PCN-Prozesse automatisieren und standardisieren: Per AAS schneller informiert

368945 DAM Imagery DigitalThread EA
Bild: Parametric Technology GmbH

Ob konstruktive Anpassungen, Materialsubstitutionen, Firmware-Updates oder Abkündigungen: All das muss in nachgelagerten Prozessen berücksichtigt und entlang der Lieferkette kommuniziert werden. Vor dem Hintergrund von zigtausenden Komponenten pro Maschine von hunderten Lieferanten, oft in Configure-to-Order- oder Engineer-to-Order-Szenarien und mit langen Einsatzzeiten im Feld bedeutet dies großen Aufwand.

Manuelle Kommunikation

Denn aktuell werden PCNs (Product Change Notifications) meist per E-Mail, Telefon oder über die Website kommuniziert. Erhält ein Maschinenbauer eine PCN eines Lieferanten, müssen zuerst die betroffenen Produkte und Verantwortlichen identifiziert werden. Dann sind nötige Änderungen zwischen Mechanik, Elektrik und Software abzustimmen, schließlich müssen Beschaffung und Fertigung wie auch die betroffenen Kunden über die Änderungen informiert werden. Das dauert und häufig gerät der Prozess noch ins Stocken, etwa weil Ansprechpartner nicht mehr da sind. Oder nachfolgende Kundenaufträge verzögern sich aufgrund falscher Teile. Die Konsequenzen sind gravierend: Über die vielen Stufen eines Änderungsprozesses ergeben sich selbst bei kleinen Fehlerraten pro manuellem Schritt schnell Fehlerraten von über 15 Prozent für den Gesamtprozess. Ingenieure verbringen rund sieben Prozent ihrer Arbeitszeit allein mit der Pflege der entsprechenden Daten. Durchlaufzeiten verlängern sich, schnelle Reaktionen sind nahezu unmöglich, Transparenz und eine Rückverfolgbarkeit ist kaum gegeben.

Gleichzeitig steigt der Druck durch Regularien wie dem Cyber Resilience Act (CRA), dem Digitalen Produktpass (DPP) oder der neuen Maschinenverordnung. Auch wenn sie verschiedene Zielrichtungen haben, verlangen sie alle Transparenz, Aktualität und Nachverfolgbarkeit von Produktinformationen über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Ein manueller, fragmentierter PCN-Prozess ist unter diesen Rahmenbedingungen kaum noch ausreichend.

Die IDTA und das PCN-Projekt

Die Industrial Digital Twin Association (IDTA) ist erste Anlaufstelle rund um den standardisierten digitalen Zwilling und treibt die Standardisierung und Verbreitung der AAS voran. Darauf setzt das Konsortialprojekt PCN auf. Beteiligt sind hier Festo, Sick, Schunk, Phoenix Contact, DMG Mori, Trumpf und PTC.

Den Prozess automatisieren

Ein IDTA-Konsortialprojekt hat deshalb einen durchgängigen, automatisierten und standardisierten Änderungsprozess vom Komponentenhersteller über den Maschinenbauer bis zum Betreiber entwickelt. Auf der SPS 2025 wurde das Ergebnis erstmalig vorgestellt. Im Demonstrator veröffentlicht ein Lieferant eine PCN über die AAS (Asset Administration Shell, Verwaltungsschale). Unternehmen, die das betroffene Produkt einsetzen, abonnieren die Änderungen an der Produkt-AAS, sodass sie entsprechende PCNs sofort automatisch erhalten (push). Ebenso können sie bei Bedarf Produktinformationen abrufen (pull). Das können Designänderungen, Firmware-Updates, Materialänderungen oder Abkündigungen sein. All diese Informationen sind strukturiert im AAS-Teilmodell abgelegt und maschinell auswertbar. Im nächsten Schritt werden die Verantwortlichen automatisiert informiert, Einkaufs- und Fertigungsdaten aktualisiert und Aufgaben getrackt.

So entstehen integrierte, automatisierte Prozessflüsse vom Lieferanten über Entwicklung, Einkauf und Fertigung des Maschinen- oder Anlagenbauers bis zum Kunden. Manuelle Abstimmungen werden reduziert und Unternehmen profitieren von geringeren Fehlerquoten, schnellerer Reaktionsfähigkeit sowie Transparenz und vollständiger Rückverfolgbarkeit jeder Anforderung über den gesamten Prozess.

PTC Agile product development DD
Bild: Parametric Technology GmbH

PLM bildet die Basis

Voraussetzung für diesen automatisierten PCN-Prozess ist eine konsistente Datenbasis. Im Maschinenbau bildet das PLM-System den Backbone für Produktstrukturen, Konfigurationsstände und Änderungsprozesse. Das digitale Typenschild, modelliert als AAS, wird zum standardisierten Zugangspunkt für produktbezogene Informationen. Die PCN-Informationen werden strukturiert über die AAS bereitgestellt und systemübergreifend weiterverarbeitet. Hierfür müssen die bestehenden PLM- und ERP-Systeme über entsprechende Schnittstellen integriert werden, sodass Identität, Version, Konfiguration und relevante Teilmodelle eines Assets über den ganzen Lebenszyklus hinweg verknüpft sind. Gleichzeitig sind die operativen Prozesse den neuen Möglichkeiten anzupassen.

