Systemauswahl strategisch angehen

Grafik NEONEX Anbieterauswahlprozes 20240926114039
Bild: Neonex Industry Performance GmbH

Nach der Visionsfindung, Mitarbeiterqualifikation und Potentialidentifikation stehen Operations-Führungskräfte vor der Herausforderung, ihre Roadmap mit priorisierten Digitalisierungs-Use Cases umzusetzen. Dabei gilt es zu klären, welches System sich für welche Aufgaben am besten eignet, welche Vor- und Nachteile die einzelnen Systeme haben und wie diese sinnvoll kombiniert werden. Welche Rollen spielen MES, Low-Code oder IIoT-Plattformen in der zukünftigen IT-Architektur? Und wie wird die Anbieterauswahl sinnvoll gestaltet? Pepperl+Fuchs, ein Spezialist für Fabrik- und Prozessautomatisierung aus Mannheim, löste diese Herausforderungen bei der Umsetzung seines Smart-Manufacturing-Programms gemeinsam mit den Smart-Factory-Spezialisten von Neonex.

MES, IIoT-Plattform oder doch Low Code?

Nach Qualifizierung und Inspiration des Kernteams von Pepperl+Fuchs durch ein individualisiertes Schulungsprogramm mit Besuch von anderen Unternehmen wurden Vision und Zielbild für die Transformation des Unternehmens definiert. Anschließend wurden Potentiale für digitale Use Cases in allen Werken identifiziert, vor dem globalen Bild bewertet und eingeplant. Nach Formierung des Teams ging das Unternehmen die Entwicklung der ersten Anwendungen an. Um die Use Cases abzubilden, wurden im Rahmen der Potentialanalyse vier mögliche Systemansätze identifiziert: Ein Manufacturing Execution System (MES), eine IIoT-Plattform, eine Low-Code-Plattform und ein Business Intelligence (BI)-System. Im Bewertungsprozess wurde allerdings klar, dass ein ME-System bereits eine Vielzahl der identifizierten Use Cases im Standard abbilden und ein Mehraufwand durch Einzelsysteme vermieden werden kann. Use Cases, die darüber hinaus gehen, sollen in einem Low-Code-System umgesetzt werden. Vor dem Hintergrund dieser Entscheidung ist eine zusätzliche IIoT-Plattform obsolet. Tobias Blöcher, Direktor des Programms bei Pepperl+Fuchs, sagt: „MES und Low-Code bieten eine spannende Kombination zur Abbildung komplexer Prozesse per MES und ein hohes Mitarbeiterinvolvement und -enablement sowie eine schnelle Realisierung über die Low-Code-Lösung. Das Denken und Handeln der Mitarbeiter bezüglich digitaler Produktionsunterstützung veränderten sich dadurch maßgeblich.“

Systemauswahl nicht trivial

Die Systemauswahl ist jedoch nicht trivial: Alle Stakeholder müssen vor dem Hintergrund unterschiedlicher Prioritäten und Erfahrungen abgeholt werden, wenn die etablierte IT-Architektur durch neue Ansätze ersetzt werden soll. Insgesamt sollte die Anbieterauswahl der einzelnen Systeme sehr differenziert sein. Bei der Auswahl von größeren Systemen wie einem MES bietet sich ein standardisierter Auswahlprozess an, um eine transparente, detailliert nachvollziehbare Entscheidung zu treffen. Schließlich bedeutet ein solches System eine enorme Investition durch Anschaffungs- und Individualisierungskosten, aber auch einen Effekt für das Unternehmen in den nächsten 10 bis 15 Jahren. Das Beispiel der MES-Auswahl bei Pepperl+Fuchs zeigt dies: Für die Entscheider des Unternehmens war vor allem die Flexibilität des Systems wichtig, sodass beispielsweise alle Anbieter ohne API-Schnittstellen gleich zu Beginn herausgefiltert wurden, da diese keine Schnittstelle zur Low-Code-Anwendung erlaubt hätten. Anschließend wurde auf Basis der identifizierten Use Cases und Kernmodule eine Longlist erstellt und erste Interviews mit den Anbietern geführt.

Von der Longlist zur Shortlist

Im nächsten Schritt wurde die funktionale Evaluierung der Systeme durchgeführt, die sich aus 15 Use Cases im erweiterten Umfang mit über 100 Anforderungen zusammensetzte. Zudem erfolgte eine nicht-funktionale Bewertung, die Compliance, Datensicherheit und Dokumentationsanforderungen, die sich zum Beispiel durch ISO 27001 ergeben, evaluiert. In Kombination ergab sich daraus eine Shortlist mit vier möglichen Lieferanten. Diese wurden eingeladen, bei dem ein weiterer Lieferant von der Liste gestrichen wurde. Mit den verbleibenden wurden Referenzbesuche durchgeführt und funktionale Deep Dives in die Systeme vorgenommen.

