Qualitätsprozesse und künstliche Intelligenz: Datenzugriff trotz Datensilos

KSB-Dashboard im DMS/QMS Fabasoft Approve
KSB-Dashboard im DMS/QMS Fabasoft ApproveBild: Fabasoft Approve GmbH

Im projektorientierten Maschinen- und Anlagenbau sind Dokumentationspflichten oft komplex und geschäftskritisch. Lieferantendokumente, Prüfpläne, Zertifikate, Normen und Freigaben liegen häufig verteilt in E-Mail-Postfächern, lokalen Laufwerken oder abteilungsspezifischen Filesharing-Systemen. Das kann zu fehlender Transparenz, hohem Abstimmungsaufwand und Risiken bei Fristen und Compliance führen. Dokumenten- und Qualitätsmanagementsysteme wie Fabasoft Approve setzen hier an: Sie verbinden bestehende Anwendungen nicht nur technisch, sondern auch semantisch. Dabei kann KI eingehende Dokumente automatisiert analysieren, klassifizieren, Metadaten extrahieren und diese mit Qualitätsanforderungen verknüpfen. So erkennt die Software beispielsweise, welche Norm ein Zertifikat referenziert, welchem Bauteil es zugeordnet ist und ob es die im Quality Control Plan definierten Kriterien erfüllt. Obwohl die Informationen ursprünglich aus unterschiedlichen Quellen stammen, entsteht eine Art einheitliche Datenbasis. Der Pumpen- und Armaturenhersteller KSB nutzt dieses System. In der Vergangenheit erfolgte der Informationsaustausch zwischen Projektpartnern und Lieferanten ohne einheitliche Ablagestruktur – per E-Mail mit Dateianhang. Informationen blieben in unterschiedlichen Postfächern oder Ablagesystemen gespeichert, was Zugriff, Auffindbarkeit und Statusabfragen erheblich erschwerte. Mit der Einführung von Fabasoft Approve hat sich die Situation grundlegend geändert: Projektunterlagen liegen in einer gemeinsam genutzten Datenumgebung – jederzeit und weltweit verfügbar. KSB erstellt nun mehr als 1.200 Prüfpläne pro Jahr mit wenigen Klicks und dokumentiert rund 8.500 Testzertifikate automatisiert und revisionssicher. Durch die SAP-Integration sind Prüf- und Dokumentationsprozesse nun digital – inklusive automatisierter Normenpflege und Fristenmanagement. Im Pilotwerk nutzen über 200 Mitarbeitende und rund 30 Lieferanten die gemeinsame Datenumgebung. Das Ergebnis: mehr als 7.700 eingesparte Arbeitsstunden pro Jahr.

KI-Funktionen im Qualitätsmanagement

KI entfaltet im Qualitätsmanagement ihre Wirkung in mehreren Anwendungsfeldern. Den Einstieg bilden häufig die automatisierte Klassifikation von Dokumenten und die KI-gestützte Vollständigkeitsprüfung von Zertifikaten: Das macht Fehler oder Lücken sichtbar, ohne manuellen Prüfaufwand. Ein zentrales Einsatzfeld ist darüber hinaus die KI-gestützte FMEA. Die KI analysiert große Mengen strukturierter und unstrukturierter Daten aus früheren FMEAs, Reklamationen, 8D-Berichten, Audits und Prüfplänen, erkennt Muster und wiederkehrende Schwachstellen, um die Identifikation potenzieller Fehlfunktionen zu beschleunigen. Statt individueller Einschätzungen greift die KI auf Erfahrungswerte aus vergleichbaren Projekten und reale Felddaten zurück, was für konsistentere und nachvollziehbarere Risikobewertungen sorgen soll.

