Digitalisierte Fertigung bei Sistag: Maschinen und Menschen vernetzt

SONY DSC
Eine Besonderheit des Flexiblen Paletten Containers (FPC) von Fastems ist die kippbare Ladestation. Auch das Multi-Level-System (MLS) verfügt über solche Stationen. – Bild: Fastems Systems GmbH

Als weltweit agierendes Unternehmen mit 180 Mitarbeitern stellt Sistag Armaturen für Anwendungen in der Wasseraufbereitung und der Industrie her. „Unsere Armaturen werden überall dort eingesetzt, wo Flüssigkeiten mit Festkörpern vorkommen“, sagt Christian Zberg, Leiter Technik und Mitglied der Geschäftsleitung. Der Fokus richtet sich auf die Produktion von Flachplattenschiebern. „Ursprünglich entwickelt für die Papierindustrie, sind die Schieber u.a. auch in der Abwasseraufbereitung, Petrochemie und im Bergbau unter dem Markennamen Wey bekannt“, erläutert Zberg. Am Standort in Eschenbach fertigen rund 140 Mitarbeitende circa 20.000 Armaturen im Jahr.

Flexible Gehäusefertigung

2005 investierte Sistag erstmals gemeinsam mit einer OKK HM 630 in ein Multi-Level-System (MLS-MD mit 1.500kg Tragkraft pro Palette) von Fastems. In der Folgezeit wurde das Fertigungssystem (FFS) auf eine Länge von 35m erweitert und eine zweite OKK gleichen Typs kam hinzu. 2022 stand eine Modernisierung des MLS mit einem Retrofit sowie einem Upgrade der Manufacturing Management Software (MMS) von Fastems an. Derzeit befinden sich 72 Maschinenpaletten und 80 Materialpaletten im System.

Die MMS übernimmt die gesamte Planung, Steuerung und Überwachung der automatisierten Produktion mit dem FFS. Die Software ist in der Lage, die Produktion automatisch für 96 Stunden im Voraus zu planen. „Sowohl die offenen Schnittstellen der MMS als auch die Möglichkeit, Maschinen sehr unterschiedlicher Hersteller an ein MLS und damit an die MMS anzubinden, ist ein großer Vorteil“, sagt Zberg.

Die Schweizer investierten 2023 in eine weitere Automatisierung von Fastems: in einen sogenannten Flexiblen Paletten Container (FPC-3000 mit 3.000kg Tragkraft pro Palette) mit insgesamt sechs Palettenplätzen. An dieses System wurde eine OKK HM 1000 angebunden. Hierzu Pascal Metry, Produktionsleiter von Sistag: „Während wir mit dem MLS zu einem Großteil die kleineren Plattenschiebergehäuse mit einer Nennweite von 50 bis 400mm fertigen und hier eine Auslastung von rund 100 bis 110 Produktionsstunden pro Maschine in der Woche erreichen, ist der FPC für die Produktion der großen Gehäuse von 450 bis 800mm reserviert.“

Mit WCO planen

Nahmen mit ihrem Team von fünf Mitarbeitenden die Vernetzung zu einem Großteil selbst in die Hand (v.l.): Joel Zemp (Stellvertretender Produktionsleiter und MMS-Spezialist), Produktionsleiter Pascal Metry sowie Christian Zberg, Leiter Technik und Mitglied der Geschäftsführung.
Nahmen mit ihrem Team von fünf Mitarbeitenden die Vernetzung zu einem Großteil selbst in die Hand (v.l.): Joel Zemp (Stellvertretender Produktionsleiter und MMS-Spezialist), Produktionsleiter Pascal Metry sowie Christian Zberg, Leiter Technik und Mitglied der Geschäftsführung.Bild: Fastems Systems GmbH

Zum Zeitpunkt der Investition in den FPC verfolgte Sistag bereits eine konsequente Digitalisierungsstrategie in der Produktion. Das Ziel bestand darin, mit der MMS als Manufacturing Execution System (MES) die gesamte Produktion zu planen, zu steuern und zu überwachen. Das sollte nicht nur automatisierte Maschinen betreffen, sondern auch manuelle Arbeitsplätze und ältere Stand-Alone-Maschinen. Und auch hierfür hat Fastems mit Work Cell Operations (WCO) ein Produkt im Portfolio. WCO ist eine Softwareplattform basierend auf dem MES von Fastems, MMS. Sie befähigt Anwender unter anderem dazu, die Kapazitäten und Arbeitsreihenfolgen von Einzelmaschinen sowie Arbeitseinheiten (Zellen) zu organisieren und deren Auslastung zu erfassen.

