Doppelter Halbleiterbedarf in Europa bis 2014

Component Installation and Quality Control of Circuit Board. Fully Automated PCB Assembly Line Equipped with High Precision Robot Arms at Electronics Factory. Electronic Devices Manufacturing Industry
Component Installation and Quality Control of Circuit Board. Fully Automated PCB Assembly Line Equipped with High Precision Robot Arms at Electronics Factory. Electronic Devices Manufacturing IndustryBild: ZVEI e.V.

Der Halbleiterbedarf in Europa könnte sich bis 2040 verdoppeln. Dies geht aus einer neuen Studie hervor, die der Verband der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI) kürzlich auf seinem eSummit vorstellte. Die Untersuchung mit dem Titel ‚Europe’s Semiconductor Business Case‘ wurde von Strategy& im Auftrag eines deutsch-niederländischen Konsortiums erstellt.

Die Nachfrage nach Halbleitern steige demnach in allen wichtigen Technologiebereichen. Besonders stark wächst der Bedarf der in Europa produzierenden Industrie – hier wird ein Anstieg um den Faktor 2,4 erwartet. Treiber sind Schlüsselbranchen wie die Automobilindustrie, Energietechnik und Robotik. Zudem entstehen neue Wachstumsfelder wie industrielle KI, autonome Systeme und intelligente Industrieanwendungen.

„Bestehende Stärken rund um europäische Kernkompetenzen wie Sensorik, Leistungselektronik und Mikrocontroller müssen jetzt gezielt skaliert werden“, sagte Tanjeff Schadt, Partner bei Strategy& und Autor der Studie. Gleichzeitig bestehe Handlungsbedarf bei stark wachsenden Bereichen wie KI-Chips, Logik und Speicherbausteinen für Rechenzentren.

Strategische Empfehlungen der Studie

Die Untersuchung empfiehlt einen schrittweisen Ausbau der europäischen Halbleiterkompetenzen. Zunächst sollten Chipdesign und Advanced Packaging gestärkt werden, also Bereiche mit hoher Wertschöpfung und vergleichsweise geringem Kapitalbedarf. Langfristig sollten dann nachfragegetrieben Fertigungskapazitäten für kleinere Strukturgrößen aufgebaut werden.

Besondere Bedeutung misst die Studie vertrauenswürdigen Lieferketten bei. In strategischen Bereichen wie Verteidigung und kritischer Infrastruktur sollte verstärkt auf europäisch verankerte Mikroelektronik gesetzt werden. „Dabei muss es um das gesamte Mikroelektronikökosystem gehen“, betonte ZVEI-Vorsitzender Wolfgang Weber. „Insbesondere auch vor- und nachgelagerte Segmente wie Leiterplatten und Elektronikfertigung sind wichtig.“

Standortnachteile und -vorteile

Die Studie zeigt auch die Herausforderungen für den europäischen Standort auf. Die Front-End-Produktion ist hier im Schnitt 15 bis 30 Prozent teurer als an asiatischen Standorten. Durch niedrigere Stromkosten, mehr Automatisierung sowie steuerliche Anreize und Förderung ließen sich diese Nachteile jedoch um fünf bis zehn Prozentpunkte reduzieren.

Ein weiteres Problem sind lange Genehmigungsverfahren. Die Time-to-Production liegt in Europa bei rund 34 Monaten, in Taiwan dagegen nur bei 19 Monaten. Auch Förderentscheidungen dauern mit 12 bis 24 Monaten zu lange. „Ein Bescheid sollte in sechs bis neun Monaten vorliegen“, forderte Weber. Als Standortvorteile nannte die Studie die gute Infrastruktur, politische Stabilität und einen starken Schutz geistigen Eigentums. Diese Faktoren machten Europa für Investitionen attraktiv.