MES und Lean-Management im Zusammenspiel

image 21
Bild: ©bankrx/iStock.com

Die Hauptidee hinter Lean-Management ist relativ einfach. Es geht darum, ein bestmögliches Ergebnis mit einem Minimum an Ressourceneinsatz zu erreichen. Bewährte Methoden helfen dabei, Verschwendung zu identifizieren und zu beseitigen. Diese kann in vielen Formen auftreten. Beispiele sind etwa überflüssige Arbeitsschritte, Wartezeiten, Überproduktion, hohe Lagerstände, Ausschuss und hoher Energieverbrauch. Als ein wichtiges Lean-Prinzip gilt zudem die kontinuierliche Suche nach Verbesserungspotenzial. Demnach gibt es kein Optimum, das zu einem bestimmten Zeitpunkt erreicht werden kann. Im Sinne eines PDCA-Zyklus (Plan, Do, Check, Act) gibt es immer wieder Stellschrauben, mit denen Unternehmen Prozesse verbessern können. Wo besteht also die Notwendigkeit für eine MES-Software in einem Unternehmen, das den Lean-Gedanken verinnerlicht hat und seine Wertschöpfungskette ohnenhin laufend optimiert?

Daten, Informationen und Transparenz

Wie erwähnt, setzt der Lean-Ansatz auf eine laufende Optimierung der Unternehmensprozesse. Dafür braucht es vor allem Wissen über die Abläufe im täglichen Betrieb. Und hier kommt Software ins Spiel. Sie ermöglicht Erfassung von (Shopfloor-)Daten in Echtzeit. Dies beginnt bei vergleichsweise simplen Maschinenstatus und -leistungen, erstreckt sich über Informationen aus Warenwirtschaftssystemen wie Auftragsdaten oder Personalinformationen, und reicht bis hin zu Qualitätsdaten. Darüber hinaus ergeben sich weitere Potenziale. Exemplarisch werden im Folgenden vier Effekte für den gemeinsamen Einsatz von Lean-Management und einem MES-Software genannt:

Echtzeitdaten als Entscheidungsbasis

Eine softwaregestützte Fertigungsumgebung liefert Echtzeitdaten. Richtig erfasst und interpretiert, decken diese Daten Probleme und Ungereimtheiten auf und ermöglichen schnelles Reagieren und Gegenwirken – etwa bei Maschinenfehlern oder Stillständen. Mit den richtigen, ebenfalls datenbasierten, Rückschlüssen können Unternehmen zudem im Sinne des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses (Kaizen) für die Zukunft dazulernen. Auf Basis historischer Daten aus der Fertigung können Unternehmen etwa Wartungsarbeiten planen, anstatt erst im Notfall zu reagieren. Ungeplante Stillstände werden so reduziert.

Transparenter Shopfloor

Die Integration einer MES-Software in die Lean-Initiativen hilft dabei, die Transparenz in der Produktion zu erhöhen. Die Beschäftigten verfügen über eine einheitliche Informationsbasis, was integratives Arbeiten und eine gemeinsame Ausrichtung und Zielerreichung fördert. Technologien wie etwa No-Code ermöglichen die integrative Gestaltung verschiedener Daten- und Informationsquellen und tragen so auch zur abteilungsübergreifenden Zusammenarbeit bei. So ist beispielsweise ein Echtzeitblick für Produktions- und Lagerabteilungen auf Bestandsentwicklungen möglich. Daraus können Maßnahmen abgeleitet werden, die Überproduktion vermeiden.

Effizienzsteigerung

Lean-Management zielt darauf ab, den Einsatz von Ressourcen zu optimieren. Mit einer MES-Software können Unternehmen ihre Maschinen, Materialien, Werkzeuge und ihr Personal immer im Blick halten. So können sie Prozesse verbessern und Verschwendung vorbeugen. Ein MES hilft dabei, Engpässe in der Produktion zu identifizieren und die Arbeitszeiten der Beschäftigten flexibel daran anpassen, u.a. unter Berücksichtigung von Qualifikationen und Arbeitszeitmodellen. Damit können Produktionsunternehmen eine verbesserte Auslastung ihrer Ressourcen erreichen und damit verbunden auch Kosten sparen.

Kontinuierliche Verbesserung

Die kontinuierliche Verbesserung stellt einen wesentlichen Lean-Bestandteil dar. Die mittels eines Manufacturing Execution Systems erhobenen Daten werden vom selben System auch zu relevanten Informationen verarbeitet und helfen den Unternehmen dabei, Trends zu identifizieren und Maßnahmen zu ergreifen, ihre eigenen Prozesse ständig zu optimieren. Beispielsweise können Daten zur Qualität der produzierten Produkte gesammelt und auf dieser Basis analysiert werden, wo sich dann potenzielle Fehlerquellen in der Wertschöpfungskette auftun. Mit diesem Wissen ist es schließlich möglich, die Produktqualität zu steigern und damit auch die Kundenzufriedenheit zu erhöhen.

