KI-Agenten als nächster Schritt der Automatisierung

Jürgen Schön ist Senior Director Manufacturing Industry EMEA bei ServiceNow.
Jürgen Schön ist Senior Director Manufacturing Industry EMEA bei ServiceNow. – Bild: Service-now.com GmbH

Von einfachen Regelsteuerungen über programmierbare Maschinen bis hin zu komplexen Assistenzsystemen – die Automatisierung hat in der produzierenden Industrie in den vergangenen Jahrzehnten stetige Fortschritte gemacht und ihre Effizienz kontinuierlich gesteigert. Nun kommt mit KI-Agenten eine neue Technologie hinzu, die über die klassische Automatisierung hinausgeht. Die Agenten können eigenständig Entscheidungen treffen und Unternehmensprozesse dynamisch und proaktiv unterstützen. Doch was genau unterscheidet die Technologie von bisherigen Automatisierungstechnologien und wie könnte sie in der Fertigung konkret eingesetzt werden?

Was sind KI-Agenten?

KI-Agenten sind Systeme, die auf Basis künstlicher Intelligenz eigenständig agieren können. Im Gegensatz zur klassischen Automatisierung folgen sie nicht nur vordefinierten Regeln, sondern analysieren Daten in Echtzeit, identifizieren Muster und treffen auf dieser Basis eigenständige Entscheidungen. Technologisch möglich wird dies durch Fortschritte in generativer KI und maschinellen Lernverfahren, die eine präzisere Entscheidungsfindung erlauben. Zudem sorgt die Vernetzung durch das Industrial Internet of Things (IIoT) dafür, dass Maschinen, Anlagen und Systeme große Mengen an Daten bereitstellen, die KI-Agenten für ihre Analysen nutzen können.

Wo finden sie Anwendung?

In der Fertigungsindustrie könnten KI-Agenten insbesondere dort zum Einsatz kommen, wo bislang menschliches Eingreifen erforderlich war. Ein Anwendungsbereich ist etwa die vorausschauende Wartung (Predictive Maintenance). Durch die kontinuierliche Analyse von Sensordaten erkennen KI-Agenten frühzeitig Anzeichen für mögliche Maschinenausfälle und lösen automatisch Wartungsmaßnahmen aus. Dies reduziert ungeplante Stillstände und erhöht die Betriebssicherheit. In der Produktionssteuerung könnten KI-Agenten Fertigungsprozesse überwachen, Engpässe identifizieren und Abläufe in Echtzeit anpassen.

Ein weiteres Anwendungsfeld liegt in der Lieferkette. KI-Agenten analysieren Lagerbestände, Kundenbestellungen und Lieferzeiten, um Materialflüsse präziser zu steuern. So werden Engpässe vermieden und Produktionsprozesse besser aufeinander abgestimmt. Auch in der Qualitätskontrolle spielen KI-Agenten eine Rolle. Mithilfe von Bildverarbeitung und Datenanalysen können sie fehlerhafte Produkte bereits während der Fertigung erkennen. In der Folge reduziert dies Ausschuss und Nachbesserungen können gezielt erfolgen. Dabei ergänzen KI-Agenten vor allem monotone oder besonders datenintensive Aufgaben, kritische Entscheidungen und strategische Steuerung verantworten weiter menschlicher Fachkräfte.

Daten und Compliance

Trotz der vielversprechenden Einsatzmöglichkeiten gibt es Herausforderungen, die Unternehmen bei der Implementierung von KI-Agenten berücksichtigen müssen. Eine Hürde ist etwa die Verfügbarkeit und Qualität der nutzbaren Daten. Um zuverlässig arbeiten zu können, benötigen KI-Agenten große Mengen an strukturierten und aussagekräftigen Daten. Eine entsprechede Daten-Strategie und -Infrastruktur sollte also vorhanden sein. Ein weiteres Thema ist die Akzeptanz der Mitarbeitenden. Diese müssen sich an die Zusammenarbeit mit KI-Agenten gewöhnen und geschult werden. Hier sind Transparenz in der Kommunikation sowie eine klare Definition der Aufgabenverteilung zwischen Mensch und KI gefragt. Regulatorische Anforderungen wie etwa Datenschutzrichtlinien, Compliance-Vorgaben und ethische Aspekte gilt es ebenfalls zu beachten. Insbesondere in sicherheitskritischen Bereichen sind klare Regeln für den Einsatz und die Entscheidungsbefugnisse dieser Systeme wichtig.

Wie geht es weiter?

In der Praxis zeigen erste Anwendungen das Potenzial der Technologie. Unternehmen testen den Einsatz in Wartung, Fertigungssteuerung und Qualitätsmanagement derzeit. Und bis 2030 könnten KI-Agenten fester Bestandteil vieler industrieller Prozesse sein. Die Marktforscher von IDC prognostizieren, dass bereits bis 2025 etwa 50 Prozent der Unternehmen KI-Agenten für geschäftskritische Prozesse einsetzen werden. Ein zentraler Faktor für die Verbreitung wird die weitere Verbesserung der KI-Modelle sein. Je präziser und schneller diese arbeiten, desto größer wird ihr Nutzen für Unternehmen. Gleichzeitig werden Standardisierung und Regulierung von KI-Technologien eine Rolle spielen, um deren Einsatz möglichst sicher und nachvollziehbar zu gestalten. Ausschlaggebend wird sein, KI nicht als Inselsystem zu betrachten, sondern sie in bestehende Strukturen zu integrieren, damit Mensch und Technologie bestmöglich zusammenarbeiten.



