Datenstrategie als Wegbereiter für KI

Industrial Transformation Quelle Festo
Bild: Festo SE & Co. KG

Daten werden verstärkt zu einem wirtschaftlichen Asset. Um Daten als Wert zu verwalten, braucht es jedoch auch Investitionen, um von der ungeordneten Speicherung hin zu Transparenz und klaren Strukturen zu kommen, konstatiert Nils Schäffler: „Das Thema Datenstrategie bekommt durch KI und die simulationsgetriebene Entwicklung noch mehr Bedeutung – weil beispielsweise der digitale Zwilling weiterentwickelt und produktionsnah wird“, sagt der Senior Enterprise Architect beim Automatisierungsanbieter Festo. Datenstrategie heißt für ihn: Ein verständlicher Plan in Form einer strategischen Roadmap, der beschreibt, wie eine Organisation Daten sammeln, managen, regeln, benutzen und daraus Wert ziehen will. Sie sollte auch die Richtung für die Datendemokratisierung und Datenkultur vorgeben. Dieses Grundgerüst zu schaffen, kostet zwar erst einmal Zeit, trägt aber perspektivisch dazu bei, die Innovationszeiten zu verkürzen. Ziel sei ein durch die Datenstrategie organisierter globaler, wiederverwendbarer Datenschatz, auf den jedes neue AI-Projekt wiederum einzahlen könne.

Der Vergleich unter den Peers im CBA-Lab-Projekt machte aus Sicht von Schäffler vor allem deutlich, dass sich viele Unternehmen beim Thema Datenstrategie schwertun. Die Erfahrung zeige, dass die Umsetzung kein einfacher, linearer Prozess sei – sondern eine kontinuierliche Abfolge von Herausforderungen, bei der auf jede Lösung eine neue Aufgabe folgt. „Geschäftsbereiche und IT müssen für eine erfolgreiche Datenstrategie eng zusammenarbeiten. Es geht nur im Schulterschluss“, ist sich der Datenspezialist sicher.

Daten für generative KI erschließen

„Viele Unternehmen starten direkt beispielsweise mit AI-Services – häufig wird dann aber schnell klar, dass der geplante Mehrwert nicht erreicht werden kann. Oft stehen dahinter fehlende Datenqualität und Governance, für die eine Datenstrategie nötig wäre“, sagt Oliver Loukota, Leiter des CBA-Lab-Projekts ‚EAM-driven Data Strategy‘ und Enterprise Data Architect beim globalen Transport- und Logistikanbieter Hapag-Lloyd. Zudem fließt bei GenAI-basierten Wissenssystemen sehr sensibles Unternehmens- und Prozesswissen in die KI ein. Schutz und Zugriffsrechte hinsichtlich Intellectual Property sollten verbindlich geklärt sein. „Die KI-Themen brauchen ein gutes Fundament aus qualitativen Daten und Semantik: Man muss sie auch verstehen können, sonst kommen falsche oder schlechte Ergebnisse. Und die Datenstrategie ermöglicht uns hier eine strukturierte Reise“, erläutert Schäffler. Ohne übergreifende Strategie müssten immer wieder aufs Neue gleiche oder ähnliche Aspekte erforscht werden, da die Daten nicht einfach zugänglich sind. Rund sechs Monate lassen sich in einem Projekt einsparen, indem nicht jedes Mal neu geplant und Schnittstellen zu den Daten geschaffen werden müssen, schätzt der Experte. Das beschleunigt Innovation. Nach und nach will man dieses Potenzial jetzt für viele der bereits erhobenen Daten ausschöpfen.

Frameworks wie DMBOK, DCAM, CDQ bieten Firmen Orientierung für datenstrategische Leitlinien in der Digitalisierung.
Frameworks wie DMBOK, DCAM, CDQ bieten Firmen Orientierung für datenstrategische Leitlinien in der Digitalisierung.Bild: Festo SE & Co. KG

Durchgängige Semantik im Unified Name Space

Doch es gibt für Festo noch weitere Nutzenaspekte der Datenstrategie: Zum einen gewinnt man in der eigenen Produktion durch das Vorhandensein feingranularer Daten immer bessere Erkenntnisse und kann so weiter optimieren. Zum anderen gelinge die wirtschaftliche Bewertung von Daten hinsichtlich ihres Nutzens für Kunden besser, berichtet der Unternehmensarchitekt. Im Maschinen- und Anlagenbau kommen viele Systeme mit jeweils eigener Datenlogik und Namen zusammen. Der Unified Name Space (UNS) im IIoT-Umfeld verfolgt den Ansatz, alle relevanten Produktionsdaten in einer einheitlichen Struktur als gemeinsame Sprache bereitzustellen: Eine wichtige Voraussetzung, um etwa eine gesamte Produktionslinie zu simulieren. Die Datenstrategie hilft hier, weil sie durch ihre cross-funktionale Natur alle Beteiligten berührt. Denn oft müssen Daten normalisiert werden, z.B. zwischen Celsius- und Kelvin-Temperatur. „Wir haben im Rahmen der Datenstrategie auch einen Unified Name Space mit verschiedenen Topics geschaffen, also mit Themen, die man abonnieren kann. Dabei lassen sich etwa eine bestimmte Maschine oder alle Maschinen an einem Standort für Datenanalysen auswählen“, schildert Nils Schäffler. Über diesen Datenkatalog als Wissens- und Governance-Schicht entstehe deutlich mehr Synergie und Effizienz und eine neue Art Zusammenarbeit, da die Informationen nicht mehr extra bei den zuständigen Personen eingeholt werden müssten.

