Saarbrücker Forschungsteam stellt Methoden für nachhaltigere KI vor

Die Forscherinnen Sabine Janzen (links) und Hannah Stein (rechts) haben im Forschungskonsortium des Projekts Escade Methoden erforscht, die künstliche Intelligenz energieeffizienter machen sollen.
Die Forscherinnen Sabine Janzen (links) und Hannah Stein (rechts) haben im Forschungskonsortium des Projekts Escade Methoden erforscht, die künstliche Intelligenz energieeffizienter machen sollen.Bild: ©Oliver Dietze

Wege, um den Strombedarf von KI mit Hard- und Softwaretechnologien um bis zu 90% zu drosseln, hat ein Forschungskonsortium unter Leitung von Wolfgang Maaß (Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz DFKI und Universität des Saarlandes) erforscht. Die Ergebnisse stellt das Team am 30. Juli im DFKI am Saarbrücker Campus vor. Das Konsortium hat drei Jahre lang verschiedene Methoden erforscht, neue Technologien entwickelt und erprobt.

Energieverbrauch um bis zu 90% gesenkt

Das Team setzt zum einen auf kleinere, bedarfsgerechtere KI-Modelle, um den Energiehunger der KI zu drosseln. Die Beteiligten erklären, dass KI heute riesige Datenmodelle verwendet und verweisen darauf, dass etwa ein Chatbot für seine Antwort das komplette Datenmodell mit Billionen von Parametern nutzt: Er durchsucht im übertragenen Sinn also eine ganze Bibliothek statt nur die Bücher mit relevantem Inhalt. Die Forscherinnen und Forscher haben deshalb KI-Modelle entwickelt, bei denen unwesentliche Parameter gar nicht erst verarbeitet werden und die dadurch sparsamer sind.

Diese filtern dafür das für den jeweiligen Aufgabenbereich wirklich nötige Wissen aus großen Lehrermodellen heraus und schaffen maßgeschneiderte Schülermodelle, die laut den Forschenden um bis zu 90% kleiner sind. „Wir erzielen gute Ergebnisse damit, die KI-Modelle zu komprimieren, sie also kleiner und effizienter zu gestalten. In unseren Testläufen konnten wir zeigen, dass die Schülermodelle vergleichbare Leistung bringen, aber mit bis zu 89% weniger Energie auskommen“, sagt Sabine Janzen, promovierte Forscherin im Team von Wolfgang Maaß. Die für den konkreten Anwendungsfall zusammengestellten, schlankeren KI-Modelle arbeiten ohne große Infrastruktur. „Dadurch werden leistungsfähige KI-Modelle auch für mittelständische und kleinere Unternehmen zugänglich, was zuvor allein wegen der Größe der Modelle unmöglich war“, so Janzen.

Automatisch zum besten KI-Modell mit 40% weniger Energie

Bei KI-Modellen, die digitale Bilddaten verarbeiten und erzeugen, nutzen die Forscherinnen und Forscher eine andere Methode, die sogenannte ‚Neuronale Architektursuche‘. Wie das Team erklärt, findet dieses Verfahren automatisch die beste Architektur für künstliche neuronale Netze. Die Forschenden konnten zeigen, dass sie die Modelle um knapp 90% verkleinern und den Energieverbrauch um 40% senken können. Zudem wird betont, dass die Modelle nicht nur keine Leistung einbüßen, sondern laut Sabine Janzen auch die Genauigkeit des Modells verbessert wurde.

Das Team hat sich zudem dem maschinellen Lernen mit künstlichen neuronalen Netzen gewidmet, bei dem Lernprozesse ähnlich ablaufen wie im menschlichen Gehirn. Wie betont wird, ist das menschliche Gehirn ein Meister in Sachen Energieeffizienz. Sein künstliches Pendant mit seinen effizienten Algorithmen benötigt jedoch enorm viel Rechenleistung und Strom. Demnach werden künstliche neuronale Netzwerke heute noch aufwändig von Menschen zusammengestellt und so lange angepasst, bis sie gute Ergebnisse liefern. „Wir automatisieren diesen Vorgang mit neuronaler Architektursuche. Dabei testen wir verschiedene Netzstrukturen und optimieren diese weiter, sodass die Modelle leistungsfähig und effizient sind, aber weniger kosten“, erklärt Janzen.

