Versorgungssicherheit und Preis harmonisieren

DCIM100MEDIADJI 0900.JPG
Bild: Starqstrom GmbH

Hohe und gleichzeitig volatile Energiepreise in Verbindung mit Nachhaltigkeitsanforderungen wirken auf Margen und beeinflussen die Investitionsfähigkeit der Betriebe. Um sich zukunftssicher aufzustellen, lohnt es sich daher, die Energiebeschaffung zu überdenken und sicher aufzustellen. Klassische Vollversorgungsverträge sind nach wie vor für viele Unternehmen eine einfache Wahl, da sie als Abnehmer die gesamte benötigte Strommenge entsprechend ihrem Lastverlauf zu einem festen Preis erhalten. Nachteile liegen jedoch in den vergleichsweise hohen Kosten sowie der geringen Herkunfts-, Preis- und Beschaffungstransparenz.

Nach Bedarf einkaufen

Alternativ können Unternehmen ihren Bedarf eigenständig über den Spot- oder Terminmarkt, etwa durch Tranchenbeschaffung, decken. Jedoch werden die Marktpreise durch geopolitische Krisen immer wieder in die Höhe getrieben. Zugleich wird die hohe Volatilität oft stärker von der geopolitischen Nachrichtenlage als von fundamentalen Marktdaten bestimmt. Das erhöht insbesondere das Risiko bei Tranchenbeschaffung nach festen zeitlichen oder mengenmäßigen Vorgaben. Eine langfristige Absicherung über die Energiebörsen kann daher teuer und riskant sein. Hinzu kommt, dass Strom über die Börse nicht automatisch belastbare Herkunftsdokumentationen aus inländischen Anlagen liefert.

Erneuerbare Energien am Strommarkt

Erneuerbare Energien liefern nachvollziehbare Herkunft und folgen einer anderen Kostenlogik als fossile Kraftwerke. Bei Wind- und Solaranlagen entstehen die Kosten vor allem beim Bau, während im Betrieb hauptsächlich Aufwendungen für die technische und kaufmännische Betriebsführung anfallen. Gas- und Kohlekraftwerke sind dagegen vom laufenden Brennstoffeinkauf abhängig. Hinzu kommen CO2-Bepreisung und geopolitische Preisrisiken. Deshalb sind erneuerbare Anlagen in den Gestehungskosten, also den Investitions- und Betriebskosten, weitaus günstiger.

Merit Order setzt den Preis

Dieser Kostenvorteil zeigt sich am Strommarkt allerdings nicht in jeder Stunde direkt im Börsenpreis. Die Gestehungskosten beschreiben, was die Erzeugung einer Kilowattstunde über die Lebensdauer einer Anlage kostet. Der Börsenpreis entsteht dagegen kurzfristig durch Angebot und Nachfrage. Grundlage dafür ist die Merit Order. Zuerst kommen die Anlagen mit den niedrigsten laufenden Kosten zum Einsatz, also Wind- und Solaranlagen. Reichen sie aus, können sie den Börsenpreis deutlich drücken. Wird zusätzliche Leistung benötigt, rücken teurere Kraftwerke nach. Das letzte Kraftwerk, das zur Deckung der Nachfrage gebraucht wird, setzt den Preis für alle. An sonnigen und windigen Tagen können erneuerbare Energien den Marktpreis daher stark senken. In Stunden mit wenig Wind und Sonne müssen jedoch Speicher, Importe oder fossile Kraftwerke die fehlende Strommenge ausgleichen – der Strom am Markt wird insgesamt teurer.

