SAP DM und SAP EWM: Fertigung und Lager verknüpft

497045
Bild: © thanakrit/stock.adobe.com

Bei datenbasierten Prozessoptimierungen unterstützen – abgesehen vom ERP-System – vor allem Manufacturing Execution Systems (MES). Der Softwarekonzern SAP bietet hier mit SAP Digital Manufacturing (SAP DM) ein cloudbasiertes System für Industrieunternehmen an, das Produktionsabläufe standortübergreifend in Echtzeit überwachen, steuern und optimieren sowie digitale Produktionspläne und -anweisungen direkt an Maschinen und Mitarbeitende übermitteln kann. Für produzierende Unternehmen verspricht eine solche MES-Software zahlreiche Effekte, wie etwa ein resilientes Fundament für Produktionsprozesse, Flexibilität und Qualität, zusätzliche Automatisierungsmöglichkeiten sowie eine Basis für den späteren KI-Einsatz.

SAP DM unterstützt aber nicht nur die Ausführung und Überwachung von Fertigungsprozessen, sondern ermöglicht Unternehmen auch die Integration von SAP-Software in Drittsysteme, was zur Orchestrierung des Shopfloors beiträgt. Leon Reich, Fertigungsexperte beim IT-Spezialisten NTT Data Business Solutions: „Während neue Maschinen meist auf gängige Standards wie OPC-UA oder MQTT setzen, nutzen ältere Modelle sehr verschiedene Schnittstellentechnologien. Für die Vernetzung des Maschinenparks sind dann Software-Tools erforderlich, die reibungslose, maschinenübergreifende Prozesse und Datenanalysen ermöglichen. Genau hier greift SAP DM.“

Systeme verzahnt

SAP DM schafft ein Fundament für datenbasierte und automatisierte Fertigungsprozesse, fokussiert sich jedoch ausschließlich auf den Produktionsbereich. Darüber hinaus lassen sich über die engere Verzahnung der Produktion mit den vor- und nachgelagerten Prozessen in Logistik und Lagerhaltung Synergien erzielen. SAP Extended Warehouse Management (SAP EWM) tritt hier an, diese Lücke mit Funktionalitäten für die Verwaltung von Lägern und die Steuerung der dortigen Prozesse zu schließen. Dazu gehören etwa Features für eine automatisierte, optimierte Lagerplatzzuordnung sowie die Verwendung von Out-of-the-Box Scanner-Transaktionen für gestraffte und abteilungsübergreifend synchronisierte Lagerprozesse.

350536 Grafik SAP DM EWM
Übersicht der Schnittstellenkommunikation zwischen SAP DM und SAP EWM. Bild: NTT Data Business Solutions AG

Unterstützung für komplexe Prozesse

Das Zusammenspiel von SAP EWM und DM zeigt sich etwa am Beispiel der Batteriezellenherstellung. Diese läuft, grob skizziert, in drei Phasen ab:

  • Elektrodenherstellung: Die Batterieherstellung mit der Fertigung von Kathode und die Anode für die spätere Batterie.
  • Zellenmontage: Hier wird die Anode und Kathode auf den Bedarf zugeschnitten und in ein passendes Gehäuse eingesetzt.
  • Formgebung und Qualitätskontrolle: Die sogenannte ‚Konditionierungsphase‘, bei der die Zelle u.a. zum ersten Mal geladen wird und eine Reihe von Tests durchläuft, um Qualität und Leistung zu bestätigen.

Die einzelne Fertigungsschritte erfolgen dabei sequenziell. Zwischen den einzelnen Schritten kann es daher immer wieder zu Zwischenlagerungen kommen – etwa nach der Produktion der Elektroden oder vor der Formgebung.

Saubere Schnittstellen

Für effiziente Prozesse sind saubere Schnittstellen zwischen Fertigung und Intralogistik ein Schlüssel: Möchte ein Mitarbeitender auf dem Shopfloor beispielsweise mit der Zellmontage beginnen, übermittelt er vorher via DM eine Bereitstellungsanforderung an EWM. Diese definiert, welche Rohmaterialien bzw. Halbfabrikate für die Montage benötigt werden – einschließlich deren Anzahl, des zugeordneten Arbeitsplatzes und dem Zeitpunkt, an dem die Komponenten vorliegen sollen. Die Mitarbeitenden in der Logistik können diesen Auftrag nun bestätigen (Bereitstellungsbestätigung, siehe Grafik anbei), die angeforderten Komponenten zusammenstellen und am richtigen Ort, zum richtigen Zeitpunkt und in der erforderlichen Anzahl anbieten.

Sobald die Montage der Zellen beginnt, erfassen die Mitarbeitenden den Komponentenverbrauch in der SAP DM. Die Informationen werden an das SAP EWM zurückgemeldet und aktuelle Lagerbestände automatisiert fortgeschrieben. Auch Ausschüsse werden in der SAP DM erfasst. Die Shopfloor-Mitarbeitenden können anschließend Ersatzkomponenten aus dem SAP EWM direkt via DM nachfordern.

Sind Zellenmontage und Qualitätskontrollen abgeschlossen, meldet die SAP DM den Wareneingang an das SAP EWM damit es dort die Bestände an fertiggestellten Batteriezellen aktualisiert und der Einlagerungsauftrag erzeugt werden kann.

