Boomer und GenZ im Dialog

pexels cup of couple 6633013
Bild: DE Software & Control GmbH

Die Generation der Babyboomer – also die geburtenstarken Jahrgänge zwischen 1950 und 1964 – prägt seit Jahrzehnten den Arbeitsmarkt. Allein in Deutschland umfasst sie rund 13 Millionen Erwerbstätige. Doch nun verabschiedet sich diese Generation zunehmend aus dem Berufsleben und auf die hohe Zahl der ausscheidenden Fachkräfte folgt eine vergleichsweise kleine Nachwuchsgeneration. Die Jahrgänge der 1990er und 2000er können die Lücke rein zahlenmäßig nicht schließen. Diese Generation bringt jedoch wichtige Stärken mit: Sie ist meist digital erfahren, bringt ein hohes Maß an Technologieverständnis mit und ist in der Lage, sich schnell in neue Systeme, Tools und Plattformen einzuarbeiten. Was jedoch oft fehlt, ist betriebliches Erfahrungswissen, das sich die Babyboomer-Generation über Jahrzehnte aufgebaut hat. Die Herausforderung besteht also weniger im Technologietransfer, sondern vielmehr im Wissens- und Erfahrungstransfer zwischen den Generationen.

Zudem geraten Unternehmen zunehmend unter Druck, weil Stellen zum einen unbesetzt bleiben und zum anderen, weil Erfahrungswissen verloren geht. Besonders gefährlich ist dabei der sogenannte ‚Silent Exit‘. Dabei verlassen erfahrene Fachkräfte das Unternehmen ohne dokumentiertes Wissen, ohne Nachfolger und oft auch ohne strukturierte Übergabe.

Wenn Erfahrung auf Innovation trifft

Oft funktioniert auch die Zusammenarbeit zwischen den Generationen nicht reibungslos und was eigentlich ein fruchtbarer Austausch zwischen Erfahrung und Innovation sein könnte, führt im Arbeitsalltag zu Problemen. ‚Das haben wir immer so gemacht‘ ist eine weit verbreitete Haltung unter erfahrenen Mitarbeitenden – nicht aus Trotz, sondern aus der Überzeugung, dass ihre Methode sich über Jahre bewährt hat. Digitale Tools, Cloud-Anwendungen oder KI-gestützte Assistenzsysteme stoßen hier oft auf Skepsis.

Jüngere Beschäftigte wiederum fühlen sich dadurch womöglich ausgebremst: Wenn sie über ein gutes Gespür für technologische Trends verspüren, keine Berührungsängste mit neuen Systemen haben – ihr Wissen aber selten einbringen dürfen. Statt Prozesse gemeinsam weiterzuentwickeln, erleben sie oft starre Hierarchien, lange Entscheidungswege und Widerstand gegen Veränderungen. Das kann für Frustration und Rückzug sorgen.

Dieser Graben zwischen den Generationen wird in der Praxis kaum thematisiert. Nicht selten bleibt so das Innovationspotenzial junger Talente ungenutzt und das Erfahrungswissen der Älteren isoliert.

Die Initiative BoomerZ will ältere und jüngere Generationen zusammenbringen.
Die Initiative BoomerZ will ältere und jüngere Generationen zusammenbringen. – Bild: DE Software & Control GmbH

BoomerZ als Brückenbauer

An dieser Stelle setzt die Initiative BoomerZ an. Die Idee dahinter ist, das Erfahrungswissen der Babyboomer-Generation zu erhalten, systematisch zu dokumentieren und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass jüngere Mitarbeitende aktiv in den Wandel eingebunden werden – technologisch, kulturell und methodisch. BoomerZ bildet ein strukturiertes Transformationskonzept für die industrielle Arbeitswelt.

Initiator von BoomerZ ist Friedrich Steininger, Managing Director der DE Software & Control. Er sagt: „Ich habe gesehen, dass nicht die Technologie das Problem ist, sondern oft die Kommunikation zwischen den Generationen“, so Steininger. „BoomerZ soll helfen, dieses Missverständnis aufzulösen – nicht mit Theorie, sondern mit konkreten Formaten für den Arbeitsalltag.“

Im Zentrum von BoomerZ steht der Aufbau gemischter Teams, bestehend aus älteren Fachkräften und Nachwuchskräften. Die Älteren bringen ihr Betriebswissen, ihre Maschinenkenntnis, ihre Fehlererfahrung ein – die Jüngeren liefern das methodische und digitale Knowhow, das für moderne Prozesse, Datenanalyse oder Predictive Maintenance notwendig ist.

Ein zentrales Werkzeug der Initiative sind Wissensdialoge: moderierte Gespräche, in denen Fachwissen weitergegeben wird und Arbeitsweisen, Abläufe und Denkstrukturen offengelegt werden. Diese Gespräche werden von der GenZ dokumentiert – per Video, Audio oder in strukturierter Textform – und in firmeneigenen Wissensdatenbanken abgelegt. So wird Knowhow für künftige Generationen verfügbar gemacht.

Begleitet werden die Wissensdialoge durch Schulungen, Change-Workshops und Coaching-Angebote, die gezielt auf die kulturellen Herausforderungen in der Zusammenarbeit eingehen.

BoomerZ verfolgt dabei ein klares Ziel: „Den Fachkräftemangel kann man nicht nur durch neue Rekrutierung lösen, sondern durch bessere Nutzung des vorhandenen Potenzials – quer durch alle Altersgruppen“, sagt Steininger.

