Voice reicht Beschwerde gegen Broadcom ein

Robin Kaufmann
Bild: Voice – Bundesverband der IT-Anwender e.V.

Der Bundesverband der IT-Anwender (Voice) hat bei der EU-Kommission Beschwerde wegen Wettbewerbsverstößen gegen Broadcom/VMware eingereicht. Nach Auffassung des Awenderverbandes missbraucht Broadcom/VMware seine dominante Marktstellung im Bereich Virtualisierungssoftware.

Voice wirft Broadcom konkret vor, mit Hilfe willkürlich zusammengestellter Produkt-Bundle im Rahmen der Umstellung von Perpetual-Licencing auf Subskription „exorbitante und unfaire Preiserhöhungen“ durchzusetzen. Konkurrenten von Broadcom werde es dadurch erschwert, ihre Produkte bei den bisherigen Broadcom/VMware-Kunden zu verkaufen. Nur mit diesen missbräuchlichen Praktiken sei es Broadcom möglich, die für VMware angekündigten Umsatz- und Gewinnziele zu erreichen.

Betroffene Unternehmen beklagen Preiserhöhungen um mehrere hundert Prozent

Nach der Übernahme von VMware habe Broadcom durch die Umstellung des Angebots auf zwei Haupt-Produktbündel, die Einführung von Subskriptionsmodellen und die Einteilung der Kunden in Kategorien bewusst die Kosten für die Kunden erhöht, ohne formal die Preise für die einzelnen Produkte zu erhöhen. Kunden könnten in der Regel nicht und allenfalls nicht ohne unwirtschaftlich großen finanziellen und zeitlichen Aufwand zu einem anderen Anbieter von Virtualisierungssoftware wechseln. Im Vorfeld der Übernahme habe Broadcom versprochen, die Preise nicht anzuheben. Voice sieht in dem Verhalten einen Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung von Broadcom.

„Broadcom nutzt die Abhängigkeit seiner Kunden von den VMware-Produkten in höchst bedenklicher Weise aus“, erklärt Voice-Geschäftsführer Robin Kaufmann. „Als unabhängiger Anwenderverband, der die Interessen seiner Mitglieder vertritt, sind wir verpflichtet, gegen solche unfairen Praktiken vorzugehen. Wir haben es zunächst im direkten Dialog mit Broadcom versucht, doch es konnten keine Verbesserungen für die Nutzer erreicht werden. Das Unternehmen hat offensichtlich ausschließlich seine ehrgeizigen Finanzziele im Blick und interessiert sich überhaupt nicht für die Belange seiner Kunden.“

Insbesondere das Bundling der bisher einzeln verkauften Produkte führe zu hohen Kostensteigerungen für Anwenderunternehmen, so Voice. In den heute verfügbaren zwei Haupt-Produktpaketen werden die bisherigen Einzelprodukte gebündelt. Separat sind Einzelprodukte nur noch sehr eingeschränkt verfügbar. Für den Verband kommt erschwerend hinzu, dass Kunden immer sämtliche Produkte eines Bündels erwerben müssen, unabhängig davon, ob sie sie brauchen oder nicht: Falls sie ein weiteres Produkt benötigen, das nicht in ihrem gewählten Bündel enthalten ist, müssen sie das größere Bündel komplett erwerben. Ein sogenannter Mix and Match über die Bündelgrenzen hinweg sei nicht möglich, so Voice.

Darüber hinaus orientierten sich die Preise der Pakete immer am stärksten Bedarf: Benötigt ein Kunde z.B. deutlich mehr Lizenzen für die Servervirtualisierung als für die Speichervirtualisierung muss er trotzdem die gleiche Menge Netz-Lizenzen beziehen, wie er für die Servervirtualisierung braucht. Nach Ansicht von Voice wirken sich die negativen Bundling-Effekte doppelt aus: Der Zwang mehr Produkte zu erwerben als benötigt, führe zu einem qualitativen Bündelungseffekt. Der Zwang, mehr Lizenzen zu erwerben als benötigt, führe zu einem quantitativen Bündelungseffekt.

Außerdem setzt Broadcom nach Kenntnis von Voice Kunden, deren bisherigen Lizenzverträge auslaufen, unter erheblich Verhandlungsdruck. So verweigere der Anbieter seinen Kunden die nötige Zeit für die Umstellung, heißt es. Broadcom verweigere außerdem vertraglich vereinbarte Verlängerungsoptionen und verzögere absichtlich die Beantwortung von Anfragen, damit Kunden möglichst wenig Reaktionszeit bleibt, um gesetzte Fristen einzuhalten.

„Aufgrund dieser und vieler weiterer gravierenden Verstöße gegen den fairen Wettbewerb hat sich Voice entschlossen, den Weg der Beschwerde bei der EU-Kommission zu gehen“, erklärt Robin Kaufmann. „Wir setzen uns ein für einen fairen Wettbewerb im Software- und Cloud-Markt, der leider immer wieder durch unlautere Praktiken großer Anbieter in Frage gestellt wird. Dagegen wollen wir uns wehren.“

Ebenfalls betroffene Unternehmen können sich an Voice wenden.