Test in der Schrottsortierung

Das Team testete seine KI-Modelle u.a. in Zusammenarbeit mit der SHS – Stahl-Holding-Saar. Ziel war hier ein KI-Modell, das Stahlschrott automatisch sortiert und anhand von Kameraaufnahmen erkennt, welche Sorte Stahlschrott auf dem Hüttengelände geliefert wird. Mit den herkömmlichen Methoden wäre ein solches Modell gigantisch groß, energieintensiv und nicht praxistauglich. Um den Stahlrecycling-Prozess effektiver zu machen, wurde das visuelle KI-Modell zur Schrottsortierung so komprimiert, dass es kompakt, energieeffizient und laut den Beteiligten zum Teil sogar leistungsfähiger arbeitet. Dafür trainierten sie ihr Modell zunächst mit dem kompletten Datenpaket und sämtlichen Informationen und komprimierten die KI-Modelle anschließend durch Wissensdestillation und automatisch zusammengestellte neuronale Netze.

Handlungsempfehlung nachhaltigere KI

Mit seinen Partnern erarbeitete das Saarbrücker Forschungsteam zudem ein Konzept und Handlungsempfehlungen für energieeffiziente KI, mit denen Rechenzentren und KI-Anwender besser planen und unwirtschaftliche Abläufe erkennen können. Hierfür wurde ein Werkzeug erarbeitet, das zuverlässige Prognosen über den genauen Energieverbrauch und die Kosten der KI-Modelle ermöglicht. „Dieses Tool macht es etwa möglich, Abläufe, die große Rechenleistungen erfordern, dann einzuplanen, wenn der Strompreis günstig ist. Bislang können Entscheidungsträger nur schwer abschätzen, für welche Modelle sie wie viel Energie verbrauchen werden, weshalb es schwierig ist, wirtschaftlich zu planen“, erläutert die Doktorandin Hannah Stein, die an den energiesparenden KI-Methoden forscht.

Neuromorphe Chiptechnologien

Darüber hinaus arbeitet das Forschungskonsortium im Bereich der Hardware an neuromorphen Chiptechnologien. Das sind Mikroprozessoren, die ebenfalls die Funktionsweise des menschlichen Gehirns nachbilden. „Unsere Ergebnisse in diesem Hardware-Bereich deuten darauf hin, dass auch diese Technologie deutlich energieeffizienter arbeitet als die herkömmlichen Chips: In unseren Tests laufen diese bereits bis zu sechsfach effizienter. Aber hier ist weitere Forschung notwendig, dafür brauchen wir noch mehr Zeit“, erklärt Sabine Janzen.

Am 30. Juli stellt das Forschungskonsortium seine Projektergebnisse vor. Interessierte, insbesondere auch Rechenzentrumsbetreiber, Technologieanbieter und Unternehmen sind eingeladen. Anmeldung und Programm: escade-project.de



  • Geschäftsklimaindex steigt auch im April

    Geschäftsklimaindex steigt auch im April

    Mit 89,4 Punkten liegt der Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts im April 2024 1,5 Punkte über dem Wert des Vormonats. Die Wirtschaftsforscher führen den Anstieg vor allem auf Entwicklungen im Dienstleistungssektor zurück.

