Die glorreichen Sieben: Regeln für CPQ-Projekte

Analyzing Financial Data On Laptop Marketer And Analyst Discuss Charts
Bild: ©Andrey Popov/stock.adob.com

Configure, Price, Quote. Drei Wörter, die klingen, als wäre das Problem damit beschrieben und gelöst. Ist es nicht. Ein CPQ-System automatisiert die Angebotserstellung für konfigurierbare Produkte. Es steuert, welche Optionen kombinierbar sind, berechnet Preise nach definierten Regeln, löst Freigabeprozesse aus und erzeugt ein druckfertiges Angebotsdokument. Das funktioniert, wenn die Grundlagen stimmen. Und es ist teuer, wenn sie es nicht tun. Was in der Praxis immer wieder passiert: Unternehmen wählen eine Plattform, benennen einen Projektverantwortlichen und merken spätestens im dritten Projektmonat, dass niemand vorher sauber definiert hat, wie die eigene Konfigurationslogik funktioniert. Welche Varianten sind zulässig? Wer genehmigt welchen Rabatt? Wo liegen die Stammdaten, und wer ist verantwortlich? Das müssen Unternehmen wissen, möglichst früh. CPQ-Systeme sind Regelmaschinen. CPQ-Software führt aus, was ihr übergeben wird. Die Intelligenz kommt nicht aus dem System, sie muss hineingebracht werden. Folgende sieben Faustregeln haben sich aus den Erfahrungen zahlreicher Projekte verdichtet.

1. Erst Variantenmodell klären

Bevor eine einzige Konfigurationsregel eingepflegt wird, muss das Variantenmodell dokumentiert sein. Nicht als Produktkatalog, sondern als logisches Regelwerk: Welche Merkmalskombinationen sind technisch zulässig, welche nicht? Dieses Wissen steckt in der Praxis oft in Köpfen erfahrener Vertriebsingenieure, in Excel-Tabellen, die niemand mehr vollständig versteht, oder in ERP-Konfigurationen, die historisch gewachsen sind. Ein CPQ-Projekt zwingt dazu, dieses implizite Wissen explizit zu machen. Ein häufiger Fehler: Regelhierarchien werden nicht getrennt. Globale Produktregeln, regionale Compliance-Anforderungen und kundenspezifische Sondervereinbarungen landen im selben Regelwerk. Das macht das System schwer wartbar.

2. Preislogik ohne Tabellen

Viele Unternehmen starten mit der Vorstellung, ihre Preistabellen ins System zu übertragen. Das greift zu kurz. Preislogik in CPQ ist mehrstufig: Listenpreisermittlung, kundenspezifische Konditionen, Rahmenverträge, Mengenrabatte, bis zum kalkulierten Angebotspreis im Freigabeprozess. Dieses Konstrukt nennt sich Preiswasserfall. Wer ihn nicht explizit modelliert, verliert die Kontrolle über Margen. Entscheidend ist die Trennung von Preislogik und Preisdaten. Die Rechenregeln gehören ins CPQ. Die Daten (Einkaufspreise, Konditionssätze, Währungskurse) kommen aus dem ERP und müssen aktuell sein. Systeme ohne direkte ERP-Anbindung arbeiten mit Datenkopien, die veralten und zu Fehlkalkulationen führen. Zwei Vertriebsmitarbeiter, zwei Tabellenversionen, zwei verschiedene Preise für denselben Kunden. Das passiert. CPQ löst dieses Problem, aber nur, wenn die Preislogik vollständig modelliert ist.

3. Freigaben ins System

Wer entscheidet, ab welcher Rabatttiefe ein Angebot freigegeben werden muss? Was passiert, wenn der Vertriebsleiter nicht erreichbar ist? Diese Fragen klingen nach Organisation. Sind sie auch. Aber sie müssen technisch abgebildet sein. Freigabeprozesse in CPQ-Software funktionieren über regelbasierte Workflow-Engines: Jede Genehmigungsanfrage erzeugt eine Prozessinstanz mit definierten Statusübergängen, Eskalationspfaden und Zeitlimits. Das schützt Margen und macht Compliance-Anforderungen erfüllbar. Oft fehlt in der Praxis eine Eskalationslogik. Was passiert, wenn niemand innerhalb von 24 Stunden genehmigt? Diese Szenarien müssen vor der Implementierung durchgespielt sein.

