Vom CAD zum digitalen Zwilling: Datenmodelle für die VIBN

415046 1779277102182
Bild: Machineering GmbH & Co. KG, ©Prathankarnpap/stock.adobe.com; Google Gemini

Unternehmen müssen heutzutage ihre Engineering-Prozesse so anpassen, dass sie die zunehmende Komplexität moderner Maschinen und Anlagen sowie die steigenden Anforderungen erfüllen können. Die klassische Vorgehensweise, bei denen Mechanik, Elektrik und Automatisierung getrennt voneinander arbeiten, führten in der Vergangenheit immer wieder zu Medienbrüchen, redundanter Datenhaltung und unzureichenden Informationsständen. Daher hat sich in den letzten Jahren die virtuelle Inbetriebnahme zunehmend etabliert, um Risiken zu reduzieren, Fehler frühzeitig zu erkennen und Entwicklungszeiten zu verkürzen. Das Potenzial darin ist deutlich höher, wenn ein durchgängiges Datenmodell vom ersten CAD-Entwurf bis hin zum digitalen Zwilling vorhanden ist.

Vom CAD-Modell zur simulationsfähigen Struktur

Das CAD-Modell stellt die Basis der digitalen Maschinenbeschreibung dar. Darin sind geometrische Informationen, Baugruppenstrukturen sowie grundlegende physikalische Eigenschaften enthalten. Für die virtuelle Inbetriebnahme ist diese Informationsbasis jedoch nicht ausreichend. Dafür muss das vorhandene Modell gezielt durch funktionale und logische Zusammenhänge ergänzt werden. Erst so entsteht ein Modell, das für die Simulation und die Abbildung des Maschinenverhaltens relevant ist. Dazu gehören kinematische Beziehungen, Bewegungsachsen, Freiheitsgrade sowie die Integration von Sensorik und Aktorik.

CAD-Daten in die Modelle bringen

Im industriellen Umfeld zeigt sich aber, dass CAD-Daten einerseits zu detailliert und gleichzeitig nicht ausreichend strukturiert für eine Simulation sind. Daher macht eine direkte Übernahme in vorhandene Simulationsumgebungen meist wenig Sinn. Es sollten Geometrien vereinfacht, Kollisionsmodelle erzeugt und Bewegungsdefinitionen ergänzt werden. Dieser Schritt ist entscheidend für die spätere Performance und Aussagekraft der Simulation. Simulationsplattformen wie iPhysics von Machineering setzen hier an, indem sie CAD-nahe Strukturen in echtzeitfähige Modelle überführen. Änderungen im CAD ziehen erfahrungsgemäß Nacharbeiten in der Simulation nach sich, was nicht nur Zeit kostet, sondern auch Fehlerpotenziale erhöht. Ein durchgängiges Datenmodell kann dafür sorgen, dass eine strukturierte Übermittlung der Daten innerhalb des Systems erfolgt, ohne dass Informationen verloren gehen oder mehrfach überarbeitet werden müssen.

Für Anlagen mit mehreren Achsen, Greifsystemen und Fördertechnik sind Anwendungen zur virtuellen Inbetriebnahme wie geschaffen.
Für Anlagen mit mehreren Achsen, Greifsystemen und Fördertechnik sind Anwendungen zur virtuellen Inbetriebnahme wie geschaffen.

Durchgängige Datenmodelle als Integrationsbasis

In einem durchgängigen Datenmodell wird die Maschine nicht nur geometrisch, sondern über alle Disziplinen hinweg beschrieben. Neben der Mechanik werden auch elektrische und steuerungstechnische Informationen abgebildet. Zudem lassen sich Komponenten identifizieren, ihre Beziehungen zueinander definieren und Signale können systemübergreifend zugeordnet werden. Die technische Umsetzung erfolgt dabei häufig durch standardisierte Datenstrukturen, eindeutige Objektmodelle und Integrationsplattformen. Entscheidend ist die Qualität der vorhandenen Datenstruktur. Wenn ein Bauteil über alle Systeme hinweg eindeutig nachvollziehbar ist, können Änderungen effizient nachverfolgt und umgesetzt werden.