Jedes WCO steht für eine Stand-Alone-Maschine oder einen Arbeitsplatz. Das MES plant mithilfe dieses Moduls auf Basis der Auftragsdaten aus dem ERP-System automatisch die Produktion in den einzelnen Abteilungen und vergibt anhand der Endtermine Prioritäten. Die Mitarbeiter im Shopfloor erhalten vor Ort digitale Listen auf Tablets, die sie entsprechend abarbeiten können. „Wir haben insgesamt elf WCO-Lizenzen gekauft, wovon zehn schon für konkrete Arbeitsbereiche zugeteilt sind. Vier davon sind bereits aktiv. So haben wir drei WCO bestimmten Drehmaschinen zugeordnet, wobei die Dreherei als eine Abteilung in der MMS zu einem WCO zusammengefasst ist. Ein weiteres WCO integriert eine ältere, nicht-netzwerkfähige Fräsmaschine in die digitale Produktionsplanung“, schildert Joel Zemp, stellvertretender Produktionsleiter und der MMS-Spezialist im Unternehmen.

Mehr Transparenz

Für Christian Zberg hat die höhere Transparenz in der Fertigung eine besondere Relevanz: „Wir müssen in der Lage sein, auch nahezu alle vor- und nachgeschalten Prozesse der Automatisierung jederzeit abbilden zu können.“ Mit dem Einsatz der WCO-Softwaremodule werde sich daher aus seiner Sicht vieles ändern. Die Kommunikation zwischen Arbeitsvorbereitung und Mitarbeitern vor Ort laufe quasi in Echtzeit. Jeder arbeite hierbei mit derselben Information und demselben Termin. Die Daten- und Informationsqualität steige somit spürbar.

„In der Vergangenheit kalkulierten wir Arbeitsschritte öfters mit zu optimistischen Vorgabezeiten, was zu einer eher unrealistischen Produktionsplanung führte. Nun haben wir konkrete valide Daten, mit denen wir weitaus genauer planen können, sowohl was die Auslastung der Maschinen als auch was die Kalkulation der Herstellungskosten anbelangt. Die Transparenz steigt enorm und die Informationen aus dem System eröffnen uns überdies eine ganze Reihe an wertvollen Potenzialen für Verbesserungen“, sagt Zberg.

Zurzeit befindet sich das Projekt im Roll-out. Mit den bislang erreichten Ergebnissen zeigt sich Christian Zberg überaus zufrieden: „Wir sind mit unserer Strategie auf dem richtigen Weg und wissen, wohin wir wollen und was wir hierfür noch leisten müssen. Wir haben die wichtigen Grundsteine gelegt, um die gesamte Vernetzung der Produktion über die MMS kontinuierlich ausrollen zu können und die Produktivität z.B. durch weitere Automatisierung insbesondere an den Wochenenden weiter auszubauen.“



  • Schmersal-Gruppe nach Cyberangriff wieder handlungsfähig

    Schmersal-Gruppe nach Cyberangriff wieder handlungsfähig

    Der Anruf kam am 20. Mai um 16.45 Uhr: Die Schmersal-Gruppe wurde von offizieller Seite informiert, dass Cyberkriminelle einen gezielten Angriff auf das Firmennetzwerk planen. Nach einer Verifikation des Anrufs…

    mehr lesen: Schmersal-Gruppe nach Cyberangriff wieder handlungsfähig

  • Gemeinsamer Standard für unterschiedliche Ortungslösungen

    Gemeinsamer Standard für unterschiedliche Ortungslösungen

    Ein Zusammenschluss von rund 60 Unternehmen aus Europa, Amerika und Asien hat mit ‘Omlox‘ einen Ortungsstandard für die Industrie eingeführt. Die weltweie Koordination wird durch die Profibus Nutzerorganisation übernommen.

