GMP in jeder Produktionstechnik verankert: Systeme für eine vielseitige Industrie

SYN GRF NF 484 MES und Workflow DMI2 v1
Manufacturing Execution Systems wie Syncade MES von Emerson bieten eine detaillierte Steuerung, die Hersteller bei der Entwicklung eines geschlossenen Automatisierungssystems für die Chargenverarbeitung unterstützt. – Bild: Emerson Process Management GmbH & Co. OHG

Die Pharma- und Life Sciences-Branche hat sich in den letzten zehn Jahren rasant weiterentwickelt. Durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse können Krankheiten therapiert werden, deren Behandlung früher als schwierig oder unmöglich galt. Und neben den traditionellen, auf die breite Bevölkerung ausgerichteten, Medikamenten für Standardbehandlungen hat sich die personalisierte Medizin, einschließlich Zell- und Gentherapien, etabliert.

Diese Entwicklungen haben neue Markt-Akteure hervorgebracht, die anders arbeiten als etablierte Hersteller. Oft beginnen sie klein und entwickeln ihre Herstellungsprozesse schnell weiter, um neuartige Produkte in kurzer Zeit und konsistenter Qualität liefern zu können. Für Unternehmen im Life Science-Bereich erfordert dies zunehmende Flexibilität und Agilität – und dies stellt auch Anforderungen an die Automatisierung.

Das Spektrum der Herstellungsarten von Medikamenten ist breit. Ein Standardansatz für die Automatisierung und das Betriebsmanagement reicht oft nicht aus, um die Anforderungen langfristig zu erfüllen. Unternehmen können jedoch aus einer Vielzahl von Systemen wählen, mit denen sie ihre individuellen Anforderungen umsetzen können. Die Auswahl der passenden Technologie setzt voraus, die individuellen Anforderungen jedes Herstellers an das Betriebsmanagement zu verstehen und diese mit den verfügbaren technologischen Lösungen abzugleichen – mit dem Ziel, Produktlieferung, Qualität, Sicherheit und Kosten optimal zu unterstützen.

MES-Software für zuverlässige Wiederholbarkeit

Für die traditionelle Herstellung – etwa bei der Produktion von Medikamenten für die breite Bevölkerung – wird dasselbe Produkt unzählige Male hergestellt, mit wenigen oder gar keinen Prozessänderungen. In der Regel ist dieser der Prozess gut zu bewältigen. Häufig produzieren große Hersteller Hunderte von Chargen derselben Therapie pro Jahr. Diese Unternehmen setzen in der Regel auf ein Manufacturing Execution System (MES), das eng in ein Prozessleitsystem (DCS, Distributed Control System) integriert ist, um die Schritte des Chargenprozesses zu koordinieren und zu dokumentieren. Dieses automatisierte, geschlossene Regelsystem eines MES-Systems hilft dabei, das Fehlerpotenzial im Betrieb zu verringern, indem es manuelle Eingriffe so weit wie möglich reduziert.

Systeme, in denen bereits ein Prozessleitsystem integriert ist, können eine Charge instanziieren und dabei Chargeneigenschaften und kritische Parameter übernehmen, ohne das Bedienpersonal eingreifen muss. Dadurch sinkt das Risiko für Fehler. Ist das MES integriert und validiert, müssen einzelne Steuerungsparameter weder manuell eingegeben noch überprüft werden. Das reduziert Fehlerquellen und erhöht die Betriebseffizienz. Die Charge wird einfach auf der Bedienerschnittstelle angezeigt und ist für die Ausführung bereit. Das System ist durchgängig automatisiert und die Überprüfung der Chargenprotokolle kann vereinfacht werden, sodass nur noch die während des Prozesses protokollierten Abweichungen überprüft werden müssen. Wenn Hersteller diesen Review-by-Exception-Ansatz nutzen, entfällt die zeitaufwendige Überprüfung von Chargenprotokollen, sodass sie sich stattdessen nur auf die Bereiche konzentrieren können, in denen der vorab validierte Prozess vom Normalfall abweicht.

