Digital Product Passport als Wettbewerbsvorteil

Bicycle factory worker holds teen bike frame
Bild: ©Nomad_Soul/stock.adobe.com

Die Open Industry 4.0 Alliance hat deshalb die sogenannte DPP-Projektinitiative ins Leben gerufen, die sich mit den industriespezifisch-technischen Anforderungen befasst und in der die Herausforderungen aber auch Chancen diskutiert werden, die sich durch den DPP für Unternehmen ergeben. So müssen beispielsweise die Unternehmensprozesse zunächst durchleuchtet werden, um die von der EU geforderten Informationen in der richtigen Granularität und Qualität zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig sollen Unternehmen animiert werden, gewissermaßen aus der Not eine Tugend zu machen, das heißt, die Einführung des DPP als Gelegenheit zu nutzen in dessen Windschatten Prozesse zu verbessern oder gar neue, innovative Geschäftsmodelle in Angriff zu nehmen, die sich durch datengetriebene IT-Infrastrukturen ergeben können. In anderen Worten: es gilt, die Datenverarbeitung und -verfügbarkeit zu optimieren und nachhaltigere Unternehmensprozesse zu identifizieren.

Teilmenge des Digital Twins

Der DPP und digitale Zwillinge in Verbindung mit der Asset Administration Shell zielen darauf ab, Informationen über ein Produkt zu sammeln, zu organisieren und zu verwalten. Der digitale Zwilling ist eine virtuelle Repräsentation eines physischen Objekts oder Systems. Er kann sowohl statische als auch dynamische Informationen enthalten, die es einerseits ermöglichen, das Verhalten und die Leistung des realen Objekts zu simulieren oder zu überwachen, andererseits aber auch den zentralen Einstiegspunkt für den Zugriff auf alle relevanten, das Objekt betreffenden Daten darstellt. Die Asset Administration Shell (Verwaltungsschale) ermöglicht, die Informationen über ein Objekt standardisiert zu verwalten und auszutauschen. Sie bietet eine einheitliche Schnittstelle für den Zugriff auf und die Verwaltung von Angaben über ein Asset. Im Falle eines Produkts – etwa einem Fahrrad – könnte der digitale Zwilling beispielsweise Fragen beantworten, wer es wie und zu welchem Zeitpunkt benutzt, wann es gewartet wurde oder werden soll, wer es besitzt, welche Ersatzteile benötigt werden und vieles mehr. Der Digital Product Passport ist in diesem Zusammenhang als eine Teilmenge aller über das Fahrrad verfügbaren Informationen zu betrachten.

Die Projektinitiative DPP

„Zum DDP haben wir gerade ein Projekt gestartet, das sich neben der technischen Grundlagenarbeit ganz bewusst mit der Frage beschäftigt, wie sich aus der Not eine Tugend machen lässt. Wir möchten uns dabei auf das Positive fokussieren. Die Umsetzung der regulatorischen Vorgaben erfordert es, aus verschiedenen Systemen die richtigen Daten im richtigen Format an der richtigen Stelle zu aggregieren. Das ist ein sehr aufwändiger Prozess. Daher stellen wir uns die Frage, wie dieser Komplex am besten angegangen werden kann“, sagt Rüdiger Fritz, Director Product Management bei SAP und einer der Gestalter bei der Open Industry 4.0 Alliance. Die DPP-Projektinitiative hat sich zum Ziel gesetzt, verschiedene Herausforderungen im Zusammenhang mit der Implementierung des DPP, dem Management und der Transparenz der Lieferkette, dem Datenaustausch und dem Change-Management anzugehen. Dabei liegt der Fokus auf praxisorientierten Ansätzen für kontinuierliche Verbesserung. Das Gremium wendet dafür gerne das praktische und vereinfachte Beispiel der Herstellung eines Fahrrades an, um den DPP aus vielen Blickwinkeln zu durchleuchten.

