Siemens bringt Engineering Agent an den Start

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Bild: Siemens AG

Siemens hat am ersten Hannover Messe-Tag den ‚Eigen Engineering Agent‘ vorgestellt. Das ist eine sofort verfügbare, speziell für die Automatisierungstechnik entwickelte KI-Anwendungen, in der Agenten mithilfe von mehrstufigem Denken und Selbstkorrektur Aufgaben eigenständig ausführen können. Das KI-Tool ist direkt in reale technische Systeme eingebettet, um ein Verständnis für den Projektkontext und die Rahmenbedingungen zu schaffen. So soll es Aufgaben im Bereich der Automatisierungstechnik wie speicherprogrammierbare Steuerung (SPS), Visualisierung von Mensch-Maschine-Schnittstellen (HMI) und Gerätekonfiguration ausführen und dabei Industriestandards hinsichtlich Korrektheit, Sicherheit und Zuverlässigkeit einhalten. Im Vergleich zu manuellen Workflows stellt Siemens eine zwei- bis fünfmal schnellere Ausführung in Aussicht, ohne die Genauigkeit oder Zuverlässigkeit zu beeinträchtigen. Darüber hinaus steigere das System die Gesamtqualität um bis zu 80 Prozent und erhöhe die Engineering-Effizienz um bis zu 50 Prozent, schreibt der Hersteller in der Pressemitteilung zum Release

Angebunden ans Siemens-Portal

Durch die Anbindung an das TIA-Portal (Totally Integrated Automation Engineering-Plattform) erhält das Tool ein Kontextverständnis zu zugewiesenen Projekten. Es greift auf die Datenstrukturen, Bausteine, Parameter und Komponentenbeziehungen des Projekts zu und kann dadurch Ergebnisse liefern, die auf das abgestimmt sind, was Ingenieure entwickeln, selbst bei bestehenden oder undokumentierten Systemen. Dieses Kontextverständnis verändert auch den Onboarding-Prozess. Ein großer Hersteller von Produktionsanlagen für die Automobilindustrie stellte fest, dass neue Ingenieure mehrere Wochen benötigten, um die Projektstruktur und die Zusammenhänge der Komponenten zu verstehen, bevor sie produktiv mitarbeiten konnten. Das Informationssystem ermöglichte neuen Teammitgliedern eine Interaktion mit Projektdaten. Anfragen wie ‚Zeige mir alle Blöcke, die Station 3 steuern‘ lieferten sofort eine präzise Antwort. So konnte die Einarbeitungszeit von mehreren Wochen auf wenige Tage verkürzt werden.

Auf Zuverlässigkeit getrimmt

Bevor den Ingenieuren Ergebnisse präsentiert werden, werden die Ausgaben validiert. Dazu unterteilt die Anwendung diese in einzelne Schritte, führt sie nacheinander aus und bewertet die eigene Leistung anhand der Projektanforderungen. Diesen Vorgang wiederholt die Applikation so lange, bis die Ergebnisse prüfbereit sind. Darin liegt nach Siemens-Angaben der Unterschied zwischen allgemeinen KI-Vorschlägen und einer Automatisierungslogik, die auf die jeweilige Systemumgebung zugeschnitten ist.

Die Automatisierung automatisieren

„Die Anbindung des Eigen Engineering Agent an unser TIA-Portal ist ein weiterer Schritt auf dem Web zu unserer Vision, die Automatisierung sozusagen zu automatisieren,“ sagt Rainer Brehm, Chief Technology Officer und Chief Operating Officer für Automation bei Siemens Digital Industries. Die agentenbasierten Engineering-Workflows sollen Automatisierungsingenieuren repetitive Tätigkeiten ersparen und gleichzeitig die Produktivität steigern, sagt Brehm. Für Anwender markiere das einen Wandel weg von der manuellen Ausführung einzelner Aufgaben hin zur Orchestrierung von Ergebnissen über den Engineering-Workflow hinweg.

Eigen-artiger Name

Zum Namen der Anwendung schreibt Siemens, dass im Deutschen der Bestandteil ‚Eigen‘ darin für Eigenständigkeit steht. International hingegen vor allem aus Konzepten wie den ‚Eigenwerten‘ bekannt ist. Diese stehen für eine Konstante, selbst wenn sich in der unmittelbaren Umgebung alles verändert. Angesichts des Wandels in der KI-Landschaft und der zunehmenden Bedeutung physischer KI (also Anbindung etwa von Sensordaten an KI-Systeme) spielt der Name Eigen Engineering Agent darauf an, diese Konstante zu bilden.

Anwendungsbeispiele

Siemens hat das Tool nach eigenen Angaben mit über 100 Unternehmen in 19 Ländern pilotiert. Das US-amerikanische Unternehmen Prism Systems setzte es ein, um Structured Control Language (SCL)-Code zu erstellen, anzupassen und zu importieren – und verkürzte den Prozess damit auf wenige Sekunden. Das chinesische Unternehmen Casmt, das Fertigungslinien für Anlagen im Bereich Elektromobilität entwickelt, konnte seine Markteinführungszeit deutlich verkürzen, indem es Gerätekonfiguration, Codegenerierung und HMI-Visualisierung automatisierte. Und der österreichische Metallverarbeiter Andritz Metals hat das Produkt zur Codegenerierung und Dokumentation sowie für zur Fehlerbehebung im TIA-Portal eingesetzt , um die Entwicklung von Software für die industrielle Automatisierung und Steuerung zu beschleunigen.



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