Das Rad nicht neu erfinden

Bewährte Maschinenmodule können dabei in neuen Projekten erneut verwendet werden. Viele Informationen können übernommen werden, ohne dass diese bei jedem Projekt neu aufgebaut werden müssen. Gerade bei der virtuellen Inbetriebnahme zeigt dieses Konzept Wirkung, da die Steuerungssoftware direkt gegen ein Simulationsmodell getestet wird, das auf den selben Daten basiert wie das restliche Engineering. Signale, Zustände und Bewegungen sind miteinander verknüpft, wodurch ein realitätsnahes Anlagenverhalten abgebildet werden kann.

Umsetzung und digitale Zwillinge

Der digitale Zwilling ist damit die logische Weiterentwicklung eines durchgängigen Datenmodells, da er die reale Maschine nicht nur geometrisch, sondern auch funktional und dynamisch abbildet. In der virtuellen Inbetriebnahme werden anhand des virtuellen Pendants Steuerungsprogramme getestet, Abläufe optimiert und kritische Szenarien nachgestellt. Ein typisches Beispiel aus der Praxis ist eine Anlage mit mehreren Achsen, Greifsystemen und Fördertechnik. In der klassischen Vorgehensweise werden CAD-Daten exportiert, in der Simulation neu aufgebaut und anschließend mit Steuerungssignalen verknüpft. Jede Änderung in der Mechanik führt dabei zu manuellen Anpassungen in der Simulation und Steuerung. Mit einem durchgängigen Datenmodell hingegen bleibt die Struktur unangetastet. Die vorhandene Kinematik, Signale und Komponenten können weiterverwendet werden.

Wenn Fehler im Roboterlaufweg zu Kollisionen führen, dann lieber in der Simulation als in echt.
Wenn Fehler im Roboterlaufweg zu Kollisionen führen, dann lieber in der Simulation als in echt.

Spezialsysteme verfügbar

Spezialisierte Simulationsanwendungen wie iPhysics kommen dabei zum Einsatz, da diese eine physikalisch konsistente Abbildung der Anlage in Echtzeit ermöglichen. Dabei können mechanische Modelle, Bewegungslogik und Steuerungssignale auf Basis eines gemeinsamen Datenmodells zusammengeführt werden. Entscheidend ist dabei die Fähigkeit, vorhandene Engineering-Daten ohne Medienbrüche nutzbar zu machen und in ein echtzeitfähiges Simulationsmodell zu überführen. Die Steuerung wird dabei früh am virtuellen Modell angebunden und gegen den digitalen Zwilling getestet. Dadurch lassen sich Fehler bereits vor der physischen Inbetriebnahme erkennen und vermeiden. Dies kann zu einer deutlich verkürzten Inbetriebnahmezeit sowie zu einer höheren Anlagenverfügbarkeit führen.

Strukturierte Implementierung notwendig

Die Einführung durchgängiger Datenmodelle erfordert jedoch mehr als nur den Einsatz geeigneter Software. Wichtig sind Modellierungsrichtlinien, Datenstandards und Zusammenarbeit zwischen Disziplinen. Integrierte Prozesse stellen sicher, dass Daten konsistent erzeugt, gepflegt und genutzt werden. Der Weg vom CAD zum digitalen Zwilling ist ein strategischer Transformationsprozess. Unternehmen, die diesen Ansatz konsequent verfolgen, schaffen die Grundlage für eine effiziente virtuelle Inbetriebnahme und eine durchgängig digitale Wertschöpfungskette. Langfristig winken dafür kürzere Entwicklungszeiten, höhere Qualität und einer gesteigerte Flexibilität im Engineering und Betrieb ihrer Anlagen.



