Cobot vs. stationär: Wie Roboter in der Fabrik eingesetzt werden

Allison Reichelt Umfge Cobots FINAL
Bild: Reichelt Elektronik GmbH

Eine aktuelle Robotik-Studie von Reichelt Elektronik, durchgeführt durch das unabhängige Institut OnePoll, untersucht, welche Arten von Robotern in deutschen Produktionsstätten eingesetzt werden und welche Arbeiten sie übernehmen. Zudem gehen die Studienverantwortlichen der Frage nach, ob Cobots klassische stationäre Roboter in Zukunft ablösen könnten.

Insgesamt setzen 85% der befragten Unternehmen Roboter ein. Mehr als die Hälfte (55%) nutzt stationäre Roboter, die typischerweise fest installiert und automatisch in eingehausten oder abgegrenzten Bereichen und ohne direkte Berührung mit dem Menschen arbeiten. Zudem haben bereits 41% kleinere, leichtgewichtigere Modelle wie Cobots oder andere Roboterarme im Einsatz. Diese können flexibel eingesetzt werden und sind oft für das Arbeiten Seite an Seite mit Menschen konzipiert.

Fast ebenso viele (39%) setzen mobile Roboter wie etwa selbstfahrende Plattformen oder mobile Manipulatoren ein. Dabei handelt es sich etwa um rollende oder laufende Roboter, die mit einem zusätzlichen Greifarm ausgestattet sind. 7% geben sogar an, in einen humanoiden Roboter investiert zu haben.

Die befragten Unternehmen planen zudem weitere Investitionen in Robotik. 41% wollen innerhalb der nächsten zwei Jahre Cobots anschaffen, während mehr als ein Drittel (36%) über den Kauf eines mobilen Roboters nachdenkt. Die Investition in stationäre Roboter steht bei 32% auf dem Plan. Jedes fünfte teilnehmende Unternehmen (20%) möchte zudem innerhalb der nächsten zwei Jahre in einen humanoiden Roboter investieren.

Lösen Cobots stationäre Roboter ab?

Die Studienautoren haben sich auch mit der Frage beschäftigt, ob Cobots den stationären Robotern den Rang ablaufen könnten? 63% der Teilnehmenden geben an, in Zukunft Roboterarme den stationären Robotern vorzuziehen. Bei der Frage nach dem Grund für die Entscheidung nennen 57% den Preis, 74% finden, dass Cobots Fähigkeiten bieten, die klassische Roboter nicht haben.

„Ohne Frage erleben die kleineren, flexibel einsetzbaren Roboterarme derzeit großes Interesse“, kommentiert Malte Janßen, Product Management Robotics & Electromechanical Components bei Reichelt Elektronik: „Mit den rasant fortschreitenden technischen Neuerungen der letzten Jahre haben sie sich einen festen Platz in den Fabriken erworben. Besonders für kleinere und mittelständische Unternehmen eröffnen Cobots neue Möglichkeiten. So zeigt die Umfrage, dass 57% keine Roboter im Einsatz hatten, bevor sie in Cobots investierten. Besonders für schwere Lasten oder hohe Leistungsanforderungen wird man stationäre Roboter zwar immer brauchen, doch die Umfrage zeigt eindeutig (88% Zustimmung): Cobots haben sich als wichtige Ergänzung zu den klassischen stationären Robotern etabliert.“

Neue Einsatzgebiete durch neue Technologien

Die meisten Unternehmen setzen Roboter für körperlich besonders fordernde (53%) oder repetitive (45%) Aufgaben ein. Am häufigsten führen sie dabei Pick-and-Place-Arbeitsschritte (46%) durch oder transportieren Gegenstände (44%). Jedoch gibt es auch eine Vielzahl von spezialisierteren Arbeitsschritten, für die sie regelmäßig eingesetzt werden – darunter Schneiden, Löten, Palettieren, Verpacken oder Zusammenfügen. Von Humanoiden Robotern, die derzeit erst selten zum Einsatz kommen, versprechen sich die Befragten Unterstützung bei physisch anstrengenden (54%) oder repetitiven Aufgaben. Einzelne Unternehmen gaben zudem an, humanoide Roboter in KI-gesteuerten Testumgebungen zu nutzen, um weitere Arbeitsschritte zu automatisieren.

Zwei Technologien haben den Unternehmen in den letzten Jahren besonders beim Robotereinsatz unterstützt: Die Nutzung von KI, durch die Roboter noch komplexere Aufgaben ausführen können (42%) und bessere Sensortechnologie, durch die Roboter ihre Umgebung erkennen können (auch 42%). Als weitere nützliche Technologien werden Sensoren genannt, die Robotern einen genaueren Tastsinn geben (32%) und leistungsfähigere Software, durch die Roboter komplexere Aufgaben umsetzen können (31%). Dazu zählt zum Beispiel die Steuerung von Roboterarmen mit mehreren Gelenken und in unterschiedliche Richtungen.

Auf dem Weg zur Dark Factory?