Verschwendung vermeiden

Im Zusammenspiel schaffen MES-Software und Lean-Management-Methoden Synergien, die die Effizienz steigern können. Die Datenerfassung mittels Betriebs- und Maschinendatenerfassung ermöglicht es, Verschwendung schon in frühen Stadien zu identifizieren oder bereits im Vorhinein zu verhindern. Lean-Methoden ergänzen dies durch ihren KVP-Ansatz, was in der Symbiose zu agilen und resilienten Unternehmen führen kann, die sich schnell an veränderte Marktbedingungen anpassen können. Für ein nachhaltiges Wachstum werden zudem die verfügbaren Ressourcen optimal genutzt.

Autor:

Joachim Pfeifer ist Presales Consultant bei der Industrie Informatik GmbH.



  • Mehr Verlass auf Deep-Learning-Entscheidungen

    Mehr Verlass auf Deep-Learning-Entscheidungen

    Menschen können Probleme entweder logisch und mit Ruhe betrachten, oder spontan und emotional entscheiden. Ähnlich geht es dem Computer: Moderne Deep-Learning-Verfahren liefern schnelle Ergebnisse, die jedoch nicht nachvollziehbar sind. Wissenschaftler…

    mehr lesen: Mehr Verlass auf Deep-Learning-Entscheidungen

  • Hohe Stromkosten für deutsche Rechenzentren

    Hohe Stromkosten für deutsche Rechenzentren

    Die Stromkosten für deutsche Rechenzentrumsbetreiber sind mit 113,11€ pro Megawattstunde am höchsten. Der große Unterschied zu den Nachbarländern ergibt sich dabei aus den Nebenkosten.

    mehr lesen: Hohe Stromkosten für deutsche Rechenzentren

  • Security-Modul für IPCs mit Windows 7

    Security-Modul für IPCs mit Windows 7

    Mithilfe des Security-Moduls mGuard von Phoenix Contact können Anwender eine Security-Lücke bei Industrie-PCs mit dem Betriebssystem Windows 7 schließen, für das Microsoft seit dem 14. Januar 2020 keine Sicherheits-Updates mehr…

    mehr lesen: Security-Modul für IPCs mit Windows 7

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Harting und Expleo Group kooperieren für IoT-Lösungen

    Harting und Expleo Group kooperieren für IoT-Lösungen

    Harting und Expleo haben im Rahmen der SPS 2019 in Nürnberg eine Kooperationsvereinbarung geschlossen. Vorstandsvorsitzender Philip Harting und Peter Seidenschwang, Head of Industry bei Expleo Germany, unterzeichneten die Vereinbarung, mit…

    mehr lesen: Harting und Expleo Group kooperieren für IoT-Lösungen

  • Mit mehr Technologie zu mehr Umsatz

    Mit mehr Technologie zu mehr Umsatz

    Laut einer Accenture-Studie können Unternehmen, die in die Skalierung von Technologieinnovationen investieren, mehr als doppelt so hohe Umsatzwachstumsraten erzielen. Dies betrifft in der Studie lediglich zehn Prozent der befragten Unternehmen.

    mehr lesen: Mit mehr Technologie zu mehr Umsatz

  • Konjunkturerwartungen legen zu

    Konjunkturerwartungen legen zu

    Laut aktueller Zahlen des ZEW — Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, blickt die Deutsche Wirtschaft zuversichtlicher in die Zukunft, als noch Ende des vergangenen Jahres. Im Vergleich zum Dezember stieg der…

    mehr lesen: Konjunkturerwartungen legen zu

  • Neue Produktionstechnik für die Mobilität von morgen

    Neue Produktionstechnik für die Mobilität von morgen

    Um Mobilität in Zeiten von Verstädterung, Ressourcenknappheit und Klimawandel zukunftsfest zu machen, bündeln die Universität Stuttgart und das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ihre Forschungskompetenzen im Innovationscampus ‘Mobilität der Zukunft‘…

    mehr lesen: Neue Produktionstechnik für die Mobilität von morgen

  • CEOs auf lange Sicht optimistischer

    CEOs auf lange Sicht optimistischer

    Im 23. Global CEO Survey von PWC rechnet mehr als die Hälfte der 1.581 befragten CEOs mit einem Rückgang des Weltwirtschaftswachstums. Auf lange Sicht zeigen sich die Befragten jedoch optimistischer.

    mehr lesen: CEOs auf lange Sicht optimistischer

  • Logimat in Stuttgart

    Logimat in Stuttgart

    Trendthemen wie künstliche Intelligenz oder Nachhaltigkeit haben Auswirkungen auf die gesamte Supply Chain. Auf der diesjährigen Logimat, die vom 10. bis zum 12. März in Stuttgart stattfindet, zeigen mehr als…

    mehr lesen: Logimat in Stuttgart

  • Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung gewinnen an Bedeutung

    Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung gewinnen an Bedeutung

    In einer aktuellen Studie hat das Wirtschaftprüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte weltweit mehr als 2000 C-Level-Führungskräfte zum Thema Industrie 4.0 befragt, 125 davon aus Deutschland. Die Analyse zeigt, dass für die…

    mehr lesen: Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung gewinnen an Bedeutung

  • Künstliche Intelligenz auf dem Vormarsch

    Künstliche Intelligenz auf dem Vormarsch

    Im Rahmen einer Studie hat IBM Unternehmen unterschiedlicher Branchen zum Einsatz von KI-Technologien befragt. Die Ergebnisse zeigen einen Aufwärtstrend bei der Nutzung.

    mehr lesen: Künstliche Intelligenz auf dem Vormarsch