Stammdatenqualität als Performance-Hebel

image1 1
Bild: CIBA – Center Integrated Business Applications

Ziel des Innovationsprojekts ist es, den Zusammenhang zwischen der Stammdatenqualität und der Performance der Auftragsabwicklung datenbasiert am Beispiel der Sollzeiten von Arbeitsplänen aufzuzeigen. Sind diese fehlerhaft, führt dies zu Fehlplanungen, welche die Auftragsabwicklung beeinträchtigen. Sollzeiten bestimmen, wie realistisch Aufträge terminiert, Liefertermine gehalten und wie effizient Kapazitäten ausgelastet werden. Sind sie ungenau, veraltet oder inkonsistent, entsteht selten ein klarer Fehler, sondern schleichende Ineffizienz. Zu kurze Sollzeiten lassen die Planung hoch ausgelastet wirken, während die Fertigung real nicht hinterherkommt. Aufträge stauen sich und Liefertermine können nicht eingehalten werden. Zu großzügige Sollzeiten lassen Kapazitäten unbemerkt ungenutzt. Wie stark sich das auswirkt, hängt zudem vom Kontext ab, etwa vom Schichtmodell oder saisonalen Auslastungsspitzen.

Von der Kennzahl zum Tool

Die Entwicklung des Analyseframeworks beinhaltete die Definition von Datenqualitätsdimensionen für Sollzeiten mit einer Berechnungslogik und die Herleitung geeigneter Performancekennzahlen der Auftragsabwickelung. Zudem wurde eine Analysemethodik aufgebaut, um den Zusammenhang zwischen den Datenqualitätsdimensionen und den Performancekennzahlen mit Statistik und Machine Learning wie Entscheidungsbäumen zu quantifizieren und mit realen ERP-Daten in einem eigens entwickelten Tool zu pilotieren.

Das Team definierte verschiedene Datenqualitätsdimensionen, von Korrektheit über Vollständigkeit bis Verständlichkeit. Für die spätere Analyse wurden diese entsprechend ihrer Relevanz gewichtet, wobei die Korrektheit, Aktualität und Konsistenz als am relevantesten bewertet wurden. Zusätzlich wurden die Performancekennzahlen auf den Ebenen Kundenauftrag, Fertigungsauftrag und Arbeitsgang definiert, beispielsweise Arbeitsgangdauer, Durchlaufzeit oder Liefertermintreue.

Das im Rahmen des Projekts entwickelte Tool stellt eine Datenqualitätsdimension als erklärende Variable einer Performancekennzahlen gegenüber und quantifiziert den Zusammenhang. Bei der Anwendung laden Nutzende eine CSV-Datei hoch, führen ein Datenfeld-Mapping durch und erhalten Kennzahlen, Korrelationen und Datenqualitätsklassen.

Was die Daten zeigen

Mit den von produzierenden Unternehmen bereitgestellten Datensätzen konnte nur ein Teil der ausgewählten Datenqualitätsdimensionen und Performancekennzahlen analysiert werden, da Buchungslücken bei Ist-Zeiten bestanden oder diese teilweise nachträglich durch retrograde Buchungen an die Soll-Zeiten angeglichen wurden. Die Erkenntnis daraus: Wer die Stammdatenqualität messen will, braucht verlässliche Ist-Daten.

Beide Datensätze zeigen jedoch einen nachweisbaren Zusammenhang zwischen der Stammdatenqualität und den Performancekennzahlen der Auftragsabwicklung, wobei die Konsistenz und Korrektheit die Datenqualitätsdimensionen mit dem größten Einflussfaktor sind. Aufträge mit besserer Datenqualität sind messbar produktiver. Im ersten Datensatz können fünf bis zehn Prozent der Produktivitätsunterschiede auf die Stammdatenqualität zurückgeführt werden. Im zweiten Datensatz war das Signal mit 22 Prozent sogar noch deutlicher. Der Einfluss ist somit real und messbar, wird aber stets von weiteren Faktoren überlagert. Auch dass viele Kriterien kein Signal zeigten, ist kein Gegenbeweis, da Erfassungslücken reale Zusammenhänge verdecken können.