  • T-Systems setzt auf die Cloud

    T-Systems setzt auf die Cloud

    ‚Cloud First‘ T-Systems setzt auf die Cloud T-Systems will sich strategisch neu aufstellen. Mit ‘Cloud First‘ setzt das Unternehmen künftig auf die Cloud. Die Investitionen in den Ausbau der Cloud…

    mehr lesen: T-Systems setzt auf die Cloud

  • Markus Asch wird CEO bei Rittal

    Markus Asch wird CEO bei Rittal

    Rittal hat einen neuen CEO. Markus Asch hat den Posten beim Herborner Unternehmen zum 1. Februar übernommen.

    mehr lesen: Markus Asch wird CEO bei Rittal

  • Der Digitalisierungsbedarf ist hoch

    Der Digitalisierungsbedarf ist hoch

    Wenn es um die Digitalisierung der eigenen Unternehmensprozesse geht, sehen IT-Verantwortliche in deutschen Unternehmen Bedarf in vielen Bereichen. Laut einer Studie des Analystenhauses Techconsult im Auftrag von Valantic liegt dabei…

    mehr lesen: Der Digitalisierungsbedarf ist hoch

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Mehr Sicherheit für eingebettete Systeme

    Mehr Sicherheit für eingebettete Systeme

    Software und Hardware für vernetzte eingebettete Systeme müssen höchste Anforderungen an Sicherheit, Echtzeitfähigkeit, Energie- und Ressourceneffizienz erfüllen. In dem am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) koordinierten Projekt Xandar erarbeiten acht…

    mehr lesen: Mehr Sicherheit für eingebettete Systeme

  • Schicksalsjahr für die Eurocloud Gaia-X

    Schicksalsjahr für die Eurocloud Gaia-X

    Im Projekt Gaia-X sollen Datenräume entstehen, die europäischen Datenschutz-Standards entsprechen und die unabhängig von den großen Hyperscalern sind. Für Marc Schieder, CIO von Dracoon, entscheidet sich in diesem Jahr, ob…

    mehr lesen: Schicksalsjahr für die Eurocloud Gaia-X

  • 59,2 Millionen coronabedingt ausgefallene Arbeitstage

    59,2 Millionen coronabedingt ausgefallene Arbeitstage

    Wie aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervorgeht, könnten die coronabedingten Arbeitsausfälle der Erwerbstätigen im aktuellen Lockdown bis Mitte Februar auf 59,2Mio. Arbeitstage steigen was 6,2…

    mehr lesen: 59,2 Millionen coronabedingt ausgefallene Arbeitstage

  • Krisenjahr führt zu zweistelligem Produktionsminus

    Krisenjahr führt zu zweistelligem Produktionsminus

    Laut ersten Berechnungen des VDMA lag die Produktion im Maschinen-und Anlagenbau im vergangenen Jahr 12,1 Prozent unter der des Vorjahres.

    mehr lesen: Krisenjahr führt zu zweistelligem Produktionsminus

  • Tec Center für 3D-Druck

    Tec Center für 3D-Druck

    HP und verschiedene Partnerunternehmen haben ein Netzwerk ins Leben gerufen, das Industrieunternehmen beim Thema 3D-Druck unterstützen soll.

    mehr lesen: Tec Center für 3D-Druck

  • Cyberattacke auf SolarWinds

    Cyberattacke auf SolarWinds

    Nach dem Angriff mit der Malware Sunburst auf Kunden des IT-Anbieters SolarWinds sind auch viele Industrieunternehmen betroffen.

    mehr lesen: Cyberattacke auf SolarWinds

  • Joachim Harb in neuer Position bei Infor

    Joachim Harb in neuer Position bei Infor

    Joachim Harb ist neuer Senior Vice President und General Manager Zentraleuropa bei Infor.

    mehr lesen: Joachim Harb in neuer Position bei Infor

  • Kontron erwirbt HC Solutions

    Kontron erwirbt HC Solutions

    Das Softwareunternehmen HC Solutions gehört ab sofort zu Kontron und soll dort in den IoT-Software-Bereich integriert werden.

    mehr lesen: Kontron erwirbt HC Solutions