Das passende System für agile Abläufe

Im Gegensatz zu Anlagen, auf denen große Chargen hergestellt werden, erfordern kleinere Produktionsmengen und schnelle Prozessoptimierungen sowohl in der Zell- und Gentherapie als auch in der Prozessentwicklung hohen Personalaufwand. Darüber hinaus handelt es sich bei vielen Akteuren im Bereich der personalisierten Medizin um kleinere Unternehmen mit begrenzten Ressourcen. Sie verfügen oft weder über einen großen Pool an IT-Experten noch über Mitarbeitende, die über die erforderlichen Programmierkenntnisse für die Konfiguration und Wartung einer MES-Software verfügen. Dennoch benötigen sie Automatisierungsfunktionen, um die Einhaltung der ‚Guten Herstellungspraxis‘ (Good Manufacturing Practice, GMP) sicherzustellen. Daher entscheiden sie sich in der Regel für die papierbasierte Dokumentation oder für vereinfachte Ansätze zur Erstellung und Umsetzung von Rezepturen, mit denen papierbasierte Aufzeichnungen in das System importiert werden können. Diese Lösung ermöglicht eine einfache und skalierbare Möglichkeit, Prozesse digital abzubilden und die Produktvorlaufzeit sowie -qualität zu verbessern.

Moderne MES-Umgebungen ermöglichen es Anwenderinnen und Anwendern, Rezepte strukturiert zu importieren und zentral zu verwalten. In Kombination mit GMP-konformen Workflows lassen sich so Parameter, Freigabeschritte und elektronische Signaturen konsistent abbilden. Das unterstützt eine durchgängige Qualitätskontrolle, erleichtert die Einhaltung regulatorischer Anforderungen und stellt sicher, dass vollständige und verlässliche digitale Chargenprotokolle automatisch entstehen.

Albina Pace
Bild: Emerson Process Management GmbH & Co. OHG

Anforderungen analysieren

Für jeden Hersteller in der Life Sciences-Branche gibt es passende Automatisierungstools – unabhängig von den individuellen Betriebsabläufen. Um das passende System auszuwählen, sollten Unternehmen zunächst ihre Anforderungen analysieren, um festzustellen, ob eine MES-Software oder papierbasierte Rezepturerstellung besser zu den jeweiligen Betriebsabläufen, Fachwissen und Budget passt. Sobald diese Entscheidung getroffen ist, können die Teams die passenden Optionen prüfen. Dieser Ansatz stellt sicher, dass die Systeme den jeweiligen Anforderungen über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg gerecht werden, auch wenn sie skalieren und sich ihre Anforderungen weiter ändern.



  • Was Ausbilder im Maschinen- und Anlagenbau beschäftigt

    Was Ausbilder im Maschinen- und Anlagenbau beschäftigt

    Laut VDMA-Ausbildungsumfrage steht die duale Ausbildung im Maschinen- und Anlagenbau auf einem stabilen Fundament und punktet mit hochmotivierten und zufriedenen Ausbilderinnen und Ausbildern.

    mehr lesen: Was Ausbilder im Maschinen- und Anlagenbau beschäftigt

  • Forterro übernimmt 3E Datentechnik

    Forterro übernimmt 3E Datentechnik

    Forterro, ein europäischer Anbieter von Industriesoftware, hat die geplante Übernahme des Software-Spezialisten 3E Datentechnik bekannt gegeben, dessen Software bei der Konstruktion und Herstellung von Fenstern und Türen zum Einsatz kommt.

    mehr lesen: Forterro übernimmt 3E Datentechnik

  • AutoSim automatisiert die Erstellung digitaler Simulationsmodelle

    AutoSim automatisiert die Erstellung digitaler Simulationsmodelle

    Das Forschungsprojekt AutoSim vereinfacht die Erstellung von Simulationsmodellen für die Produktion. Es kombiniert intelligente Datenverarbeitung mit interoperablen Informationsmodellen.

