Deutsche Hersteller mit Rekordinvestitionen in Digitalisierung

Robotic engineer automatic mechanic checking quality system of automation robot arms machine in factory. Service programming machinery welding robots in production at factory industry
Bild: ©eakgrungenerd/stock.adobe.com

Rockwell Automation hat die deutschen Ergebnisse seines elften ‚State of Smart Manufacturing Reports‘ veröffentlicht. Dieser wird jährlich herausgegeben und basiert auf einer internationalen Umfrage unter Führungskräften der Fertigungsbranche. Demnach tätigen deutsche Hersteller unter den untersuchten Ländern die höchsten Investitionen in der Industrie und verfolgen gleichzeitig einen disziplinierteren Ansatz beim Technologieeinsatz. 87% der Unternehmen betrachten die digitale Transformation mittlerweile als unverzichtbar. Durchschnittlich 29% ihres Betriebsbudgets wenden sie für Industrietechnologie auf. Laut den Studienverantwortlichen positioniert sich Deutschland damit sowohl hinsichtlich der Investitionen als auch der Umsetzung als einer der fortschrittlichsten Fertigungsmärkte Europas.

„Die deutsche Fertigungsindustrie definiert sich nicht mehr danach, ob sie digitale Technologien einsetzt, sondern danach, wie effektiv sie diese skalieren kann“, sagte Vincenzo Monaco, Geschäftsführer und Vertriebsleiter von Rockwell Automation in Deutschland. „Der Fokus hat sich auf die Umsetzung verlagert – die Integration von KI, Daten und Automatisierungslösungen in die Betriebsabläufe bei gleichzeitiger Bewältigung von Risiken, dem Druck in puncto Energie und dem Wandel in der Belegschaft.“

KI-Einsatz auf Fertigungsebene

Laut Studie ist die Einführung von künstlicher Intelligenz zudem oft bereits erfolgt: Die Hälfte der befragten Hersteller gibt an, in diesem Bereich aktiv zu investieren, und viele setzen KI direkt auf der Fertigungsebene ein. Die Studienteilnehmer betrachten die Technologie zudem zunehmend als strategisches Unterscheidungsmerkmal: Über ein Drittel der Hersteller identifiziert sie als die Technologie, von der sie den größten Einfluss auf die langfristige Wettbewerbsfähigkeit erwarten. Den Schwerpunkt legen die Befragten dabei auf die operative Nutzung. So kommt KI in Bereichen wie Qualitätskontrolle, Prozessoptimierung und Energiemanagement zum Einsatz. Dies spiegelt laut den Studienverantwortlichen Deutschlands Fokus auf Effizienz und Präzision in der industriellen Produktion wider: Anstatt experimentelle Anwendungsfälle zu verfolgen, geben Hersteller solchen Anwendungen den Vorrang, die messbare Verbesserungen bei Leistung und Zuverlässigkeit liefern sollen.

Durch den Wandel hin zu vernetzten und intelligenten Produktionssystemen verweist der Rockwell-Report jedoch auch auf die wachsende Exposition für Risiken. Demnach verzeichnet Deutschland unter den großen europäischen Volkswirtschaften die höchste Anzahl an Vorfällen mit Bezug zu Cybersecurity: 60% der Hersteller hierzulande waren im vergangenen Jahr von mindestens einem Cyberangriff betroffen – trotz nahezu flächendeckender Investitionen in Cybersicherheit. Dies verdeutliche die wachsende Spannung zwischen digitaler Kompetenz und Anfälligkeit, so die Studienautoren.

Cybersicherheit entwickelt sich daher von einer technischen Schutzmaßnahme zu einer zentralen betrieblichen Disziplin. Die Hersteller konzentrieren sich zunehmend darauf, die Konvergenz von IT- und Betriebstechnologiesystemen zu sichern, wo heutzutage die meisten Schwachstellen bestehen, und gleichzeitig entsprechendes Bewusstsein bei der Belegschaft sowie die Widerstandsfähigkeit zu stärken.

Simulationstechnologien werden wichtiger

Neben KI und Cybersicherheit nehmen Simulationstechnologien in Produktionsumgebungen eine immer wichtigere Rolle ein. Laut Report ist Deutschland in Europa führend beim Einsatz digitaler Zwillinge, wobei die Einführung von der Planungsphase in die praktische Anwendung übergeht.

Dennoch beschreibt der Report grundlegende Hindernisse im Bereich Daten. Obwohl sie über eine fortschrittliche digitale Infrastruktur verfügen, geben Hersteller an, nur etwa 40% der von ihnen generierten Daten effektiv zu nutzen.

Auch die Dynamik in der Belegschaft gewinnt zunehmend an Bedeutung. Kapazitätsengpässe und steigende Arbeitskosten prägen weiterhin operative Entscheidungen. Zugleich steigt die Nachfrage nach neuen Kompetenzen. Insbesondere Expertise in den Bereichen Cybersicherheit und KI gelten unter den Befragten mittlerweile als entscheidend für die zukünftige Entwicklung der Belegschaft, was Rockwell zufolge die wachsende Komplexität industrieller Umgebungen widerspiegelt.

Deutsche Hersteller konzentrieren sich darauf, die menschlichen Fähigkeiten durch Technologie zu erweitern, statt sie zu ersetzen. So nehmen Umschulungen branchenweit zu. Und laut Befragung nimmt bereits ein größerer Anteil der Beschäftigten an Schulungsprogrammen teil, die sie auf digitale Aufgaben vorbereiten sollen.

