Forschungsprojekt OpenGPT-X veröffentlicht großes KI-Sprachmodell

Stock market trading with AI Artificial Intelligence technology
Bild: ©flyalone/stock.adobe.com


Das große KI-Sprachmodell des Forschungsprojekts OpenGPT-X steht ab sofort auf Hugging Face zum Download bereit: ’Teuken-7B’ wurde von Grund auf mit den 24 Amtssprachen der EU trainiert und umfasst sieben Milliarden Parameter. Akteure aus Forschung und Unternehmen können das kommerziell einsetzbare Open-Source-Modell für ihre eigenen Anwendungen der künstlichen Intelligenz (KI) nutzen. Damit haben die Partner des vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) geförderten Konsortialprojekts OpenGPT-X unter der Leitung der Fraunhofer-Institute für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS und für Integrierte Schaltungen IIS ein großes KI-Sprachmodell als frei verwendbares Open-Source-Modell mit europäischer Perspektive auf den Weg gebracht.

„Im Projekt OpenGPT-X haben wir in den vergangenen zwei Jahren mit starken Partnern aus Forschung und Wirtschaft die grundlegende Technologie für große KI-Fundamentalmodelle erforscht und entsprechende Modelle trainiert. Wir freuen uns, dass wir jetzt unser Modell weltweit frei zur Verfügung stellen und damit eine aus der öffentlichen Forschung stammende Alternative für Wissenschaft und Unternehmen bieten können“, sagt Prof. Dr. Stefan Wrobel, Institutsleiter am Fraunhofer IAIS. „Unser Modell hat seine Leistungsfähigkeit über eine große Bandbreite an Sprachen gezeigt, und wir hoffen, dass möglichst viele das Modell für eigene Arbeiten und Anwendungen adaptieren oder weiterentwickeln werden. So wollen wir sowohl innerhalb der wissenschaftlichen Community als auch gemeinsam mit Unternehmen unterschiedlicher Branchen einen Beitrag leisten, um den steigenden Bedarf nach transparenten und individuell anpassbaren Lösungen der generativen künstlichen Intelligenz zu adressieren.“

Multilingual entwickelt

Teuken-7B ist eines der wenigen KI-Sprachmodelle, die von Grund auf multilingual entwickelt wurden. Es enthält ca. 50 Prozent nicht-englische Pretraining-Daten und wurde in allen 24 europäischen Amtssprachen trainiert. Die Projektbeteiligten sehen darin etwa Möglichkeiten für internationale Unternehmen mit mehrsprachigen Kommunikationsbedarfen sowie Produkt- und Serviceangeboten. Die Bereitstellung als Open-Source-Modell erlaubt es Unternehmen und Organisationen, eigene angepasste Modelle in realen Anwendungen zu betreiben. Sensible Daten können im Unternehmen verbleiben.

Prof. Dr.-Ing. Bernhard Grill, Institutsleiter am Fraunhofer IIS, betont die Bedeutung für sicherheitsrelevante Anwendungen: »Mit dem hier veröffentlichten, von Grund auf vollkommen eigenständig trainierten Sprachmodell demonstrieren die Projektpartner ihre Fähigkeit, eigene große Modelle erzeugen zu können. Der damit verbundene Zugriff auf ein großes KI-Sprachmodell ermöglicht Anwendungen, die ohne nicht einsehbare Fremd-Komponenten eine sehr viel bessere Kontrolle über diese Technologie bieten – zum Beispiel für spezifische, besonders auch sicherheitskritische Anwendungen im Automobilbereich, in der Robotik, der Medizin oder dem Finanzwesen. Durch Training mit den für den konkreten Anwendungsfall relevanten Daten und die Verwendung anwendungsspezifischer Architekturen können für Unternehmen so individuelle KI-Lösungen geschaffen werden, die ohne Black-Box-Komponenten auskommen.“

