Regularien als Chance betrachten

FB IIoT Bild1 Quelle Schneider Electric
Bild: Schneider Electric

Europa soll bis 2050 klimaneutral werden. Die Europäische Kommission präsentierte dazu im Jahr 2019 den Green Deal, der Zwischenziele von einer Reduzierung um 55 Prozent Treibhausgasemissionen bis 2030 festschreibt und den Druck auf energieintensive Industrien erhöht, ihre Fertigungsprozesse konsequent zu dekarbonisieren.

Ein zentrales Element der politischen Agenda sowie der Ökodesignverordnungen der letzten Jahre ist auch die Digital Product Passport (DPP) Initiative. Ab 2027 gilt die Passpflicht zunächst für industrielle Batterien und Elektrogeräte. Was bereits feststeht: weitere Produktklassen werden sukzessive folgen – im nächsten Schritt wahrscheinlich Textilien und industrielle Rohstoffe wie Eisen oder Stahl, bis hin zur vollständigen Marktabdeckung im Jahr 2030. Der Pass soll alle relevanten Produktdaten wie eingesetzte Materialien, Energieverbrauch, Wartungs- und Recyclingmöglichkeiten enthalten, zentral dokumentiert und für alle Marktakteure transparent abrufbar sein. Er macht damit sichtbar, was für Kunden bisher oft verborgen bleibt und wird so zu einem Faktor bei der Auswahl von Lieferanten.

Aus Freiwilligkeit wird Pflicht

Durch die Vorgaben zur Bereitstellung diverser Produktdaten sind Unternehmen gefordert, ihre Wertschöpfungsketten transparent und durchgängig datenfähig zu gestalten. Digitalisierungsmaßnahmen, die bislang teilweise aus eigenem Antrieb erfolgten, sind bald verpflichtend und an definierte, mitunter abweichende Vorgehensweisen, gebunden.

Gleichzeitig veranlassen volatile Lieferketten, Fachkräftemangel und steigende Energiepreise Betriebe dazu, ihre Produktivität zu steigern, um konkurrenzfähig zu bleiben. Damit ergeben sich Anforderungen aus unterschiedlichen Richtungen: Energieeffizienz, Ressourcenschonung und Datentransparenz sind nicht mehr nur weiche CSR-Themen (CSR, Corporate Social Responsibility), die bis vor Kurzem oft vernachlässigt wurden. Sie werden die Voraussetzung für Marktzugang, Fördermittel und letztlich die eigene Lizenz zum Handeln sein. Statt jedoch Regularien wie den DPP und die genannten Marktveränderungen als Hindernisse zu sehen, lohnt es sich, ihr Potenzial für Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit zu betrachten. Denn wer seine Ressourceneffizienz und Flexibilität systematisch steigert, legt das Fundament für rechtliche Konformität und wirtschaftlichen Erfolg.

Datenkontinuität als Brücke zwischen Compliance und Wertschöpfung

Ein zentrales Element für die Umsetzung des Digitalen Produktpasses ist die Fähigkeit, Daten durchgängig über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg zu erfassen, zu strukturieren und anwendungsbezogen bereitzustellen. Diese Datenkontinuität ist oft noch Zukunftsmusik: Maschinen kommunizieren über proprietäre Protokolle und Datensilos verhindern eine konsistente Auswertung. Als logische Konsequenz lassen sich Parameter nur mit erheblichem Aufwand zusammenführen und analysieren. Hier ergibt sich bereits Optimierungspotenzial.

Die Integration von Automatisierungskomponenten in ein Ökosystem, das sowohl Maschinensteuerungen als auch ERP- und MES-Software miteinander vernetzt, schafft die Grundlage für Datenerfassung in Echtzeit. Die EcoStruxure-Plattform von Schneider Electric kann dabei als zentrale Infrastruktur dienen, die heterogene Systemlandschaften aufbricht und standardisierte Schnittstellen wie REST, OPC UA und MQTT bereitstellt. Damit fließen Produktions- und Energiedaten nahtlos in SAP-Module, MES-Systeme oder Cloud-Anwednungen.

FB IIoT Bild2 Quelle GettyImages
Bild: ©Krongkaew/gettyimages.de/ Schneider Electric

Umweltdaten als Alleinstellungsmerkmal

Mit dem Digitalen Produktpass wird die Frage nach dem Energieeinsatz auch regulatorisch und vertriebsseitig relevant. Wer hier über belastbare Daten verfügt, kann diese nutzen und offenlegen. Denn der CO2-Fußabdruck eines Produkts lässt sich nur mit entsprechenden Daten über den Verbrauch in den einzelnen Prozessstufen ausweisen.

Werden die Energieverbräuche von Maschinen zusätzlich im Kontext der jeweiligen Produktion analysiert, ergeben sich daraus zusätzliche Steuerungsimpulse. IoT-Plattformen helfen hier Engpässe, Lastspitzen oder Ineffizienzen zu identifizieren und bieten Optimierungsempfehlungen. Kosteneinsparungen sind nur einer der Effekte. Der DPP macht Energieeffizienz für alle sichtbar, auch für Kunden und Geschäftspartner. Unternehmen, die das für sich nutzen, schaffen Vertrauen und Differenzierung.

Schneider Electric setzt EcoStruxure auch in der eigenen Produktionslandschaft ein und erhebt darüber hinaus weitere Daten. Mit dem Environmental Data Program verfolgt das Unternehmen das Ziel, Umweltdaten systematisch und nachvollziehbar bereitzustellen. Der Ansatz umfasst 14 Kennzahlen wie etwa CO2-Abdruck, die Recyclingfähigkeit sowie Angaben zur Reparierbarkeit und Rücknahmemöglichkeit. Die Lebenszyklusdaten erlauben eine differenzierte Betrachtung der Umweltauswirkungen und unterstützen Unternehmen dabei, regulatorische Anforderungen zu erfüllen und faktenbasierte Entscheidungen zu treffen.

