Wie weit ist die KI-Normung?

Die zweite Ausgabe der Deutschen Normungsroadmap KI hat den Bedarf an Normen und Standards für KI ermittelt und bildete den Auftakt für die Umsetzung.
Die zweite Ausgabe der Deutschen Normungsroadmap KI hat den Bedarf an Normen und Standards für KI ermittelt und bildete den Auftakt für die Umsetzung. – Bild: DIN Deutsches Institut für Normung e.V.

Der Artificial Intelligence Act – kurz AI Act – ist die erste umfassende Verordnung der EU zur Regulierung künstlicher Intelligenz. Er soll sicherstellen, dass KI-Systeme innerhalb Europas verantwortungsvoll, sicher und im Einklang mit europäischen Werten eingesetzt werden. Die Verordnung zur KI-Regulierung weist Normen im Bereich der Hochrisiko-KI-Anwendungen eine zentrale Rolle zu. Anforderungen an KI-Systeme, u.a. an Transparenz, Robustheit und Genauigkeit, sollen durch harmonisierte Europäische Normen technisch konkretisiert werden. Eine zentrale Rolle spielt hierbei die Normungsroadmap KI: Sie formuliert Bedarfe für Normen und Standards, die in Umsetzung des AI Acts zu erarbeiten sind. Mehr als 570 Expertinnen und Experten waren bis Ende November 2024 an der Ausarbeitung des Gemeinschaftswerkes beteiligt. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) hat das Projekt finanziert. Die Umsetzung der Empfehlungen aus der Roadmap ist nun in vollem Gange.

Neun Schwerpunkte

Die derzeit in Arbeit befindlichen oder bereits abgeschlossenen KI-Normungsprojekte sind neun Schwerpunktthemen zugeordnet, entsprechend der Unterteilung in der Normungsroadmap KI:

  • Grundlagen
  • Prüfung und Zertifizierung
  • Sicherheit
  • Soziotechnische Systeme
  • Industrielle Automation
  • Mobilität
  • Medizin
  • Finanzdienstleistungen
  • Energie und Umwelt

Insbesondere in der industriellen Automation sind Normen und Standards essenziell: Sie fördern die unternehmensübergreifende Interoperabilität und helfen dabei, regulatorische Rahmenbedingungen umzusetzen. Beim Schwerpunktthema Industrielle Automation steht die digitale Transformation des produzierenden Gewerbes mittels KI im Fokus. Eine wichtige Funktion wird dabei der digitalen Abbildung der physischen Realität zugeschrieben, dem digitalen Zwilling. Die Normungsroadmap stellt Herausforderungen im Zusammenhang mit Datenmodellen für den Einsatz von KI in der industriellen Automation dar. Thema ist außerdem, wie Mensch und Maschine interagieren und wie sich KI-Systeme integrieren lassen.

Umsetzungsstand der Normungsbedarfe aus der zweiten Ausgabe der Deutschen Normungsroadmap KI (Stand: Dezember 2024, www.din.de/go/umsetzung-roadmap-ki).
Umsetzungsstand der Normungsbedarfe aus der zweiten Ausgabe der Deutschen Normungsroadmap KI (Stand: Dezember 2024, www.din.de/go/umsetzung-roadmap-ki). – Bild: DIN Deutsches Institut für Normung e.V.

Übergeordnete Empfehlungen

Zudem haben die Autorinnen und Autoren im Dokument sechs übergreifende Handlungsempfehlungen formuliert. Diese richten sich an Normung, Forschung und Gesetzgebung und verfolgen eine übergeordnete und langfristige Zielstellung:

  • Horizontales Konformitätsbewertungs- und Zertifizierungsprogramm für vertrauenswürdige KI aufsetzen
  • Dateninfrastrukturen und -qualitätsstandards zur Entwicklung und Validierung von KI-Systemen aufsetzen
  • Den Menschen in allen Phasen des KI-Lebenszyklus als Teil des Systems begreifen
  • Vorgaben für die Konformitätsbewertung lernender Systeme im Bereich der Medizin erarbeiten
  • Über Best Practices sichere und vertrauenswürdige KI-Anwendungen in der Mobilität entwickeln
  • Übergreifende Datenstandards und dynamische Modellierungsverfahren erarbeiten