Mehr Transparenz und Effizienz

Dr. Dorota Mankowska: „Unsere Erfahrung zeigt: Produktion und Logistik sind in der Praxis eng miteinander verzahnt. Daher bietet es sich an, von Beginn an ein holistisches Konzept zu entwickeln, das beide Disziplinen berücksichtigt. SAP DM und SAP EWM bieten diese Funktionen und schaffen ein Fundament für eine langfristig wettbewerbsfähige, resiliente und hochflexible Fertigung mit nahtloser Integration von Produktion und Lagerlogistik.“

www.nttdata-solutions.com



  • Produktivität und Flexibilität verbinden

    Produktivität und Flexibilität verbinden

    Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entwickelt ein Forschungsteam gemeinsam mit Industriepartnern ein neuartiges Produktionsplanungssystem, das die hohe Produktivität und Genauigkeit von Spezialmaschinen mit der Flexibilität von Industrierobotern kombinieren soll.

    mehr lesen: Produktivität und Flexibilität verbinden

  • Hacken mit legitimen Tools

    Hacken mit legitimen Tools

    Sind Cyberattacken einmal in das Unternehmensnetzwerk eingedrungen, nutzen Hacker oftmals auch legitime Tools für weitere Aktivitäten, was die Angriffserkennung erschwert. Dies hat eine Analyse von Kaspersky ergeben.

    mehr lesen: Hacken mit legitimen Tools

  • Altair übernimmt Simulations-Anbieter S&WISE

    Altair übernimmt Simulations-Anbieter S&WISE

    Mit der Übernahme von S&WISE erweitert Altair sein Simulationsangebot um eine Polyurethanschaum-Simulationslösung.

    mehr lesen: Altair übernimmt Simulations-Anbieter S&WISE

  • Corona bringt Ingenieurarbeitsmarkt ins Wanken

    Corona bringt Ingenieurarbeitsmarkt ins Wanken

    Im Vergleich zum Vorjahresquartal ist die Arbeitskräftenachfrage im Ingenieurbereich um 23,7 Prozent zurückgegangen, im Gegenzug stieg die Arbeitslosigkeit in diesem Sektor um 38,6 Prozent an. Das geht aus dem Ingenieurmonitor…

    mehr lesen: Corona bringt Ingenieurarbeitsmarkt ins Wanken

  • IBHsoftec und TeamViewer kooperieren bei Industriesteuerungen

    IBHsoftec und TeamViewer kooperieren bei Industriesteuerungen

    Steuerungsspezialist IBHsoftec und der Anbieter von Fernzugriffslösungen Teamviewer haben eine gemeinsame Lösung vorgestellt. Diese bietet weitreichende Funktionen zur Ferninstallation, Fernüberwachung und zum Fernzugriff auf industrielle Steuerungstechnik.

    mehr lesen: IBHsoftec und TeamViewer kooperieren bei Industriesteuerungen

  • Michael Leonhardt verantwortet den Professional Service bei iTAC

    Michael Leonhardt verantwortet den Professional Service bei iTAC

    Der MES-Hersteller iTAC besetzt den Posten Director Professional Service. Der Manager Michael Leonhardt wird sich künftig um die Service- und Qualitätsorientierung der Dürr-Tochter kümmern.

    mehr lesen: Michael Leonhardt verantwortet den Professional Service bei iTAC

  • Nur noch 5,6 Millionen in Kurzarbeit

    Nur noch 5,6 Millionen in Kurzarbeit

    Die Zahl der Beschäftigten in Kurzarbeit ging im Juli auf 5,6 Millionen zurück, gegenüber 6,7 Millionen im Juni. Doch während immer mehr Händler und Dienstleister aufatmen können, sinken die Zahlen…

    mehr lesen: Nur noch 5,6 Millionen in Kurzarbeit

  • Auch nach der Pandemie mehr Homeoffice

    Auch nach der Pandemie mehr Homeoffice

    Rund 37 Prozent der produzierenden Unternehmen wollen Homeoffice auch nach der Corona-Krise nutzen. Vor Ausbruch der Pandemie waren es nur etwa 25 Prozent der Fertigungsbetriebe, wie eine repräsentative Umfrage des…

    mehr lesen: Auch nach der Pandemie mehr Homeoffice

  • Erwartungen für August steigen deutlich

    Erwartungen für August steigen deutlich

    Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland steigen im August 2020 gegenüber dem Vormonat wieder deutlich an, nachdem sie im Juli leicht zurückgegangen waren. Die Konjunkturerwartungen liegen aktuell bei 71,5 Punkten, also 12,2…

    mehr lesen: Erwartungen für August steigen deutlich

  • Hintergrundwissen zur OT- und IT-Welt

    Hintergrundwissen zur OT- und IT-Welt

    Die internetbasierte Veranstaltung IT meets OT am 08. September 2020 bietet Hintergrundwissen zu den zentralen Aspekten von OT- und IT-Architekturen. Dabei werden Fragen adressiert wie: Warum ist Integrität das Schutzziel…

    mehr lesen: Hintergrundwissen zur OT- und IT-Welt

  • Schneider Electric übernimmt Proleit

    Schneider Electric übernimmt Proleit

    Schneider Electric hat den MES-Anbieter Proleit AG erworben. Mit diesem Schritt will der französische Konzern seine Kompetenzen bei der Software-gestützten Automatisierung erweitern.

    mehr lesen: Schneider Electric übernimmt Proleit

  • Konjunkturerholung in der Digitalbranche setzt sich fort

    Konjunkturerholung in der Digitalbranche setzt sich fort

    Im Juli ist der Bitkom-Ifo-Digitalindex erneut gestiegen — der dritte Anstieg in Folge. Die Bitkom-Branche blickt zudem wieder in die Zukunft. Die Erwartungen an das nächste halbe Jahr liegen wider…

    mehr lesen: Konjunkturerholung in der Digitalbranche setzt sich fort