Agieren in komplexem Umfeld

Laut Rockwell deuten die Ergebnisse des Reports darauf hin, dass der Fertigungssektor zwar hoch entwickelt ist, aber in einem komplexeren und anspruchsvolleren Umfeld agiert. Deutschland investiere nicht nur in großem Umfang, sondern stelle sich auch den Herausforderungen der Umsetzung der digitalen Transformation in realen Produktionssystemen.

Die nächste Phase der industriellen Wettbewerbsfähigkeit wird Rockwell zufolge nicht durch den Zugang zu Technologie bestimmt, sondern durch die Fähigkeit, diese effektiv in alle Betriebsabläufe zu integrieren, zu sichern und zu skalieren.

Zum Report



  • Augenlicht aus dem 3D-Drucker

    Augenlicht aus dem 3D-Drucker

    Noch während der Operation eine neue Hornhaut ausdrucken und damit die Sehfunktion wiederherstellen: Diesen Schritt im Kampf gegen Hornhauterkrankungen soll künftig ein laserbasiertes Verfahren mit maßgeschneiderter Biotinte ermöglichen. Entwickelt haben…

    mehr lesen: Augenlicht aus dem 3D-Drucker

  • Die passende Software finden

    Die passende Software finden

    ’Mehrwert durch Software’ heißt der neue Branchenführer der VDMA-Gruppe Software und Digitalisierung. Der Branchenführer steht ab sofort zum Download bereit.

    mehr lesen: Die passende Software finden

  • PSI besetzt CTO-Posten mit Erol Bozak

    PSI besetzt CTO-Posten mit Erol Bozak

    Der Softwarehersteller PSI verstärkt das Management im Bereich Technologie und Entwicklung und ernennt Erol Bozak zum CTO.

    mehr lesen: PSI besetzt CTO-Posten mit Erol Bozak

  • Snowflake-Kunden im Visier von Cyberkriminellen

    Snowflake-Kunden im Visier von Cyberkriminellen

    Wie der Security-Spezialist Mandiant berichtet, haben es Bedrohungsakteure auf Kunden des Cloud-Anbieters Snowflake abgesehen. Die Unternehmen raten dazu, die Multi-Faktor-Authentifizierung zu aktivieren.

    mehr lesen: Snowflake-Kunden im Visier von Cyberkriminellen

  • TDM Systems und Cribwise bilden Tool Flow Solutions

    TDM Systems und Cribwise bilden Tool Flow Solutions

    Der Sandvik-Konzern hat den Geschäftsbereich Tool Flow Solutions ins Leben gerufen. Erste Mitglieder werden die beiden Tochterunternehmen TDM Systems und Cribwise.

    mehr lesen: TDM Systems und Cribwise bilden Tool Flow Solutions

  • 2023 wurden mehr als 500.000 Industrieroboter ausgeliefert

    2023 wurden mehr als 500.000 Industrieroboter ausgeliefert

    Trotz eines Rückgangs bei Umsätzen und Auslieferungen von Industrierobotern im Jahr 2023 prognostizieren die Marktforscher von Interact Analysis ein jährliches Marktwachstum von 3,7 Prozent bis 2028.

    mehr lesen: 2023 wurden mehr als 500.000 Industrieroboter ausgeliefert

  • Quantencomputing made in Germany

    Quantencomputing made in Germany

    Quantencomputer haben eine besonders hohe Rechenleistung und können so komplexe Probleme lösen. Wie? Davon können sich Unternehmen und Forschungsteams nun im Hamburg ein Bild machen.

    mehr lesen: Quantencomputing made in Germany

  • USA führend bei Digitalinnovationen

    USA führend bei Digitalinnovationen

    Die Innovationstätigkeit in Digitaltechnologien nimmt weiter an Fahrt auf. Und laut Deutschem Patent- und Markenamt dominieren die USA und China in diesen Bereichen. Die deutsche Bilanz ist zwiespältig.

    mehr lesen: USA führend bei Digitalinnovationen

  • Smarties warnen vor Extremereignissen

    Smarties warnen vor Extremereignissen

    Im Forschungsprojekt Smarties entwickelt und testet das Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation (MPI-DS) zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS ein System intelligenter Miniballons mit atmosphärischen Tracern – sogenannten…

    mehr lesen: Smarties warnen vor Extremereignissen

  • Europa mit vergleichsweise niedrigem KI-Reifegrad

    Europa mit vergleichsweise niedrigem KI-Reifegrad

    Data Analytics und KI sollen KMU helfen, Wettbewerbsvorteile zu sichern. Laut einer Studie von AWS liegt Europa beim Reifegrad künstlicher Intelligenz jedoch hinter anderen Regionen zurück.

    mehr lesen: Europa mit vergleichsweise niedrigem KI-Reifegrad

  • VDI will Deutschland fit für die Zukunft machen

    VDI will Deutschland fit für die Zukunft machen

    Die Aufgaben der Transformation sind gewaltig: Um ihren Herausforderungen zu begegnen, startet der VDI die Initiative ’Zukunft Deutschland 2050‘.

    mehr lesen: VDI will Deutschland fit für die Zukunft machen

  • Lena Weirauch von ai-omatic solutions über die Gründung eines Startups

    Lena Weirauch von ai-omatic solutions über die Gründung eines Startups

    Frauen sind im MINT-Bereich immer noch stark unterrepräsentiert, nur 11 Prozent aller Ingenieure sind weiblich und nur 17 Prozent beträgt der Frauenanteil im deutschen Maschinenbau allgemein. Doch woran liegt das?…

    mehr lesen: Lena Weirauch von ai-omatic solutions über die Gründung eines Startups