Digitales Shopfloor Management bei Intercable

Angestellte informieren sich über das Geschehen im Werk. Ihre Station müssen Sie dafür meist nicht verlassen.
Angestellte informieren sich über das Geschehen im Werk. Ihre Station müssen Sie dafür meist nicht verlassen.Bild: Solunio GmbH

Die 1972 in Bruneck in Südtirol gegründete Intercable tritt heute als Global Player mit zwei Standbeinen auf: Intercable Tools entwickelt und fertigt Werkzeuge zur Verarbeitung von Nieder- und Mittelspannungskabeln sowie Verbindungsmaterial für den Elektro-, Wind und Bahnbereich. Intercable Automotive produziert seit Anfang der 90er Jahre Kunststoffteile und Kabelschutzsysteme für die Automobilindustrie. Der Tier-1-Lieferant von Hochstromkomponenten für die Elektromobilität wuchs am Standort Bruneck von 120 Mitarbeitern im Jahr 2008 auf heute 800 Beschäftigte. Weitere 700 Mitarbeiter verteilen sich auf Werke in der Slowakei und in China.

Komplexe Verarbeitung

Verkettete, mehrstufige Produktionsprozesse wie Spritzguss, Stanzen und Schweißen, Konfektionierung, Montage, Verpackung und Versand lassen sich nur schwer überblicken. Umfangreiche Daten über Maschinen, Mitarbeiter, Qualitätsverläufe, Ausstoß und Ausschuss werden zwar generiert und in Systemen von BDE über CAQ bis ERP verarbeitet. „Doch das sind alles Insellösungen“, sagt Patrick Abfalterer, Abteilungsleiter Montage Automotive bei Intercable. „Den Verantwortlichen fehlten wichtige Daten und Kennzahlen, die sie aufwendig aus verschiedenen Systemen zusammensuchen mussten.“ Bei Problemen konzentrierten sich die Verantwortlichen nicht immer auf die richtigen Prozesse, Maschinen oder Produktionsbereiche. „Die Prioritäten waren nicht klar ersichtlich“, sagt Abfalterer. „Die Folgen waren Unruhe in der Produktion und Planungsfehler, falsche Verteilung von Kompetenzen und Kapazitäten.“

Keimzelle in der Montagehalle

So entschied man sich bereits 2016 dafür, die Software Visual Shop Floor des ebenfalls in Bruneck ansässigen Softwareherstellers Solunio zu integrieren. Das System bezieht Informationen aus acht IT-Systemen, bereitet wichtige Kennzahlen auf und stellt sie Managern und Mitarbeitern rollenbezogen in Echtzeit zur Verfügung. So schafft die Anwendung Transparenz für Mitarbeiter und Manager. Den Systemen, Maschinensteuerungen und Sensoren werden Daten entnommen und nach den Informationsbedürfnissen der Nutzer aufbereitet. Die ermittelten Informationen werden laufend an Dashboards angezeigt. Ebenso dienen sie zur Vorbereitung von Meetings oder zur Prozessautomation. „Zur Vorbereitung haben wir die gewünschten Kennzahlen über Overall Equipment Efficiency (OEE), Qualitätsverläufe und Produktivität sowie die entsprechenden Datenquellen einschließlich acht verschiedenen IT-Systemen definiert,“ berichtet Patrick Abfalterer. „Ebenso mussten wir den genauen Informationsbedarf entlang unserer Führungsstruktur ermitteln.“ Damit das Projekt überschaubar bleibt, wurde zunächst mit der Montagehalle Automotive begonnen. Dort arbeiten rund 70 Mitarbeiter an 43 Anlagen, die überwiegend Sondermaschinen umfassen, in unterschiedlichen Fertigungs- und Montageprozessen.

