Mehr Sicherheit durch künstliche Intelligenz

image 4
(Bild: ©Blue Planet Studio/stock.adobe.com)

Der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) verspricht Potenziale für die industrielle Fertigung – sie kann zur Steigerung der Produktivität beitragen, eine flexiblere Produktionssteuerung ermöglichen und einen aktiven Beitrag zur Nachhaltigkeit im Unternehmen leisten. Voraussetzung dafür ist allerdings die Konvergenz von operationalen Technologien (OT) in der Produktion mit der Informationstechnologie (IT). Kurz gesagt: Eine umfassende Vernetzung der Produktionsanlagen ist unabdingbar für die erfolgreiche Anwendung von KI.

Diese Vernetzung gestaltet sich für Industrieunternehmen oft schwer, denn die Vernetzung birgt gleichzeitig erhebliche Sicherheitsrisiken und die Gefahr von Cyberattacken. Erst wenn die Sicherheitsarchitektur im OT-Bereich ein robustes Level erreicht hat, kann die digitale Transformation wirklich starten. Oder anders gesagt: Cybersicherheit ist die Basis für Vernetzung und damit die vollständige Digitalisierung der Produktion.

Das in den 90er Jahren entwickelte und weit verbreitete Referenzmodell, das Purdue Model, kann die Sicherheit der Produktionsprozesse in der ursprünglichen Form nur bedingt gewährleisten, da Datenflüsse durch die vorgesehenen Netzwerkschichten behindert werden. Das Purdue Model ist vielleicht nicht gänzlich hinfällig, wie manchmal behauptet wird, aber mit der Konvergenz von OT und IT braucht es zusätzliche, neue Mechanismen. Die Normreihe IEC 62443, die die Sicherheitsanforderungen industrieller Automatisierungs- und Steuerungssysteme beschreibt, bietet in dem Zusammenhang hilfreiche Ansätze, bleibt aber schwer umzusetzen.

Viele Maschinen für moderne Vernetzung nicht geeignet

Die Grundproblematik besteht darin, dass industrielle Steuerungssysteme für Maschinen dafür gebaut sind, Jahrzehnte lang zu halten, und nicht dafür, sich kontinuierlich zu verändern. Das steht im Widerspruch zu den Sicherheitsprinzipien im IT-Bereich, die laufende Updates mit Sicherheitspatches erfordern. Konsequente Patchstrategien sind im OT-Bereich selten vorzufinden und auch im Anforderungskatalog für neue Maschinen noch immer die Ausnahme. Daher entscheiden sich einige Unternehmen aktuell oft dazu, in Punkto Vernetzung eher den Rückwärtsgang einzulegen. Sie werden zum Beispiel beim Thema ‚Remote Support‘ von Maschinen wieder vorsichtiger, seitdem Ransomware-Angriffe weltweit ansteigen und angreifbare Produktionsmaschinen ein gewaltiges Potenzial für Cyberkriminelle darstellen.

Schadensminimierung durch Zero-Trust

Sind Angreifer ins Netzwerk eingedrungen, haben sie oft leichtes Spiel. Sie können sich dann unkontrolliert innerhalb des Netzwerks bewegen (Lateral Movement) und die darin befindlichen Systeme angreifen, mit erheblichen Konsequenzen für die Produktion. Hilfe verspricht eine Zero-Trust-Architektur, die nur die Verbindungen zulässt, die wirklich benötigt werden. Angreifer können dann nur einzelne Systeme attackieren, Angriffsziele (Attack Surface) werden auf ein Minimum reduziert. Künstliche Intelligenz verspricht zusätzliche Effekte für Zero Trust im OT-Bereich: Eine selbstlernende und automatisierte Mikrosegmentierung vereinfacht die Einführung und vermeidet hohe Implementierungskosten.

KI als Sicherheitsstandard in der Produktion

Die OT-Systeme selbst stellen eine weitere Schwachstelle dar. Da Updates aufwändig und teuer sind, laufen sie oft mit veralteten Betriebssystemen, um mögliche Leistungseinbußen zu vermeiden, operieren sie ohne Sicherheitssoftware. Selbst, wenn Betreiber zukünftig ein größeres Augenmerk auf die Maschinensicherheit legen, stellen die Altsysteme vor diesem Hintergrund immer noch eine Herausforderung dar.

Es gilt, Angriffe schnell aufzuspüren (Detect) und zu bekämpfen (Respond). Dabei kann KI entscheidend sein. Viele IT-Sicherheitssysteme lernen automatisch dazu, um beispielsweise Phishing-Kampagnen zu blocken oder verdächtiges Verhalten von Geräten (Endpoint Detection and Response – EDR) zu erkennen..

Im OT-Bereich bieten sich netzwerkbasierte Lösungen (Network Detection and Response – NDR) an, die auf ähnlichen Prinzipien basieren. KI kann den Datenverkehr in Produktionsnetzen in Echtzeit analysieren und ‚außergewöhnliche‘ Datenverbindungen als Folge eines Hackerangriffes an die Sicherheitsorganisation weiterleiten. Dabei unterstützen diese Lösungen die Transparenz über vernetzte Produktionssysteme (Asset Management) und zeigen sicherheitstechnische Schwachstellen auf (Vulnerability Management). Beides sind bereits Mindestanforderungen an ein aktives Sicherheitsmanagement.

