Sicherheit, Effizienz und Nutzerkomfort per Klick verbessern

Smart car self driving mode vehicle with Radar signal system and and wireless communication Autonomous car
Bild: ©Akarat Phasura/stock.adobe.com

Computerspiele wie etwa Grand Theft Auto V bestehen aus rund 10 bis 30 Millionen Zeilen Code. Heutige Autos enthalten bis zu 150 Millionen Zeilen – und damit das fünffache und mehr als umfangreiche Videospiele. Doch was bedeutet dies konkret für die Branche, die Entwicklung von neuen Fahrzeugen und Themen wie Smart City? Einen Blick auf den Wandel der Automobilbranche durch Software-Defined Vehicles (SDVs) wirft Robert Hellebrand, Director Solution Engineering bei Pure::Variants from PTC, in seinem Gastbeitrag.

Ohne Zusammenarbeit kein Erfolg

Wo früher der Motor und die Mechanik Alleinstellungsmerkmale für Fahrzeuge waren, ist es künftig Software, die aus einfachen Transportmitteln intelligente Plattformen macht. SDVs können dadurch allein über Software-Updates mit neuen Funktionen ausgestattet oder ihre Leistung optimiert werden. Beispielsweise sorgt dann ein konstant besser werdendes Fahrassistenzsystem für mehr Sicherheit im Straßenverkehr, neue Features im Infotainment verbessern den Komfort oder ein Diagnosetool vereinfacht Wartung und Reparatur.

Bei Elektrofahrzeugen kommen die Effekte von SDVs besonders zum Tragen: Optimierungen von Elektromotor, Lademanagement und Batteriesystemen sind per Software-Updates heute schon an der Tagesordnung. Dadurch verringern sich der Verbrauch und die Ladezeit – ohne dass Teile ausgetauscht werden müssen oder das Fahrzeug in die Werkstatt muss. Daneben können Services freigeschaltet werden, um die Fahrzeuge individuell den Bedürfnissen der Fahrerinnen und Fahrern anzupassen, wie beispielsweise ein Rückwärtsgang für das Motorrad.

Dazu bedarf es jedoch der Zusammenarbeit zwischen Automobilherstellern und Lieferanten. Es gilt, den Informationsaustausch zu koordinieren, um Kompatibilität und Sicherheit der SDVs zu gewährleisten. Einheitliche Schnittstellen und Protokolle verbessern die Zusammenarbeit – und erleichtern zudem die Kooperation mit Regulierungsbehörden, um einen gemeinschaftlichen Rahmen für SDVs zu schaffen. Gemeinsame Testumgebungen ermöglichen es, neue Technologien und Komponenten unter realitätsnahen Bedingungen mit allen an der Entwicklung beteiligten Parteien zu erproben. Auch der Austausch von Testdaten und -ergebnissen ist für diesen Prozess immens wichtig.

Modulare Produktplattform schafft Raum für Innovation

Das hochintegrierte und modulare System von SDVs lässt sich in vier Ebenen organisieren:

Benutzeranwendungen wie Infotainmentsystemen sind die direkte Schnittstelle zu den Nutzern.

Instrumentierungssysteme wie die Advanced Driver Assistance Systems (ADAS) arbeiten autonom und sorgen für eine erhöhte Sicherheit.

Das Betriebssystem ist das Kernstück, steuert alle anderen Komponenten und sorgt für eine reibungslose Interaktion der verschiedenen Systeme.

Die Hardware ist die Basis für die aufgesetzte Software und umfasst unter anderem Sensoren und Steuergeräte.

Auf Grundlage dieser hierarchischen Struktur wandelt sich auch die Produktentwicklung neuer Fahrzeuge, da neue Aspekte als bisher in Betracht gezogen werden müssen.

Das Product Line Engineering (PLE) konzentriert sich daher bei der Entwicklung von SDVs auf eine gemeinsamen Plattform, auf der verschiedene Produkte aufsetzen können. Auf diese Weise entstehen Synergien, die die Entwicklungszeit jedes einzelnen Fahrzeugs verkürzen. Auf diese Weise können Hersteller noch schneller auf Marktanforderungen eingehen und diese entweder mit neuen Fahrzeugen oder neuen digitalen Services adressieren. Gleichzeitig bleibt die Konsistenz und die Qualität erhalten, was das Nutzererlebnis auf einem möglichst hohen Niveau hält.

Die Standardisierung und Modularisierung von Systemen trägt zudem zum Übergang zu softwaregesteuerten Produktionsprozessen bei. Dadurch lassen sich neue Technologien wie autonome Fahrfunktionen schneller und sicherer implementieren. Am Ende verkürzen sich Innovationszyklen – sowohl bei den Zulieferern als auch bei den Herstellern.

Dreh- und Angelpunkt ist dafür eine enge Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Teams. Softwareentwicklung, Elektrotechnik und Fahrzeugdesign müssen interdisziplinär zusammenarbeiten, um das komplexe Zusammenspiel von Soft- und Hardware bei SDVs erfolgreich umzusetzen. Der PLE-Prozess profitiert zudem davon, Feedback-Schleifen und agile Entwicklungspraktiken zu integrieren. Dies begünstigt eine fortlaufende Optimierung und Anpassung der Fahrzeugplattformen an aktuelle Anforderungen und neue Technologien.

