Factory-X erfordert mehr als die Blaupause der Automobilindustrie

Fritz Michael 21 Copyright Fraunhofer Gesellschaft
Bild: Fraunhofer CCIT

Der hohe Investitionsbedarf durch die digitale Transformation, die Dekarbonisierung im Energiesektor, der demografische Wandel, die zunehmende nationale und internationale Regulierung und die aktuell unruhige politische Lage stellen die Industrie vor Herausforderungen. Von der Innovationskraft und Veränderungsbereitschaft der Industrie konnte man sich jedoch in den vergangenen Monaten auf Industriemessen wie zuletzt der SPS in Nürnberg oder als Teilnehmer der Netzwerkklausur der Plattform Industrie 4.0 in Stuttgart überzeugen. Gerade letztere legte einen Schwerpunkt auf die Stärkung der Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Akteuren der Industrie. Dazu gehört die Vernetzung von Unternehmen und Forschungseinrichtungen, um gemeinsam die digitale Transformation voranzutreiben, ein offenes digitales Ökosystem mit sicherem Datenaustausch zu schaffen und die verschiedenen X-Projekte zu einem großen Ganzen zu verzahnen. CCIT-Geschäftsführer Michael Fritz kommentiert den Wandel zu einer zukunftsfähigen, digitalisierten Industrie:

Factory-X will dem Beispiel der Automobilindustrie folgen und ein kollaboratives digitales Ökosystem für Fabrikausrüster und -betreiber schaffen, das auf den Grundlagen von Catena-X und den Prinzipien der Plattform Industrie 4.0 aufbaut. Nicht nur vor dem Hintergrund der EU Regularien wie Data Act, AI Act und Digital Services Act spielen dabei der sichere Datenaustausch und die Datensouveränität eine zunehmend wichtige Rolle. Sondern auch und besonders aufgrund der Tatsache, dass der Mehrwert der digitalen Ökosysteme erst durch das Teilen von Daten realisiert wird. Ein bislang noch ungenügend gelöster Knackpunkt dabei: Die technische Durchsetzung der Datennutzungskontrolle als unabdingbares Sicherheitsmerkmal in offenen Ökosystemen muss sichergestellt werden.

Im Gegensatz zur Automobilindustrie ist der Maschinenbau stärker fragmentiert und weniger in direkten Lieferketten organisiert. Dies erfordert angepasste Datenökosysteme und Betreibermodelle. Statt Catena-X blind als Blaupause auf Factory-X zu übertragen, ist es erforderlich, die Lösungen weiterzuentwickeln. So müssen beispielsweise bestehende Datenkonnektoren für den sicheren Datenaustausch überarbeitet und ergänzt werden. Das Fraunhofer CITT forscht an technischen Anwendungen, die über die bisherigen Ansätze hinausgehen.

Technisch betrachtet ist für den Erfolg von Factory-X ein sicherer, kontrollierter Datenraum notwendig, der den interoperablen Datenaustausch durch offene Standards und Open-Source-Systemen unter Wahrung der Datensouveränität ermöglicht. Aus wirtschaftlicher Sicht ist es wichtig, dass Geschäftsmodelle entstehen, die den Mehrwert des Datenaustauschs für Maschinenbetreiber und Anlagenbauer unter Berücksichtigung von Sicherheitsaspekten aufzeigen.

Digitale Hürden überwinden

Das Jahr 2025 muss als aktives Entwicklungsjahr genutzt werden, um 2026 die gesteckten Ziele zu erreichen. Gerade auch KMU sollten diese Entwicklungszeit für sich nutzen, um beispielsweise bestehende organisatorische und technologische Hürden zu überwinden und schnellstmöglich neue Strukturen und Geschäftsmodelle für die angestrebte Digitalisierung zu schaffen. Diesen Transformationsprozess und die Entwicklung spezifischer Systeme können Unternehmen auch mit Unterstützung der angewandten Forschung gestalten.

Für Unternehmen ist es jetzt wichtig, sich nicht in Details zu verzetteln, sondern voranzugehen und ihre Ideen möglichst schnell prototypisch umzusetzen. Indem sie sich frühzeitig vorbereiten, können sie am besten von Factory-X in Form von erhöhter Resilienz, Effizienz, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit profitieren.



