MES-Rollout im Maschinenbau: Vollmer auf dem Weg zur papierlosen Fertigung

PHILIPPREINHARDCOM Vollmer Imagesho 20251015155708
Bild: ©Philipp Reinhard

Ein effizienter, präziser und perfekter Schärf- und Schleifprozess ist die Voraussetzung jeder erfolgreichen Werkzeugherstellung und -instandhaltung. Ein Spezialist ist hier die Vollmer Werke Maschinenfabrik aus Biberach an der Riß. Sie entwickelt und produziert Schleif-, Erodier- und Lasermaschinen zur Bearbeitung von Rotationswerkzeugen und Kreissägen in der holz- und metallverarbeitenden Industrie. Das Unternehmen, das 850 Mitarbeitende in Tochtergesellschaften in 15 Ländern und über 30 Vertretungen weltweit hat, gilt in diesem Bereich als Technologie- und Innovationsführer und hält u.a. mehr als 200 Patente.

Um ihre Vision vom führenden Systemlieferanten für zerspanende Werkzeuge zu verwirklichen, verfolgt die 1909 gegründete Firma eine ganzheitliche Digitalisierungsstrategie und treibt zugleich die Prozessdigitalisierung voran, u.a. durch den geplanten Wechsel von SAP ERP auf SAP S/4Hana und die damit verbundene Vereinheitlichung der IT-Landschaft.

MES sorgt für Effizienz und Transparenz

Bereits im Vorfeld werden dazu Nicht-SAP-Anwendungen und Schnittstellen reduziert. Die Einführung des SAP-basierten Manufacturing Execution Systems (MES) von Orbis, das die alte BDE-Software ersetzt und sich in SAP ERP wie auch SAP S/4Hana integriert, ist hier ein wichtiger Schritt. „Wir wollen damit Prozessabläufe beschleunigen sowie mehr Transparenz und Kostenkontrolle in den Fertigungs- und Montagebereichen erzielen“, sagt Frank Sauter, Leiter IT-Organisation & Infrastruktur bei Vollmer.

Aktuell kommt das MES zur automatischen Erfassung von Betriebsdaten (BDE) wie Standzeiten, Rückmeldungen zu IO-/NIO-Teilen oder Personenzeiten pro Fertigungsauftrag an einer Maschine zum Einsatz. Die rund 230 Nutzer in der Produktion am Stammsitz in Biberach haben nun zentralen Zugriff auf arbeitsrelevante Informationen und Dokumente. Das sorgt für Transparenz, denn vorher mussten sie Daten aus verschiedenen IT-Systemen ziehen oder in Papierdokumenten suchen.

Papierlose Fertigung

Vor allem auftragsspezifische und arbeitsplatzrelevante Konfigurationsdaten zu den einzelnen Produkten und ihren Varianten aus der SAP-Variantenkonfiguration (LO-VC) lagen bislang nur als umfangreiche Ausdrucke vor. Die Suche nach Konfigurationsdaten zu einer bestimmten Maschine gestaltete sich oft zeitraubend und war fehleranfällig. Heute rufen Mitarbeitende diese Daten über das MES per Onlinezugriff ab. „Das spart Zeit, die den Mitarbeitenden jetzt für wichtige Aufgaben bleibt, und Kosten, da sich teure Ausdrucke erübrigen. Es sorgt zugleich für mehr Aktualität der Informationen und ist nachhaltig“, sagt Frank Sauter.

Auch Wareneingänge werden von Anwendern in der Produktion in der Software gebucht statt wie bisher durch Logistikmitarbeitende im SAP-LES-Modul. Das beschleunigt den Prozess und es werden automatisch Transportaufgaben für Logistikmitarbeitende erzeugt, die diese bearbeiten. Bisher taten dies Mitarbeitende in der Produktion.

