Generative KI: Kann Europa den US-Vorsprung aufholen?

Martin Weis
Bild: Infosys Consulting AG

Europa macht große Fortschritte bei der KI-Innovation und legt dabei einen starken Fokus auf Ethik, Regulierung und verantwortungsvolle Innovation. Doch genau diese Faktoren könnten zum Hemmschuh für den Einsatz generativer KI werden. Die USA hingegen profitieren von einem Laissez-faire-Ansatz, der eine schnellere Entwicklung von KI-Technologien ermöglicht, aber auch potenzielle Risiken in Bezug auf ethische und gesellschaftliche Auswirkungen birgt, kommentiert Martin Weis, Managing Director Germany & Switzerland und Global Managing Partner AIX bei Infosys Consulting. Er erläutert im Folgenden, wo sich Ansatzpunkte finden, um den Einsatz von KI in Europa verantwortungsvoll zu beschleunigen, und welchen Weg Unternehmen in Europa einschlagen können, um jenseits des KI-Hypes tragfähige Anwendungsfälle zu entwickeln?

Investition und Funding: Europa mit Nachholbedarf

Trotz der Bemühungen, die KI-Finanzierung in Europa anzukurbeln, klafft immer noch eine große Lücke im Vergleich zu den privaten und staatlichen Investitionen in den USA. Europäische Startups haben oft Schwierigkeiten, eine ähnliche Höhe an Risikokapital anzuziehen, was Innovation und Wachstum bremsen kann. Dieses Finanzierungsgefälle könnte dazu führen, dass europäische Unternehmen gegenüber ihren US-amerikanischen Pendants ins Hintertreffen geraten. Laut dem Generative AI Radar Europe des Infosys Knowledge Institute planen europäische Unternehmen zwar für 2024 eine größere Steigerung des Investitionsvolumens als US-Unternehmen (115% vs. 70%), doch absolut gesehen sind die geplanten Ausgaben weniger als halb so hoch (1.3 Milliarden USD vs. 2.8 Milliarden USD).

Ist KI in Europa überreguliert?

Der komplexe EU AI Act ist zwar bahnbrechend in punkto Standards für den Einsatz von KI, führt aber auch zu erheblichen regulatorischen Belastungen für die in Europa tätigen Unternehmen. Die strengen Anforderungen an Transparenz, Datenmanagement und ethischer Nutzung sollen die Bürgerinnen und Bürger schützen, könnten aber zu einer Innovationsbremse werden – vor allem für Startups.

Eine vielversprechende Basis für eine globale KI-Governance stellt der vor kurzem unterzeichnete International AI Treaty dar. Eine globale Regelung ist entscheidend, um das volle Potenzial von generativer KI zu nutzen und gleichzeitig Risiken wie Diskriminierung und Missbrauch zu minimieren. Dennoch bleibt abzuwarten, ob der politische Wille ausreicht, um den Vertrag wirklich weltweit durchzusetzen.

Der Zugang zu großen, hochwertigen Datensätzen ist entscheidend für das Training effektiver KI-Modelle. Die bewusste Entscheidung für strengen Datenschutz in Europa, insbesondere durch die DSGVO, kann jedoch die Verfügbarkeit solcher Daten einschränken. In den USA ist der Zugang zu großen Datensätzen leichter, was die KI-Forschung und -Entwicklung beschleunigt und US-Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil verschafft. Doch die stärkere Datenregulierung bringt laut AI Radar für Europa auch einen Vorteil: Unternehmen haben weniger Bedenken, was die Verwendbarkeit von Daten angeht (13 Prozent vs. 24 Prozent in den USA) und haben mehr Vertrauen in ihre Fähigkeit, generative KI-Systeme zu verwalten (72 Prozent vs. 58 Prozent in den USA).

Europa sollte seine Vorreiterrolle im Datenschutz behalten, könnte jedoch in bestimmten Bereichen den Datenschutz etwas lockern, wie etwa bei der Nutzung anonymisierter oder pseudonymisierter Daten in der Forschung. Sensible Gesundheits- oder Finanzdaten sollten allerdings streng geschützt bleiben – hier könnten Datenpannen das Vertrauen der Bürger in Technologien schädigen.

KI-Ökosystem ausbauen

Das KI-Ökosystem in Europa ist im Vergleich zu den USA stärker fragmentiert, mit unterschiedlicher Ausprägung in den einzelnen Ländern. Diese Fragmentierung kann die Zusammenarbeit und die gemeinsame Nutzung von Ressourcen behindern und es Europa erschweren, das gleiche Maß an Innovation und Integration wie in den USA zu erreichen. Europäische KI-Hubs und Standardisierungen könnten die Fragmentierung deutlich verringern. KI-Exzellenzzentren könnten die Zusammenarbeit und den Wissenstransfer stärken. Ein weiteres Beispiel ist die Integration über Förderprogramme wie „Horizon Europe“, die grenzübergreifende Projekte finanzieren, um Innovationen zu beschleunigen.

