Innovationsentwicklung bei Fein: Mit Value Proposition zu mehr Innovationskraft

Unbenannt
Bild: C. & E. Fein GmbH & Co. KG

Fein, ein Hersteller von Elektrowerkzeugen, hat mit Entwicklungen wie der ersten elektrischen Handbohrmaschine Branchenstandards gesetzt. Doch mit einer wachsenden Anzahl von Anwendungsbereichen und Zielgruppen in der Industrie und im Endkundenbereich wurde der Fokus in der Produktentwicklung schwieriger. Abteilungen arbeiteten isoliert und das Engagement für die ‚richtigen‘ Innovationen ging verloren. Zwar bestand ein gutes Verständnis für die Bedürfnisse der Kunden, dieses Wissen wurde jedoch nicht systematisch in die Produktentwicklung integriert. Entscheidungen basierten oft auf technischen Daten und Funktionsanalysen. Und mit dem Auslaufen wichtiger Patente und dem Aufkommen neuer Player im Akku-Segment verstärkte sich der Wettbewerbsdruck. Um die Innovationskraft wieder zu beleben, suchte Fein nach einem neuen Ansatz.

Organisatorischer Wandel

Das Unternehmen beauftragte die Münchener Beratungsfirma Blackeight mit der Entwicklung eines Value Proposition-Prozesses. Eine Value Proposition beschreibt das konkrete Nutzen- oder Wertversprechen, das ein Produkt oder eine Dienstleistung den Kunden bietet. Das Ziel war, Produkte zu entwickeln, die konsequent auf die Bedürfnisse der Kunden ausgerichtet sind und ihnen einen Nutzen bieten. So entstand das Konzept ‚Value Proposition Thinkronizing‘. Diese Methodik verknüpft die Kundenperspektive mit der Unternehmens- und Markenstrategie und erweitert das klassische Nutzenversprechen, indem eine nachhaltige, gemeinsame Denk- und Arbeitsweise in der gesamten Organisation etabliert wird. ‚Thinkronizing‘ steht für die Synchronisierung verschiedener Perspektiven und die Verankerung dieser Denkweise im Unternehmen.

Value Proposition Thinkronizing

Bei Fein wird die Methode aus drei zentralen Perspektiven angewendet: aus Sicht der Kunden, aus Marktsicht und aus Sicht des Unternehmens und der Marke.

  • Kundenperspektive: Durch Analyse der Zielgruppen entlang ihrer gesamten Kundenreise (Customer Journey) identifiziert Fein die Bedürfnisse und Herausforderungen der Kunden und entwickelt Produkte, die exakt auf ihre Erwartungen und Anforderungen zugeschnitten sind.
  • Marktperspektive: Mit dieser Perspektive betrachtet Fein Trends und mögliche Vorteile von Wettbewerbern, um Marktchancen und Differenzierungsmöglichkeiten zu erkennen und die eigene Position im Markt kontinuierlich zu stärken.
  • Marken- und Unternehmensperspektive: Fein berücksichtigt bei der Value Proposition Entwicklung sowohl die Markenpositionierung als auch die Unternehmensstrategie. Dadurch verbinden alle Angebote den Kundennutzen optimal mit den eigenen Stärken.

Nach der Analyse dieser Perspektiven werden die wichtigsten Erkenntnisse zusammengetragen und mit stichhaltigen Begründungen (Reasons-to-Believe) untermauert. Der resultierende Nutzen wird in einem Value Proposition Statement zusammengefasst.

Pilotprojekte zum Start

Die Einführung der Methode erfolgte schrittweise, begleitet von Pilotprojekten und der Unterstützung durch Blackeight. Ein zentrales Projekt im Bereich ‚Oberflächenbearbeitung Metall‘ half etwa, die Methode zu erproben und das Team mit den neuen Prozessen vertraut zu machen. Mit den bereitgestellten Tools und Vorlagen wurden erste Nutzen- und Wertversprechen entwickelt und in den Produktentwicklungsprozess integriert.

Im Anschluss an das Pilotprojekt wurde das Kernteam geschult, um eigenständig weitere Teams trainieren und die Methode in anderen Bereichen umzusetzen zu können. Eine besondere Herausforderung bestand darin, Abteilungsgrenzen zu überwinden und eine einheitliche Vorgehensweise zu etablieren. Die anfängliche Skepsis vieler Entwickler und Tester konnte durch die Verankerung der neuen Ansätze in den Dokumenten und Prozessen entkräftet werden. Die Beschreibung der Zielgruppen als Personas mit typischen Nutzerprofilen und die systematische Analyse der Konkurrenz schufen ein gemeinsames Verständnis und förderten die Innovationsfähigkeit.

Kontinuierliche Weiterentwicklung

Von der Bedarfsdefinition über die Produktentwicklung bis hin zur Kommunikation – heute kennen die Mitarbeitenden von Fein die Wert- und Nutzenversprechen der Produkte und wenden sie bereichsübergreifend an. „Die Entwicklung der Value Propositions hat uns geholfen, unsere interne Argumentation zu schärfen, so dass die Mitarbeitenden klare Entscheidungen treffen können. So wurden Investitionen möglich, um den Innovationsstau, den wir hatten, komplett aufzulösen. Jedes Jahr steigern wir unsere Innovationsquote weiter. Wir haben bereits viele Innovationen erfolgreich auf den Markt gebracht und viele weitere Produkte sind noch in unserer Entwicklungspipeline und werden bald eingeführt“, sagt Sebastian Schnaitmann, Chief Innovation Officer bei Fein.