4. Datenhoheit klären

Das ERP-System enthält Stammdaten, CRM-Software die Kundendaten, das PLM-Tools die Produktstruktur – das CPQ-System soll alles zusammenbringen. Wenn diese Systeme nicht sauber integriert sind, entstehen Dateninseln. Aus Dateninseln entstehen inkorrekte Angebote. Die Frage der Datenhoheit ist keine IT-Frage, sie ist eine Governance-Frage. Wer ist verantwortlich für die Korrektheit der Produktdaten? Wer pflegt Preislisten? Ohne klare Antworten entsteht ein Zustand, in dem alle auf andere zeigen, wenn ein Angebot falsch ist. Die Architekturentscheidung, welches System die führende Datenquelle ist, muss vor der Implementierung stehen.

5. Dokumente richtig mitdenken

Das Angebotsdokument ist das Einzige, was der Kunde sieht. Wenn Konfiguration und Preis stimmen, aber das erzeugte PDF unvollständig oder in der falschen Sprache ist, hat das System sein Ziel verfehlt. Dokumentlogik ist in vielen CPQ-Projekten ein nachrangiges Thema. Das rächt sich. Was vorab definiert sein muss: Welche Informationen erscheinen in welchem Dokumenttyp? Welche Sprachen? Welche rechtlichen Pflichtangaben? Diese Anforderungen gehören in die Konzeptphase.

6. Verantwortlichkeit absichern

Ein CPQ-System ist kein Projekt, das irgendwann abgeschlossen ist. Es ist ein lebendes System, das dauerhaft gepflegt werden muss, mit klaren Rollen. Bewährt hat sich eine Struktur mit drei Perspektiven: fachliche Key User für Konfigurationsregeln und Preislogik, Administratoren für Systemänderungen und eine Governance-Instanz, die entscheidet, welche Regeländerungen wann ins System kommen. Ohne Struktur entsteht Regelwildwuchs. Inkonsistenzen häufen sich, und irgendwann traut niemand mehr dem System.

7. Prozess für Änderungen

Produktvarianten ändern sich. Preise ändern sich. Märkte ändern sich. Ein CPQ-System, das diese Veränderungen nicht strukturiert verarbeiten kann, wird zur Bremse. Regeländerungen sind technisch komplexer, als sie aussehen. Eine einzelne Preisregel besteht aus mehreren verknüpften Datenobjekten. Wer ändert, ohne Abhängigkeiten zu kennen, riskiert Folgefehler, oft ohne sofort sichtbare Fehlermeldung. Der Fehler taucht dann im nächsten Kundenangebot auf. Best Practice ist eine strukturierte Deployment-Pipeline: Änderungen werden in einer Sandbox entwickelt, automatisierte Regressionstests prüfen bestehende Szenarien, dann geht die Änderung in Produktion. Keine Änderung ohne Test, kein Go-live ohne Monitoring.

Ein dauerhafter Prozess

Die Einhaltung dieser sieben Regeln scheitert meist nicht an der Technologie, sondern an der Organisation. CPQ-Projekte, die funktionieren, haben eines gemeinsam: Die beteiligten Unternehmen haben verstanden, dass sie keinen Software-Rollout steuern, sondern ihre eigene Angebotslogik gestalten. Das System ist das Ergebnis dieser Arbeit. Nicht ihr Ersatz.



