IIoT-Daten und KI für vorausschauende QM-Prozesse

Hands holding tablet on blurred automation machine as background
Bild: ©B4LLS/Gettyimages

Das Industrial Internet of Things (IIoT) hat sich von einem technischen Konzept zu einem Erfolgsfaktor für die moderne Fertigungsindustrie entwickelt. Während die Vernetzung von Maschinen und Anlagen bereits erhebliche Fortschritte ermöglicht hat, könnte das zentrale Potenzial des IIoT in der Weiterverarbeitung und Nutzung der generierten Daten liegen. Der Schlüssel zum Erfolg liegt sowohl in der Kommunikation zwischen Maschinen als auch in der Integration dieser Daten in elektronische Workflows und Qualitätsmanagementsysteme.

Predictive Quality

Ein besonders vielversprechender Ansatz im IIoT-Umfeld ist die Entwicklung sogenannter Predictive Quality-Systeme. Diese Systeme erlauben es durch automatisierte Überwachung von Produktionsparametern, präzisere Vorhersagen über potenzielle Produktmängel zu treffen. Moderne Dokumenten- und Qualitätsmanagementsoftware dient dabei als gemeinsame Datenumgebung, die Daten zusammenführt, analysiert und in verwertbare Erkenntnisse umwandelt. Im Rahmen dieser Methode können Unternehmen bereits vor Produktionsbeginn Korrekturen vornehmen, um kostenintensive Nacharbeit zu reduzieren.

Vom Shopfloor zum Topfloor

Das Potenzial des IIoT entfaltet sich besonders durch nahtlose Integration: Daten von der Shopfloor-Ebene werden in Managementprozesse eingespeist und lösen konkrete Maßnahmen in elektronischen Workflows aus. Hier kommen Qualitätsmanagementsysteme ins Spiel. Prozesse wie Reklamationsmanagement oder der 8D-Prozess können von der Einbindung von IIoT-Daten profitieren. Qualitätsverantwortliche greifen auf Echtzeitinformationen aus der Fertigung zu und können auf Abweichungen schneller reagieren, anstatt auf manuelle Erfassungen und Auswertungen angewiesen zu sein.

Erweiterte Lieferkette

Ein weiterer wichtiger Aspekt des IIoT liegt in der Vernetzung entlang der Lieferkette. Dokumenten- und Qualitätsmanagementsoftware ermöglicht es, sowohl interne Produktionsdaten zu integrieren, als auch Lieferanten und Partner in das System einzubinden. Dies fördert die Transparenz über die Wertschöpfungskette hinweg und unterstützt die Identifikation und Behebung von Qualitätsproblemen an der Quelle. Die Einbindung von Lieferanten in IIoT-Systeme fördert die Rückverfolgbarkeit von Qualitäts- und Produktionsdaten. Dies ist insbesondere in regulierten Branchen von Bedeutung, in denen Compliance und lückenlose Dokumentation zentrale Anforderungen darstellen.

KI im Qualitätsmanagement

Künstliche Intelligenz entwickelt sich zunehmend zu einem festen Bestandteil moderner Qualitätsmanagementsysteme. KI-Funktionen können Qualitätsverantwortliche dabei unterstützen, verschiedene Aufgaben effizienter zu bearbeiten. Ein KI-gestütztes Dokumenten- und Qualitätsmanagementsystem vernetzt Hersteller, Kunden und Lieferanten über eine zentrale Datenumgebung in der Cloud. Die Integration von Ende-zu-Ende-Prozessen kann die Zusammenarbeit optimieren und eine durchgängige Vernetzung sicherstellen. Über den KI-Chat interagieren Qualitätsverantwortliche mit Dokumenten wie Normen oder technischen Akten; die KI liefert dabei kontextbezogene Antworten einschließlich Quellenangaben. Manuell, beispielsweise in Microsoft Excel, erstellte Prüfpläne werden häufig durch automatisiert generierte Quality Control Plans (QCPs) im QMS ersetzt. Über ein Rechte- und Rollensystem erhalten Zulieferer Informationen zu Prüfschritten oder Zertifikatsanforderungen automatisch. Die Integration in bestehende SAP-Architekturen soll hierbei einen reibungslosen und verlustfreien Dokumententransfer ermöglichen.

Effizient Reklamationen abwickeln

Auch im Reklamationsmanagement kann KI ihre Stärken ausspielen: Im 8D-Prozess liefert sie kontextsensitive Vorschläge für Sofort- und Korrekturmaßnahmen, die nach Validierung durch Qualitätsverantwortliche an das KI-System zurückgespielt werden. Dadurch entsteht ein kontinuierlicher Lernprozess, der das Expertenwissen als ‚Lessons Learned‘ sichert und neuen Teammitgliedern bereitstellen kann. Für die FMEA-Unterstützung stellt das System strukturelle, funktions- und fehlerbezogene Analysen in übersichtlichen Baumstrukturen dar. Die KI verknüpft relevante Datenquellen und bündelt diese in einer gemeinsamen Ansicht. Präventive Maßnahmen werden von der KI priorisiert, die finale Entscheidung bleibt jedoch beim Menschen. 360-Grad-Ansichten zeigen auf Knopfdruck einen Überblick auf verschiedene Unternehmensbereiche, etwa auf Lieferantenmängel, Einkaufsdaten oder Auditberichte. Solche Synergieeffekte im Qualitätsmanagement können, neben einer Steigerung der Produkt- und Prozessqualität, auch die Häufigkeit von Wiederholungsfehlern reduzieren. So könnte die Kombination aus Predictive Quality, durchgängigen Workflows und KI-gestützter Analyse die Grundlage für die nächste Generation von Qualitätsmanagementsystemen mit proaktiven Ansätzen und einem substanziellen Beitrag für den Unternehmenserfolg bilden.