    mehr lesen: AutoSim automatisiert die Erstellung digitaler Simulationsmodelle

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • SAP investiert in KI-Unternehmen n8n

    SAP investiert in KI-Unternehmen n8n

    SAP investiert in die KI-Automatisierungsplattform n8n, wodurch sich die Bewertung des in Berlin ansässigen Startups auf 5,2Mrd.US$ erhöht und somit mehr als verdoppelt.

    mehr lesen: SAP investiert in KI-Unternehmen n8n

  • BSI veröffentlicht G7-Richtlinie zu SBOM for AI

    BSI veröffentlicht G7-Richtlinie zu SBOM for AI

    Unter der Federführung des BSI und der italienischen Cybersicherheitsbehörde ACN haben die Cybersicherheitsbehörden der G7-Staaten unter Mitwirkung der EU Kommission eine Richtlinie zur Software Bill of Materials (SBOM) for AI…

    mehr lesen: BSI veröffentlicht G7-Richtlinie zu SBOM for AI

  • Was passiert mit dem Menschen, wenn die Roboter kommen?

    Was passiert mit dem Menschen, wenn die Roboter kommen?

    Künstliche Intelligenz automatisiert längst digitale Prozesse. Jetzt übernehmen Roboter auch physische Routinen. Was das für die Menschen bedeutet, beleuchtet Sören Michl, Vice President AI Adoption bei IFS.

    mehr lesen: Was passiert mit dem Menschen, wenn die Roboter kommen?

  • Ein Schritt auf dem Weg zum Quanteninternet?

    Ein Schritt auf dem Weg zum Quanteninternet?

    Seit mehr als 60 Jahren gilt das ‚Bellsche Theorem‘ als Goldstandard, um zu zeigen, dass die Quantenmechanik den Regeln der klassischen Physik widerspricht.

    mehr lesen: Ein Schritt auf dem Weg zum Quanteninternet?

  • Der VDI feiert 170-jähriges Bestehen

    Der VDI feiert 170-jähriges Bestehen

    Vor 170 Jahren, am 12. Mai 1856, wurde der VDI in Alexisbad gegründet. Aus diesem Anlass blickt der Verein zurück und gibt zugleich die Gründung eines neuen Gremiums bekannt.

    mehr lesen: Der VDI feiert 170-jähriges Bestehen

  • Cobot vs. stationär: Wie Roboter in der Fabrik eingesetzt werden

    Cobot vs. stationär: Wie Roboter in der Fabrik eingesetzt werden

    Eine aktuelle Robotik-Studie von Reichelt Elektronik, durchgeführt durch das unabhängige Institut OnePoll, untersucht, welche Arten von Robotern in deutschen Produktionsstätten eingesetzt werden und welche Arbeiten sie übernehmen.

    mehr lesen: Cobot vs. stationär: Wie Roboter in der Fabrik eingesetzt werden

  • Welches Potenzial in Werkerassistenzsystemen steckt

    Welches Potenzial in Werkerassistenzsystemen steckt

    Wie Werkerassistenzsysteme bislang verborgene Effizienzpotenziale aufdecken und warum sie sich oft schon nach wenigen Monaten amortisieren, erklärt Michael Kunze, Geschäftsführer von MKey Solution, einem Spezialisten für Messtechnik und Bildverarbeitung.

    mehr lesen: Welches Potenzial in Werkerassistenzsystemen steckt

  • IoT-Plattformen im Anwendercheck

    IoT-Plattformen im Anwendercheck

    IoT-Plattformen sind maßgeblich für digitale Geschäftsmodelle. Eine Studie analysiert Kundenzufriedenheit und Optimierungspotenziale.

    mehr lesen: IoT-Plattformen im Anwendercheck