Erfolgsfaktoren für eine Fit-to-Standard-Implementierung

SAP System Software Automation concept on virtual screen data center. Business modern technology internet and networking concept
Bild: ©putilov_denis/stock.adobe.com

Manufacturing Execution Systeme (MES) sind Herz und Hirn der Produktionssteuerung in einer Fabrik. Diese in einer standardisierten Umgebung wie der Cloud zu betreiben, bringt Fertigungsunternehmen eine ganze Reihe an positiven Effekten, etwa einen vereinfachten Anschluss neuer Standorte, niedrigere Kosten durch geringeren internen Betreuungs- und Entwicklungsaufwand bei Anpassungen oder Erweiterungen sowie höhere Transparenz aufgrund einer einheitlichen, standardisierten Datenbasis über alle Fabriken hinweg.

Individuelle Konfiguration trifft Cloud-Standard

Bevor diese Effekte jedoch zum Tragen kommen, gilt es zunächst, das Cloud-basierte MES zu konfigurieren. Eine große Herausforderung, denn viele etablierte Prozesse, die jahrelang gesammeltes, branchenspezifisches Knowhow abbilden, lassen sich häufig nicht einfach 1:1 in die neue, stark standardisierte Betriebsumgebung übertragen. Für SAP Digital Manufacturing (SAP DM) hat der Softwarespezialist aus Walldorf mit ‚Fit-to-Standard‘ deshalb einen praxisorientierten Ansatz entwickelt, mit dem Unternehmen von den Vorteilen der Plattform profitieren können, ohne gänzlich auf firmeneigene Konfigurationen verzichten zu müssen.

Regelmäßiger Austausch zwischen Fachbereichen und IT

Erfolgreiche MES-Implementierungen entstehen dort, wo fachliche Anforderungen und technische Realisierbarkeit Hand in Hand gehen. Maßgeblich ist eine Entscheidungsgrundlage, die beide Perspektiven einbezieht. Wenn Business-Verantwortliche und IT-Experten von Beginn an zusammen Prioritäten setzen und Kompromisse aushandeln, entsteht auch eine gemeinsame Entscheidungsbasis, die sowohl fachliche Anforderungen als auch technische Machbarkeit berücksichtigt.

Frühe Sichtbarkeit des SAP-Standards

Um zu prüfen, ob und wie gut sich unternehmensspezifische Prozesse ‚Fit-to-Standard‘ in der neuen Betriebsumgebung umsetzen lassen, braucht es ein klares Verständnis der Cloud-spezifischen Standardprozesse und -funktionen von SAP DM. Wer diese ‚Leitplanken‘ frühzeitig definiert, kann unrealistische Erwartungen und eventuell unnötige Individualisierungen vermeiden.

Konsequentes Change Management

Die beste Technologie scheitert ohne Akzeptanz der Anwender. Und obwohl SAP DM primär eine Software ist, nutzen sie nach ihrer Implementierung hauptsächlich die Werker in den Produktionshallen und nicht IT-Experten. Deshalb ist es entscheidend, die Werker im Rahmen eines konsequenten Change Managements frühzeitig ins Projekt einzubinden, Ziele und Folgen klar zu kommunizieren und begleitende Maßnahmen wie Schulungen durchzuführen. Das unterstützt die Akzeptanz und trägt dazu bei, dass SAP DM möglichst effektiv eingesetzt wird.

Der Ikea-Effekt

Mitarbeitende bewerten Software-Tools und Produkte höher, wenn sie aktiv an deren Gestaltung beteiligt waren. Deshalb sollten Key User so früh wie möglich in das Projekt einbezogen werden und ihren Anteil am Entstehen des späteren MES haben. Dann verstehen sie nicht nur die Funktionsweise besser, sondern übernehmen auch Verantwortung und werden zu internen Fürsprechern, die Akzeptanz und Verständnis innerhalb der Belegschaft nachhaltig erhöhen.