Großteil erledigt oder in Arbeit

Welchen Status quo haben nun aktuell die Projekte? Von den 122 in der Normungsroadmap gelisteten Handlungsbedarfen richten sich 88 an die Normung, 14 an die Forschung und neun an die Gesetzgebung. Die Umsetzung der 88 Bedarfe im Bereich Normung ist auf einem guten Weg: Ein Großteil der zugehörigen Normungsprojekte ist erledigt oder in den entsprechenden Gremien in Arbeit. So wurden Stand Dezember 2024 bereits 54 Prozent umgesetzt bzw. teilweise umgesetzt. Weitere 29 sind derzeit in Umsetzung, elf Prozent in Vorbereitung. Ein guter Zwischenstand, der veranschaulicht, wie effizient und zügig sich wichtige Normen und Standards für eine sichere und vertrauenswürdige KI ‚Made in Germany‘ realisieren lassen. Ein Nebeneffekt in diesem Zusammenhang: Bei der Umsetzung der Normungsroadmap KI wurden – Stand Dezember 2024 – 346 KI-Fachleute an die Normung herangeführt, davon 85 für die Mitarbeit in Normungsgremien und 261 für die Mitarbeit in Arbeitsgruppen wie DIN SPEC-Gremien, Ad hoc-Gruppen und Anwenderkreisen. Engagieren sich diese Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft auch künftig in der KI-Normungsarbeit, ist das eine nachhaltige Investition in eine sichere und wertebasierte KI aus Deutschland und Europa. Denn zügig im Konsens erarbeitete, markt- und bedarfsgerechte Normen und Standards sind Basis für innovative Systeme, die diese Technologie nutzen.

KI im Engineering

Folgende Beispiele aus dem Bereich der industriellen Automation illustrieren, welche Themen und Normungsbedarfe aus der Normungsroadmap KI umgesetzt wurden. So hatten die Autoren und Autorinnen einen Bedarf für ein Referenzmodell für KI-Engineering ermittelt. Ziel war es, Begriffe und Konzepte sowie deren Zusammenhänge zum System Engineering unter besonderer Berücksichtigung des Einsatzes von KI-Methoden in Subsystemen zu definieren und zu erläutern. Und so für Ingenieurinnen, Informatiker und Datenwissenschaftlerinnen ein gemeinsames Grundverständnis zu schaffen. Dieser Bedarf wurde über mehrere Normen umgesetzt, etwa über die ISO/IEC20546 ‚Informationstechnik – Big Data – Überblick und Begriffe‘ und die ISO/IEC22989 ‚Informationstechnik – künstliche Intelligenz – Konzepte und Terminologie der künstlichen Intelligenz‘.

Von Modellen und Metriken

Ein weiteres Beispiel: Ermittelt wurde ein Bedarf an validierbaren Transformationen von Strukturen und Modellen. Transformationsmechanismen von Werkzeugen und Systemen für den Import und Export von Strukturen und Modellen sollten transparent und überprüfbar sein, um Veränderungen der transformierten Inhalte erkennen zu können sowie Fehlinterpretationen zu vermeiden. Dies wurde über die Normungsprojekte DIN EN ISO/IEC12792 und ISO/IEC TS 8200 realisiert. Ebenso gefragt war eine Definition von Metriken und Methoden, um die Datenqualität u.a. in Machine-Learning-Datenmodellen bewerten zu können. Denn die Datenqualität ist ein entscheidender Faktor, sobald Transaktionen über Datenmodelle ausgeführt werden. Umgesetzt wurde dies über die Norm ISO/IEC5259 ‚Künstliche Intelligenz – Datenqualität für Analytik und maschinelles Lernen (ML) – Teil 2: Datenqualitätsmaßnahmen‘. Weitere KI-Normungsprojekte im Bereich Industrielle Automation sind noch in Umsetzung oder wurden teilweise umgesetzt. Zwei Projekte sind noch unbehandelt, eines ist in Vorbereitung: der Aufbau einer standardisierten Metadatenbeschreibung von KI-Methoden.