  • Mehr Sicherheit in der Cloud

    Mehr Sicherheit in der Cloud

    McAfee kündigt die Zusammenarbeit mit Atlassian an, einem Anbieter für Softwareentwicklungs- und Kollaborations-Tools. Ziel ist es, gemeinsamen Kunden, die den Umstieg in die Cloud beschleunigen wollen, verbesserte Sicherheit und Bedrohungserkennung…

    mehr lesen: Mehr Sicherheit in der Cloud

  • Lückenloses Fahrzeug-Tracking

    Lückenloses Fahrzeug-Tracking

    Täglich werden Millionenwerte auf öffentlichen Straßen bewegt. Die scheinbar leichte Beute für Kriminelle zwingt Wert- und Geldtransportunternehmen, die Fahrzeuge entsprechend vor Raubüberfällen zu schützen.

    mehr lesen: Lückenloses Fahrzeug-Tracking

  • Produktionsplanung und -steuerung mit Obeya

    Produktionsplanung und -steuerung mit Obeya

    Für die Produktionsplanung und –steuerung wird in der Lern- und Musterfabrik am TZ PULS in Dingolfing jetzt mit einer Obeya-Kommunikationszentrale gearbeitet. Der große Raum, japanisch Obeya, kombiniert analoge Lean-Methoden mit…

    mehr lesen: Produktionsplanung und -steuerung mit Obeya

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Additive Fertigung von keramischen Bauteilen

    Additive Fertigung von keramischen Bauteilen

    Die neue Richtlinie VDI 3405 Blatt 8.1 soll Grundlagen für 3D-Druckverfahren von keramischen Bauteilen vermitteln,

    mehr lesen: Additive Fertigung von keramischen Bauteilen

  • Nach Lockdown: Vorsicht beim Hochfahren von Anlagen

    Nach Lockdown: Vorsicht beim Hochfahren von Anlagen

    Weltweit wurden in Folge der Coronavirus-Pandemie Unternehmen auf der ganzen Welt vorübergehend geschlossen. Nach der Phase des Stillstands bereiten sich nun viele Firmen auf die Wiedereröffnung vor.

    mehr lesen: Nach Lockdown: Vorsicht beim Hochfahren von Anlagen

  • Wirtschaftsleistung sinkt weltweit

    Wirtschaftsleistung sinkt weltweit

    Das Coronavirus stürzt fast die ganze Welt in eine Rezession. Das geht aus der neuesten Umfrage des Ifo-Instituts hervor, an der 1.000 Experten in 110 Ländern teilgenommen haben. Demnach könnte…

    mehr lesen: Wirtschaftsleistung sinkt weltweit

  • Unternehmen oftmals unzufrieden mit der DSGVO

    Unternehmen oftmals unzufrieden mit der DSGVO

    Die Unternehmen der deutschen Informationswirtschaft sind oftmals unzufrieden mit der im Mai 2018 in Kraft getretenen EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Das zeigt eine Umfrage des ZEW. Demnach überwiegen in jedem zweiten Unternehmen…

    mehr lesen: Unternehmen oftmals unzufrieden mit der DSGVO

  • Crate.io und M&M Software kooperieren

    Crate.io und M&M Software kooperieren

    Crate.io und M&M wollen künftig als Technologiepartner für die IoT-Datenbank CrateDB zusammenarbeiten.

    mehr lesen: Crate.io und M&M Software kooperieren

  • Sick erreicht prognostizierte Ziele für 2019

    Sick erreicht prognostizierte Ziele für 2019

    Sick hat im Geschäftsjahr 2019 seinen Umsatz um 7% auf 1,7Mrd.€ erhöht. Der Auftragseingang lag bei 1,8Mrd.€ (2018: 1,7Mrd.€).

    mehr lesen: Sick erreicht prognostizierte Ziele für 2019

  • Eine App zur Bauteilerkennung

    Eine App zur Bauteilerkennung

    In der Bildverarbeitung kommt künstliche Intelligenz seit langem zum Einsatz. Neuronale Netze erkennen beispielsweise Objekte des alltäglichen Lebens mit einer höheren Genauigkeit wieder als der Mensch. Forscher des Fraunhofer-Instituts für…

    mehr lesen: Eine App zur Bauteilerkennung

  • VDI ZRE veröffentlicht neue Prozesskette und Ressourcencheck

    VDI ZRE veröffentlicht neue Prozesskette und Ressourcencheck

    Durch industrielle biotechnologischen Prozesse ist es möglich, Güter ressourcenschonender und nachhaltiger zu produzieren. Das VDI Zentrum Ressourceneffizienz (VDI ZRE) hat als Online-Tool einen Prozess visualisiert, mit dem sich biotechnologische Verfahren…

    mehr lesen: VDI ZRE veröffentlicht neue Prozesskette und Ressourcencheck