No-Code/Low-Code-Framework statt Individualprozesse

Implementierungen des Fit-to-Standard-Frameworks stoßen zuerst auf individuelle Abläufe – denn jedes Unternehmen arbeitet anders. Selbst wenn ein Betrieb in mehreren Werken das gleiche Produkt herstellt, sind die Fertigungsprozesse oft nicht identisch. Die Cloudsoftware SAP DM bildet ein breites Spektrum an Prozessen ab. Unternehmen können bei der Implementierung No-Code- und Low-CodeOptionen nutzen, um Abläufe zu gestalten: Durch das Verknüpfen verschiedener Boxen entstehen Logiken, die Aktivitäten auslösen – auch Maschinen lassen sich so steuern, etwa indem ein Schrauber freigeschaltet wird. Sonderprozesse wie die Bestellung von Ersatzhandschuhen für die Montage sind allerdings nicht mehr ohne weiteres abzubilden – unabhängig davon, ob ein MES für solche Aufgaben
überhaupt geeignet ist.

Spezialisierte IT-Dienstleister können einschätzen, welche Prozesse sich im System sofort abbilden lassen und welche Anpassungen an den Standard erfordern. Ein Beispiel aus der Praxis: Um Nacharbeiten an Schraubungen zu organisieren, nutzte ein Unternehmen an verschiedenen Standorten bis zu fünf unterschiedliche Prozesse. Effizienter ist es, einen Prozess aufzusetzen, standardkonform im MES abzubilden und ihn über alle Werke und Produktionslinien hinweg auszurollen. Je standardisierter die unternehmensweiten Abläufe, desto besser lassen sich Werke und Produktionslinien vergleichen. Der Umstieg auf ein CloudMES kann helfen, diese Standardisierung voranzubringen.

Was SAP DM derzeit stellenweise fehlt, sind Funktionen für
spezielle Unterindustrien. Dafür gibt es jedoch oft Add-Ons von Drittanbietern, etwa für spezifische Spritzgussprozesse. Doch für die Prozessindustrie und die diskrete Fertigung deckt das MES bereits sehr viele StandardFunktionalitäten ab, es bietet also zahlreiche Möglichkeiten, individuelle Prozesse anzupassen.

Governance für Abweichungen definieren

Jede Abweichung vom Standard hat direkte Auswirkungen auf Update-Fähigkeit und Betriebsmodell, kostet außerdem Zeit, Geld und erhöht die Komplexität. Deswegen braucht es klare Governance-Regeln, die festlegen, unter welchen Bedingungen Änderungen gerechtfertigt sind. Diese Richtlinien sollten einem etablierten Entscheidungsprozess folgen, der zwei zentrale Fragen in den Mittelpunkt stellt: „Was ist der konkrete Nutzen?“ und „Wie hoch sind die Kosten?“. Nur wenn der tatsächliche Geschäftswert die Folgekosten für Wartung, Updates und Support deutlich übersteigt, sollte vom Standard abgewichen werden, kann es sich lohnen, Anpassungen vorzunehmen.

Dr Jakob Weber Syntax
Bild: Syntax Systems GmbH & Co. KG

Der Weg zum Cloud-MES

Die Einführung von SAP Digital Manufacturing im Rahmen der ‚Fit-to-Standard‘-Maßnahmen erfordert eine durchdachte Implementierungsstrategie, die Standardisierung und unternehmensspezifische Anforderungen vereint. Dann profitieren Fertigungsunternehmen von den Mehrwerten einer Cloud-nativen MES-Software, ohne bewährte Prozesse aufgeben zu müssen. Erfolgsentscheidend ist, dass sich Projektverantwortliche konsequent an bewährten Best Practices orientieren. Durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Fachbereichen und IT, eine frühzeitige Einbindung der Anwender und klare Governance-Regelungen für Abweichungen vom Standard entsteht eine Lösung, die sowohl technisch zukunftsfähig ist als auch im Produktionsalltag akzeptiert wird.