Kostenbetrachtungen

Parallel erfolgte die Kostenbewertung der Systeme, die alle relevanten Positionen der Einmalkosten als auch der wiederkehrenden Kosten auf deren Skaleneffekte etwa im weiteren Rollout vergleichbar bewertet. Dabei wurde sichergestellt, dass alle maßgeblichen Kosten enthalten sind – auch diese, die oft übersehen werden können

Struktur beugt Fehlern vor

Der Ansatz für die Auswahl der anderen Systeme war einfacher: Für die Auswahl der Low-Code-Plattform wurden im Projekt Produkte von zwei Anbietern pilotiert, da durch die SaaS-Abrechnungsmodelle ein sehr geringes Anfangsinvestment entsteht. Nachdem die Systeme in der Praxis getestet und verglichen wurden, erfolgte die Entscheidung. Die Umsetzung bei Pepperl+Fuchs zeigt, wie komplex eine System- und Systemanbieterauswahl sein kann. Eine strukturierte, standardisierte Methode hilft, den Prozess zu beschleunigen und Fehlern vorzubeugen.



  • Neue Geschäftsführung beim ZVEI

    Neue Geschäftsführung beim ZVEI

    Dr. Wolfgang Weber (Bild), Vice President Unternehmenskommunikation und Regierungsbeziehungen für die Region Europa, Naher Osten und Afrika bei BASF, wechselt als Vorsitzender der Geschäftsführung zum ZVEI.

    mehr lesen: Neue Geschäftsführung beim ZVEI

  • Lichtblick für den deutschen Maschinenbau

    Lichtblick für den deutschen Maschinenbau

    Ein starker Anstieg der Aufträge aus den Euro-Partnerländern um 11% hat das Bild im September für den deutschen Maschinenbau etwas aufgehellt. Insgesamt verbuchten die Unternehmen im September einen Bestellrückgang um…

    mehr lesen: Lichtblick für den deutschen Maschinenbau

  • Deutscher Maschinenbau im Stimmungstief

    Deutscher Maschinenbau im Stimmungstief

    Rezessionsgefahr und eine abgeschwächte Auslandsnachfrage trüben die Stimmung im deutschen Maschinenbau. Dies geht aus dem vierteljährlichen Maschinenbaubarometer von PWC für das dritte Quartal 2019 hervor. Demnach blicken 48 Prozent der…

    mehr lesen: Deutscher Maschinenbau im Stimmungstief

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • IT-Umgebungen mit KI managen

    IT-Umgebungen mit KI managen

    Der Anstieg an vernetzten Geräten und Services könnte zukünftig dazu führen, dass IT-Umgebungen nicht mehr allein von Menschenhand gesteuert werden. Dies ist das Ergebnis des ‘2020 Global Networking Technology Report‘…

    mehr lesen: IT-Umgebungen mit KI managen

  • Cosmo Consult erweitert Führungsteam

    Cosmo Consult erweitert Führungsteam

    Um den Weg für weiteres Wachstum zu ebnen, hat das Software- und Beratungsunternehmen Cosmo Consult seine Führungsmannschaft um drei neue Positionen erweitert.

    mehr lesen: Cosmo Consult erweitert Führungsteam

  • Im Wettbewerb Schwachstellen aufspüren

    Im Wettbewerb Schwachstellen aufspüren

    Der IT-Security-Spezialist Trend Micro erweitert seinen Wettbewerb ‘Pwn2Own Miami‘ auf industrielle Steuerungssysteme (ICS). Die Aufgabe besteht darin, Schwachstellen in der Software und den Protokollen von weit verbreiteten Systemen zu finden.…

    mehr lesen: Im Wettbewerb Schwachstellen aufspüren

  • Industrie 4.0 ohne Stolpersteine

    Industrie 4.0 ohne Stolpersteine

    In dem auf drei Jahre ausgelegten Forschungsprojekt Sorisma wollen die Projektpartner Methoden erarbeiten, die Unternehmen dabei helfen soll, Fallstricke bei der Einführung von Industrie 4.0-Technologien zu vermeiden.

    mehr lesen: Industrie 4.0 ohne Stolpersteine

  • T.CON ernennt Thomas Blöchl zum COO

    T.CON ernennt Thomas Blöchl zum COO

    Mit Thomas Blöchl als neuem COO hat die T.CON ein viertes Mitglied in die Geschäftsführung berufen.

    mehr lesen: T.CON ernennt Thomas Blöchl zum COO

  • Unternehmen planen weniger Neueinstellungen

    Unternehmen planen weniger Neueinstellungen

    Die Beschäftigungsaussichten für die nächsten drei Monate sind laut Ifo-Beschäftigungsbarometer weiter positiv, jedoch zeigt der Index einen weniger starken Beschäftigungsanstieg als in den vergangenen Jahren.

    mehr lesen: Unternehmen planen weniger Neueinstellungen

  • Automation trifft Software

    Automation trifft Software

    Vom 26. bis zum 28. November 2019 wird das Nürnberger Messegelände zum Branchentreff der Automatisierungstechnik. Dabei weist die SPS – Smart Production Solutions in diesem Jahr erstmals bereits im Namen…

    mehr lesen: Automation trifft Software

  • T-Systems und Siemens arbeiten an gemeinsamen IIoT-Lösungen

    T-Systems und Siemens arbeiten an gemeinsamen IIoT-Lösungen

    Im Rahmen der Digital X in Köln haben Siemens und T-Systems angekündigt, künftig gemeinsame Lösungen für das industrielle Internet der Dinge anzubieten.

    mehr lesen: T-Systems und Siemens arbeiten an gemeinsamen IIoT-Lösungen