Szenario-Simulationen für Strategen: Rollenspiele mit Digital Humans

City with green industries and zero carbon
Digital Humans entwerfen unterschiedliche Szenarien für die Städte der Zukunft. – Bild: NTT Data Business Solutions AG

Die aktuellen Unsicherheitsfaktoren wie disruptive Technologien, militärische Krisen und geopolitische Verschiebungen machen es nicht einfacher, ein Unternehmen fit für die Zukunft zu machen. Und je unsicherer die Zeiten sind, desto mehr sind methodische Ansätze gefragt, die statt des Blicks in die Glaskugel Tendenzen, Trends und Megatrends aus sozialen, ökonomischen, politischen und militärischen Systemen zu einem realitätsnahen Zukunftsbild verdichten.

Tools sind vorhanden

Aktuelle Tools können bereits auf Basis vielfältiger Daten Einblicke in Zusammenhänge ermöglichen und Muster aufzeigen. Es liegt nahe, dafür künstliche Intelligenz in all ihren Ausprägungen zu nutzen: analytische und prädiktive KI ebenso wie generative und agentische KI. Jeder Ansatz hat spezifischen Qualitäten, die an der richtigen Stelle eingesetzt und dann zu einem schlüssigen Bild zusammengeführt werden müssen. Ein Bild, das sich laufend verändert. Oder genauer: viele Bilder und Szenarien, mit möglicherweise sogar geringen Wahrscheinlichkeiten aber eben oftmals noch verborgenen Möglichkeiten, die die rasante Entwicklung von Märkten und Technologien nicht-linear in die Zukunft transferieren. So können Unternehmen die Herausforderung angehen, der Entwicklung einen Schritt voraus zu sein.

Rollenspiel mit Digital Humans

Mit analytischer und generativer KI werden Datenanalysen, sozioökonomische Trends, technologische Fortschritte und branchenspezifische Entwicklungen iterativ durchgespielt und weiterentwickelt. Der Zeithorizont ist dabei variabel. Er kann fünf, zehn oder auch dreißig Jahre betragen. Dabei entwickelt generative KI interaktive Avatare, die als Digital Humans die Szenarien bevölkern und erlebbar machen. In naher Zukunft ist es auch denkbar und sehr wahrscheinlich sinnvoll, Digital Humans zusammenarbeiten zu lassen, so wie es in Agentennetzwerken für operative Aufgaben bereits geschieht, etwa bei der Optimierung von Prozessketten. Sind bestimmte Zukunftsszenarien als relevant identifiziert, können Unternehmen nach dem Prinzip des Backcasting die notwendigen Pfade von heute in diese Zukünfte skizzieren und geschäftsrelevante Weichenstellungen einleiten. Backcasting ist eine aus der Forschung bekannte strategische Methode. Dabei wird der Blick von einem angenommenen zukünftigen Zustand zurück in die Gegenwart gerichtet und gefragt, was getan werden muss, um diesen Zustand zu erreichen. Auf Pfaden, von sich stark unterscheidenden Szenarien, lassen sich mitunter auch Gemeinsamkeiten erkennen und erste Schritte in diese Zukünfte weisen oft verblüffend geringe Pfadabhängigkeiten auf.

Oliver Köth ist Chief Technology Officer bei NTT DATA DACH
Oliver Köth ist Chief Technology Officer bei NTT DATA DACHBild: NTT Data Business Solutions AG