EAM hat sich in vielen Unternehmen bereits als Ansatz durchgesetzt, mit dem die IT konsequent auf die Geschäftsziele ausgerichtet wird. Auch Festo setzt auf EAM, um seine Architektur flexibel, effizient und resilient zu gestalten. EAM, Datenstrategie, Governance und Security gehen Hand in Hand und ergänzen sich. Oft sind Unternehmens-, System- und Plattformarchitekten beteiligt und die Grenzen zwischen den Rollen in der Praxis oft fließend.

Motivation ist Erfolgsschlüssel

Wie auch bei anderen Projektteilnehmern habe sich in der Vergangenheit bereits gezeigt, dass IT-geführte Ansätze für die Datenstrategie nicht funktionierten, berichtet der Festo-Experte. Die Umsetzung der Datenstrategie gelinge nur mit der Motivation derjenigen, die mit den Daten arbeiten. Zu den ‚üblichen Verdächtigen‘ gehören hier die IT-affinen Menschen in den Fachabteilungen, Key User oder Subject Matter Experts, die sich aufgrund ihrer Domänenexpertise gut mit den jeweiligen Datenobjekten auskennen. „Nur wenn Nutzen und Mehrwert spürbar sind, entsteht langfristige Akzeptanz und Kontinuität. Dafür spielen kontinuierliche Kommunikation, gezielte Trainings, gelebte Governance-Prozesse sowie klar erkennbare Vorteile für die Anwender eine zentrale Rolle“, erläutert Projektleiter Oliver Loukota. Bei Festo wird zudem der Ansatz der ‚Nicht-Qualitätskosten‘ aus der Produktion genutzt. Diese Kosten gehen herunter, weil man Daten schneller auffindet und so Prozesse beschleunigt. „Wir wollen eine positive Dynamik erzeugen, indem sowohl Fachbereichs- als auch IT-Kollegen die praktischen Auswirkungen im Alltag sehen – und so motiviert sind, in puncto Datenerfassung und -pflege auch mal eine Extrameile zu gehen“, so Nils Schäffler.

Autorinnenfoto Daniela Hoffmann 2025
Bild: Cross-BusinessArchitecture Lab e. V.

Jedes Unternehmen muss seinen eigenen Weg finden

Die Projektteilnehmer im CBA Lab orientierten sich an gängigen Frameworks wie dem DMBOK, dem DCAM und dem CDQ. Diese Frameworks ermöglichen ein gemeinsames Begriffs- und Zielverständnis und etablierte Schulungs- und Ausbildungsformate, mit denen sich Data-Management-Kompetenzen im Unternehmen verankern lassen. Vor allem muss nicht vom leeren Blatt Papier gestartet werden. „Welches Framework jeweils am besten geeignet ist, hängt stark vom Unternehmenskontext und dem aktuellen Reifegrad im Data Management ab“, stellt Loukota fest. Im Abschlusspapier habe man eine erste vergleichende Analyse der Frameworks vorgenommen, damit die fundierte Auswahl eines passenden Rahmenwerks schneller gelingt.

Bei Festo hat man sich letztlich entschieden, nicht zu tief in die Frameworks einzusteigen, um organisatorischen Overhead zu vermeiden. „Wir haben ein eigenes Vorgehen entwickelt, das darauf ausgerichtet ist, immer wieder gemeinsam mit dem Fachbereich zu schauen, welchen Nutzen wir erzeugt haben, statt eine Checkliste abzuarbeiten“, sagt Schaeffler. Das Unternehmen setzt bereits auf das agile Framework ‚Safe‘ und integriert hier eigene Rollendefinitionen aus der Datenstrategie. „Dadurch haben wir ein eher gemischtes Bild, das dennoch gut zu uns passt. Die Frameworks helfen aber auch, Dinge ganzheitlich zu sehen, also nicht nur einen Leuchtturm, sondern das Gesamtunternehmen“, schließt Schäffler.

