Wettbewerbsvorteile durch Manufacturing-X

571452
Bild: ©Grispb/stock.adobe.com

Unternehmen stehen aktuell unter erheblichem Druck: Globale Lieferketten werden komplexer, die regulatorischen Anforderungen nehmen zu und Qualitätsprobleme verursachen hohe Kosten. Gleichzeitig fehlt es häufig an durchgängig digitalen Prozessen und vernetzten Daten, um Qualitätsabweichungen frühzeitig zu erkennen und systematisch zu vermeiden. Dies trifft insbesondere den deutschen Mittelstand. Datenräume wie jene der Initiative Manufacturing-X bieten eine technische Infrastruktur für den souveränen Datenaustausch. Damit geht das Qualitätsmanagement einen großen Schritt in die Produktion der Zukunft.

Herausforderungen im Qualitätsmanagement

Qualitätsmanagement umfasst alle organisatorischen Maßnahmen, Methoden und Systeme, die sicherstellen, dass Produkte und Prozesse definierte Standards erfüllen. In der Praxis bedeutet dies Fehler zu vermeiden, statt sie zu korrigieren. Dafür ist ein verlässlicher, durchgängiger Informationsfluss entlang der Wertschöpfungskette vom Zulieferer über die Produktion bis hin zum Endkunden essenziell. Heute ist dieser Informationsfluss jedoch vielfach fragmentiert. Daten werden in isolierten Systemen gesammelt, Prozesse sind oft papierbasiert oder dokumentengetrieben und damit reaktiv statt proaktiv. Die Rückverfolgbarkeit lässt sich in vielen Fällen nicht auf Einzelteil-, sondern lediglich auf Chargenebene leisten. Das erschwert die Ursachenanalyse und erhöht den Aufwand bei Abweichungen. Die Folge sind oft umfangreiche Reklamationen und zusätzliche Kosten für Unternehmen. Allein in der deutschen Automobilindustrie müssen heute ca. zwei bis vier Prozent der Umsatzerlöse für Garantierückstellungen eingeplant werden, ergab eine Schätzung der Plattform Industrie 4.0. Regulatorische Anforderungen, Auditpflichten sowie der hohe manuelle Prüfaufwand verkomplizieren diese Situation zusätzlich.

Manufacturing-X als Lösungsansatz

Manufacturing-X adressiert zentrale Schwachstellen des heutigen Qualitäts-managements, indem es einen sicheren, souveränen und interoperablen Datenaustausch zwischen Unternehmen ohne zentrale Datenhaltung ermöglicht. Die technische Infrastruktur ist dabei nicht von Drittparteien abhängig, denn die Daten bleiben beim jeweiligen Eigentümer. Der Austausch der benötigten Produkt-, Prozess- und Qualitätsdaten entlang der Wertschöpfungskette erfolgt anhand klarer Nutzungsrichtlinien. Unternehmen entscheiden selbst über die Freigabe und welche Informationen kontextabhängig geteilt werden. Sensible Unternehmensdaten werden dabei geschützt. Die Daten werden in Form von digitalen Produkt- und Prozesszwillingen abgebildet. Ihr Austausch erfolgt über standardisierte Schnittstellen, die Konnektoren. Dadurch werden Informationen aus ERP-, MES-, Logistik- oder QMS-Anwendungen verknüpft und entlang der Wertschöpfungskette rückverfolgbar.

Über das Projekt Scale-MX

Scale-MX ist die zentrale Transferinitiative von Manufacturing-X mit dem Ziel, die Potenziale souveräner Datenräume insbesondere für den deutschen Mittelstand zugänglich zu machen. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert und von einem breiten Konsortium aus Verbänden und Innovationspartnern getragen. Durch praxisnahe Demonstratoren, Workshops und Pilotanwendungen unterstützt das Vorhaben Unternehmen dabei, datenbasierte Qualitätsprozesse zu implementieren, notwendige Standards zu verstehen und technologische wie organisatorische Voraussetzungen zu schaffen.

Was nutzt das?

Unternehmen können Abweichungen auf Bauteil-, Chargen- oder Systemebene nachvollziehen und Frühwarnsysteme durch Mustererkennung wie Drifts der Prozessparameter installieren. Manuelle Nacharbeit ließe sich durch automatisierte Prüf- und Analyseabläufe ersetzen und digitale Qualitätsnachweise auf Knopfdruck für Audits oder spezielle Kundenanforderungen erzeugen. Im Dienstleistungsbereich ermöglicht dies neue digitale Services, die bisher analoge Vorgänge ersetzen. So ließen sich Zertifizierungsplattformen umsetzen und Qualitätsmonitoring-as-a-Service anbieten. Auch Endkunden können über die digitale Bereitstellung von Qualitäts- und Nachhaltigkeitsdaten profitieren. So steigt die Transparenz beispielsweise durch QR-Codes am Endprodukt oder eine mögliche Umsetzung des digitalen Produktpass (DPP). Unternehmen wiederum reduzieren Fehler- und Rückrufkosten und beschleunigen Reklamationsprozesse.

