Was passiert mit dem Menschen, wenn die Roboter kommen?

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Soeren Michl

Künstliche Intelligenz automatisiert längst digitale Prozesse. Jetzt übernehmen Roboter auch physische Routinen. Was das für die Menschen bedeutet, beleuchtet Sören Michl, Vice President AI Adoption bei IFS.

Ein vierbeiniger Roboter bewegt sich durch eine Fertigungshalle, bewältigt Stufen, umgeht Hindernisse und bleibt auch in unübersichtlichen Umgebungen stabil. Seine Aufgabe ist es, nach einer Fehlermeldung mit seinen Kameras und Sensoren den Zustand einer Maschinen zu prüfen. Stellt er etwa einen überhitzten Motor fest, benachrichtigt er einen KI-Agenten, der wiederum erforderliche Ersatzteile beschafft sofort einen Wartungseinsatz plant und einen menschlichen Servicetechniker mit den passenden Ersatzteilen losschickt.

Dieses Szenario steht exemplarisch für eine allgemeine Entwicklung. Durch die Fortschritte der künstlichen Intelligenz werden auch robotische Systeme immer autonomer und anpassungsfähiger und lassen sich in immer komplexeren Umgebungen einsetzen. Zur hybriden Belegschaft in Unternehmen, die bislang aus menschlichen und digitalen Mitarbeitern bestand, kommen Roboter als dritter Player hinzu. Das geschieht in immer mehr Bereichen, von Produktionslinien über Logistik bis hin zu sensiblen Bereichen wie Clean Rooms oder kritischen Infrastrukturen.

Zusätzlich zu den bereits durch KI-Agenten automatisierten Aufgaben können nun auch viele operative Vor-Ort-Tätigkeiten mit KI automatisiert werden. Das verspricht weitere Effizienzgewinne für Unternehmen. Ohne Roboter würde im Anfangs genannten Beispiel ein Techniker vermutlich die Anlage zunächst vor Ort prüfen, das Problem manuell erfassen, zurückfahren, Ersatzteile organisieren und erneut zur Maschine fahren. Durch den beschriebenen Robotereinsatz wird der gesamte Prozess deutlich effizienter.

Die intelligente Robotik verspricht beträchtliche Vorteile. Deshalb wird sie sich sehr wahrscheinlich mit hoher Geschwindigkeit weiterverbreiten. Aber was bedeutet das für die menschlichen Mitarbeiter? Die übliche Annahme ist, dass es weniger Menschen braucht, wenn Maschinen Aufgaben autonom übernehmen. Es lohnt sich aber genauer hinzuschauen, welche Tätigkeiten von Maschinen ausgeführt werden.

Genau wie KI-Agenten übernehmen auch intelligente Roboter vor allem repetitive Routineaufgaben. Hochwertigere und komplexere Tätigkeiten führt der Mensch aus. Eine Überlegung wäre es nun, dass durch den Wegfall der Routineaufgaben unter dem Strich weniger menschliche Mitarbeiter benötigt werden und die verbleibenden üben dann eben den ganzen Tag anspruchsvolle Tätigkeiten ausführen. Doch diese Rechnung ist etwas zu einfach und wird nicht aufgehen. Niemand kann acht Stunden am Tag ausschließlich solche Tätigkeiten ausüben.

Denn wirklich hoch konzentrierte, kreative und anspruchsvolle Arbeit sind nur für eine bestimmte Anzahl an Stunden pro Arbeitstag möglich. Der Rest besteht aus Abstimmung, Routine und administrativen Aufgaben. Die eigentliche Frage ist deshalb nicht, ob weniger Menschen arbeiten werden – sondern wie Arbeit in Zukunft zeitlich organisiert wird.



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