Über das Cross-Business-Architecture Lab

Das CBA Lab ist ein Anwenderverband von Unternehmen aus allen Wirtschaftszweigen, die gemeinsam neue Best Practices erschließen, erarbeiten und trainieren. Es erarbeitet mit und für seine Mitglieder innovative ‚Bausteine‘ für die Digitale Transformation, die die Architektur prägen und organisieren. Am Cross-Business-Architecture Lab beteiligen sich CIOs, CDOs und Chefarchitekten aus führenden Unternehmen und Organisationen im deutschsprachigen Raum. Die Mitglieder profitieren vom gemeinsamen Netzwerk und dem Vertrauensraum des Verbandes, der sie sehr offen Know-how und Ideen teilen lässt.



  • IFS stellt DACHI-Region unter neue Leitung

    IFS stellt DACHI-Region unter neue Leitung

    IFS hat Marcus Pannier zum Geschäftsführer für die DACHI-Region ernannt.

    mehr lesen: IFS stellt DACHI-Region unter neue Leitung

  • Im Zeichen der Kreislaufwirtschaft

    Im Zeichen der Kreislaufwirtschaft

    Alle drei Jahre wird Düsseldorf zum internationalen Branchentreffpunkt der Kunststoff- und Kautschuk-Industrie. Vom 16. bis zum 23. Oktober findet auf dem Messgelände der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt die K statt.

    mehr lesen: Im Zeichen der Kreislaufwirtschaft

  • DMG Mori investiert in Up2Parts

    DMG Mori investiert in Up2Parts

    Der Werkzeugmaschinenhersteller DMG Mori beteiligt sich am Softwareunternehmen Up2Parts. Ziel der Investition ist es, zusätzliches Digitalisierungs-Knowhow zu erschließen.

    mehr lesen: DMG Mori investiert in Up2Parts

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Ein Blick in die Zukunft

    Ein Blick in die Zukunft

    Im aktuellen Future Readiness Index der Managementberatung KPMG zeigen sich die deutschen Unternehmen mit Blick auf die nächsten fünf Jahre positiv gestimmt. Im Vergleich zum vergangenen Jahr ist dieser Wert…

    mehr lesen: Ein Blick in die Zukunft

  • Funktionale Sicherheit in der Prozessindustrie

    Funktionale Sicherheit in der Prozessindustrie

    Bei der Verhinderung von sicherheitsrelevanten Ereignissen, und insbesondere von Störfällen, wird die Prozessleittechnik (PLT) immer wichtiger. Die Richtlinienreihe VDI/VDE 2180 beschäftigt sich mit diesem Thema, wurde grundlegend überarbeitet und neu…

    mehr lesen: Funktionale Sicherheit in der Prozessindustrie

  • Grunwitz wird NTT Deutschland-Chef

    Grunwitz wird NTT Deutschland-Chef

    Nach dem Start von NTT Ltd. Anfang Juli hat der IT-Dienstleister Kai Grunwitz zum Chef des Deutschland-Geschäfts ernannt.

    mehr lesen: Grunwitz wird NTT Deutschland-Chef

  • 5G in Industrie und Wirtschaft

    5G in Industrie und Wirtschaft

    Mit der 5G CMM — Connected Mobile Machines will die Deutsche Messe dem neuen Mobilfunkstandard in den Fokus rücken. Rund 100 Teilnehmer werden dabei vom 8. bis zum 10. Oktober…

    mehr lesen: 5G in Industrie und Wirtschaft

  • Kollaborative Roboter und ihre Interaktion mit Menschen

    Kollaborative Roboter und ihre Interaktion mit Menschen

    Im SIBB Forum ‚Cobot Love‘, das am 30. Oktober im MotionLab.Berlin stattfindet, beleuchten Experten aus Praxis und Forschung technologische Möglichkeiten, Anwendungspotentiale und Marktaussichten intelligenter Robotiksysteme anhand konkreter Use Cases.

    mehr lesen: Kollaborative Roboter und ihre Interaktion mit Menschen

  • Keine ausreichende Datengrundlage für Smart Maintenance

    Keine ausreichende Datengrundlage für Smart Maintenance

    Eine Studie von Acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und dem Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML zeigt, wie weit deutsche Unternehmen bei der Umsetzung einer ‘intelligenten Instandhaltung‘ sind –…

    mehr lesen: Keine ausreichende Datengrundlage für Smart Maintenance

  • Aus G Data Software wird G Data CyberDefense

    Aus G Data Software wird G Data CyberDefense

    G Data Software tritt künftig unter dem Namen G Data CyberDefense auf. Dies gab das Unternehmen am Montag in einer Pressemitteilung bekannt.

    mehr lesen: Aus G Data Software wird G Data CyberDefense

  • Zühlke leitet SmartFactory-EU

    Zühlke leitet SmartFactory-EU

    Brainport Industries (Niederlande), Flanders Make (Belgien) und die SmartFactory-KL habe sich zusammengetan und die Vereinigung SmartFactory-EU gegründet.

    mehr lesen: Zühlke leitet SmartFactory-EU