Vernetzte Fahrzeuge für die Smart City

Ein Stichwort, das mit SDVs immer wieder in Verbindung gebracht wird, ist die Smart City. Als Smart Cars oder Connected Cars können SDVs über ihre Sensoren Daten in Echtzeit erfassen und austauschen – sowohl untereinander als auch mit der städtischen Infrastruktur wie Ampelsystemen oder dem Parkraummanagement. Auf diese Weise können vernetzte Fahrzeuge Abläufe in den Städten optimieren, von der Müllabfuhr über eine optimierte Energieverwaltung bis zum besseren Verkehrsfluss, und sorgen so letztlich für eine höhere Lebensqualität in den Städten.

Seiten: 1 2



  • Accenture übernimmt Salt Solutions

    Accenture übernimmt Salt Solutions

    Der SAP-Partner und MES-Integrator Salt Solutions wird Teil von Accenture. Wie die Unternehmensberatung bekannt gab, ist die Vereinbarung bereits unterschrieben.

    mehr lesen: Accenture übernimmt Salt Solutions

  • Vertrauenswürdige Prozessoren aus Deutschland

    Vertrauenswürdige Prozessoren aus Deutschland

    Im Projekt Scale4Edge arbeiten 22 Akteure aus Wissenschaft und Wirtschaft an besonders vertrauenswürdiger Computerhardware. Entstehen soll ein skalierbares Edge-Computing-Ökosystem rund um die Risc-V-Architektur etwa für Industrieanwendungen, Heimautomation und selbstfahrende Autos.

    mehr lesen: Vertrauenswürdige Prozessoren aus Deutschland

  • Innovationsranking im produzierenden Mittelstand

    Innovationsranking im produzierenden Mittelstand

    Innovation gehört zu den drei wichtigsten Digitalisierungszielen im Mittelstand, gleich nach Mitarbeiterproduktivität und Prozessmodernisierung. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung, die im Auftrag des ERP-Anbieters Proalpha entstand. Doch wo ist…

    mehr lesen: Innovationsranking im produzierenden Mittelstand

  • Arbeitsmarktbarometer dreht ins Plus

    Arbeitsmarktbarometer dreht ins Plus

    Das IAB-Arbeitsmarktbarometer ist im September 2020 um 1,7 Punkte auf 100,1 Punkte gestiegen. Erstmals seit Beginn der Corona-Krise liegt der Frühindikator des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) damit nicht…

    mehr lesen: Arbeitsmarktbarometer dreht ins Plus

  • Ergänztes IT-Sicherheitskonzept für Profinet

    Ergänztes IT-Sicherheitskonzept für Profinet

    Parallel mit den ersten Profinet-Spezifikationen veröffentlichte PI ein umfassendes Security-Konzept, das in mehreren Schritten weiter detailliert und angepasst wurde.

    mehr lesen: Ergänztes IT-Sicherheitskonzept für Profinet

  • GIS und EAM fusionieren zu Rodias

    GIS und EAM fusionieren zu Rodias

    Innerhalb der Robur-Gruppe haben sich die Firmen GIS und EAM zusammengetan. Beide Firmen bringen langjährige Erfahrungen rund um die Instandhaltung, Wartung und das Anlagenmanagement in den Zusammenschluss ein. Als Rodias…

    mehr lesen: GIS und EAM fusionieren zu Rodias

  • Credential Stuffing in der Medienbranche

    Credential Stuffing in der Medienbranche

    Angriffe auf Medienunternehmen durch Kontoübernahmen stiegen bereits zwischen 2018 und 2019 deutlich an. Im Zuge der diesjährigen Pandemie vervierfachten sich schädliche Anmeldeversuche sogar.

    mehr lesen: Credential Stuffing in der Medienbranche

  • Startups stellen Lösungen vor

    Startups stellen Lösungen vor

    Zehn IT-Sicherheitsanbieter haben Chance, als das beste Security-Startup der DACH-Region ausgezeichnet zu werden. Nachdem sie im Fachjuryentscheid überzeugen konnten, heißt es jetzt, im Speed-Pitch das Publikum zu gewinnen.

    mehr lesen: Startups stellen Lösungen vor

  • Hindernisse für den KI-Einsatz überwinden

    Hindernisse für den KI-Einsatz überwinden

    Trotz zahlreicher Innovationsmöglichkeiten zögern viele Unternehmen und Behörden noch bei der Nutzung von künstlicher Intelligenz (KI) im Bereich Cybersicherheit.

    mehr lesen: Hindernisse für den KI-Einsatz überwinden

  • Integrierte OT-Sicherheit

    Integrierte OT-Sicherheit

    Rhebo und Barracuda adressieren mit einer kombinierten Lösung vollumfängliche Cybersicherheit für industrielle Netzwerke und IIoT-Geräte.

    mehr lesen: Integrierte OT-Sicherheit

  • Sicherheit vor Malware und Hackern

    Sicherheit vor Malware und Hackern

    Fernwirkanlagen und Scada-Systeme nutzen das Internet und sind damit potenziellen Angriffen von Hackern und Schadsoftware ausgesetzt. Auf der Seite der Datenbank kann auch das Unternehmen ConiuGo nur die bekannten Konzepte…

    mehr lesen: Sicherheit vor Malware und Hackern

  • Nutzung von Cloudanwendungen in Unternehmen

    Nutzung von Cloudanwendungen in Unternehmen

    Cloudanwendungen boomen: Aktuell gibt es nach Aussagen von führenden TÜV Rheinland-Experten mehr als 30.000 Cloudanwendungen weltweit, von denen Unternehmen aktiv durchschnittlich 1.500 Anwendungen nutzen – mit oder ohne Freigabe der…

    mehr lesen: Nutzung von Cloudanwendungen in Unternehmen