327165 Landingpage von Blackeight
Weitere Informationen zu Blackeight
327165 Value Proposition Thinkronizing Seite
Weitere Informationen zum Value Proposition Thinkronizing


  • Bechtle beruft CTO

    Bechtle beruft CTO

    Plattformstrategie im C-Level verankert Bechtle beruft CTO Dirk Müller-Niessner (Bild) hat zum 1. Januar 2023 die neu geschaffene Position des CTO besetzt. Damit will das Systemhaus die Verantwortung für seine…

    mehr lesen: Bechtle beruft CTO

  • FlexPro forscht an Industrie 5.0

    FlexPro forscht an Industrie 5.0

    Wissensbasierte Produktionsplanung FlexPro forscht an Industrie 5.0 Im Herbst 2021 ist das Industrie 5.0-Forschungsprojekt FlexPro gestartet. Nun legen die Projektpartner erste Erkenntnisse vor.

    mehr lesen: FlexPro forscht an Industrie 5.0

  • Warum stockt die digitale Transformation

    Warum stockt die digitale Transformation

    In der neuen Expertise des Forschungsbeirats der Plattform Industrie 4.0 untersuchen die beiden Fraunhofer-Institute IAO und IPA die Gründe, warum die digitale Transformation in Unternehmen oftmals nur langsam vorankommt. Die…

    mehr lesen: Warum stockt die digitale Transformation

  • Dominik Bösl wird zweiter Geschäftsführer von Micropsi Industries

    Dominik Bösl wird zweiter Geschäftsführer von Micropsi Industries

    Dominik Bösl zukünftig als Geschäftsführer, gemeinsam mit Gründer Ronnie Vuine, das Berliner Robotik-Startups Micropsi Industries.

    mehr lesen: Dominik Bösl wird zweiter Geschäftsführer von Micropsi Industries

  • Japan weltweit größter Hersteller von Industrierobotern

    Japan weltweit größter Hersteller von Industrierobotern

    45 Prozent des weltweiten Roboterangebots kommt aus Japan. Wie die International Federation of Robotics mitteilt, wurden im Jahr 2020 136.069 Industrieroboter von dort aus exportiert.

    mehr lesen: Japan weltweit größter Hersteller von Industrierobotern

  • Intel investiert in europäische Chip-Fertigung

    Intel investiert in europäische Chip-Fertigung

    Intel investiert 17 Mrd.€ in zwei neue Halbleiterfabriken in Magdeburg. Insgesamt sollen der in den nächsten zehn Jahren bis zu 80Mrd.€ in die europäische Chip-Herstellung fließen.

    mehr lesen: Intel investiert in europäische Chip-Fertigung

  • QSolid entwickelt ersten deutschen Quantencomputer

    QSolid entwickelt ersten deutschen Quantencomputer

    25 Forschungseinrichtungen, Unternehmen und Start-ups aus ganz Deutschland tun sich im im Projekt QSolid zusammen, an dessen Ende ein in Deutschland hergestellter Quantencomputer stehen soll.

    mehr lesen: QSolid entwickelt ersten deutschen Quantencomputer

  • Hohe Energiepreise belasten Unternehmen

    Hohe Energiepreise belasten Unternehmen

    Der Krieg in der Ukraine wirkt sich negativ auf deutsche Unternehmen aus. Laut einer Befragung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) sorgen vor allem hohe Energiepreise und fehlende Gaslieferungen für…

    mehr lesen: Hohe Energiepreise belasten Unternehmen

  • Maschinenbauer spüren die Auswirkungen des Krieges

    Maschinenbauer spüren die Auswirkungen des Krieges

    Der Krieg in der Ukraine wirkt sich auf die Maschinen- und Anlagenbauer aus. Laut Blitz-Umfrage des VDMA sehen 85 Prozent der Firmen den Krieg als gravierendes oder merkliches Risiko für…

    mehr lesen: Maschinenbauer spüren die Auswirkungen des Krieges

  • Omron ernennt CEO für EMEA-Region

    Omron ernennt CEO für EMEA-Region

    Fernando Colas soll bei Omron den Bereich Industrieautomation in der EMEA-Region leiten. Er löst damit Seigo Kinugawa ab.

    mehr lesen: Omron ernennt CEO für EMEA-Region

  • Immer mehr ICS-Schwachstellen werden offengelegt

    Immer mehr ICS-Schwachstellen werden offengelegt

    In ihrem ICS Risk & Vulnerability Report melden die Security-Spezialisten von Claroty, dass immer mehr Schwachstellen von industriellen Kontrollsysteme offengelegt werden. Laut Studienautoren sei dies ein Zeichen dafür, dass das…

    mehr lesen: Immer mehr ICS-Schwachstellen werden offengelegt

  • Splunk ernennt Gary Steele zum CEO

    Splunk ernennt Gary Steele zum CEO

    Seit November vergangenen Jahres fungiert Graham Smith als Interims-CEO bei Splunk. Ab April soll nun Gary Steele die Geschicke des Datenanalyse-Spezialisten leiten.

    mehr lesen: Splunk ernennt Gary Steele zum CEO