Power Purchase Agreements

Um unabhängiger vom Handel am Strommarkt zu werden, bieten Power Purchase Agreements (PPAs) die Möglichkeit, Strom aus konkreten Wind- oder PV-Anlagen zu beziehen. Das macht sie für energieintensive Unternehmen mit hohen CSR- oder ESG-Anforderungen attraktiv. In der Praxis hakt es jedoch häufig am Verbrauch. Reine PV-PPAs oder Wind-PPAs binden das Unternehmen an das jeweilige Erzeugungsprofil und decken meist nur einen Teil der tatsächlichen Last. Denn PV-Anlagen erzeugen vor allem mittags Strom, Windanlagen tendenziell in den Abendstunden, im Winter und bei Schlechtwetter. Während sich Lastprofile von Unternehmen in Grenzen beeinflussen lassen, richten sich diese jedoch nicht nach dem jeweiligen Erzeugungsprofil, sondern wirtschaftlichen Produktionsprozessen. Bedarf und Erzeugung können stark auseinanderklaffen.

Flexibilität unzureichend

Bei üblichen Pay-as-produced-PPAs müssen die überschüssigen Strommengen, die nicht genutzt werden, unabhängig vom aktuellen Preisniveau am Markt verkauft werden. Ebenfalls müssen fehlende Mengen oft kurzfristig und zu schwer planbaren Preisen beschafft werden. Speichersysteme können dies zwar abmildern, jedoch nicht vollständig ausgleichen. Entsprechend können Kosten entstehen, wenn Überschüsse zu niedrigen oder sogar negativen Preisen abgegeben werden. PPAs können zwar langfristige Preis- und Herkunftsvorteile bieten, verlangen aber ein aktives Mengen- und Risikomanagement.

Der Ansatz: reales Hedging

Ein weiterer Ansatz will die Einfachheit einer Vollversorgung mit den Preisvorteilen und Herkunftsnachweisen eines PPAs verbinden. Das reale Hedging beschafft Strom von konkreten regionalen Wind- und Solaranlagen und entkoppelt so die Kosten von volatilen Stromhandelskursen. Entscheidend ist, die komplementären Erzeugungsprofile von PV- und Windparks so miteinander zu kombinieren, dass sich diese gegenseitig ergänzen. So wird die Abhängigkeit von einem einzelnen Erzeugungsprofil reduziert. Jedoch ist es für kaum ein Unternehmen möglich, zwei oder mehrere PPAs intern zu verwalten. Dieser Ansatz lässt sich in ein Vollversorgungsmodell überführen, das Unternehmen die Vorteile von PPAs zugänglich macht, ohne dass sie die Verträge selbst steuern müssen. Dafür werden Wind- und Solarparks gebündelt, Erzeugungsprofile prognostiziert, fehlende Mengen ergänzt und Überschüsse vermarktet. Der Industriebetrieb bezieht Strom aus den erneuerbaren Anlagen, während der Versorger die Beschaffung, Mengensteuerung und Ausgleichsenergie übernimmt. Das soll Unternehmen Planungssicherheit verschaffen. So können Stromkosten etwa verlässlicher in Produktionsplanung, Angebotspreise und Investitionsentscheidungen einfließen. Gleichzeitig ist die Herkunft des Stroms nachvollziehbar, weil sie auf benennbare regionale Anlagen zurückgeführt werden kann. Wenn Energie immer stärker über Wettbewerbsfähigkeit entscheidet, muss auch ihre Beschaffung näher an die Realität der Produktion rücken. Erst dann wird die Energiewende für Betriebe zu einer kalkulierbaren betriebswirtschaftlichen Entscheidung.



  • Wibu-Systems bezieht neuen Firmensitz

    Wibu-Systems bezieht neuen Firmensitz

    Wibu-Systems bezieht einen neuen Firmensitz in Karlsruhe. Zusammen mit dem Architekturbüro Archis Architekten + Ingenieure, IBA Immobilien, MDBM und Wolff+Müller wurde der Unternehmenscampus entwickelt und umgesetzt.

    mehr lesen: Wibu-Systems bezieht neuen Firmensitz

  • Ifo-Geschäftsklimaindex steigt im Mai

    Ifo-Geschäftsklimaindex steigt im Mai

    Der Ifo-Geschäftsklimaindex steigt im Mai auf 99,2 Punkte und erzielt damit den höchsten Wert seit Mai 2019. Demnach verbesserte sich die Stimmung in allen Sektoren.