KPIs auf einen Blick

Die Endanwender (Werker, Qualitätsmanager, Produktionsleiter) haben zudem jederzeit Einblick in den Leistungsstand jeder Anlage, da das MES wichtige KPIs wie die Overall Equipment Effectiveness (OEE) nahezu in Echtzeit visualisiert. So lässt sich Optimierungspotenzial schnell erkennen und Maßnahmen zur Steigerung der Anlageneffizienz können zeitnah umgesetzt werden. Perspektivisch sollen MES-Kennzahlen in einer Analytics-Anwendung detailliert ausgewertet werden, um weiteres Verbesserungspotenzial auszuschöpfen.

Anpassungen und Rollouts mit internem SAP-Knowhow

Bei der Entscheidung für die Orbis-Software spielte neben der Integration in SAP auch eine Rolle, dass Vollmer bereits SAP-basierte Add-ons des IT-Dienstleisters wie die Logistik Apps und das Transportsteuerungssystem (TSS) nutzt. Die im Haus vorhandene SAP-Kompetenz war ein weiterer Pluspunkt, da sich individuelle Anpassungen am MES und Roll-outs weitgehend eigenständig durchführen lassen. Die Orbis-Berater unterstützten die interne IT hierbei mit einem Coaching und dem nötigen Wissenstransfer und begleiteten die Implementierung mit Rat und Tat vom Konzept bis zum Go-live.

Von der Konzeption bis zum Go-Live

Die MES-Einführung verlief dabei zügig, samt Anpassungen und Zusatzentwicklungen. Dazu zählen etwa Funktionen für den Zugriff auf ältere Dokumente wie Skizzen oder Arbeitsanweisungen oder die Bündelung mehrerer SAP-Transportaufträge in einem einzigen Auftrag. Auch die Prüfung, ob das Gewicht von produziertem Material im SAP-Materialstamm hinterlegt ist, erfolgt automatisch. Fehlt der Eintrag, ergänzt der End-User ihn via MES, was die Datenqualität verbessert. Über eine Zusatzfunktion lassen sich jetzt auch arbeitsplatzbezogene Stillstandzeiten direkt erfassen. Und ein digitales Logbuch, in das spezifische Informationen, etwa zu Qualitätsproblemen, sowie zusätzliche Hinweise zum Material aus Eigenfertigung eingegeben werden und jederzeit einsehbar sind, ersetzt die Erfassung dieser Daten auf Papier.

Weitere Pläne

„Der Einsatz der MES-Software ist ein zentraler Baustein, um papierlose Shopfloor-Prozesse im Sinne von Industrie 4.0 zu etablieren und ein weiterer Schritt auf unserem Weg zur digitalen Transformation“, fasst Frank Sauter zusammen.

Inzwischen ist das System auch in der Maschinenfabrik Loroch ausgerollt, die Teil der Vollmer Group ist. Als nächste Vorhaben stehen die automatische Maschinendatenerfassung (MDE) und ihre Visualisierung im MES sowie die Einbindung von Stillstandzeiten und Störmeldungen in SAP-Instandhaltungs- und Qualitätsprozesse an.



  • Mehr Verlass auf Deep-Learning-Entscheidungen

    Mehr Verlass auf Deep-Learning-Entscheidungen

    Menschen können Probleme entweder logisch und mit Ruhe betrachten, oder spontan und emotional entscheiden. Ähnlich geht es dem Computer: Moderne Deep-Learning-Verfahren liefern schnelle Ergebnisse, die jedoch nicht nachvollziehbar sind. Wissenschaftler…

    mehr lesen: Mehr Verlass auf Deep-Learning-Entscheidungen

  • Hohe Stromkosten für deutsche Rechenzentren

    Hohe Stromkosten für deutsche Rechenzentren

    Die Stromkosten für deutsche Rechenzentrumsbetreiber sind mit 113,11€ pro Megawattstunde am höchsten. Der große Unterschied zu den Nachbarländern ergibt sich dabei aus den Nebenkosten.