371252 Andreas Dangl c Fabasoft Approve edited
Bild:Fabasoft Approve GmbH

Autor:

Andreas Dangl ist
Geschäftsführer der
Fabasoft Approve GmbH.



  • Industrieentscheider setzen auf das industrielle Internet der Dinge

    Industrieentscheider setzen auf das industrielle Internet der Dinge

    Drei Viertel der Entscheider in deutschen Industrieunternehmen sehen ihren Markt im Prozess der digitalen Transformation. Die Hälfte der Unternehmen setzt dabei bereits auf den Einsatz von Industrial IoT-Technologien. Zu diesen…

    mehr lesen: Industrieentscheider setzen auf das industrielle Internet der Dinge

  • Partnerschaft zwischen T-Systems und GFT

    Partnerschaft zwischen T-Systems und GFT

    Im Rahmen einer Partnerschaft wollen T-Systems und GFT gemeinsame Lösungen für die Fertigungsindustrie anbieten, mit denen Fehler in der Produktion schneller erkannt werden können.

    mehr lesen: Partnerschaft zwischen T-Systems und GFT

  • John Abel wird Chief Information Officer bei Extreme Networks

    John Abel wird Chief Information Officer bei Extreme Networks

    John Abel wechselt von Veritas zu Extreme Networks, wo er künftig die Position des CIOs wahrnehmen wird.

    mehr lesen: John Abel wird Chief Information Officer bei Extreme Networks

  • Nächste Hannover Messe wird Hybridveranstaltung

    Nächste Hannover Messe wird Hybridveranstaltung

    Nach fünf Messetagen ging am Freitag die Hannover Messe zu Ende. Insgesamt 90.000 Teilnehmer haben sich für die digitale Edition der Industrieschau registriert. Auch ohne Präsenzveranstaltung zog die Deutsche Messe…

    mehr lesen: Nächste Hannover Messe wird Hybridveranstaltung

  • Realistische Simulationen mit Security-Forschung

    Realistische Simulationen mit Security-Forschung

    Die neue Fraunhofer SIT Cyber Range verbindet komplexe Angriffssimulationen mit neuesten Erkenntnissen aus der angewandten Forschung, Expertenschulungen und der Vorstellung von innovativen Security-Werkzeugen: Mit realistischen Angriffssimulationen können Unternehmen die Leistungsstärke…

    mehr lesen: Realistische Simulationen mit Security-Forschung

  • VDMA-Studie zeigt hohe Relevanz interoperabler Schnittstellen

    VDMA-Studie zeigt hohe Relevanz interoperabler Schnittstellen

    Erst die Interoperabilität von Maschinen und Anlagen ermöglicht Unternehmen die Teilhabe an neuen digitalen Strukturen und ist Grundvoraussetzung für neue digitale Geschäftsmodelle. Durch interoperable Schnittstellen können neue Maschinen effizienter integriert…

    mehr lesen: VDMA-Studie zeigt hohe Relevanz interoperabler Schnittstellen

  • Geld weg, Daten weg

    Geld weg, Daten weg

    Mit Ransomware verschlüsseln Cyberkriminelle den Zugang zum kompromittierten Gerät oder den dort gespeicherten Dateien. Anschließend fordern sie Lösegeld mit dem Versprechen, die Sperrung nach Zahlung wieder aufzuheben.

    mehr lesen: Geld weg, Daten weg

  • Impfstoffproduktion in Marburg

    Impfstoffproduktion in Marburg

    Impfstoffproduktion in Marburg Siemens und Biontech rüsten Produktionsanlage um Siemens unterstützt Biontech bei Umrüstung auf Impfstoffherstellung in Marburg. Dabei waren wesentliche Teile des neuen Manufacturing Execution Systems in nur zweieinhalb…

    mehr lesen: Impfstoffproduktion in Marburg

  • Neue Sicherheitslücken entdeckt und geschlossen

    Neue Sicherheitslücken entdeckt und geschlossen

    Am Patch-Tag (13.04.2021) hat Microsoft zwei kritische Sicherheitslücken geschlossen, die lokal installierte Instanzen von Exchange 2013, 2016 und 2019 betreffen. Diese Sicherheitslücken ermöglichen das Ausführen von beliebigem Programmcode auf einem…

    mehr lesen: Neue Sicherheitslücken entdeckt und geschlossen

  • Torsten Hartinger verstärkt Geschäftsführung bei Solid System Team

    Torsten Hartinger verstärkt Geschäftsführung bei Solid System Team

    Das Systemhaus Solid System Team wird von einer Doppelspitze geleitet. Neben Werner Heckl ist seit 1. April auch Torsten Hartinger mit der Geschäftsführung betraut.

    mehr lesen: Torsten Hartinger verstärkt Geschäftsführung bei Solid System Team

  • Materialise erwirbt Kaufoption für 3DLink

    Materialise erwirbt Kaufoption für 3DLink

    Materialise erwirbt Kaufoption von MES-Anbieter Link3D. Mögliche Übernahme könnte den Weg zum cloudbasierten Zugriff auf die 3D-Druck-Software-Plattform von Materialise ebnen.

    mehr lesen: Materialise erwirbt Kaufoption für 3DLink

  • The State of Industrial Cybersecurity

    The State of Industrial Cybersecurity

    Trend Micro beauftragte das unabhängige Marktforschungsinstitut Vanson Bourne mit der Durchführung einer Online-Umfrage unter 500 IT- und OT-Fachleuten in den USA, Deutschland und Japan. Daraus ging hervor, dass mehr als…

    mehr lesen: The State of Industrial Cybersecurity