Stolpersteine auf dem Weg

Bevor diese Schritte jedoch in Angriff genommen werden können, sind in der Regel eine Reihe von Hausaufgaben zu erledigen, um den Weg für den Aufbruch in die Zukunft zu bereiten. Sprich, es geht um die Bereinigung von Altlasten, Hindernissen oder Unzulänglichkeiten. Auch hier sind Muster erkennbar. So ist in Produktionsbetrieben häufig die Sensorik oder Aktorik von Maschinen nur unzureichend vorbereitet. Auch Silostrukturen und ineffiziente Prozessketten sind typische Stolpersteine. Ein weiterer kritischer Punkt ist das Datenmanagement – und zwar branchenübergreifend. Dabei geht es vor allem um die Datenqualität, also den Wert vorhandener Informationen oder den Zugriff auf Lieferketten-Daten über sogenannte Datenräume. Hier kann analytische KI helfen. Ein ebenfalls typischer, branchenübergreifender Problemkomplex ist das Thema Compliance und Security. Und nicht zuletzt muss der Faktor Mensch bedacht und ins Kalkül gezogen werden. Ohne die Bereitschaft und die Fähigkeit der Mitarbeitenden, den eingeschlagenen Weg nicht nur mitzugehen, sondern voranzugehen, wird es ein steiniger Pfad mit vielen Hindernissen.

Trends und Megatrends

Sind diese Vorarbeiten gemacht, stellen Digital Humans Szenarien und Konstellationen auf Basis von Trends und Megatrends bereit. Sie sind Denkanstöße und Diskussionsgrundlagen mit hoher Relevanz. Diese aber kann sich nur dann entfalten, wenn sich KI-Expertise und methodisches Know-how wie in einer Matrix mit tiefem Fachwissen verbinden. Sie geben inspirierende Einblicke in mögliche Zukunftstrends, um die Kreativität und Innovationskraft im Unternehmen zu stärken. Typischerweise werden in den Szenarien Kategorien wie technologische Innovationen, die rechtliche und regulatorische Landschaft, ökonomische Rahmenbedingungen, soziale und kulturelle Faktoren sowie die strategische Ausrichtung des Unternehmens miteinander in Beziehung gesetzt. Unternehmen können die Digital Humans verschiedene Szenarien durchspielen lassen, potenzielle Entwicklungen besser verstehen und darauf aufbauend strategische Entscheidungen treffen.

Individuelle Anpassung und Weiterentwicklung

Zudem lassen sich die Szenarien und Avatare an die Bedürfnisse und Gegebenheiten des jeweiligen Unternehmens anpassen. Szenarien, die auf die Unternehmensstrategie zugeschnitten sind, können in alle Aspekte geschäftsrelevanter Fragestellungen eintauchen – vom Verständnis der Marktdynamik über die Bewertung der Wettbewerbslandschaft bis hin zur Einschätzung des eigenen Potenzials. Dadurch können Unternehmen viele potenzielle Risiken für ihre Geschäftsmodelle frühzeitig erkennen und rechtzeitig auf neue Entwicklungen und Technologien reagieren. Sie können ihre Ressourcen bündeln, gezielt einsetzen und falls notwendig ergänzen. Ein nicht zu unterschätzender Effekt betrifft auch die Innovationskraft und Kreativität im Unternehmen, die durch die Szenarien befeuert wird.

Die Szenarien sind nicht mehr und nicht weniger als ein inspirierender Blick in die Zukunft – wie eine virtuelle, eigenhändig gesteuerte, mit Digital Humans bevölkerte Zeitmaschine. Eine faszinierende Option, die – richtig genutzt – tiefe geschäftsrelevante Einblicke liefert: vom Verständnis der Marktdynamik über die Bewertung der Wettbewerbslandschaft bis hin zur Einschätzung des eigenen Potenzials.



  • Mehr Investitionen in Forschung und Entwicklung

    Mehr Investitionen in Forschung und Entwicklung

    Insgesamt 8,2Mrd.€ hat der Maschinen- und Anlagenbau im Jahr 2019 für Forschung und Entwicklung ausgegeben. Auch in der Pandemie behalten F&E-Ausgaben einen hohen Stellenwert.

    mehr lesen: Mehr Investitionen in Forschung und Entwicklung

  • Sicherheitsrisiko neu definieren – Hacker engagieren

    Sicherheitsrisiko neu definieren – Hacker engagieren

    IT-Sicherheit ist ein wichtiges Thema für jedes Unternehmen. Denn kommt es zu einem erfolgreichen Angriff kann dies teuer werden. Durch die Nutzung sogenannter Bug-Bounty-Plattformen können Unternehmen kriminellen Hackern vorgreifen.