  • Sicherheitsrisiko neu definieren – Hacker engagieren

    Sicherheitsrisiko neu definieren – Hacker engagieren

    IT-Sicherheit ist ein wichtiges Thema für jedes Unternehmen. Denn kommt es zu einem erfolgreichen Angriff kann dies teuer werden. Durch die Nutzung sogenannter Bug-Bounty-Plattformen können Unternehmen kriminellen Hackern vorgreifen.

    mehr lesen: Sicherheitsrisiko neu definieren – Hacker engagieren

  • Bestellungen im März und im 1. Quartal steigen

    Bestellungen im März und im 1. Quartal steigen

    Im März haben die Bestellungen im Maschinen- und Anlagenbau im Vergleich zum Vorjahr deutlich zugelegt. Dabei kamen sowohl aus dem Aus- als auch aus dem Inland positive Signale.

    mehr lesen: Bestellungen im März und im 1. Quartal steigen

  • Zusammenarbeit funktioniert nur in jedem fünften Unternehmen

    Zusammenarbeit funktioniert nur in jedem fünften Unternehmen

    Corona stellt Unternehmen und deren Mitarbeiter nach wie vor auf eine harte Probe. Laut der Studie ‚Kollaboration – Erfolgsfaktor Zusammenarbeit‘ schaffen es aktuell nur 22 Prozent der Unternehmen, eine Zusammenarbeit…

    mehr lesen: Zusammenarbeit funktioniert nur in jedem fünften Unternehmen

  • Der Weg zur effizienten Datenstrategie

    Der Weg zur effizienten Datenstrategie

    Viele deutsche Mittelständler bieten innovative Produkte an, tun sich aber oft schwer, operative Prozesse mithilfe von Daten tatsächlich zu verbessern und wichtige Entscheidungen auf Basis ihrer Daten zu fällen. Der…

    mehr lesen: Der Weg zur effizienten Datenstrategie

  • Mehr Cybersicherheit für Fernwartungs-Router

    Mehr Cybersicherheit für Fernwartungs-Router

    HMS hat die neue Fernwartungs-Router-Generation Ewon Cosy+ auf erhöhte Sicherheit ausgelegt. Die Geräte bieten nicht nur moderne hardware-implementierte Sicherheitsmechanismen, sondern auch automatische Updates signierter Firmware über die firmeneigene Plattform Talk2M.

    mehr lesen: Mehr Cybersicherheit für Fernwartungs-Router

  • Catherine Kniker wird CSO bei PTC

    Catherine Kniker wird CSO bei PTC

    Mit dem Wechsel von Kathleen Mitford zu Microsoft wird Catherine Kniker zur EVP (Executive Vice Presdient) und Chief Stategy Officer bei PTC ernannt.

    mehr lesen: Catherine Kniker wird CSO bei PTC

  • Carsten Stiller wird Geschäftsführer bei Cybus

    Carsten Stiller wird Geschäftsführer bei Cybus

    Gemeinsam mit CEO Peter Sorowka leitet Carsten Stiller seit 1. April das Softwareunternehmen Cybus. Er verantwortet die Bereiche Marketing und Vertrieb.

    mehr lesen: Carsten Stiller wird Geschäftsführer bei Cybus

  • Dirk Didascalou wird CTO bei Siemens Digital Industries

    Dirk Didascalou wird CTO bei Siemens Digital Industries

    Siemens Digital Industries bekommt einen neuen CTO. Dirk Didascalou soll zum 1. September neuer Technikchef werden.

    mehr lesen: Dirk Didascalou wird CTO bei Siemens Digital Industries

  • Unveränderte Geschäftslage und Optimismus für 2021

    Unveränderte Geschäftslage und Optimismus für 2021

    Die Wirtschaft blickt überwiegend optimistisch in die Zukunft: Knapp 40 Prozent der Unternehmen wollen laut der jüngsten Konjunkturumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft 2021 im Vergleich zu 2020 mehr produzieren.

    mehr lesen: Unveränderte Geschäftslage und Optimismus für 2021

  • Künstliche Intelligenz erklärbar machen

    Künstliche Intelligenz erklärbar machen

    Künstliche Intelligenz hat meistens Black-Box-Charakter. Doch nur Transparenz kann Vertrauen schaffen. Um die jeweiligen Lösungswege künstlicher Intelligenz zu erklären, gibt es spezielle Software-Lösungen. Eine Studie des Fraunhofer IPA hat die…

    mehr lesen: Künstliche Intelligenz erklärbar machen

  • Quantencomputing wird zum Wettbewerbsvorteil

    Quantencomputing wird zum Wettbewerbsvorteil

    Quantencomputer können komplexe Berechnungen schneller durchführen als beispielsweise heutige Superrechner. Wie eine Befragung des Bitkom zeigt, verspricht sich die deutsche Wirtschaft viel von der Technologie.

    mehr lesen: Quantencomputing wird zum Wettbewerbsvorteil

  • Künstliche Intelligenz für kleine und mittlere Unternehmen

    Künstliche Intelligenz für kleine und mittlere Unternehmen

    Künstliche Intelligenz auch für KMUs nutzbar machen. Das ist das Ziel des Modellprojekts ’KI-Transfer Plus’

    mehr lesen: Künstliche Intelligenz für kleine und mittlere Unternehmen