Tipp: Einen aktuellen Überblick über die erledigten und noch in Arbeit befindlichen Themen gibt es unter www.din.de/go/normungsroadmapki



  • Tech Mahindra und SAP erweitern Partnerschaft

    Tech Mahindra und SAP erweitern Partnerschaft

    Tech Mahindra und SAP wollen ihre Partnerschaft zur Bereitstellung von ‘Intelligent Enterprise‘-Technologien erweitern.

    mehr lesen: Tech Mahindra und SAP erweitern Partnerschaft

  • Hexagon übernimmt Vertriebspartner

    Hexagon übernimmt Vertriebspartner

    Der Geschäftsbereich Manufacturing Intelligence von Hexagon hat die Übernahme der Mecadat AG bekanntgegeben, einem Vertriebspartner für CAD-CAM-Software und ergänzende Lösungen für die Herstellung von Werkzeugen und Formen.

    mehr lesen: Hexagon übernimmt Vertriebspartner

  • VDI-Direktor Appel ist Präsident der FEANI

    VDI-Direktor Appel ist Präsident der FEANI

    VDI-Direktor Ralph Appel ist am 9. Oktober 2020 zum Präsidenten der FEANI (Fédération Européenne d’Associations Nationales d’Ingénieurs) gewählt worden. Der Dachverband FEANI vertritt knapp 350 technisch-wissenschaftliche Organisationen aus 32 Ländern…

    mehr lesen: VDI-Direktor Appel ist Präsident der FEANI

  • PTC übernimmt Arena Solutions

    PTC übernimmt Arena Solutions

    Für insgesamt 715Mio.US$ übernimmt PTC den SaaS-Plattform-Anbieter Arena Solutions. Die Akquise soll im zweiten Quartal 2021 angeschlossen sein.

    mehr lesen: PTC übernimmt Arena Solutions

  • Erholung im Dritten Quartal

    Erholung im Dritten Quartal

    Im Dritten Quartal hat sich die deutsche Wirtschaft von ihrem historischen Einbruch erholt, durch die neuerlichen Einschränkungen sei jedoch im vierten Quartal ein erneuter Dämpfer zu erwarten, so das BMWi.

    mehr lesen: Erholung im Dritten Quartal

  • Steffen Haack wird Vorstand für Entwicklung

    Steffen Haack wird Vorstand für Entwicklung

    Ab Januar wird Dr. Steffen Haack Entwicklungsvorstand bei Bosch Rexroth und tritt somit die Nachfolge von Dr. Heiner Lang an.

    mehr lesen: Steffen Haack wird Vorstand für Entwicklung

  • Werner Rieche wird Vice President DACH bei OpenText

    Werner Rieche wird Vice President DACH bei OpenText

    Von 2001 bis 2015 war Werner Rieche bereits für OpenText tätig. Nun kehrt er als Vice President DACH zum Softwareunternehmen zurück.

    mehr lesen: Werner Rieche wird Vice President DACH bei OpenText

  • 6 Steuertipps für Unternehmen

    6 Steuertipps für Unternehmen

    Aufgrund der Corona-Krise wurde eine Reihe von Steuergesetzen zugunsten von Unternehmen geändert. So können vor allem KMU unter anderem von Sonderabschreibungen, einer Verlängerung der Frist für den Investitionsabzugsbetrag sowie von…

    mehr lesen: 6 Steuertipps für Unternehmen

  • In fünf Phasen gegen Hacker

    In fünf Phasen gegen Hacker

    Angriffe mit Ransomware sind weit verbreitet und laut einer TÜV-Rheinland-Umfrage sehen sich rund 30 Prozent der darin Befragten Sicherheitsexperten, nicht ausreichend gegen eine solche Attacke gerüstet.

    mehr lesen: In fünf Phasen gegen Hacker

  • Ende 2021 wieder auf Vorkrisenniveau

    Ende 2021 wieder auf Vorkrisenniveau

    Die zweite Corona-Welle hat den Wirtschaftsaufschwung des Sommers ausgebremst, doch die Entwicklung mehrerer Impfstoffe macht Hoffnung: So geht die Konjunkturprognose des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) davon aus, dass das…

    mehr lesen: Ende 2021 wieder auf Vorkrisenniveau

  • Umfrage unter Deutschlands Ingenieuren 

    Umfrage unter Deutschlands Ingenieuren 

    Die deutschen Ingenieure blicken skeptisch auf das Jahr 2021. In einer Befragung des VDI Wissensforums gibt mehr als die Hälfte der befragten Ingenieure an, dass sich die Auftragslage im eigenen…

    mehr lesen: Umfrage unter Deutschlands Ingenieuren 

  • Neuer Westeuropachef bei Universal Robots

    Neuer Westeuropachef bei Universal Robots

    Andrea Alboni leitet seit dem 1. Dezember die Region Westeuropa für Universal Robots (UR). Damit übernimmt Alboni die Führung in einem der nach Unternehmensangaben wichtigsten Absatzmärkte von UR.

    mehr lesen: Neuer Westeuropachef bei Universal Robots