    mehr lesen: Ifo-Geschäftsklimaindex steigt im Mai

  • 20Mio.€ für die 5G-Föderung

    20Mio.€ für die 5G-Föderung

    Frankreich und Deutschland wollen 5G-Anwendungen fördern und haben einen Förderaufruf gestartet. Konsortien können bis zum 1.September Förderanträge einreichen.

    mehr lesen: 20Mio.€ für die 5G-Föderung

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • ProAlpha übernimmt CP

    ProAlpha übernimmt CP

    ProAlpha erweitert sein ERP-Portfolio um die Lösungen von CP Corporate Planning. Das Hamburger Unternehmen wird somit Teil der ProAlpha-Gruppe.

    mehr lesen: ProAlpha übernimmt CP

  • Einführung & Migration zu SAP S/4Hana

    Einführung & Migration zu SAP S/4Hana

    Am 29. und 30. Juni widmet sich die Online-Veranstaltung ‚Einführung & Migration zu SAP S/4Hana‘ den Möglichkeiten der SAP-Software-Suite.

    mehr lesen: Einführung & Migration zu SAP S/4Hana

  • Partnerschaft zwischen Cosmo Consult und PAF

    Partnerschaft zwischen Cosmo Consult und PAF

    Die Cosmo Consult-Gruppe und die Process Analytics Factory haben eine Kooperationsvereinbarung getroffen. Dadurch vertreibt das Software- und Beratungsunternehmen zukünftig die Process Mining-Lösung PAFnow.

    mehr lesen: Partnerschaft zwischen Cosmo Consult und PAF

  • Per Software zum passenden Fabriklayout

    Per Software zum passenden Fabriklayout

    Eine Open-Source-Software namens MeFaP, die am Institut für Integrierte Produktion Hannover (IPH) entwickelt wurde, ermöglicht es in kurzer Zeit Fabriklayouts zu erstellen. Die Software entstand im Rahmen des gleichnamigen Forschungsprojekts.

    mehr lesen: Per Software zum passenden Fabriklayout

  • Kategorisierung von Clouddaten schützt vor Risiken

    Kategorisierung von Clouddaten schützt vor Risiken

    Die Kategorisierung von Clouddaten – also welche Daten in der Cloud verarbeitet werden sollen und welche nicht – kann besonders für unternehmenskritische Daten wichtig sein.

    mehr lesen: Kategorisierung von Clouddaten schützt vor Risiken

  • VDMA veröffentlicht Security-Leitfaden

    VDMA veröffentlicht Security-Leitfaden

    Ein neuer Leitfaden des VDMA unterstützt Maschinen- und Anlagenbauer bei der Security in Betriebsprozessen und der Resilienz der Produkte gegen Cyberangriffe und andere IT-induzierte Schäden im Unternehmen.

    mehr lesen: VDMA veröffentlicht Security-Leitfaden

  • Cybersecurity-Startup gesucht

    Cybersecurity-Startup gesucht

    In eine neue Runde geht der UP21@it-sa Award für Cybersecurity-Startups aus der DACH Region. Er bietet jungen Unternehmen die Chance, sich in Speed-Pitches vor Fachpublikum, Experten und Investoren zu bewähren…

    mehr lesen: Cybersecurity-Startup gesucht

  • Covid-19-bedingte Cyberkriminalität stark gestiegen

    Covid-19-bedingte Cyberkriminalität stark gestiegen

    NTT hat kürzlich seinen Global Threat Intelligence Report 2021 veröffentlicht. Der Bericht zeigt, dass Hacker die derzeitige Ausnahmesituation ausnutzen, indem sie wichtige Branchen und gängige Schwachstellen aus der Umstellung auf…

    mehr lesen: Covid-19-bedingte Cyberkriminalität stark gestiegen