Spezielle Chips für reduzierten KI-Energieverbrauch

Das System des Supercomputers 'Otus' der Universität Paderborn ist auf bis zu 100 FPGA-Karten erweiterbar und dann eines der stärksten FPGA-Systeme weltweit.
Das System des Supercomputers ‚Otus‘ der Universität Paderborn ist auf bis zu 100 FPGA-Karten erweiterbar und dann eines der stärksten FPGA-Systeme weltweit.Bild: Thorsten Hennig / Universität Paderborn

Im Rahmen des KI-Leuchtturmprojekts ‚Eki‘ hat ein Forschungsteam unter der Leitung der Universität Paderborn an der Verbesserung der Energieeffizienz von KI-Systemen gearbeitet und Methoden entwickelt, mit denen sich der Energieverbrauch von KI um bis zu 90% senken lässt. Dafür setzen die Forschenden auf spezielle Computerchips. Das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit hat das Vorhaben mit rund 1,5Mio.€ über einen Zeitraum von drei Jahren gefördert.

Energieeffizienz verbessert

Tiefe neuronale Netze (englisch: Deep Neural Networks, DNNs) sind elementarer Bestandteil von KI und werden in einem aufwendigen Prozess mit sehr großen Datenmengen trainiert. Deshalb sind sie für einen zunehmenden Anteil der Rechenlast und damit für den Energieverbrauch sowie CO2-Ausstoß in Rechenzentren verantwortlich. Prof. Dr. Marco Platzner vom Institut für Informatik an der Universität Paderborn hat das Projekt geleitet und erklärt: „Tiefe neuronale Netze sind eine Art KI, die nach dem Prinzip des menschlichen Gehirns funktioniert. Der ‚tiefe‘ Teil bezieht sich darauf, dass die Netze viele Schichten haben, die Daten verarbeiten und Muster erkennen, Bilder analysieren sowie Sprache verarbeiten.“ Nachdem die DNNs mit riesigen Datenmengen trainiert worden sind, kommen die Modelle, die aus dem Prozess resultieren, zum Einsatz. In der Regel werden dafür GPUs oder CPUs genutzt, die jedoch eine geringe Energieeffizienz aufweisen. Die Lösung des Projektteams: Mithilfe frei programmierbarer Chips, sogenannten ‚Field-Programmable Gate Arrays‘ (FPGAs), lässt sich die Energieeffizienz von KI-Systemen für die DNN-Berechnung optimieren.

Unterschiede zu herkömmlichen Prozessoren

Zum Vergleich: Herkömmliche Prozessoren führen feste Befehlssätze aus, während die Schaltung bei FGPAs selbst angepasst werden kann. So entsteht eine Art maßgeschneiderte Hardware. Dies hat zur Folge, dass die Chips je nach Anwendung weniger Energie verbrauchen und schneller rechnen als Grafikprozessoren. Das Team verweist jedoch darauf, dass sie aufwendiger zu programmieren sind. Aber auch dieses Problem sind die Forschenden des Fachgebiets Technische Informatik angegangen. Denn sie beschäftigen sich schon lange gemeinsam mit dem Paderborn Center for Parallel Computing (PC2) der Universität Paderborn mit dem energieeffizienten Rechnen mithilfe von FPGAs. „Die Firma AMD/Xilinx hatte bereits das Open-Source-Programm Finn für neuronale Netze auf FPGAs entwickelt. In enger Zusammenarbeit konnten wir unsere Erfahrungen einbringen, um Finn noch besser zu machen und den Schwerpunkt auf Energieeffizienz zu legen“, erklärt Platzner.

Um den Energiebedarf zu senken, haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die KI-Modelle vereinfacht, indem sie u.a. unnötige Verbindungen innerhalb der KI entfernt und dafür gesorgt haben, dass komplexe Funktionen effizient laufen. DNNs wurden dabei auch auf mehrere FGPAs verteilt. Ein weiterer Schwerpunkt war, verlässliche Methoden zu entwickeln, um den Energiebedarf einzelner Komponenten vorhersagen zu können. Das ist dem Team durch die Erweiterung von Finn gelungen. Zudem konnten sie den Verbrauch kompletter Inferenzläufe messen und mit anderen Technologien vergleichen. Ein Inferenzlauf ist der Moment, in dem ein KI-Modell seine Kenntnisse anwendet, um auf neue Daten zu reagieren. „Besonders erfreulich ist, dass wir eine erhöhte Energieeffizienz bis zum Zehnfachen gegenüber der Verwendung von Grafikprozessoren erreichen konnten. Das senkt nicht nur den Stromverbrauch, sondern auch – je nach Strommix – den Ausstoß von CO2-Emissionen. Da der Einsatz von KI stetig wächst, wird in Zukunft der Energiebedarf von DNNs zu einem wichtigen Umweltfaktor“, resümiert Platzner.