  • Lückenloses Fahrzeug-Tracking

    Lückenloses Fahrzeug-Tracking

    Täglich werden Millionenwerte auf öffentlichen Straßen bewegt. Die scheinbar leichte Beute für Kriminelle zwingt Wert- und Geldtransportunternehmen, die Fahrzeuge entsprechend vor Raubüberfällen zu schützen.

    mehr lesen: Lückenloses Fahrzeug-Tracking

  • Produktionsplanung und -steuerung mit Obeya

    Produktionsplanung und -steuerung mit Obeya

    Für die Produktionsplanung und –steuerung wird in der Lern- und Musterfabrik am TZ PULS in Dingolfing jetzt mit einer Obeya-Kommunikationszentrale gearbeitet. Der große Raum, japanisch Obeya, kombiniert analoge Lean-Methoden mit…

    mehr lesen: Produktionsplanung und -steuerung mit Obeya

  • Additive Fertigung von keramischen Bauteilen

    Additive Fertigung von keramischen Bauteilen

    Die neue Richtlinie VDI 3405 Blatt 8.1 soll Grundlagen für 3D-Druckverfahren von keramischen Bauteilen vermitteln,

    mehr lesen: Additive Fertigung von keramischen Bauteilen

  • Nach Lockdown: Vorsicht beim Hochfahren von Anlagen

    Nach Lockdown: Vorsicht beim Hochfahren von Anlagen

    Weltweit wurden in Folge der Coronavirus-Pandemie Unternehmen auf der ganzen Welt vorübergehend geschlossen. Nach der Phase des Stillstands bereiten sich nun viele Firmen auf die Wiedereröffnung vor.

    mehr lesen: Nach Lockdown: Vorsicht beim Hochfahren von Anlagen

  • Wirtschaftsleistung sinkt weltweit

    Wirtschaftsleistung sinkt weltweit

    Das Coronavirus stürzt fast die ganze Welt in eine Rezession. Das geht aus der neuesten Umfrage des Ifo-Instituts hervor, an der 1.000 Experten in 110 Ländern teilgenommen haben. Demnach könnte…

    mehr lesen: Wirtschaftsleistung sinkt weltweit

  • Unternehmen oftmals unzufrieden mit der DSGVO

    Unternehmen oftmals unzufrieden mit der DSGVO

    Die Unternehmen der deutschen Informationswirtschaft sind oftmals unzufrieden mit der im Mai 2018 in Kraft getretenen EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Das zeigt eine Umfrage des ZEW. Demnach überwiegen in jedem zweiten Unternehmen…

    mehr lesen: Unternehmen oftmals unzufrieden mit der DSGVO

  • Crate.io und M&M Software kooperieren

    Crate.io und M&M Software kooperieren

    Crate.io und M&M wollen künftig als Technologiepartner für die IoT-Datenbank CrateDB zusammenarbeiten.

    mehr lesen: Crate.io und M&M Software kooperieren

  • Sick erreicht prognostizierte Ziele für 2019

    Sick erreicht prognostizierte Ziele für 2019

    Sick hat im Geschäftsjahr 2019 seinen Umsatz um 7% auf 1,7Mrd.€ erhöht. Der Auftragseingang lag bei 1,8Mrd.€ (2018: 1,7Mrd.€).

    mehr lesen: Sick erreicht prognostizierte Ziele für 2019

  • Eine App zur Bauteilerkennung

    Eine App zur Bauteilerkennung

    In der Bildverarbeitung kommt künstliche Intelligenz seit langem zum Einsatz. Neuronale Netze erkennen beispielsweise Objekte des alltäglichen Lebens mit einer höheren Genauigkeit wieder als der Mensch. Forscher des Fraunhofer-Instituts für…

    mehr lesen: Eine App zur Bauteilerkennung

  • VDI ZRE veröffentlicht neue Prozesskette und Ressourcencheck

    VDI ZRE veröffentlicht neue Prozesskette und Ressourcencheck

    Durch industrielle biotechnologischen Prozesse ist es möglich, Güter ressourcenschonender und nachhaltiger zu produzieren. Das VDI Zentrum Ressourceneffizienz (VDI ZRE) hat als Online-Tool einen Prozess visualisiert, mit dem sich biotechnologische Verfahren…

    mehr lesen: VDI ZRE veröffentlicht neue Prozesskette und Ressourcencheck

  • Worauf CIOs achten sollten

    Worauf CIOs achten sollten

    Nicht Wachstum, sondern die Sicherung der Unternehmenszukunft steht während der Corona-Pandemie im Fokus der Unternehmen. Das Beratungsunternehmen Gartner hat diesbezüglich acht Maßnahmen identifiziert, die CIOs ergreifen sollten.

    mehr lesen: Worauf CIOs achten sollten

  • Digitalindex rutscht auf Tiefststand

    Digitalindex rutscht auf Tiefststand

    ITK-Unternehmen bewerten Geschäftslage noch als befriedigend, blicken aber pessimistisch in die Zukunft. Der Digitalindex des Branchenverbandes Bitkom rutschte auf den niedrigsten Wert seit seiner erstmaligen Erhebung.

    mehr lesen: Digitalindex rutscht auf Tiefststand