    mehr lesen: Sicherheitsrisiko neu definieren – Hacker engagieren

  • Zusammenarbeit funktioniert nur in jedem fünften Unternehmen

    Zusammenarbeit funktioniert nur in jedem fünften Unternehmen

    Corona stellt Unternehmen und deren Mitarbeiter nach wie vor auf eine harte Probe. Laut der Studie ‚Kollaboration – Erfolgsfaktor Zusammenarbeit‘ schaffen es aktuell nur 22 Prozent der Unternehmen, eine Zusammenarbeit…

    mehr lesen: Zusammenarbeit funktioniert nur in jedem fünften Unternehmen

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Bestellungen im März und im 1. Quartal steigen

    Bestellungen im März und im 1. Quartal steigen

    Im März haben die Bestellungen im Maschinen- und Anlagenbau im Vergleich zum Vorjahr deutlich zugelegt. Dabei kamen sowohl aus dem Aus- als auch aus dem Inland positive Signale.

    mehr lesen: Bestellungen im März und im 1. Quartal steigen

  • Mehr Cybersicherheit für Fernwartungs-Router

    Mehr Cybersicherheit für Fernwartungs-Router

    HMS hat die neue Fernwartungs-Router-Generation Ewon Cosy+ auf erhöhte Sicherheit ausgelegt. Die Geräte bieten nicht nur moderne hardware-implementierte Sicherheitsmechanismen, sondern auch automatische Updates signierter Firmware über die firmeneigene Plattform Talk2M.

    mehr lesen: Mehr Cybersicherheit für Fernwartungs-Router

  • Der Weg zur effizienten Datenstrategie

    Der Weg zur effizienten Datenstrategie

    Viele deutsche Mittelständler bieten innovative Produkte an, tun sich aber oft schwer, operative Prozesse mithilfe von Daten tatsächlich zu verbessern und wichtige Entscheidungen auf Basis ihrer Daten zu fällen. Der…

    mehr lesen: Der Weg zur effizienten Datenstrategie

  • Catherine Kniker wird CSO bei PTC

    Catherine Kniker wird CSO bei PTC

    Mit dem Wechsel von Kathleen Mitford zu Microsoft wird Catherine Kniker zur EVP (Executive Vice Presdient) und Chief Stategy Officer bei PTC ernannt.

    mehr lesen: Catherine Kniker wird CSO bei PTC

  • Carsten Stiller wird Geschäftsführer bei Cybus

    Carsten Stiller wird Geschäftsführer bei Cybus

    Gemeinsam mit CEO Peter Sorowka leitet Carsten Stiller seit 1. April das Softwareunternehmen Cybus. Er verantwortet die Bereiche Marketing und Vertrieb.

    mehr lesen: Carsten Stiller wird Geschäftsführer bei Cybus

  • Dirk Didascalou wird CTO bei Siemens Digital Industries

    Dirk Didascalou wird CTO bei Siemens Digital Industries

    Siemens Digital Industries bekommt einen neuen CTO. Dirk Didascalou soll zum 1. September neuer Technikchef werden.

    mehr lesen: Dirk Didascalou wird CTO bei Siemens Digital Industries

  • Unveränderte Geschäftslage und Optimismus für 2021

    Unveränderte Geschäftslage und Optimismus für 2021

    Die Wirtschaft blickt überwiegend optimistisch in die Zukunft: Knapp 40 Prozent der Unternehmen wollen laut der jüngsten Konjunkturumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft 2021 im Vergleich zu 2020 mehr produzieren.

    mehr lesen: Unveränderte Geschäftslage und Optimismus für 2021

  • Künstliche Intelligenz erklärbar machen

    Künstliche Intelligenz erklärbar machen

    Künstliche Intelligenz hat meistens Black-Box-Charakter. Doch nur Transparenz kann Vertrauen schaffen. Um die jeweiligen Lösungswege künstlicher Intelligenz zu erklären, gibt es spezielle Software-Lösungen. Eine Studie des Fraunhofer IPA hat die…

    mehr lesen: Künstliche Intelligenz erklärbar machen