Erfolgreiches Pilotprojekt

Intercable GmbH, Visual Shop Floor Andwenung beim Shop Floor Meeting
Intercable GmbH, Visual Shop Floor Andwenung beim Shop Floor MeetingBild: Solunio GmbH

Nach rund einem Jahr verfügte jeder Mitarbeiter an seinem Arbeitsplatz über ein Terminal mit allen Informationen für den jeweiligen Auftrag. Aktuelle Kennzahlen zu Qualität, Ausbringung, Pausenzeiten gehören ebenso dazu, wie Informationen und Vorschriften zu den oft kundenspezifischen Arbeitsgängen. „Zusätzlich kann ich jederzeit Mitteilungen und Nachrichten an beliebige Arbeitsplätze schicken“, sagt Patrick Abfalterer. „Zudem erhält jede Führungsebene eine eigene Sicht auf alle für ihren Bereich relevanten Daten. „So bietet ihm ein digitaler Hallenspiegel mit allen Arbeitsplätzen ständig Überblick über die Situation in der Produktion. „Ich erkenne auf einen Blick den aktuellen Auftragsstand an jedem Arbeitsplatz, welcher Mitarbeiter sich an welcher Anlage befindet und wo Störungen oder Engpässe auftreten“, sagt Patrick Abfalterer. „Dadurch kann man schneller reagieren und bessere Entscheidungen treffen.“ Von dort kann er Detailansichten von Bereichen, Maschinengruppen oder Arbeitsplätzen aufrufen. Von der Schichtplanung über die Rüstvorgänge und Bemusterungen bis zur digitalen Qualitätsmatrix wurden nach und nach alle Bereiche eingebunden. „Nebenbei wurden unsere Mitarbeiter an Visual Shop Floor geschult, sodass wir Änderungen und weitere Projekte ohne Solunio durchführen können.“

Wachsendes System

Die Einführung in überschaubaren Schritten und das Übertragen der erfolgreichen Projekte auf weitere Hallen und Bereiche hat sich für Patrick Abfalterer bewährt: „Man spart sich große Planungen und Konzepte und vervielfältigt die erfolgreichen Bestandteile.“ Intercable will nicht bei dem Erreichten stehenbleiben. An den Rundtaktanlagen soll ein Projekt künftig mehr Einblick in die Ausschuss- und Stillstandsgründe liefern. Dazu sollen die einzelnen Stationen der Anlage Maschinendaten liefern. Ein weiteres Projekt betrifft Layered Process Audits (LPA) zur Einhaltung und Umsetzung von Prozessstandards. Die Auditierung aller Managementebenen im Werk soll gemeinsam mit Solunio und Visual Shop Floor umgesetzt werden.

Positive Bilanz

In den vergangenen zwei Jahren konnte Intercable zahlreiche positive Auswirkungen in verschiedenen Bereichen feststellen. „Unsere Produktionsprozesse laufen ruhiger und stabiler“, fasst Patrick Abfalterer zusammen. „Die OEE konnten wir deutlich steigern. Vor allem aber konnten wir unseren gesamten Aufwand allein durch geringere Ausschusskosten amortisieren.“ Stillstände und Produktionsunterbrechungen sind seltener geworden, bei auftretenden Anlagenproblemen konnte schneller reagiert werden als früher. „Sobald einzelne Kennzahlen Abweichungen zeigen, werden wir aktiv.“ Das visuelle Managementsystem entwickelt sich zur zentralen Informationsquelle, sodass andere fertigungsnahe Systeme nicht mehr in früherer Breite ausgerollt und eingesetzt werden. So wundert es wohl nicht, wenn mittelfristig alle 17 Tochterfirmen und Standorte des Unternehmens mit der Anwendung ausgestattet werden sollen.



  • Neuer Vertriebsleiter bei Creaform

    Neuer Vertriebsleiter bei Creaform

    Pierre Tanguy übernimmt bei Creaform die Vertriebsleitung für die DACH-Region und folgt damit auf Stefan Hoheisel.