Heute führen Roboter in den meisten Unternehmen (69%) bis zu 40% der Aufgaben durch. Knapp jedes zehnte Unternehmen lässt mehr als 60% des Herstellungsprozesses von Robotern ausführen. Nach Meinung der meisten Unternehmen wird sich dieser Anteil weiter erhöhen. 59% glauben, dass der Herstellungsprozess bereits in fünf Jahren vollständig automatisiert läuft. Fast ebenso viele (56%) stimmen auch zu, dass Robotik der Schlüssel ist, um den Fachkräftemangel jetzt und in der Zukunft abzufedern.

Seiten: 1 2



  • Rekordjahr für Investitionen in Quantentechnologien

    Rekordjahr für Investitionen in Quantentechnologien

    Der McKinsey ‘Quantum Technology Monitor’ zeigt eine Zunahme der globalen Markt – und Technologieentwicklungen von Quantentechnologien. Dabei sind die angekündigten Investitionen im laufenden Jahr dreimal so hoch wie in 2020.

    mehr lesen: Rekordjahr für Investitionen in Quantentechnologien

  • Stimmung in der Industrie belastet Geschäftsklima

    Stimmung in der Industrie belastet Geschäftsklima

    Nach einem Rückgang im August ist der Ifo-Geschäftsklimaindex auch im September gesunken. Belastet werden die Zahlen dabei durch die schlechtere Stimmung in der Industrie.

    mehr lesen: Stimmung in der Industrie belastet Geschäftsklima

  • Yaskawa baut neue Europa-Zentrale

    Yaskawa baut neue Europa-Zentrale

    Yaskawa hat den Grundstein für eine neue Europa-Zentrale in Hattersheim gelegt. Das Unternehmen investiert rund 23Mio.€ in den neuen Standort.

    mehr lesen: Yaskawa baut neue Europa-Zentrale

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • VDMA Robotik + Automation wählt neuen Vorstand

    VDMA Robotik + Automation wählt neuen Vorstand

    Der VDMA Robotik + Automation hat im Rahmen seiner Mitgliederversammlung einen neuen Vorstand gewählt. Als neuer Vorsitzender folgt Hahn Automation-CEO Frank Konrad auf Wilfried Eberhardt.

    mehr lesen: VDMA Robotik + Automation wählt neuen Vorstand

  • Siemens und Zscaler kooperieren

    Siemens und Zscaler kooperieren

    Siemens und Zscaler arbeiten zusammen, um Kunden den sicheren Zugriff vom Arbeitsplatz im Büro oder mobil auf Operational-Technology(OT)-Systeme und -Anwendungen im Produktionsnetzwerk zu ermöglichen.

    mehr lesen: Siemens und Zscaler kooperieren

  • Bechtle erwirbt Open Networks

    Bechtle erwirbt Open Networks

    Der österreichische Ableger von Bechtle hat Open Networks erworben. Die neuen Spezialisten bringen insbesondere Erfahrung in den Bereichen Application Services, Datacenter, Security und Netzwerk mit. Die Firma betreut rund 250…

    mehr lesen: Bechtle erwirbt Open Networks

  • Wie Firmen Innovationspotenzial freisetzen

    Wie Firmen Innovationspotenzial freisetzen

    Viele Konzepte etwa für Modern Workplaces und Digitalisierung hinterfragen Unternehmenskonzepte, die auf traditionelle Strukturen und Hierarchien setzen. Robert Lindner, Senior Regional Director & Country Manager Germany bei Red Hat, hat…

    mehr lesen: Wie Firmen Innovationspotenzial freisetzen

  • Blue Yonder gehört jetzt Panasonic

    Blue Yonder gehört jetzt Panasonic

    Panasonic hat sämtliche Unternehmensanteile des IT-Plattformanbieters Blue Yonder erworben. Der Kauf ist Teil der Konzern-Strategie, einzelne Geschäftsfelder zu stärken. Blue Yonder bewertet die Investition mit 8,5 Milliarden US-Dollar.

    mehr lesen: Blue Yonder gehört jetzt Panasonic

  • Maschinenbauern gehen Komponenten aus

    Maschinenbauern gehen Komponenten aus

    Die Auftragsbücher im Maschinen- und Anlagenbau füllen sich, aber immer mehr Firmen verzeichnen Engpässe in ihren Lieferketten. Auch der Fachkräftemangel wird vermehrt zum Problem. Zu diesen Erkenntnissen kommt der VDMA…

    mehr lesen: Maschinenbauern gehen Komponenten aus

  • 25 Prozent der Firmen planen höhere Investitionen

    25 Prozent der Firmen planen höhere Investitionen

    Erwartungen an die Post-Covid-Zeit 25 Prozent der Firmen planen höhere Investitionen 70 Prozent der Fertigungsunternehmen rechnen mit einem Wachstum ihrer Branche, gaben die Teilnehmer in einer Umfrage von CBAF an.…

    mehr lesen: 25 Prozent der Firmen planen höhere Investitionen

  • Cyberangriffsrisiko reduzieren

    Cyberangriffsrisiko reduzieren

    Bei sechs von zehn (63%) Cyberangriffen, die vom Kaspersky Global Emergency Response Team untersucht wurden, setzen die Angreifer Brute-Force-Methoden ein und nutzen Schwachstellen aus, um die IT-Systeme eines Unternehmens zu…

    mehr lesen: Cyberangriffsrisiko reduzieren