Drei Ebenen

Der abgeleitete Maßnahmenkatalog reagiert auf drei Problemdimensionen im Stammdatenmanagement:

  • fehlende organisatorische Verankerung,
  • unzureichende systemische Unterstützung über den Produktlebenszyklus und
  • mangelnde Rückkopplung aus der Ausführung.

Da Maßnahmen, die nur auf eine der drei Problemdimensionen abzielen, oft ohne nachhaltige Wirkung bleiben, haben die Projektbeteiligten Maßnahmen entwickelt, die gemeinsam alle drei Ebenen adressieren.

Stammdatenmanagement ist oft nur Nebenaufgabe von Fachbereichsleitenden. Mangelnde interne Kapazität sind der häufigste Grund für das Scheitern von Stammdatenprojekten. Empfohlen wird mindestens eine verantwortliche Person, fachlich verankert in Konstruktion, Arbeitsvorbereitung oder Produktion, mit klarem Mandat für Pflege und Review. Die Kosten sind gegen die unsichtbaren Reibungsverluste schlechter Stammdatenqualität abzuwägen und fallen meist zugunsten der Ressource aus.

Das ERP bleibt meist das zentrale System für die Stammdatenpflege, stößt jedoch bei komplexen Produktstrukturen oder häufigen Änderungen an seine Grenzen. Hier wird ein integriertes PLM-System zum Datenmanagement über den gesamten Produktlebenszyklus empfohlen. Dieses dient als Single Source of Truth für produktbeschreibende Stammdaten, mit Versionierung und der Möglichkeit, Produktänderungen systematisch in Arbeitspläne und Stücklisten zurückzuspielen.

Sollzeiten können nur so aktuell bleiben, wie die Rückmeldedaten es zulassen. Deshalb wird empfohlen, basierend auf einer verlässlichen, echtzeitnahen Datenerfassung einen Review-Auftrag auszulösen, wenn systematische Abweichungen der Ist-Zeiten vorliegen.

Fazit

Das Projekt hat gezeigt, dass die Stammdatenqualität ein realer und gezielt adressierbarer Hebel ist, um die Performance der Auftragsabwicklung zu verbessern. Ebenso entscheidend ist die Qualität der Rückmeldedaten, denn ohne verlässliche Ist-Daten misst man eher Erfassungslücken als die tatsächliche Datenqualität. Unternehmen sollten diesen Hebel deshalb aktiv nutzen und Stammdatenqualität nicht als IT-Randthema behandeln, sondern gezielt mit klarer organisatorischer Verantwortung, durchgängiger Systemarchitektur und echter Rückkopplung aus der Fertigung angehen.



  • Jedes Dritte Unternehmen setzt auf Outsourcing im eigenen Land

    Jedes Dritte Unternehmen setzt auf Outsourcing im eigenen Land

    Welchen Stellenwert IT-Outsourcing für deutsche Unternehmen haben kann, zeigt ein Whitepaper von IDC und Comarch. Darin geht man der Fragestellung nach, wie verbreitet Onshoring und Offshoring sind. Demnach lagert jede…

    mehr lesen: Jedes Dritte Unternehmen setzt auf Outsourcing im eigenen Land

  • Trumpf übernimmt Lantek

    Trumpf übernimmt Lantek

    Mit der Übernahme von Lantek erweitert Trumpf sein Softwareportfolio. Das spanische Unternehmen entwickelt Software für die Blech- und Metallbearbeitung.