Seiten: 1 2



  • Schneider Electric: Umsatz um 6,4 Prozent rückläufig

    Schneider Electric: Umsatz um 6,4 Prozent rückläufig

    Schneider Electric hat im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2020 einen Umsatz in Höhe von 5,8Mrd.€ erzielt. Das ist ein Rückgang von 6,4% gegenüber dem Vorjahresquartal.

    mehr lesen: Schneider Electric: Umsatz um 6,4 Prozent rückläufig

  • Kontaktstelle für die Sicherstellung von grenzüberschreitenden Lieferketten

    Kontaktstelle für die Sicherstellung von grenzüberschreitenden Lieferketten

    Mit einer Kontaktstelle zur Sicherstellung in den Lieferketten hat das Bundeswirtschaftsministerium eine zentrale Anlaufstelle für Unternehmen eingerichtet.

    mehr lesen: Kontaktstelle für die Sicherstellung von grenzüberschreitenden Lieferketten

  • Kurzarbeit bei der Hälfte der Unternehmen

    Kurzarbeit bei der Hälfte der Unternehmen

    In der Coronakrise fahren 50 Prozent der deutschen Unternehmen Kurzarbeit, 18 Prozent wollen Jobs abbauen. Das ist das vorläufige Ergebnis der neuesten Umfrage des Ifo-Instituts im April.

    mehr lesen: Kurzarbeit bei der Hälfte der Unternehmen

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Software-Erweiterung bei Renesas

    Software-Erweiterung bei Renesas

    Renesas Electronics veröffentlicht ein neues Update seines Flexible Software Package (FSP) für die 32Bit-Arm-Cortex-m-Mikrocontroller (MCUs) der RA-Familie.

    mehr lesen: Software-Erweiterung bei Renesas

  • IG Metall bietet Hilfestellung für Betriebsräte

    IG Metall bietet Hilfestellung für Betriebsräte

    Die IG Metall hat ein Eckpunktepapier verabschiedet, das Betriebsräten bei der Umsetzung von Gesundheitsschutzmaßnahmen im Betrieb unterstützen soll.

    mehr lesen: IG Metall bietet Hilfestellung für Betriebsräte

  • Wo steht die IT-Sicherheit?

    Wo steht die IT-Sicherheit?

    Cyberangriffe nehmen nicht nur zahlenmäßig, sondern auch in ihrer Raffinesse zu. Allerdings beeinträchtigt der IT-Fachkräftemangel viele Unternehmen bei der Umsetzung von IT-Sicherheitsmaßnahmen.

    mehr lesen: Wo steht die IT-Sicherheit?

  • Manager stellen sich gute Digitalkompetenz aus

    Manager stellen sich gute Digitalkompetenz aus

    Etwa jeder zweite Manager gibt sich die Note ‘gut‘ oder ‘sehr gut‘, wenn es um die eigene Digitalkompetenz geht. Wie die Studie des Bitkom zeigt, ist unter den Befragten jedoch…

    mehr lesen: Manager stellen sich gute Digitalkompetenz aus

  • Konjunktur trübt sich ein, langfristige Erholung erwartet

    Konjunktur trübt sich ein, langfristige Erholung erwartet

    Die Konjunkturlage trübt sich ein. Wie das Wirtschaftsinstitut ZEW mitteilt, rechnen die befragten Finanzexperten jedoch mit einer langfristigen Erholung. Das Niveau von vor der Corona-Krise soll jedoch erst im Jahr…

    mehr lesen: Konjunktur trübt sich ein, langfristige Erholung erwartet

  • Update für Industrie 4.0

    Update für Industrie 4.0

    Den gemeinnützigen Verein SmartFactory KL treibt das Ziel, die Ansätze von Industrie 4.0 verstärkt in der Produktionspraxis zu bringen. Im Rahmen der Initiative wurden deshalb bereits realitätsnahe Lösungen, erste Produkte…

    mehr lesen: Update für Industrie 4.0

  • Jennifer Morgan verlässt SAP

    Jennifer Morgan verlässt SAP

    Co-CEO Jennifer Morgan verlässt SAP Ende April. Wie der Softwarekonzern mitteilt, wird Christian Klein das Unternehmen zukünftig alleine führen.

    mehr lesen: Jennifer Morgan verlässt SAP

  • Wirtschaftliche Auswirkungen in allen Bundesländern

    Wirtschaftliche Auswirkungen in allen Bundesländern

    Eine Szenarienrechnung des Ifo-Instituts zeigt, dass im Gegensatz zur Finanzkrise 2009 die Wirtschaft aller Bundesländer gleichermaßen vom aktuellen ‘Shutdown‘ betroffen ist.

    mehr lesen: Wirtschaftliche Auswirkungen in allen Bundesländern