  • Was im nächsten Jahr auf die Unternehmens-IT zukommt

    Was im nächsten Jahr auf die Unternehmens-IT zukommt

    Der Softwareanbieter Sage hat fünf IT-Trends identifiziert, die 2020 für Unternehmen wichtig werden — darunter die Themen Hybrid Cloud, Predictive Data Analytics und Nachhaltigkeit.

    mehr lesen: Was im nächsten Jahr auf die Unternehmens-IT zukommt

  • VDW nimmt Produktionsprognose für 2019 zurück

    VDW nimmt Produktionsprognose für 2019 zurück

    Im dritten Quartal 2019 sank der Auftragseingang der deutschen Werkzeugmaschinenindustrie im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 25%. Dabei gingen die Bestellungen aus dem Inland um 29% zurück. Die Auslandsbestellungen verloren 23%.…

    mehr lesen: VDW nimmt Produktionsprognose für 2019 zurück

  • Planungsoptimierung in Echtzeit

    Planungsoptimierung in Echtzeit

    Im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Forschungsprojektes ProPlanE haben die Projektpartner den Prototypen einer Analyseplattform entwickelt, mit der sich die Fertigungsplanung auf Basis von Process-Mining-Verfahren in…

    mehr lesen: Planungsoptimierung in Echtzeit

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Maschinenbauer suchen Virtual-Reality-Designer

    Maschinenbauer suchen Virtual-Reality-Designer

    Maschinen- und Anlagenbauer sind Vorreiter bei der Nutzung von Augmented Reality (AR) und Virtual Reality (VR). Mehr als jedes Dritte Unternehmen (34%) nutzt die Technologien bereits – doppelt so viele…

    mehr lesen: Maschinenbauer suchen Virtual-Reality-Designer

  • Schneider Electric startet erstes Innovationszentrum in der DACH-Region

    Schneider Electric startet erstes Innovationszentrum in der DACH-Region

      Schneider Electric hat seinen ersten Innovation Hub in der DACH-Region eröffnet. Ab sofort steht Kunden, Partnern, Schülern und Studenten auch im Schwarzwald ein Schneider Electric Innovation Hub offen.

    mehr lesen: Schneider Electric startet erstes Innovationszentrum in der DACH-Region

  • Cyberangriff bei Pilz

    Cyberangriff bei Pilz

    Mitte Oktober ist Pilz Ziel eines schweren Cyberangriffs geworden. Weltweit waren Server- und Kommunikationssysteme des Automatisierungsanbieters betroffen.

    mehr lesen: Cyberangriff bei Pilz

  • Bundesregierung zieht Bilanz

    Bundesregierung zieht Bilanz

    Vor einem Jahr hat die Bundesregierung ihre Strategie Künstliche Intelligenz beschlossen. Das Ziel: Die weitere Entwicklung und Anwendung von Künstlicher Intelligenz ganzheitlich politisch zu gestalten. Nun zog man seitens der…

    mehr lesen: Bundesregierung zieht Bilanz

  • Deutsche Wirtschaft wächst leicht

    Deutsche Wirtschaft wächst leicht

    Mit einem leichten Wachstum im dritten Quartal ist die deutsche Wirtschaft knapp einer Rezession entgangen. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, wuchs das Bruttoinlandsprodukt in diesem Zeitraum um 0,1 Prozent.

    mehr lesen: Deutsche Wirtschaft wächst leicht

  • Proalpha übernimmt Tisoware

    Proalpha übernimmt Tisoware

    Der ERP-Anbieter Proalpha übernimmt Tisoware, ein Anbieter für Zeitwirtschaftssoftware. Gemeinsam wollen beide Unternehmen ihre Kunden noch besser bei der Digitalisierung unterstützen.

    mehr lesen: Proalpha übernimmt Tisoware

  • Fertigungsindustrie wächst, aber langsamer

    Fertigungsindustrie wächst, aber langsamer

    Trotz schwieriger Marktbedingungen befindet sich die Fertigungsindustrie weiter im Wachstum. Dies zeigt der Global Growth Index des Softwareanbieters Epicor. Demnach betrug das Wachstum im Vergleich zur Vorjahresbefragung ein Prozent.

    mehr lesen: Fertigungsindustrie wächst, aber langsamer

  • Richtlinienreihe: Anlagen der Verfahrenstechnik modular entwickeln

    Richtlinienreihe: Anlagen der Verfahrenstechnik modular entwickeln

    Die Richtlinie VDI/VDE/NAMUR 2658 Blatt 1 ‚Automatisierungstechnisches Engineering modularer Anlagen in der Prozessindustrie – Allgemeines Konzept und Schnittstellen‘ wurde im Oktober 2019 in deutsch und englisch veröffentlicht. Darin wird das…

    mehr lesen: Richtlinienreihe: Anlagen der Verfahrenstechnik modular entwickeln