    mehr lesen: Trumpf übernimmt Lantek

  • Kriterien für das Reifegradmodell wählen

    Kriterien für das Reifegradmodell wählen

    Auf dem Weg zur ‚Industrie 4.0‘ entwickeln Unternehmen die Fähigkeiten, in Echtzeit datenbasierte Entscheidungen innerhalb von Wertschöpfungsnetzwerken zu treffen und agil auf Marktveränderungen zu reagieren. Bei diesem Weg unterstützt die…

    mehr lesen: Kriterien für das Reifegradmodell wählen

  • 42 Prozent der maschinenbaurelevanten Startups kommen aus Europa

    42 Prozent der maschinenbaurelevanten Startups kommen aus Europa

    Mit dem ‚Startup-Radar‘ gibt der VDMA einen Einblick in die KI-Startup-Szene für den Maschinenbau. Demnach entstehen 42 Prozent der relevanten Startups in Europa.

    mehr lesen: 42 Prozent der maschinenbaurelevanten Startups kommen aus Europa

  • Security as a Service für den sicheren Gebäudebetrieb

    Security as a Service für den sicheren Gebäudebetrieb

    Siemens Smart Infrastructure erweitert sein Angebot aus Dienstleistungen, Assets und Services für Sicherheitsanforderungen im Gebäudebetrieb. Das Komplettpaket Security as a Service (SecaaS) umfasst die Bereiche Gefahrenleitsysteme, Zutrittskontrolle, Einbruchmeldeanlagen und Videoüberwachungssysteme…

    mehr lesen: Security as a Service für den sicheren Gebäudebetrieb

  • MPDV stellt neue MES-Generation vor

    MPDV stellt neue MES-Generation vor

    Hydra X plattformoptimiert und interoperabel MPDV stellt neue MES-Generation vor Softwarehersteller MPDV läutet den Generationswechsel seiner MES-Lösung Hydra ein. Hydra X wird ab dem 1. April als modulare Software auf…

    mehr lesen: MPDV stellt neue MES-Generation vor

  • Ohne die richtigen Informationen funktioniert’s nicht

    Ohne die richtigen Informationen funktioniert’s nicht

    Das Schwestermagazin Industrial Communication Journal bekommt tatkräftige Unterstützung.

    mehr lesen: Ohne die richtigen Informationen funktioniert’s nicht

  • Bund fördert Gaia-X-Leuchtturmprojekte

    Bund fördert Gaia-X-Leuchtturmprojekte

    Gaia-X startet mit einem Förderwettbewerb in die Anwendungsphase. Interessierte können sich dafür noch bis zum 7. Mai bewerben.

    mehr lesen: Bund fördert Gaia-X-Leuchtturmprojekte

  • Neue Lösungen in Instandhaltung und Service

    Neue Lösungen in Instandhaltung und Service

    Am 20. und 21. April findet das 16. Anwenderforum ‘Einsatz mobiler Lösungen‘ statt. In diesem Jahr als reine Online-Veranstaltung.

    mehr lesen: Neue Lösungen in Instandhaltung und Service

  • Sichere Anlagen in der Prozessindustrie

    Sichere Anlagen in der Prozessindustrie

    Die Prozessindustrie stellt spezifische Anforderungen an die Sicherheit ihrer Anlagen. Wesentliche Elemente sind dabei die PLT-Sicherheitseinrichtungen.

    mehr lesen: Sichere Anlagen in der Prozessindustrie

  • Talend wird von Thoma Bravo übernommen

    Talend wird von Thoma Bravo übernommen

    Für 2,4Mrd.US$ will das Private Equity Unternehmen Thoma Bravo den Cloud-Integrator Talend übernehmen. Das Board of Directors von Talend hat der Absichtserklärung zugestimmt.

    mehr lesen: Talend wird von Thoma Bravo übernommen

  • Besserer Schutz bei der Arbeit mit Cobots

    Besserer Schutz bei der Arbeit mit Cobots

    Im Forschungsprojekt ‘Digitale Gefahrenprävention für kollaborative Roboterarbeitsplätze mithilfe einer webbasierten Planungshilfe (CobotPlaner)‘ hat das Fraunhofer IFF im Auftrag der Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) eine webbasierte Planungshilfe entwickelt, die für…

    mehr lesen: Besserer Schutz bei der Arbeit mit Cobots