Reklamationen abwickeln

Dokumentenmanagement in Fabasoft Approve
Dokumentenmanagement in Fabasoft ApproveBild: Fabasoft Approve GmbH

Auch im Reklamationsmanagement leistet KI Unterstützung: Durch kontextuelles Reasoning verknüpft sie Reklamationen mit früheren Fällen, identifiziert ähnliche Fehlerbilder und schlägt Lösungsansätze vor. Erkenntnisse fließen automatisch in den Wissensbestand zurück und stehen bei künftigen Analysen als Entscheidungshilfe zur Verfügung. So entwickelt sich das Qualitätsmanagement von einem reaktiven zu einem lernenden Prozess.

Roll-out und Herausforderungen

Der Einsatz von KI beginnt nicht mit einem umfassenden Systemwechsel, sondern mit klar definierten Anwendungsfällen. Auf dieser Basis lässt sich die Funktionalität schrittweise erweitern – ein iterativer Ansatz, der das Implementierungsrisiko reduziert und früh Nutzen stiftet. Die Herausforderungen liegen dabei weniger auf technologischer Ebene als bei der Datenstrukturierung. Erst wenn Normen, Prüfpläne und Bauteilinformationen konsistent modelliert vorliegen, kann KI ihr volles Potenzial entfalten. In der Praxis bedeutet das: Für Unternehmen lohnt es sich, zunächst bestehende Datenquellen zu harmonisieren, redundante oder widersprüchliche Informationen zu bereinigen und klare Datenverantwortlichkeiten zu definieren. Für Unterlagen, die bisher als freie Dokumente in Ordnern oder Postfächern lagen, gilt es, sie in strukturierte Qualitätsobjekte zu überführen.

Welche Datenbasis industrielle KI wirklich benötigt

Industrielle KI im Qualitätsmanagement benötigt kuratierte, versionierte und kontextualisierte Daten. Jede Norm, jede Spezifikation und jedes Zertifikat ist idealerweise eindeutig referenzierbar. Gleichzeitig spielt Datensouveränität eine zentrale Rolle: Bewährt hat es sich, KI-Modelle in kontrollierten Umgebungen zu betreiben, Zugriffsrechte zu berücksichtigen und Trainings- sowie Produktivdaten zu trennen. Diese Datenbasis bildet auch die Grundlage für digitale Zwillinge. Ein digitaler Zwilling entsteht nicht allein aus Sensordaten, sondern aus der Kombination von technischen Spezifikationen, Prüfanforderungen, Zertifikaten und Änderungsinformationen. Erst wenn diese Details konsistent miteinander verknüpft sind, ergibt sich ein belastbares digitales Abbild von Produkt und Prozess.

Von Effizienz zu Resilienz

Eine Smart Factory ist nicht nur effizient, sondern auch anpassungsfähig. Wenn sich regulatorische Anforderungen ändern oder Lieferanten ausfallen, entscheidet die Datenlage über die Reaktionsgeschwindigkeit. KI-gestützte Systeme analysieren Qualitätsdaten in Echtzeit, identifizieren betroffene Bauteile oder Projekte und unterstützen bei der Priorisierung von Maßnahmen. Das Qualitätsmanagement entwickelt sich so von einer administrativen Funktion zu einem strategischen Steuerungsinstrument.



  • Zaghafte Entspannung trotz Orderminus

    Zaghafte Entspannung trotz Orderminus

    Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum haben die Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus ein reales Orderminus von 14 Prozent verzeichnet. Das ist seit Beginn der Corona-Krise der geringste Rückgang auf Monatsbasis.

    mehr lesen: Zaghafte Entspannung trotz Orderminus

  • Oliver Gürtler leitet Mittelstandsgeschäft bei Microsoft Deutschland

    Oliver Gürtler leitet Mittelstandsgeschäft bei Microsoft Deutschland

    Oliver Gürtler übernimmt ab November die Leitung des Mittelstandsgeschäfts bei Microsoft Deutschland und wird damit zugleich zum Mitglied der Geschäftsleitung berufen.