Das OpenGPT-X-Team widmete sich neben dem Modelltraining auch zahlreichen Forschungsfragen, zum Beispiel wie multilinguale KI-Sprachmodelle energie- und kosteneffizienter trainiert und betrieben werden können. Dazu wurde im Projekt ein multilingualer ’Tokenizer’ entwickelt. Dessen Aufgabe ist es, Wörter in einzelne Wortbestandteile zu zerlegen – je weniger Token, desto (energie-)effizienter und schneller generiert ein Sprachmodell die Antwort. Wie die Forschenden mitteilen, führte die Entwicklung zu einer Reduzierung der Trainingskosten im Vergleich zu anderen multilingualen Tokenizern, wie etwa Llama3 oder Mistral. Dies komme insbesondere bei europäischen Sprachen mit langen Wörtern wie Deutsch, Finnisch oder Ungarisch zum Tragen, so die Beteiligten. Auch im Betrieb von mehrsprachigen KI-Anwendungen können damit Effizienzsteigerungen erreicht werden.

In dieser Abbildung ist die Sprachverteilung von Teuken-7B-v0.4 dargestellt. Neben Code enthält Teuken-7B-v0.4 ca. 50% nicht-englischen Text aus 23 europäischen Ländern und nur ca. 40% englische Pretraining-Daten.
In dieser Abbildung ist die Sprachverteilung von Teuken-7B-v0.4 dargestellt. Neben Code enthält Teuken-7B-v0.4 ca. 50% nicht-englischen Text aus 23 europäischen Ländern und nur ca. 40% englische Pretraining-Daten. Bild: ©Fraunhofer IAIS

Gaia-X-kompatibel

Das Verbundprojekt OpenGPT-X wurde im Rahmen des BMWK-Förderprogramms ’Innovative und praxisnahe Anwendungen und Datenräume im digitalen Ökosystem Gaia-X’ gefördert. Somit ist Teuken-7B auch über die Gaia-X Infrastruktur zugänglich. Akteure im Gaia-X-Ökosystem können so Sprachanwendungen entwickeln und in konkrete Anwendungsszenarien in ihren jeweiligen Domänen überführen.

In die Modellentwicklung sind wichtige Forschungsergebnisse aus dem OpenGPT-X-Projekt eingeflossen, wie beispielsweise Tools und Technologien, um sehr große Datenmengen aufzubereiten, leistungsfähige europäische HPC-Infrastrukturen zu nutzen und ein effizientes Modelltraining durchzuführen. Trainiert wurde Teuken-7B mithilfe des Supercomputers Juwels am Forschungszentrum Jülich. Neben den beiden Fraunhofer-Instituten und dem Forschungszentrum Jülich haben der KI Bundesverband, die TU Dresden, das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), Ionos, Aleph Alpha, ControlExpert sowie der Westdeutsche Rundfunk (WDR) als Partner an OpenGPT-X mitgearbeitet. Die in OpenGPT-X entstandene Technologie bietet den Partnern auch zukünftig die Basis für das Training weiterer eigener Modelle.

Das Anfang 2022 gestartete Forschungsprojekt steht nun kurz vor dem Abschluss. Es läuft noch bis zum 31. März 2025, so dass weitere Optimierungen und Evaluierungen der Modelle erfolgen können.



  • Deutscher Maschinenbau im Stimmungstief

    Deutscher Maschinenbau im Stimmungstief

    Rezessionsgefahr und eine abgeschwächte Auslandsnachfrage trüben die Stimmung im deutschen Maschinenbau. Dies geht aus dem vierteljährlichen Maschinenbaubarometer von PWC für das dritte Quartal 2019 hervor. Demnach blicken 48 Prozent der…

    mehr lesen: Deutscher Maschinenbau im Stimmungstief

  • IT-Umgebungen mit KI managen

    IT-Umgebungen mit KI managen

    Der Anstieg an vernetzten Geräten und Services könnte zukünftig dazu führen, dass IT-Umgebungen nicht mehr allein von Menschenhand gesteuert werden. Dies ist das Ergebnis des ‘2020 Global Networking Technology Report‘…

    mehr lesen: IT-Umgebungen mit KI managen

  • Cosmo Consult erweitert Führungsteam

    Cosmo Consult erweitert Führungsteam

    Um den Weg für weiteres Wachstum zu ebnen, hat das Software- und Beratungsunternehmen Cosmo Consult seine Führungsmannschaft um drei neue Positionen erweitert.