Wissen sichern, Zukunft gestalten

Durch die systematische und strukturierte Erfassung von Erfahrungswissen entstehen Wissensressourcen, die sowohl beim Onboarding als auch im Tagesgeschäft unterstützen können. Die digitalisierten und aufbereiteten Inhalte bilden zudem die Basis für Automatisierung und perspektivisch auch für KI-gestützte Anwendungen.

Fachkräftemangel aktiv gestalten

Die Initiative BoomerZ zeigt, wie Unternehmen den Fachkräftemangel aktiv gestalten können. Es geht um strukturierten Wissenstransfer, generationenübergreifende Zusammenarbeit und eine klare Fokussierung auf Digitalisierung. Indem die Stärken beider Generationen miteinander verknüpft werden, entsteht ein neuer Umgang mit Wissen sowie eine neue Kultur des Miteinanders.



  • Heller beteiligt sich an IGH Infotec

    Heller beteiligt sich an IGH Infotec

    Der Werkzeugmaschinenbauer Heller beteiligt sich an IGH Infotec. Dadurch soll die langjährige Zusammenarbeit beider Unternehmen intensiviert werden.

    mehr lesen: Heller beteiligt sich an IGH Infotec

  • Gedruckte Funktionalität für 3D-Objekte

    Gedruckte Funktionalität für 3D-Objekte

    Das Fraunhofer-Institut für Elektronische Nanosysteme ENAS befasst sich mit Drucktechnologien zur Funktionalisierung von 3D-Objekten. Die Anwendungen reichen von der Kontaktierung einzelner Mikrochips in Elektroniksystemen bis zu großflächigen Heizstrukturen für Sitze.

    mehr lesen: Gedruckte Funktionalität für 3D-Objekte

  • Marina Bill wird IFR-Vizepräsidentin

    Marina Bill wird IFR-Vizepräsidentin

    Marina Bill ist mit sofortiger Wirkung neue Vizepräsidentin der International Federation of Robotics. Sie soll die IFR gemeinsam mit Präsident Milton Guerry vertreten.

    mehr lesen: Marina Bill wird IFR-Vizepräsidentin

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Nachhaltiger Wirtschaften mit nachhaltiger KI

    Nachhaltiger Wirtschaften mit nachhaltiger KI

    Künstliche Intelligenz (KI) kann zu einer nachhaltigeren Ausrichtung von Wirtschaft und Gesellschaft beitragen. Allerdings ist der Energieverbrauch der KI-Systeme selbst oft hoch. Ein Whitepaper der Plattform Lernende Systeme soll daher…

    mehr lesen: Nachhaltiger Wirtschaften mit nachhaltiger KI

  • Materna übernimmt Virtual Solution

    Materna übernimmt Virtual Solution

    Mit der Übernahme des Münchner Software-Unternehmens Virtual Solution will die Materna-Gruppe die eigene Position als Lösungsanbieter für die öffentliche Verwaltung stärken.

    mehr lesen: Materna übernimmt Virtual Solution

  • Von neuen Einsatzfeldern bis zu KI

    Von neuen Einsatzfeldern bis zu KI

    Mit rund drei Millionen Einheiten hat der weltweite Bestand an Industrie-Robotern einen neuen Rekord erreicht. Die International Federation of Robotics nimmt 5 Trends in den Blick, die die Robotik im…

    mehr lesen: Von neuen Einsatzfeldern bis zu KI

  • Altsysteme Industrie 4.0-tauglich machen

    Altsysteme Industrie 4.0-tauglich machen

    In der Regel beginnen Unternehmen bei der Digitalisierung ihrer Produktion nicht auf der grünen Wiese. Viel eher geht es um die Umrüstung und Einbindung verschiedenster Legacy-Systeme in digitalisierte Workflows. Der…

    mehr lesen: Altsysteme Industrie 4.0-tauglich machen

  • Sven Mulder wird SAP Deutschland-Chef

    Sven Mulder wird SAP Deutschland-Chef

    SAP hat einen neuen Deutschland-Chef ernannt: Sven Mulder folgt mit Wirkung zum 1. März auf Alex Kläger.

    mehr lesen: Sven Mulder wird SAP Deutschland-Chef

  • Frans Scheper verantwortet EMEA-Geschäft bei Intel

    Frans Scheper verantwortet EMEA-Geschäft bei Intel

    Frans Scheper ist neuer General Manager und President EMEA beim Chip-Hersteller Intel. Er leitet somit das Gesamtgeschäft des Unternehmens in der Region.

    mehr lesen: Frans Scheper verantwortet EMEA-Geschäft bei Intel

  • Materialmangel verschärft sich wieder

    Materialmangel verschärft sich wieder

    Nach einer Entspannung im Januar, klagten im Februar wieder mehr Unternehmen über Probleme bei der Materialbeschaffung. Über alle Industriezweige hinweg berichten rund 75 Prozent von Engpässen.

    mehr lesen: Materialmangel verschärft sich wieder

  • Energiekosten stellen Industrie vor Probleme

    Energiekosten stellen Industrie vor Probleme

    Die steigenden Energiekosten beeinträchtigen die Produktion in Deutschland. So denkt laut einer Umfrage des BDI bereits ein Fünftel der Befragten über eine Verlagerung – etwa der Produktion – ins Ausland…

    mehr lesen: Energiekosten stellen Industrie vor Probleme