Seiten: 1 2



  • SEW-Eurodrive und Safelog entwickeln Softwaresystem für die Intralogisik

    SEW-Eurodrive und Safelog entwickeln Softwaresystem für die Intralogisik

    Im Rahmen der Fachmesse Logimat haben SEW-Eurodrive und Safelog eine strategische Partnerschaft bekannt gegeben.

    mehr lesen: SEW-Eurodrive und Safelog entwickeln Softwaresystem für die Intralogisik

  • KIT-Forschende entwickeln Technologie für lichtbasierte Datenverbindungen

    KIT-Forschende entwickeln Technologie für lichtbasierte Datenverbindungen

    Ein neuartiges Bauteil, das durch eine fortschrittliche Fertigungstechnologie eine sehr schnelle, sparsame und verlässliche Datenübertragung ermöglicht, haben Forschende des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und der École Polytechnique Fédérale de…

    mehr lesen: KIT-Forschende entwickeln Technologie für lichtbasierte Datenverbindungen

  • PTC tritt dem ZVEI bei

    PTC tritt dem ZVEI bei

    PTC ist dem ZVEI beigetreten und will in diesem Rahmen seine Expertise in den Bereichen digitale Geschäftsmodelle, industrielle künstliche Intelligenz (KI) und datenbasierte Wertschöpfung in die Verbandsarbeit einbringen.

    mehr lesen: PTC tritt dem ZVEI bei

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Unternehmen setzen auf KI, aber es muss sich auch lohnen

    Unternehmen setzen auf KI, aber es muss sich auch lohnen

    Laut einer Untersuchung von TE Connectivity treibt die deutsche Industrie den Einsatz von künstlicher Intelligenz und Automatisierung mit hoher Geschwindigkeit voran.

    mehr lesen: Unternehmen setzen auf KI, aber es muss sich auch lohnen

  • Ein Chatbot für den Wissenstransfer

    Ein Chatbot für den Wissenstransfer

    Wenn Fachkräfte ein Unternehmen verlassen, geht auch oft Knowhow verloren. Im Projekt ‚Stark‘ untersuchen Forschende des Fraunhofer IPK gemeinsam mit der BSP Business and Law School – Hochschule für Management…

    mehr lesen: Ein Chatbot für den Wissenstransfer

  • Quantencomputer und klassische Rechner optimieren gemeinsam

    Quantencomputer und klassische Rechner optimieren gemeinsam

    Klassische Computer können viele Optimierungsprobleme wie etwa das ‚Problem des Handlungsreisenden‘ nur näherungsweise knacken, aber nicht vollständig und oft nur unter langer Laufzeit.

    mehr lesen: Quantencomputer und klassische Rechner optimieren gemeinsam

  • Digitale Kreislaufwirtschaft in dezentraler Fabrik

    Digitale Kreislaufwirtschaft in dezentraler Fabrik

    Im Projekt ‚Panda‘ setzen die Beteiligten auf digitale Produktpässe und künstliche Intelligenz (KI), um Recycling und Demontage von Produkten effizienter zu machen.

    mehr lesen: Digitale Kreislaufwirtschaft in dezentraler Fabrik

  • Ein kurzer Blick auf CRA, EU-Maschinenverordnung und NIS-2

    Ein kurzer Blick auf CRA, EU-Maschinenverordnung und NIS-2

    Gezielte Cyberangriffe auf Anlagen und Maschinen sind längst Realität. Mit CRA, NIS2 und der neuen EU-Maschinenverordnung reagiert der Gesetzgeber nicht nur mit klaren Empfehlungen, sondern auch mit konkreten Meldepflichten, Vorgaben…

    mehr lesen: Ein kurzer Blick auf CRA, EU-Maschinenverordnung und NIS-2

  • Konferenz beleuchtet IT als ‚Architektin der Zukunft‘

    Konferenz beleuchtet IT als ‚Architektin der Zukunft‘

    Beim Strategiegipfel IT-Management, der am 14. und 15. April 2026 im Hotel Palace in Berlin stattfindet, diskutieren IT-Verantwortliche darüber, wie IT zu einem strategischen Enabler werden kann.

    mehr lesen: Konferenz beleuchtet IT als ‚Architektin der Zukunft‘

  • Vier absurde Geschichten aus der Welt der Cyberkriminalität

    Vier absurde Geschichten aus der Welt der Cyberkriminalität

    Von einem Ransomware-Angriff mit mehrfacher Verschlüsselung über Cyberkriminelle der Kategorie Erbsenzähler bis hin zu dreisten ‚Sicherheitsberichten‘ – Sophos X-Ops, das Incident-Response-Team des Cybersecurity-Spezialisten, blickt zurück auf skurrile Vorfälle der vergangenen…

    mehr lesen: Vier absurde Geschichten aus der Welt der Cyberkriminalität

  • Trovarit ruft Anwender zur Bewertung ihrer ERP-Software auf

    Trovarit ruft Anwender zur Bewertung ihrer ERP-Software auf

    Die Studie ERP in der Praxis startet in eine neue Runde. Seit mehr als zwei Jahrzehnten fordern die Analysten der Trovarit Anwender von ERP-Software im Zweijahresrhythmus dazu auf, ihrem eingesetzten…

    mehr lesen: Trovarit ruft Anwender zur Bewertung ihrer ERP-Software auf