    mehr lesen: Neuer Vertriebsleiter bei Creaform

  • Intralogistik und Produktion zusammenbringen

    Intralogistik und Produktion zusammenbringen

    Im Projekt BaSynaos wollen Synaos und das DFKI den Datenaustausch zwischen Assets aus der Produktion und der Logistik ermöglichen. Dabei greifen die Forschungspartner auf das im Vorgängerprojekt BaSys 4.0 entwickelte…

    mehr lesen: Intralogistik und Produktion zusammenbringen

  • Investitionen in Werkzeugmaschinen sinken

    Investitionen in Werkzeugmaschinen sinken

    Der Maschinenmarkt für Antriebe könnte bis 2030 jährlich um knapp 3 Prozent schrumpfen, Umsätze mit Werkzeugmaschinen für elektrische Antriebe wachsen hingegen mit mehr 10 Prozent. Dies prognostiziert die Unternehmensberatung McKinsey…

    mehr lesen: Investitionen in Werkzeugmaschinen sinken

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • IAB-Arbeitsmarktbarometer bei 102,4 Punkten

    IAB-Arbeitsmarktbarometer bei 102,4 Punkten

    Mit 102,4 Punkten verzeichnet das IAB-Arbeitsmarktbarometer den höchsten Stand seit Mai 2019. Das Risiko negativer Effekte durch die aktuelle Infektionslage bleibt jedoch bestehen.

    mehr lesen: IAB-Arbeitsmarktbarometer bei 102,4 Punkten

  • Ressourcenschonender 3D-Druck

    Ressourcenschonender 3D-Druck

    Im Projekt ’BioMe’ wollen die Projektpartner die Anwendung von additiver Fertigung im Automobilbau nachhaltiger gestalten.

    mehr lesen: Ressourcenschonender 3D-Druck

  • Geschäftsklimaindex steigt leicht an

    Geschäftsklimaindex steigt leicht an

    Im aktuellen Ifo-Geschäftsklimaindex beurteilen die Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage etwas besser als im März. Der Indexwert ist im 0,2 Punkte gestiegen.

    mehr lesen: Geschäftsklimaindex steigt leicht an

  • Siemens und Microsoft treten Open Industry 4.0 Alliance bei

    Siemens und Microsoft treten Open Industry 4.0 Alliance bei

    Die Open Industry 4.0 Alliance begrüßt zwei neue Mitglieder. Siemens und Microsoft sind dem Konsortium beigetreten.

    mehr lesen: Siemens und Microsoft treten Open Industry 4.0 Alliance bei

  • SAP-Cloudgeschäft nimmt Fahrt auf

    SAP-Cloudgeschäft nimmt Fahrt auf

    SAP hat im ersten Quartal positives zu vermelden. Das Cloud-Neugeschäft verzeichnete den schnellsten Anstieg seit 5 Jahren – die mit dem Kernprodukt S4/Hana erzielten Erlöse stiegen im Vergleich zum Vorjahr…

    mehr lesen: SAP-Cloudgeschäft nimmt Fahrt auf

  • Dateneingabe- und Pflege größte Herausforderung

    Dateneingabe- und Pflege größte Herausforderung

    In der Kurzstudie ’Variantenmanagement und Kundenbeziehungsmanagement’ zeigt der VDMA Software und Digitalisierung auf, in welchen Bereichen noch Optimierungspotenzial liegt.

    mehr lesen: Dateneingabe- und Pflege größte Herausforderung

  • VDMA WCM und 5G-ACIA unterzeichnen Kooperationserklärung

    VDMA WCM und 5G-ACIA unterzeichnen Kooperationserklärung

    VDMA WCM und 5G-ACIA unterzeichnen Kooperationserklärung Die VDMA Arbeitsgemeinschaft Wireless Communications for Machines (AG WCM) und 5G-ACIA haben eine Kooperationserklärung zum industriellen 5G verabschiedet.

    mehr lesen: VDMA WCM und 5G-ACIA unterzeichnen Kooperationserklärung

  • Cloudnutzung nimmt zu, bleibt jedoch privat

    Cloudnutzung nimmt zu, bleibt jedoch privat

    Knapp die Hälfte der im Rahmen einer von Hewlett Packard Enterprise in Auftrag gegebenen Studie befragten Firmen in Deutschland hat die eigene Cloud-Nutzung seit Beginn der Corona-Krise ausgebaut.

    mehr lesen: Cloudnutzung nimmt zu, bleibt jedoch privat