    mehr lesen: Gemeinsamer Standard für unterschiedliche Ortungslösungen

  • Kleinserienproduktion für die Elektromobilität

    Kleinserienproduktion für die Elektromobilität

    Im Forschungsprojekt ‘ProeK‘ haben die Projektpartner untersucht, wie sich die Produktion von Kleinserien bei Elektrofahrzeugen verbessern lässt. Beteiligt waren u.a. Elektrofahrzeughersteller und Forschungspartner wie das WZL der RWTH Aachen.

    mehr lesen: Kleinserienproduktion für die Elektromobilität

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Erwartungen an Konjunktur im Juni steigen

    Erwartungen an Konjunktur im Juni steigen

    Insgesamt steigen die Erwartungen an die Konjunktur für den Monat Juni 2020, haben die Volkswirte beim ZEW ermittelt. Viele exportorientierte wie der Maschinen- und Fahrzeugbau teilen diese positive Einschätzung noch…

    mehr lesen: Erwartungen an Konjunktur im Juni steigen

  • PSI übernimmt Prognosesoftwareanbieter Prognos Energy

    PSI übernimmt Prognosesoftwareanbieter Prognos Energy

    Der Softwareanbieter PSI hat Prognos Energy übernommen. Das Unternehmen aus Potsdam ist auf Einspeisungsprognosen aus erneuerbaren Energien spezialisiert.

    mehr lesen: PSI übernimmt Prognosesoftwareanbieter Prognos Energy

  • Maschinenbau will trotz Corona weiter ausbilden

    Maschinenbau will trotz Corona weiter ausbilden

    Laut einer aktuellen Umfrage des VDMA unter 600 Mitgliedsfirmen gehen 68 Prozent davon aus, dass sie künftig genauso viele gewerblich-technische Ausbildungsplätze anbieten können, wie vor der Corona-Pandemie.

    mehr lesen: Maschinenbau will trotz Corona weiter ausbilden

  • Industrie 4.0 im Maschinenbau im Trend

    Industrie 4.0 im Maschinenbau im Trend

    Im Rahmen der Marktstudie ‚Industrielle Kommunikation/Industrie 4.0 2020‘ gaben im Januar/Februar 2020 mehr als 300 Maschinenbauunternehmen Auskunft über das Einsatzverhalten und über zukünftige Entwicklungen in den Bereichen Kommunikationstechnologien und Industrie…

    mehr lesen: Industrie 4.0 im Maschinenbau im Trend

  • Cyberattacken oft zu spät entdeckt

    Cyberattacken oft zu spät entdeckt

    Mangelnde Reaktionsgeschwindigkeit ist für den Mittelstand die größte Herausforderung bei Cyberangriffen. Dabei stehen laut einer Studie von Deloitte Mitarbeiter bei der Abwehr von Risiken im Brennpunkt. Phishing-Mails, Betrugs-Websites und Erpressungssoftware…

    mehr lesen: Cyberattacken oft zu spät entdeckt

  • KI ist wichtig, die Umsetzung läuft noch schleppend

    KI ist wichtig, die Umsetzung läuft noch schleppend

    Die Unternehmen sprechen der künstlichen Intelligenz eine herausragende Bedeutung zu, tun sich aber schwer damit, die Technologie praktisch einzusetzen. Dies geht aus einer branchenübergreifenden Umfrage des Digitalverbands Bitkom unter 603…

    mehr lesen: KI ist wichtig, die Umsetzung läuft noch schleppend

  • Hilpert vertreibt Critical Manufacturing-MES in der Schweiz

    Hilpert vertreibt Critical Manufacturing-MES in der Schweiz

    Das MES von Critical Manufacturing können Schweizer Unternehmen künftig auch von Hilpert Electronic beziehen. Der Spezialist für Applikationen rund um die Mikroelektronikfertigung ist neuer Vertriebspartner des weltweit agierenden MES-Herstellers mit…

    mehr lesen: Hilpert vertreibt Critical Manufacturing-MES in der Schweiz

  • Algorithmen automatisiert trainieren

    Algorithmen automatisiert trainieren

    Durch künstliche Intelligenz (KI) können Maschinen Objekte erkennen. Dafür werden Algorithmen mit Bilddaten manuell trainiert. Das am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entstandene Start-up Kimoknow hat eine Technologie entwickelt, um…

    mehr lesen: Algorithmen automatisiert trainieren