Wir sehen an der Innovationsfreudigkeit von kleinen europäischen Labs wie Mistral oder Flux (Bildgenerierung), dass die europäische Forschungsgemeinschaft trotzdem an der globalen KI-Entwicklung teilnehmen möchte, auch einen recht großen Einfluss hat und mit mehr Investitionen diese Ambitionen befeuert werden können und Europa zu einem echten KI-Player aufsteigen könnte.

Eberle: Europa und Deutschland fokussieren sich auf die Entwicklung von vertrauenswürdigen und transparenten KI Methoden. Ich habe auch den Eindruck, dass Europa sich auf spezifische Anwendungen von LLMs spezialisiert, zum Beispiel LLM-Grundlagenmodelle für Anwendungen in der Medizin (z.B. aignostics‘ RudolfV-Modell zur Erkennung von Pathologie-Daten), den Rechtswissenschaften (Legal LLMs wie Legal-Bert zur Bearbeitung und Erstellung von Rechtstexten) oder KI-Methoden für Quanten-Chemie.

Die Anwendung DeepSeek unterliegt der chinesischen Zensur. Inwiefern beeinflussen solche Einschränkungen die Leistungsfähigkeit von Large Language Modellen?

Eberle: Die Einschränkungen werden meist nach dem eigentlichen Modell-Training auferlegt, sind also wie ein Filter zu sehen, der ungewollte Ausgaben unterdrückt. Daher würde ich nicht grundsätzlich davon ausgehen, dass themenoffene Systeme generell leistungsfähiger sind. Falls jedoch größere Datenmengen bereits vor dem Training gefiltert werden, könnte das Auswirkungen auf die Generalisierungsfähigkeit dieser Modelle haben. Es ist hierbei ein wichtiger Unterschied, ob das Modell keine Daten über sensible Themen bekommt, oder ob das Modell nichts über diese sagen soll.

Die Expertinnen und Experten

Dr. Vera Schmitt (Forschungsgruppenleiterin) und Dr. Nils Feldhus (Postdoktorand) forschen in der XplaiNLP-Gruppe des Quality and Usability Lab an der TU Berlin zu Hochrisiko-KI-Anwendungen und entwickeln KI-gestützte Systeme zur intelligenten Entscheidungsunterstützung. Ihr Fokus liegt auf leistungsstarken, transparenten und erklärbaren KI-Systemen für Anwendungsfelder wie die Erkennung von Desinformation und die Analyse medizinischer Daten. Im Bereich der natürlichen Sprachverarbeitung arbeitet die Gruppe an Schlüsselthemen wie erklärbarer KI, der Robustheit großer Sprachmodelle (LLMs), der Modellierung von Argumentationsstrukturen sowie der Mensch-Maschine-Interaktion.

Dr. Oliver Eberle ist Postdoktorand in der Machine Learning Group des Berlin Institute for the Foundations of Learning and Data (BIFOLD) an der TU Berlin. In seiner Forschung widmet er sich vor allem der erklärbaren künstlichen Intelligenz sowie Natural Language Processing und deren Anwendungen in den Wissenschaften, wie den Digital Humanities (zum Beispiel der computergestützten Textverarbeitung) und der Kognitionswissenschaft. Er fokussiert sich dabei besonders auf die Interpretierbarkeit der Modelle und entwickelt Methoden zum besseren Verständnis der zugrundeliegenden Mechanismen von Large Language Models (LLM).

Seiten: 1 2 3



  • Abkühlung auf dem Arbeitsmarkt

    Abkühlung auf dem Arbeitsmarkt

    Die konjunkturelle Abkühlung ist nun auch am Ingenieurarbeitsmarkt qualifikations- und regionalübergreifend spürbar. Das zeigt der neue Ingenieurmonitor, den das Institut der deutschen Wirtschaft im Auftrag des VDI vierteljährlich erstellt.

    mehr lesen: Abkühlung auf dem Arbeitsmarkt

  • Neuer Hauptsitz für Aucotec

    Neuer Hauptsitz für Aucotec

    Aucotec hat seinen neuen Firmenhauptsitz in Isernhagen eröffnet.

    mehr lesen: Neuer Hauptsitz für Aucotec

  • 5G: Revolution mit Sicherheitsbedenken

    5G: Revolution mit Sicherheitsbedenken

    Laut einer Studie des Beratungsunternehmens Accenture glauben acht von zehn Unternehmen an einen deutlichen Effekt von 5G, dennoch haben die befragten Unternehmen Sicherheitsbedenken.

    mehr lesen: 5G: Revolution mit Sicherheitsbedenken

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Welchen Weg geht die EU?