Der vom Forschungsteam entwickelte Code steht in Finn offen zur Verfügung. Zudem bietet das PC2 der Universität Paderborn Workshops an, um Interessierte in die Nutzung der Methoden zur DNN-Abbildung auf FGPA-Systemen und zur Energieanalyse einzuführen.

Neben der Universität Paderborn waren die Hochschule Hamm-Lippstadt, die Fachhochschule Südwestfalen, das HPC-Unternehmen MEGWARE (Chemnitz) und die AMD Research Labs in Irland am Projekt beteiligt.



  • Ausgaben für IT-Sicherheit steigen

    Ausgaben für IT-Sicherheit steigen

    Die Ausgaben für IT-Sicherheit erreichen in diesem Jahr ein neues Rekordhoch: Der Digitalverband Bitkom rechnet mit Investitionen in Höhe von 4,6 Mrd.€.

    mehr lesen: Ausgaben für IT-Sicherheit steigen

  • Mobile Lösungen für die Instandhaltung

    Mobile Lösungen für die Instandhaltung

    Die Managementberatung T.A. Cook lädt am 14. und 15. November zum Anwenderforum ‘Einsatz mobiler Lösungen in Instandhaltung und Service‘. 

    mehr lesen: Mobile Lösungen für die Instandhaltung

  • Informationen für die ERP-Auswahl und Wettbewerb

    Informationen für die ERP-Auswahl und Wettbewerb

    Entscheidungen über ein neues ERP-System sind teuer und binden das Unternehmen viele Jahre lang, daher will eine solche Entscheidung wohl überlegt sein.

    mehr lesen: Informationen für die ERP-Auswahl und Wettbewerb

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Zuliefermesse für den Maschinenbau in OWL

    Zuliefermesse für den Maschinenbau in OWL

    Messgeschehen, Vorträge und Netzwerken: Als regionaler Branchentreff lenkt die FMB – Zuliefermesse für den Maschinenbau den Blick in diesem Jahr auf das Thema Instandhaltung.

    mehr lesen: Zuliefermesse für den Maschinenbau in OWL

  • Maschinenbauer setzen auf 5G

    Maschinenbauer setzen auf 5G

    VDMA-Umfrage Maschinenbauer setzen auf 5G Wie aus einer Umfrage des VDMA hervorgeht, plant die Mehrheit der Maschinenbauer ihre Produkte mit einer 5G-Schnittstelle auszurüsten.

    mehr lesen: Maschinenbauer setzen auf 5G

  • IFS stellt DACHI-Region unter neue Leitung

    IFS stellt DACHI-Region unter neue Leitung

    IFS hat Marcus Pannier zum Geschäftsführer für die DACHI-Region ernannt.

    mehr lesen: IFS stellt DACHI-Region unter neue Leitung

  • Im Zeichen der Kreislaufwirtschaft

    Im Zeichen der Kreislaufwirtschaft

    Alle drei Jahre wird Düsseldorf zum internationalen Branchentreffpunkt der Kunststoff- und Kautschuk-Industrie. Vom 16. bis zum 23. Oktober findet auf dem Messgelände der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt die K statt.

    mehr lesen: Im Zeichen der Kreislaufwirtschaft

  • DMG Mori investiert in Up2Parts

    DMG Mori investiert in Up2Parts

    Der Werkzeugmaschinenhersteller DMG Mori beteiligt sich am Softwareunternehmen Up2Parts. Ziel der Investition ist es, zusätzliches Digitalisierungs-Knowhow zu erschließen.

    mehr lesen: DMG Mori investiert in Up2Parts

  • Ein Blick in die Zukunft

    Ein Blick in die Zukunft

    Im aktuellen Future Readiness Index der Managementberatung KPMG zeigen sich die deutschen Unternehmen mit Blick auf die nächsten fünf Jahre positiv gestimmt. Im Vergleich zum vergangenen Jahr ist dieser Wert…

    mehr lesen: Ein Blick in die Zukunft

  • Funktionale Sicherheit in der Prozessindustrie

    Funktionale Sicherheit in der Prozessindustrie

    Bei der Verhinderung von sicherheitsrelevanten Ereignissen, und insbesondere von Störfällen, wird die Prozessleittechnik (PLT) immer wichtiger. Die Richtlinienreihe VDI/VDE 2180 beschäftigt sich mit diesem Thema, wurde grundlegend überarbeitet und neu…

    mehr lesen: Funktionale Sicherheit in der Prozessindustrie

  • Grunwitz wird NTT Deutschland-Chef

    Grunwitz wird NTT Deutschland-Chef

    Nach dem Start von NTT Ltd. Anfang Juli hat der IT-Dienstleister Kai Grunwitz zum Chef des Deutschland-Geschäfts ernannt.

    mehr lesen: Grunwitz wird NTT Deutschland-Chef