    mehr lesen: Cosmo Consult erweitert Führungsteam

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Im Wettbewerb Schwachstellen aufspüren

    Im Wettbewerb Schwachstellen aufspüren

    Der IT-Security-Spezialist Trend Micro erweitert seinen Wettbewerb ‘Pwn2Own Miami‘ auf industrielle Steuerungssysteme (ICS). Die Aufgabe besteht darin, Schwachstellen in der Software und den Protokollen von weit verbreiteten Systemen zu finden.…

    mehr lesen: Im Wettbewerb Schwachstellen aufspüren

  • Industrie 4.0 ohne Stolpersteine

    Industrie 4.0 ohne Stolpersteine

    In dem auf drei Jahre ausgelegten Forschungsprojekt Sorisma wollen die Projektpartner Methoden erarbeiten, die Unternehmen dabei helfen soll, Fallstricke bei der Einführung von Industrie 4.0-Technologien zu vermeiden.

    mehr lesen: Industrie 4.0 ohne Stolpersteine

  • T.CON ernennt Thomas Blöchl zum COO

    T.CON ernennt Thomas Blöchl zum COO

    Mit Thomas Blöchl als neuem COO hat die T.CON ein viertes Mitglied in die Geschäftsführung berufen.

    mehr lesen: T.CON ernennt Thomas Blöchl zum COO

  • Unternehmen planen weniger Neueinstellungen

    Unternehmen planen weniger Neueinstellungen

    Die Beschäftigungsaussichten für die nächsten drei Monate sind laut Ifo-Beschäftigungsbarometer weiter positiv, jedoch zeigt der Index einen weniger starken Beschäftigungsanstieg als in den vergangenen Jahren.

    mehr lesen: Unternehmen planen weniger Neueinstellungen

  • Automation trifft Software

    Automation trifft Software

    Vom 26. bis zum 28. November 2019 wird das Nürnberger Messegelände zum Branchentreff der Automatisierungstechnik. Dabei weist die SPS – Smart Production Solutions in diesem Jahr erstmals bereits im Namen…

    mehr lesen: Automation trifft Software

  • T-Systems und Siemens arbeiten an gemeinsamen IIoT-Lösungen

    T-Systems und Siemens arbeiten an gemeinsamen IIoT-Lösungen

    Im Rahmen der Digital X in Köln haben Siemens und T-Systems angekündigt, künftig gemeinsame Lösungen für das industrielle Internet der Dinge anzubieten.

    mehr lesen: T-Systems und Siemens arbeiten an gemeinsamen IIoT-Lösungen

  • Neuer EMEA General Manager bei PTC

    Neuer EMEA General Manager bei PTC

    PTC hat mit Stéphane Barberet einen neuen General Manager für die EMEA-Region. Barberet kommt von Dell zum US-Softwareanbieter.

    mehr lesen: Neuer EMEA General Manager bei PTC

  • ‘Gaia-X‘: Eine Cloud für Europa

    ‘Gaia-X‘: Eine Cloud für Europa

    Bundesforschungsministerin Anja Karliczek und der Beauftragte für Digitale Wirtschaft des Bundeswirtschaftsministeriums, Thomas Jarzombek, haben in Dortmund die Pläne für ein europäisches Cloud-Projekt vorgestellt.

    mehr lesen: ‘Gaia-X‘: Eine Cloud für Europa