    mehr lesen: Oliver Gürtler leitet Mittelstandsgeschäft bei Microsoft Deutschland

  • Trotz Umsatzrückgang wird digitalisiert

    Trotz Umsatzrückgang wird digitalisiert

    Die meisten Firmen weltweit verzeichnen aufgrund der Corona-Pandemie Umsatzrückgänge. Doch neun von zehn Firmen investieren weiter in ihre Digitalisierung. Zu diesem Ergebnis kommen Autoren von Tata Consultancy Services (TCS) nach…

    mehr lesen: Trotz Umsatzrückgang wird digitalisiert

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Hyland erwirbt Alfresco (Updated)

    Hyland erwirbt Alfresco (Updated)

    Hyland will den Anbieter von Enterprise Content Management-Lösungen Alfresco kaufen. Die Verträge wurden bereits unterzeichnet, im vierten Quartal soll den Kauf abgeschlossen sein.

    mehr lesen: Hyland erwirbt Alfresco (Updated)

  • Was künstliche Intelligenz für die Arbeitswelt bedeutet

    Was künstliche Intelligenz für die Arbeitswelt bedeutet

    Mit den Auswirkungen sowie den Möglichkeiten, die künstliche Intelligenz für die mittelständische Arbeitswelt bietet, beschäftigt sich das Kompetenzzentrum ‚KI für die Arbeitswelt des industriellen Mittelstands‘.

    mehr lesen: Was künstliche Intelligenz für die Arbeitswelt bedeutet

  • Kompetenzzentrum für KI-Engineering gegründet

    Kompetenzzentrum für KI-Engineering gegründet

    Die Bedeutung von künstlicher Intelligenz im Ingenieurswesen wächst. Allerdings fehlen Verfahren, um das Verhalten der Systeme planbar und Entscheidungen nachvollziehbar zu machen. Abhilfe schaffen soll das Kompetenzzentrum für KI-Engineering (CC-KING)…

    mehr lesen: Kompetenzzentrum für KI-Engineering gegründet

  • Abgelenkt und trotzdem produktiver

    Abgelenkt und trotzdem produktiver

    Chefs glauben: Ein Drittel der Angestellten ist im Home-Office mit Tätigkeiten wie Wäsche waschen beschäftigt. Dennoch ist das Ansehen von Remote-Work bei Managern sogar gestiegen, ergab jetzt eine Umfrage von…

    mehr lesen: Abgelenkt und trotzdem produktiver

  • Mittler zwischen Mehrwert und Sicherheit

    Mittler zwischen Mehrwert und Sicherheit

    Am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT entsteht gerade die Software KMUsecure. Das Programm soll produzierende KMU dabei unterstützen, kritische Netzwerkschnittstellen zu sichern und Vernetzung leichter zur Optimierung zu nutzen.

    mehr lesen: Mittler zwischen Mehrwert und Sicherheit

  • Accenture übernimmt Salt Solutions

    Accenture übernimmt Salt Solutions

    Der SAP-Partner und MES-Integrator Salt Solutions wird Teil von Accenture. Wie die Unternehmensberatung bekannt gab, ist die Vereinbarung bereits unterschrieben.

    mehr lesen: Accenture übernimmt Salt Solutions

  • Vertrauenswürdige Prozessoren aus Deutschland

    Vertrauenswürdige Prozessoren aus Deutschland

    Im Projekt Scale4Edge arbeiten 22 Akteure aus Wissenschaft und Wirtschaft an besonders vertrauenswürdiger Computerhardware. Entstehen soll ein skalierbares Edge-Computing-Ökosystem rund um die Risc-V-Architektur etwa für Industrieanwendungen, Heimautomation und selbstfahrende Autos.

    mehr lesen: Vertrauenswürdige Prozessoren aus Deutschland

  • Innovationsranking im produzierenden Mittelstand

    Innovationsranking im produzierenden Mittelstand

    Innovation gehört zu den drei wichtigsten Digitalisierungszielen im Mittelstand, gleich nach Mitarbeiterproduktivität und Prozessmodernisierung. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung, die im Auftrag des ERP-Anbieters Proalpha entstand. Doch wo ist…

    mehr lesen: Innovationsranking im produzierenden Mittelstand