    mehr lesen: Hohe Stromkosten für deutsche Rechenzentren

  • Security-Modul für IPCs mit Windows 7

    Security-Modul für IPCs mit Windows 7

    Mithilfe des Security-Moduls mGuard von Phoenix Contact können Anwender eine Security-Lücke bei Industrie-PCs mit dem Betriebssystem Windows 7 schließen, für das Microsoft seit dem 14. Januar 2020 keine Sicherheits-Updates mehr…

    mehr lesen: Security-Modul für IPCs mit Windows 7

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Harting und Expleo Group kooperieren für IoT-Lösungen

    Harting und Expleo Group kooperieren für IoT-Lösungen

    Harting und Expleo haben im Rahmen der SPS 2019 in Nürnberg eine Kooperationsvereinbarung geschlossen. Vorstandsvorsitzender Philip Harting und Peter Seidenschwang, Head of Industry bei Expleo Germany, unterzeichneten die Vereinbarung, mit…

    mehr lesen: Harting und Expleo Group kooperieren für IoT-Lösungen

  • Mit mehr Technologie zu mehr Umsatz

    Mit mehr Technologie zu mehr Umsatz

    Laut einer Accenture-Studie können Unternehmen, die in die Skalierung von Technologieinnovationen investieren, mehr als doppelt so hohe Umsatzwachstumsraten erzielen. Dies betrifft in der Studie lediglich zehn Prozent der befragten Unternehmen.

    mehr lesen: Mit mehr Technologie zu mehr Umsatz

  • Konjunkturerwartungen legen zu

    Konjunkturerwartungen legen zu

    Laut aktueller Zahlen des ZEW — Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, blickt die Deutsche Wirtschaft zuversichtlicher in die Zukunft, als noch Ende des vergangenen Jahres. Im Vergleich zum Dezember stieg der…

    mehr lesen: Konjunkturerwartungen legen zu

  • Neue Produktionstechnik für die Mobilität von morgen

    Neue Produktionstechnik für die Mobilität von morgen

    Um Mobilität in Zeiten von Verstädterung, Ressourcenknappheit und Klimawandel zukunftsfest zu machen, bündeln die Universität Stuttgart und das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ihre Forschungskompetenzen im Innovationscampus ‘Mobilität der Zukunft‘…

    mehr lesen: Neue Produktionstechnik für die Mobilität von morgen

  • CEOs auf lange Sicht optimistischer

    CEOs auf lange Sicht optimistischer

    Im 23. Global CEO Survey von PWC rechnet mehr als die Hälfte der 1.581 befragten CEOs mit einem Rückgang des Weltwirtschaftswachstums. Auf lange Sicht zeigen sich die Befragten jedoch optimistischer.

    mehr lesen: CEOs auf lange Sicht optimistischer

  • Logimat in Stuttgart

    Logimat in Stuttgart

    Trendthemen wie künstliche Intelligenz oder Nachhaltigkeit haben Auswirkungen auf die gesamte Supply Chain. Auf der diesjährigen Logimat, die vom 10. bis zum 12. März in Stuttgart stattfindet, zeigen mehr als…

    mehr lesen: Logimat in Stuttgart

  • Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung gewinnen an Bedeutung

    Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung gewinnen an Bedeutung

    In einer aktuellen Studie hat das Wirtschaftprüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte weltweit mehr als 2000 C-Level-Führungskräfte zum Thema Industrie 4.0 befragt, 125 davon aus Deutschland. Die Analyse zeigt, dass für die…

    mehr lesen: Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung gewinnen an Bedeutung

  • Künstliche Intelligenz auf dem Vormarsch

    Künstliche Intelligenz auf dem Vormarsch

    Im Rahmen einer Studie hat IBM Unternehmen unterschiedlicher Branchen zum Einsatz von KI-Technologien befragt. Die Ergebnisse zeigen einen Aufwärtstrend bei der Nutzung.

    mehr lesen: Künstliche Intelligenz auf dem Vormarsch