Komplexität greifbar machen

Das Denkmodell ist, dass dessen Komponenten wie Vorder- und Hinterrad, Sattel und Lenker von einem Lieferanten bezogen werden und dieser bereits den jeweiligen DPP für die Komponenten zur Verfügung stellt. Der Fahrradhersteller verfügt wiederum über eine Produktion für den Fahrradrahmen und die Komponentenmontage. Die Rahmenproduktion erfolgt auf Basis einfacher Stahlrohre, die von zwei verschiedenen Lieferanten bezogen werden. Das Hauptaugenmerk liegt darauf, einerseits DPP-Daten von Lieferanten zu erhalten, anderseits solche für den intern produzierten Fahrradrahmen zu erzeugen und schließlich den Digital Product Passport für das fertige Fahrrad und damit für den Verbraucher zu erstellen.

Standards und Nutzen nötig

Auf diesem Weg müssen unterschiedlichste Fragestellungen berücksichtigt werden. Etwa, wo und wie bereits heute Daten erzeugt und organisiert werden, die für den DPP benötigt werden, aber noch nicht im Asset Administration Shell (AAS) und DPP-Format verfügbar sind. Andererseits muss geklärt werden, wie eine unternehmensweite IT-Infrastruktur zu gestalten ist, die sowohl die Anforderungen zur Erzeugung und Bereitstellung des zukünftigen DPP erfüllt und gleichzeitig die erhofften Mehrwerte und Synergien der DPP-Einführung im Unternehmen erfüllt. Zusätzlich zu den allgemeinen Zielen und Fragestellungen, die geklärt werden müssen, hat die Projektinitiative weitere Aufgaben vor sich.

Best Practices entstehen

Es müssen etwa Asset Administration Shells für angelieferte Komponenten vereinnahmt und in Folgeprozessen genutzt werden. Die Erstellung von Verwaltungsschalen für die interne Produktionskomponenten ist hingegen eine anders gelagerte Herausforderung, da hier sowohl proprietäre Datenquellen als auch die Modellierung von Produktionsmaschinen berücksichtigt werden müssen. Ebenso ist die Gestaltung einer AAS für das Endprodukt erforderlich, wobei der Fokus auf der Zusammenstellung des Stücklistenmaterials und der Berücksichtigung von Varianten liegt. Es muss auch geklärt werden, inwieweit Materialverluste in die CO2-Bilanz oder externe Prozesse und Dienstleister – etwa Lohnfertigung – in den DPP einfließen. Letztendlich strebt die Projektinitiative an, aus diesen Überlegungen Handlungsempfehlungen für produzierende Unternehmen und Dienstleister abzuleiten, um den Prozess der DPP-Erstellung zu erleichtern, Verbesserungspotentiale in Unternehmen zu heben und schließlich zu den angestrebten Nachhaltigkeitszielen der Europäischen Kommission beizutragen.

Kreative Prozesse

Durch den DPP erhalten Verbraucher weitreichende Informationen über Herkunft, verwendete Materialien und Nachhaltigkeit von Produkten. Doch Unternehmen können das Werkzeug auch zur unmittelbaren Interaktion mit Kunden nutzen, etwa für Wartungsangebote, individuelle Vertrags- und Garantiebedingungen, schnelle Reaktion auf Ersatzteilbedarf u.v.m. Somit winkt eine höhere Wettbewerbsfähigkeit durch herausstellbare Produkteigenschaften wie CO2-Neutralität oder die vieldimensionale Nutzung des digitalen Zwillings entlang des Lebenszyklus eines Produkts. Durch den ganzheitlichen Blick auf Produkt- und Nutzungsdaten werden Unternehmen kreative Prozesse entwickeln, um Artikel zu verbessern und Nachhaltigkeitsoptionen zu bieten.



  • Unternehmen sehen Licht am Ende des Tunnels

    Unternehmen sehen Licht am Ende des Tunnels

    Mit dem stärksten jemals gemessenen Anstieg hat sich der Ifo-Geschäftsklimaindex im Juni im Vergleich zum Vormonat etwas erholt. Er liegt nun bei 86,2 Punkten.

    mehr lesen: Unternehmen sehen Licht am Ende des Tunnels

  • Cloud-Computing bleibt auf Wachstumskurs

    Cloud-Computing bleibt auf Wachstumskurs

    Im vergangenen Jahr haben 76 Prozent der Unternehmen Rechenleistung aus der Cloud in Anspruch genommen. Dies geht aus einer Studie von Bitkom Research im Auftrag von KPMG hervor.