Effizienzgewinne und strategischer Nutzen

Ein automatisierter PCN-Prozess auf Basis der AAS ersetzt keine etablierten Enterprise-Systeme, sondern verbindet diese strukturiert über Unternehmensgrenzen hinweg und bildet damit einen zentralen Baustein für ein vernetztes, zukunftsfähiges Datenökosystem im Maschinenbau. PLM bleibt führend für Produktdefinition und Änderungsmanagement, die AAS stellt die standardisierte, interoperable Repräsentation bereit. Für Maschinenbauer ergeben sich daraus messbare Effizienzgewinne, gleichzeitig verfügen sie über die Grundlage, um regulatorische Anforderungen wie CRA und DPP systematisch zu erfüllen. Darüber hinaus eröffnen sich Möglichkeiten für Service, Lifecycle Management und langfristige Kundenbindung – insbesondere bei langen Asset-Lebenszyklen.



  • Spielerisch zu mehr MES-Knowhow

    Spielerisch zu mehr MES-Knowhow

    Was ist eigentlich eine Smart Factory? Dieser Frage nähert sich die MPDV-Gruppe spielerisch und hat dafür die App MyFactoryMania auf den Markt gebracht.

    mehr lesen: Spielerisch zu mehr MES-Knowhow

  • Fellowmind übernimmt ERP-Spezialisten Applabs

    Fellowmind übernimmt ERP-Spezialisten Applabs

    Der Microsoft Gold-Partner Fellowmind treibt seine Wachstumsstrategie weiter voran und hat mit Applabs ein drittes deutsches Unternehmen übernommen.

    mehr lesen: Fellowmind übernimmt ERP-Spezialisten Applabs

  • NTI Kailer eröffnet Standort in Burgau

    NTI Kailer eröffnet Standort in Burgau

    NTI Kailer expandiert mit einem weiterem Standort im Burgau (Bayern). Insgesamt verfügt das Unternehmen somit über 11 Niederlassungen in Deutschland.

    mehr lesen: NTI Kailer eröffnet Standort in Burgau

  • Gesellschaftlichen Problemen mit technischem Fortschritt entgegentreten

    Gesellschaftlichen Problemen mit technischem Fortschritt entgegentreten

    Technologien können die Welt verbessern und beispielsweise bei der Bewältigung des Klimawandels helfen. Das geht aus dem Bosch Tech Compass hervor.

    mehr lesen: Gesellschaftlichen Problemen mit technischem Fortschritt entgegentreten

  • Stefan Reuss verstärkt Managementteam der Würth Industrie Service

    Stefan Reuss verstärkt Managementteam der Würth Industrie Service

    Die Würth Industrie Service erweitert ihre Geschäftsführung. Stefan Reuss zeichnet seit Jahresbeginn für den Bereich IT und Digital Solutions verantwortlich.

    mehr lesen: Stefan Reuss verstärkt Managementteam der Würth Industrie Service

  • FIS-Geschäftsführung ordnet sich neu

    FIS-Geschäftsführung ordnet sich neu

    Nachdem Wolfgang Ebner und Frank Schöngarth in diesem Jahr ihren Ruhestand antreten, hat sich die FIS-Geschäftsleitung neu geordnet. Die Nachfolge der scheidenden Geschäftsführer treten Dieter Ball und Dirk Schneider an.

    mehr lesen: FIS-Geschäftsführung ordnet sich neu

  • IAB-Barometer deutet auf leicht steigende Arbeitslosigkeit hin

    IAB-Barometer deutet auf leicht steigende Arbeitslosigkeit hin

    Zum Jahresende hat das IAB-Arbeitsmarktbarometer den stärksten Rückgang seit April 2020 verzeichnet. Dabei gingen sowohl die Arbeitslosigkeits- wie auch die Beschäftigungskomponente zurück. Insgesamt bleibt der Frühindikator jedoch noch im positiven…

    mehr lesen: IAB-Barometer deutet auf leicht steigende Arbeitslosigkeit hin

  • Zusammenarbeit für das Quanteninternet

    Zusammenarbeit für das Quanteninternet

    Die Fraunhofer-Gesellschaft und das niederländische Forschungszentrum QuTech schließen sich in den Bereichen Quantenkommunikation und Quanteninformationsnetzwerke zusammen. Vertreter beider Institutionen haben dazu ein Memorandum of Understanding unterzeichnet.

    mehr lesen: Zusammenarbeit für das Quanteninternet

  • Hohe Erwartungen an die Blockchain

    Hohe Erwartungen an die Blockchain

    Die Blockhain soll Unternehmen u.a. neue Geschäftsmodelle ermöglichen. Laut einer Bitkom-Befragung kommt die Technologie bisher aber nur selten zum Einsatz.

    mehr lesen: Hohe Erwartungen an die Blockchain

  • Liliana Scheck leitet Teradata Schweiz

    Liliana Scheck leitet Teradata Schweiz

    Teradata Schweiz setzt Liliana Scheck als neue Country Managerin ein. Wie das Unternehmen mitteilt, soll ihr Fokus auf mehr Partnerschaften und Cloud-Innovationen liegen.

    mehr lesen: Liliana Scheck leitet Teradata Schweiz

  • Neuer Senior Vice President und General Manager EMEA bei Red Hat

    Neuer Senior Vice President und General Manager EMEA bei Red Hat

    Hans Roth wird neuer Senior Vice President und General Manager EMEA bei Red Hat. Er folgt auf Werner Knoblich, der das Unternehmen zum Jahresende verlassen wird.

    mehr lesen: Neuer Senior Vice President und General Manager EMEA bei Red Hat

  • Acht von zehn werden Opfer von Cyberattacken

    Acht von zehn werden Opfer von Cyberattacken

    Acht von zehn Personen (79 Prozent) waren in den vergangenen 12 Monaten von kriminellen Vorfällen im Netz betroffen. Nur noch eine kleine Minderheit von 21 Prozent gibt an, keine solchen…

    mehr lesen: Acht von zehn werden Opfer von Cyberattacken