeitet. Der Schutz dieses geistigen Eigentums sollte oberste Priorität haben. Die Offenlegung von Daten für den Einsatz von KI kann jedoch ein erhebliches Risiko darstellen – schließlich ist es wahrscheinlich, dass die Ergebnisse urheberrechtlich geschützte Informationen enthalten, wenn ein KI-Modell mit urheberrechtlich geschützten Daten trainiert wird. Auch aus diesem Grund ist es sinnvoll, bei der Einführung von KI zunächst in Teilschritten zu beginnen und Erfahrungen zu sammeln, bevor der KI (und anderen Mitarbeitenden) Zugriff auf besonders sensibles geistiges Eigentum des Unternehmens gewährt wird. Wichtig ist auch, dass qualitativ hochwertige Daten verwendet werden. Wird die KI mit schlechten Daten trainiert, wird sie nicht nur falsche Informationen verbreiten, sondern auch falsche Schlüsse ziehen.

Noch ein weiter Weg

Die Integration von KI in PLM-Plattformen kann als Effizienzbooster, Kostensenker und Innovationstreiber dienen. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg, wie die in der Aras-Studie befragten Unternehmen einräumen: Fast 80 Prozent fehlen derzeit noch das Wissen oder die Kapazitäten, um KI erfolgreich einzusetzen.



  • Non-Profit-Verein soll Technologietransfer beschleunigen

    Non-Profit-Verein soll Technologietransfer beschleunigen

    Volkswagen hat mit sechs Partnerunternehmen den Industrial.Digitalisation PartnerNet e.V. gegründet. Die herstellerunabhängige Non-Profit-Organisation ist vor allem als Innovationsmotor für die Automobilbranche ausgelegt, aber auch andere Fertigungsbranchen sollen profitieren.

    mehr lesen: Non-Profit-Verein soll Technologietransfer beschleunigen

  • Intec und Z findet online statt

    Intec und Z findet online statt

    Auch das kommende Messejahr wird noch mit Einschränkungen zu kämpfen haben. Die Veranstalter der Intec und Z 2021 verlegen die Messe nun in die virtuelle Welt. Das Motto: ‘Intec und…

    mehr lesen: Intec und Z findet online statt

  • Auftragseingang auf Vorjahresniveau

    Auftragseingang auf Vorjahresniveau

    Im Oktober hielt sich der Auftragseingang der Maschinen- und Anlagenbauer auf dem Niveau des Vorjahres. Jedoch kommen die erneuten Einschränkungen in Folge der Corona-Krise im Berichtsmonat noch nicht zum Tragen.

    mehr lesen: Auftragseingang auf Vorjahresniveau

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Vorteile von Standards und Normen nutzen

    Vorteile von Standards und Normen nutzen

    Für die Verbreitung von Innovationen sind Normen und Standards ein wichtiger Katalysator. Sie definieren die Meilensteine der Technik und ebnen innovativen Ideen den Weg zum Erfolg auf dem Markt. Auch…

    mehr lesen: Vorteile von Standards und Normen nutzen

  • Produktionspläne der Industrie gedämpft

    Produktionspläne der Industrie gedämpft

    Die Erwartungen der Produzenten an die nächsten Monate haben sich insgesamt wieder leicht ins Minus gedreht, ermittelten die Wirtschaftsforscher am ifo Institut. Vor allem Konsumgüter könnten sich wieder leicht schlechter…

    mehr lesen: Produktionspläne der Industrie gedämpft

  • IT-Sicherheit auf Linux-Basis

    IT-Sicherheit auf Linux-Basis

    In seiner kostenlosen Firewall Community, einer Sicherheitslösung auf Linux-Basis, steigt Endian ab der aktuellen Version 3.3.2 auf Rolling Releases um. Über Open-VPN können Mitarbeiter im Homeoffice sicher auf die Unternehmensressourcen…

    mehr lesen: IT-Sicherheit auf Linux-Basis

  • IPC mit zweiter Platinenebene

    IPC mit zweiter Platinenebene

    Der lüfterlose Industrie-PC C6027 von Beckhoff verfügt über eine zweite Platinenebene mit optionalen sechs RJ45-Ports oder integrierter 1s-USV.

    mehr lesen: IPC mit zweiter Platinenebene

  • Globaler Maschinenbau 2021 wieder im Plus

    Globaler Maschinenbau 2021 wieder im Plus

    Nach dem globalen Umsatzeinbruch um voraussichtlich 7 Prozent in diesem Jahr, wird für 2021 im Maschinenbau ein Umsatzwachstum von 6 Prozent prognostiziert.

    mehr lesen: Globaler Maschinenbau 2021 wieder im Plus

  • Aptean übernimmt Modula

    Aptean übernimmt Modula

    Mit dem Ziel, seine Präsenz in der DACH-Region weiter auszubauen hat das US-Unternehmen Aptean die Modula GmbH übernommen.

    mehr lesen: Aptean übernimmt Modula

  • Künstliche Intelligenz aus Deutschland stärken

    Künstliche Intelligenz aus Deutschland stärken

    Die nun veröffentlichte Normungsroadmap KI von DIN DKE sowie dem BMWi soll Handlungsempfehlungen für Standardisierung von künstliche Intelligenz geben. Die Roadmap ist online abrufbar.

    mehr lesen: Künstliche Intelligenz aus Deutschland stärken

  • Bessere Aussichten trotz des Lockdowns

    Bessere Aussichten trotz des Lockdowns

    Das IAB-Arbeitsmarktbarometer ist im November um 0,4 Punkte auf 100,5 Punkte gestiegen. Damit verbleibt der Frühindikator des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) im leicht positiven Bereich.

    mehr lesen: Bessere Aussichten trotz des Lockdowns