    mehr lesen: Cloud-Computing bleibt auf Wachstumskurs

  • Maschinenbauer zuversichtlich für die Zeit nach Corona

    Maschinenbauer zuversichtlich für die Zeit nach Corona

    Die überwiegende Zahl der Maschinenbauer ist zuversichtlich, mittelfristig auf das nominale Umsatzniveau von 2019 zurückzukehren. So lautet die Kernbotschaft der sechsten VDMA-Blitzumfrage zur Corona-Pandemie, an der 658 Unternehmen teilnahmen.

    mehr lesen: Maschinenbauer zuversichtlich für die Zeit nach Corona

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Google Cloud tritt der OPC Foundation bei

    Google Cloud tritt der OPC Foundation bei

    Google Cloud wird künftig verstärkt OPC UA nutzen, um Maschinendaten zur Verarbeitung an die eigene Infrastruktur zu übertragen. Dafür tritt die Firma der OPC Foundation als 773. Mitglied bei.

    mehr lesen: Google Cloud tritt der OPC Foundation bei

  • Zukünftig weniger Dienstreisen?

    Zukünftig weniger Dienstreisen?

    Wie aus der aktuellen Ifo-Konjunkturumfrage hervorgeht, will mehr als die Hälfte der deutschen Unternehmen — vor allem aus der Industrie — im Zuge der Coronakrise Geschäftsreisen dauerhaft zurückfahren.

    mehr lesen: Zukünftig weniger Dienstreisen?

  • Besser aus der Krise kommen

    Besser aus der Krise kommen

    Die finanziellen Auswirkungen der Corona-Pandemie sind groß, dennoch birgt die aktuelle Krise auch positives. Laut einer Umfrage des VDI führt die aktuelle Situation dazu, dass sich Unternehmen digitaler und krisenfester…

    mehr lesen: Besser aus der Krise kommen

  • BMW und Mercedes-Benz legen Entwicklungskooperation auf Eis

    BMW und Mercedes-Benz legen Entwicklungskooperation auf Eis

    BMW und Mercedes-Benz stoppen ihre Kooperation zur Entwicklung automatisierter Fahrzeuge. Die Entwicklung einer gemeinsamen Technologiebasis wäre zu aufwendig, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Auch die Konjunktur spiele bei der…

    mehr lesen: BMW und Mercedes-Benz legen Entwicklungskooperation auf Eis

  • Zukunftssicherheit im deutschen Maschinenbau

    Zukunftssicherheit im deutschen Maschinenbau

    Die Maschinenbau-Branche leidet unter den Folgen von Covid-19. Doch die Ursachen für die Probleme liegen tiefer. Das zeigt die jüngste Studie von Inform: ‚Trendreport 2020 für den Maschinen- und Anlagenbau:…

    mehr lesen: Zukunftssicherheit im deutschen Maschinenbau

  • Corona bremst Robotik und Automation stärker als erwartet

    Corona bremst Robotik und Automation stärker als erwartet

    VDMA Robotik+Automation rechnet für das laufende Jahr mit einem Umsatzrückgang von mindestens 20 Prozent. Vor Ausbruch der Pandemie ging der Verband von einem Rückgang von 10 Prozent aus.

    mehr lesen: Corona bremst Robotik und Automation stärker als erwartet

  • Schmersal-Gruppe nach Cyberangriff wieder handlungsfähig

    Schmersal-Gruppe nach Cyberangriff wieder handlungsfähig

    Der Anruf kam am 20. Mai um 16.45 Uhr: Die Schmersal-Gruppe wurde von offizieller Seite informiert, dass Cyberkriminelle einen gezielten Angriff auf das Firmennetzwerk planen. Nach einer Verifikation des Anrufs…

    mehr lesen: Schmersal-Gruppe nach Cyberangriff wieder handlungsfähig

  • Gemeinsamer Standard für unterschiedliche Ortungslösungen

    Gemeinsamer Standard für unterschiedliche Ortungslösungen

    Ein Zusammenschluss von rund 60 Unternehmen aus Europa, Amerika und Asien hat mit ‘Omlox‘ einen Ortungsstandard für die Industrie eingeführt. Die weltweie Koordination wird durch die Profibus Nutzerorganisation übernommen.

    mehr lesen: Gemeinsamer Standard für unterschiedliche Ortungslösungen