Fazit: Die digitale Transformation erfordert eine robuste Sicherheitsarchitektur und KI kann dabei helfen, die derzeitigen Hindernisse in der OT-Sicherheit zu überwinden.



  • Mittler zwischen Mehrwert und Sicherheit

    Mittler zwischen Mehrwert und Sicherheit

    Am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT entsteht gerade die Software KMUsecure. Das Programm soll produzierende KMU dabei unterstützen, kritische Netzwerkschnittstellen zu sichern und Vernetzung leichter zur Optimierung zu nutzen.

    mehr lesen: Mittler zwischen Mehrwert und Sicherheit

  • Accenture übernimmt Salt Solutions

    Accenture übernimmt Salt Solutions

    Der SAP-Partner und MES-Integrator Salt Solutions wird Teil von Accenture. Wie die Unternehmensberatung bekannt gab, ist die Vereinbarung bereits unterschrieben.

    mehr lesen: Accenture übernimmt Salt Solutions

  • Vertrauenswürdige Prozessoren aus Deutschland

    Vertrauenswürdige Prozessoren aus Deutschland

    Im Projekt Scale4Edge arbeiten 22 Akteure aus Wissenschaft und Wirtschaft an besonders vertrauenswürdiger Computerhardware. Entstehen soll ein skalierbares Edge-Computing-Ökosystem rund um die Risc-V-Architektur etwa für Industrieanwendungen, Heimautomation und selbstfahrende Autos.

    mehr lesen: Vertrauenswürdige Prozessoren aus Deutschland

  • Innovationsranking im produzierenden Mittelstand

    Innovationsranking im produzierenden Mittelstand

    Innovation gehört zu den drei wichtigsten Digitalisierungszielen im Mittelstand, gleich nach Mitarbeiterproduktivität und Prozessmodernisierung. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung, die im Auftrag des ERP-Anbieters Proalpha entstand. Doch wo ist…

    mehr lesen: Innovationsranking im produzierenden Mittelstand

  • Arbeitsmarktbarometer dreht ins Plus

    Arbeitsmarktbarometer dreht ins Plus

    Das IAB-Arbeitsmarktbarometer ist im September 2020 um 1,7 Punkte auf 100,1 Punkte gestiegen. Erstmals seit Beginn der Corona-Krise liegt der Frühindikator des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) damit nicht…

    mehr lesen: Arbeitsmarktbarometer dreht ins Plus

  • Ergänztes IT-Sicherheitskonzept für Profinet

    Ergänztes IT-Sicherheitskonzept für Profinet

    Parallel mit den ersten Profinet-Spezifikationen veröffentlichte PI ein umfassendes Security-Konzept, das in mehreren Schritten weiter detailliert und angepasst wurde.

    mehr lesen: Ergänztes IT-Sicherheitskonzept für Profinet

  • GIS und EAM fusionieren zu Rodias

    GIS und EAM fusionieren zu Rodias

    Innerhalb der Robur-Gruppe haben sich die Firmen GIS und EAM zusammengetan. Beide Firmen bringen langjährige Erfahrungen rund um die Instandhaltung, Wartung und das Anlagenmanagement in den Zusammenschluss ein. Als Rodias…

    mehr lesen: GIS und EAM fusionieren zu Rodias

  • Startups stellen Lösungen vor

    Startups stellen Lösungen vor

    Zehn IT-Sicherheitsanbieter haben Chance, als das beste Security-Startup der DACH-Region ausgezeichnet zu werden. Nachdem sie im Fachjuryentscheid überzeugen konnten, heißt es jetzt, im Speed-Pitch das Publikum zu gewinnen.

    mehr lesen: Startups stellen Lösungen vor

  • Hindernisse für den KI-Einsatz überwinden

    Hindernisse für den KI-Einsatz überwinden

    Trotz zahlreicher Innovationsmöglichkeiten zögern viele Unternehmen und Behörden noch bei der Nutzung von künstlicher Intelligenz (KI) im Bereich Cybersicherheit.

    mehr lesen: Hindernisse für den KI-Einsatz überwinden

  • Integrierte OT-Sicherheit

    Integrierte OT-Sicherheit

    Rhebo und Barracuda adressieren mit einer kombinierten Lösung vollumfängliche Cybersicherheit für industrielle Netzwerke und IIoT-Geräte.

    mehr lesen: Integrierte OT-Sicherheit

  • Credential Stuffing in der Medienbranche

    Credential Stuffing in der Medienbranche

    Angriffe auf Medienunternehmen durch Kontoübernahmen stiegen bereits zwischen 2018 und 2019 deutlich an. Im Zuge der diesjährigen Pandemie vervierfachten sich schädliche Anmeldeversuche sogar.

    mehr lesen: Credential Stuffing in der Medienbranche

  • Schutz von Remote-Mitarbeitern

    Schutz von Remote-Mitarbeitern

    Um die Verwaltung der Cybersicherheit einfacher und zugänglicher zu gestalten, stellt SonicWall die Zero-Touch-fähigen Multi-Gbit TZ-Firewalls mit SD-Branch-Funktionen vor. Die neuen Firewalls TZ570 und TZ670 sind die ersten Desktop-Firewalls, die…

    mehr lesen: Schutz von Remote-Mitarbeitern