  • Toby Alcock neuer CTO der Logicalis Group

    Toby Alcock neuer CTO der Logicalis Group

    Toby Alcock ist neuer Chief Technology Officer der Logicalis Group. Er bekleidete zuletzt die Position des Chief Technology Officer für Logicalis Australien.

    mehr lesen: Toby Alcock neuer CTO der Logicalis Group

  • SER Group mit neuem CEO und Executive Chairman

    SER Group mit neuem CEO und Executive Chairman

    Sven Behrendt ist neuer CEO der SER Group. Die Unternehmensgruppe teilt zudem mit, dass John Bates als Executive Chairman in den Beirat der SER Group berufen wurde.

    mehr lesen: SER Group mit neuem CEO und Executive Chairman

  • Lösung zur Voraussage von Ausfallzeiten

    Lösung zur Voraussage von Ausfallzeiten

    Mit Kaspersky Machine Learning for Anomaly Detection lassen sich Abweichungen in den Produktionsprozessen frühzeitig erkennen und Ausfallzeiten reduzieren.

    mehr lesen: Lösung zur Voraussage von Ausfallzeiten

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Neuer Business Development Manager bei Itac

    Neuer Business Development Manager bei Itac

    Martin Strempel ist neuer Business Development Manager Data Analytics beim beim MES-Anbieter Itac Software. In seiner bisherigen Laufbahn bei der BMW Group war er u.a. für die Produktionssteuerung im Werk…

    mehr lesen: Neuer Business Development Manager bei Itac

  • Weiter Zurückhaltung bei Neueinstellungen

    Weiter Zurückhaltung bei Neueinstellungen

    Bundesweit gab es im ersten Quartal 2021 1,13Mio. offene Stellen und damit mehr als im gleichen Zeitraum 2020. Im Vergleich zum 4. Quartal 2020 gingen die offenen Stellen jedoch zurück.

    mehr lesen: Weiter Zurückhaltung bei Neueinstellungen

  • Konjunkturerwartung steigen im Mai

    Konjunkturerwartung steigen im Mai

    Höchster Wert seit Pandemie-Beginn Konjunkturerwartung steigen im Mai Mit 84,4 Punkten steigen die ZEW-Konjunkturerwartungen im Mai auf den höchsten Wert seit mehr als 20 Jahren und auch die aktuelle Lage…

    mehr lesen: Konjunkturerwartung steigen im Mai

  • Valantic und Systema arbeiten zusammen

    Valantic und Systema arbeiten zusammen

    Das IT-Beratungs- und Softwarehaus Valantic partnert künftig mit Systema, einem eigentümergeführten Systemintegrator, der sich auf Softwarelösungen und Dienstleistungen zur MES-Integration, Fertigungsautomatisierung und Produktionsoptimierung spezialisiert hat.

    mehr lesen: Valantic und Systema arbeiten zusammen

  • Industrie will mehr produzieren

    Industrie will mehr produzieren

    Die Deutschen Industrieunternehmen wollen ihre Produktion ausweiten. Die gesteigerten Erwartungen verhelfen dem entsprechenden Indikator des Ifo Instituts zum höchsten Stand seit 1991.

    mehr lesen: Industrie will mehr produzieren

  • Mehrheit der Industrieunternehmen geht gestärkt aus der Krise

    Mehrheit der Industrieunternehmen geht gestärkt aus der Krise

    57 Prozent der Unternehmen aus der verarbeitenden Industrie gehen davon aus, gestärkt aus der Coronakrise hervorzugehen. Das geht aus einer Studie von Sopra Steria und dem F.A.Z.-Institut hervor. Um diese…

    mehr lesen: Mehrheit der Industrieunternehmen geht gestärkt aus der Krise

  • Agile Methoden liegen im Trend

    Agile Methoden liegen im Trend

    Das sogenannte Wasserfall-Prinzip in der Software-Entwicklung kommt immer seltener zum Einsatz. Häufiger sind agile Methoden wie die ’Continuous Integration’, bei denen Software in kleinen Einheiten kontinuierlich erweitert und verbessert wird.…

    mehr lesen: Agile Methoden liegen im Trend

  • LiefKettG nimmt Schutz von Arbeitnehmern und Umwelt in den Fokus

    LiefKettG nimmt Schutz von Arbeitnehmern und Umwelt in den Fokus

    Das Bundeskabinett hat im März den Entwurf für das neue Lieferkettengesetz beschlossen. Wird das Gesetz in dieser Form erlassen, so werden in deutschen Unternehmen einige Änderungen erforderlich. Der Softwareanbieter Comarch…

    mehr lesen: LiefKettG nimmt Schutz von Arbeitnehmern und Umwelt in den Fokus