    mehr lesen: Geschäftsklimaindex steigt auch im April

  • Fachforum beleuchtet KI-Potenzial und gibt rechtliche Tipps

    Fachforum beleuchtet KI-Potenzial und gibt rechtliche Tipps

    Welche Rolle künstliche Intelligenz (KI) und Automatisierung für die additive Fertigung spielen, erörtert das Forum Software, KI & Design, das am 15. Mai auf der Rapid.Tech 3D (14. bis 16.…

    mehr lesen: Fachforum beleuchtet KI-Potenzial und gibt rechtliche Tipps

  • OPC Foundation startet KI-Arbeitsgruppe und Cloud-Initiative

    OPC Foundation startet KI-Arbeitsgruppe und Cloud-Initiative

    Die OPC Foundation hat die Arbeitsgruppe ‚OPC UA for AI’ gegründet. Zudem wurde eine Cloud-Initiative gestartet, um die Interoperabilität zwischen IT- und Cloud-Plattformen auf Basis von OPC UA zu fördern.

    mehr lesen: OPC Foundation startet KI-Arbeitsgruppe und Cloud-Initiative

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Insys Icom beruft zweiten Geschäftsführer

    Insys Icom beruft zweiten Geschäftsführer

    Die Insys Icom hat einen zweiten Geschäftsführer. Gemeinsam mit Unternehmensgründer Eduard B. Wagner steht seit 1. April Florian Froschermeier an der Spitze des Regensburger Unternehmens.

    mehr lesen: Insys Icom beruft zweiten Geschäftsführer

  • USA bleiben Technologieführer

    USA bleiben Technologieführer

    Bei den Schlüsseltechnologien liegen die USA nach wie vor vor China. Zwar meldet China inzwischen mehr Patente an als die USA, laut einer Analyse — an der unter anderem das…

    mehr lesen: USA bleiben Technologieführer

  • IFM und Microsoft vereinbaren Partnerschaft

    IFM und Microsoft vereinbaren Partnerschaft

    Im Rahmen der Hannover Messe haben Microsoft und IFM Electronic eine Partnerschaft bekannt gegeben. Ein erstes Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist das Azure-basierte Modul RemoteConnect für Fernwartung und Überwachung.

    mehr lesen: IFM und Microsoft vereinbaren Partnerschaft

  • Igus übernimmt Atronia

    Igus übernimmt Atronia

    Igus hat im März die mehrheitlichen Anteile am portugiesischen Unternehmen Atronia Tailored Sensing erworben. Mit diesem strategischen Schritt will Igus auf dem Markt der vernetzten Kunststoffbauteile weiter expandieren. Ziel ist…

    mehr lesen: Igus übernimmt Atronia

  • Open Community Experience feiert Premiere in Mainz

    Open Community Experience feiert Premiere in Mainz

    Vom 22. bis 24. Oktober 2024 feiert die OCX in Mainz Premiere und bringt Open Source Communities zusammen. Der Fokus der Veranstaltung liegt auf den Bereichen Automotive und Mobility, Development…

    mehr lesen: Open Community Experience feiert Premiere in Mainz

  • Stehen humanoide Roboter bald am Fließband?

    Stehen humanoide Roboter bald am Fließband?

    Humanoide Roboter könnten ab 2025 serienreif sein. Das prognostiziert die Managementberatung Horváth und geht weiter davon aus, dass sich mit diesen Robotern mehr als 50 Prozent der manuellen Tätigkeiten automatisieren…

    mehr lesen: Stehen humanoide Roboter bald am Fließband?

  • Mehr Cyberangriffe, weniger Plagiatsfälle

    Mehr Cyberangriffe, weniger Plagiatsfälle

    Rund ein Viertel der Maschinen- und Anlagenbauer berichtet von signifikanten Cybersicherheitsvorfällen in den vergangenen zwei Jahren. Plagiatsfälle gingen in diesem Zeitraum hingegen zurück.

    mehr lesen: Mehr Cyberangriffe, weniger Plagiatsfälle

  • Stand der OT-Sicherheit

    Stand der OT-Sicherheit

    Ein neuer Bericht von ABI Research und Palo Alto Networks über den Stand der OT-Sicherheit hat ergeben, dass im vergangenen Jahr eines von vier Industrieunternehmen angab, seinen Betrieb aufgrund eines…

    mehr lesen: Stand der OT-Sicherheit