Felix Kranert
Bild: Schneider Electric

Autor:

Felix Kranert
ist Director Offer Marketing &
Segment Development bei Schneider Electric.



  • Jedes vierte Unternehmen will mehr Produktionsprozesse auslagern

    Jedes vierte Unternehmen will mehr Produktionsprozesse auslagern

    25 Prozent der Unternehmen in Deutschland rechnen damit, dass in den kommenden fünf Jahren mehr Produktionsprozesse ausgelagert werden. Damit beschäftigen sich vor allem kleinere Unternehmen (bis 50Mio.€ Jahresumsatz). Etwa jede…

    mehr lesen: Jedes vierte Unternehmen will mehr Produktionsprozesse auslagern

  • Maschinenbauexporte überwinden Tiefpunkt

    Maschinenbauexporte überwinden Tiefpunkt

    Die Maschinenexporte aus Deutschland stabilisieren sich zunehmend. Im September verbuchten die Maschinen- und Anlagenbauer aus Deutschland beim Exportgeschäft ein Minus in Höhe von 7,6 Prozent im Vorjahresvergleich. Im Zeitraum Juli…

    mehr lesen: Maschinenbauexporte überwinden Tiefpunkt

  • 90 Anträge für Campusnetze

    90 Anträge für Campusnetze

    Mit Campusnetzen können Industrieunternehmen ihr eigenes 5G-Netzwerk betreiben. Ein Jahr nach Inkrafttreten der entsprechenden Vergabebedingungen sind bei der Bundesnetzagentur rund 90 Anträge eingegangen.

    mehr lesen: 90 Anträge für Campusnetze

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Prüfkriterien zur KI-Zertifizierung

    Prüfkriterien zur KI-Zertifizierung

    Um das wirtschaftliche und gesellschaftliche Potential von künstlicher Intelligenz auszuschöpfen, müssen Menschen den Entscheidungen von KI-Systemen und den mit ihnen verbundenen Prozessen vertrauen. Dazu kann eine entsprechende Zertifizierung beitragen. Nach…

    mehr lesen: Prüfkriterien zur KI-Zertifizierung

  • SPS-MAGAZIN zeigt Herbst-Innovationen 2020

    SPS-MAGAZIN zeigt Herbst-Innovationen 2020

    Die Innovationen der Automatisierung im Rampenlicht: Im Sonderteil GROSSER HERBST DER INNOVATIONEN des aktuellen SPS-MAGAZINs präsentieren die führenden Anbieter der Automatisierungstechnik die neuen Produkte und Lösungen, die sie eigentlich auf…

    mehr lesen: SPS-MAGAZIN zeigt Herbst-Innovationen 2020

  • Softeq eröffnet Innovation Lab

    Softeq eröffnet Innovation Lab

    Technologieentwicklung Softeq eröffnet Innovation Lab Das IT-Unternehmen Softeq, mit Hauptsitz in Houston und Dependance unter anderem in München, will mithilfe des Integrated Design and Management Program vom Massachusetts Institute of…

    mehr lesen: Softeq eröffnet Innovation Lab

  • Sicherer Datentransfer mit OPC UA

    Sicherer Datentransfer mit OPC UA

    Genua hat seine Cyber-Diode für OPC UA erweitert. Die Securitylösung lässt den Datentransfer ausschließlich in eine Richtung zu – in Gegenrichtung blockt sie jeden Informationsfluss ab.

    mehr lesen: Sicherer Datentransfer mit OPC UA

  • Thermografiekameras und deren Kalibrierung

    Thermografiekameras und deren Kalibrierung

    Praktisch alle im Handel erhältlichen Thermografiekameras zeigen für die Messpunkte im Kamerabild Temperaturwerte an. Jedoch ist nicht offengelegt, wie der Kalibrierprozess stattgefunden hat.

    mehr lesen: Thermografiekameras und deren Kalibrierung

  • Wieder mehr Beschäftigte in der Industrie

    Wieder mehr Beschäftigte in der Industrie

    Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnen die deutschen Industrieunternehmen zwar weniger Beschäftigte, im Vergleich zum August 2020 ist die Zahl der Beschäftigen jedoch erstmals seit einem Jahr wieder gestiegen.

    mehr lesen: Wieder mehr Beschäftigte in der Industrie

  • Webinarserie: IT&Production TechTalks

    Webinarserie: IT&Production TechTalks

    Im November starten die IT&Production-Fachmedien eine eigene Webinarserie – die IT&Production TechTalks. Jedes Webinar bietet drei Vorträge zu einem Schwerpunktthema – u.a. MES/MOM (24. November), Robotic Process Automation (26. November),…

    mehr lesen: Webinarserie: IT&Production TechTalks

  • Richtlinien zum Anlagen-Engineering aktualisiert

    Richtlinien zum Anlagen-Engineering aktualisiert

    Die Richtlinienreihe VDI/VDE 3695 ‚Engineering von Anlagen‘ wurde überarbeitet und an den Stand der Technik, insbesondere an I4.0-Vorgaben, angepasst. Die Reihe unterstützt Engineering-Organisationen dabei, geeignete Maßnahmen zur gezielten Weiterentwicklung der…

    mehr lesen: Richtlinien zum Anlagen-Engineering aktualisiert