    Welchen Weg geht die EU?

    Die EU-Kommission hat ihre Strategie für ein digitales Europa vorgestellt und dabei ihre europäische Datenstrategie sowie politische Optionen für die Entwicklung der künstlichen Intelligenz (KI) konkretisiert. „Ich will, dass dieses…

    mehr lesen: Welchen Weg geht die EU?

  • Mehr als 61 Millionen blockierte Ransomware-Angriffe

    Mehr als 61 Millionen blockierte Ransomware-Angriffe

    Der IT-Security-Anbieter Trend Micro verzeichnet in seinem Security-Roundup einen zehnprozentigen Anstieg bei der Erkennung von Ransomware-Angriffen. Darin beschreiben die Security-Experten die wichtigsten Entwicklungen in der Bedrohungslandschaft.

    mehr lesen: Mehr als 61 Millionen blockierte Ransomware-Angriffe

  • Industrie sieht Risiken in der Plattform-Ökonomie

    Industrie sieht Risiken in der Plattform-Ökonomie

    Laut einer Bitkom-Studie sehen deutsche Industrie-Unternehmen digitale Plattformen eher als Risiko für das eigene Geschäft an.

    mehr lesen: Industrie sieht Risiken in der Plattform-Ökonomie

  • VDE entwickelt erste international konsensfähige Ethik-Kennzeichnung für KI

    VDE entwickelt erste international konsensfähige Ethik-Kennzeichnung für KI

    Die Tech-Organisation VDE begrüßt das White Paper der EU-Kommission und liefert die von Digitalkommissarin Margrethe Vestager geforderte Risikoüberprüfung mit der ‚Ethik-Kennzeichnung für KI‘ . Ziel des VDE-Modells ist es, Transparenz…

    mehr lesen: VDE entwickelt erste international konsensfähige Ethik-Kennzeichnung für KI

  • Von einfacher Programmierung bis zum Mietmodell

    Von einfacher Programmierung bis zum Mietmodell

    Von 2020 bis 2022 werden rund 2Mio. neue Industrie-Roboter in den Fabriken weltweit installiert – davon geht die International Federation of Robotics (IFR) aus. Welche Trends diese Entwicklungen vorantreiben könnten,…

    mehr lesen: Von einfacher Programmierung bis zum Mietmodell

  • Stellenwert von Digitalisierungsmaßnahmen nimmt zu

    Stellenwert von Digitalisierungsmaßnahmen nimmt zu

    Security Automation, Management digitaler Identitäten, Aufbau neuer Plattformen, Schutz vor Bedrohungen durch IoT-fähige Geräte und Einsatz von DevOps — laut einer Studie des IT-Dienstleisters Capgemini sind dies die Trends des…

    mehr lesen: Stellenwert von Digitalisierungsmaßnahmen nimmt zu

  • Workshops und Marktplatz 4.0

    Workshops und Marktplatz 4.0

    Der Automatisierungstreff in Böblingen widmet sich vom 24. bis zum 26. März mit seinem Workshopangebot und dem Marktplatz Industrie 4.0 der digitalen Transformation.

    mehr lesen: Workshops und Marktplatz 4.0

  • Deutschland auf Platz 4 von 35 Staaten

    Deutschland auf Platz 4 von 35 Staaten

    „Deutschlands Innovationsdynamik droht ins Mittelfeld zu rutschen. Im Vergleich zu unseren Wettbewerbern treten wir auf der Stelle“, kritisiert BDI-Präsident Dieter Kempf. Damit setze sich ein Abwärtstrend seit 2014 fort.

    mehr lesen: Deutschland auf Platz 4 von 35 Staaten