Betrachtet man nur den Maschinenbau, wurden etwa 130 Companion Specs veröffentlicht, von denen heute nur noch rund 80 in einer aktuellen Version vorliegen. Berücksichtigt man zudem, dass diese 80 Spezifikationen die gesamte Branchenvielfalt des Maschinenbaus – von Antriebstechnik bis Werkzeugmaschinen – abbilden und es innerhalb dieser Branchen wiederum unterschiedliche Maschinentypen gibt, relativiert sich die Zahl. Das Entscheidende ist, dass sowohl wir als VDMA als auch die OPC Foundation eine klare Strategie verfolgen, Spezifikationen für jeden Maschinentyp auf Basis von Use Cases zu entwickeln. Das bedeutet, dass für die Spezifikation eines jeweiligen Maschinentyps ein konkreter Use Case vorliegen muss und jede Spezifikation nur einmal existieren darf. Wenn beispielsweise jemand für den Use Case Condition Monitoring eine Spritzgussmaschine beschreiben und dies bei der OPC Foundation anmelden möchte, wird diese darauf hinweisen: ‚Achtung, dafür existiert bereits eine Spezifikation.‘ Der Gefahr einer Doppelentwicklung wird somit aktiv entgegengewirkt.

Somit klingt 430 in Summe natürlich viel, aber wenn ich etwa Hersteller einer konkreten Maschine bin, dann habe ich oft genau eine Companion Specification, die für mich anwendbar ist.

Hinzu kommen zehn bis 20 Spezifikationen, die wirklich horizontale Aspekte abbilden. Wir als Maschinenbau arbeiten beispielsweise an der Companion Specification OPC UA for Machinery. Diese beinhaltet unter anderem Identification, Status-management, Jobmanagement, Energy Monitoring usw. Das sind Themen, die für den gesamten Maschinenbau relevant sind.

Letztendlich besteht die Herausforderung darin, die richtigen Spezifikationen für den jeweiligen Anwendungsfall zu finden. Hier unterstützen wir als VDMA.

Wie schätzen Sie die Adaption von OPC UA gerade bei kleineren und mittleren Unternehmen ein?

Große Unternehmen sind hier natürlich die Vorreiter. Gerade im Maschinenbau sind jedoch kleine und mittlere Unternehmen stark vertreten und deutlich in der Überzahl. Die bereits angesprochene Studie hat gezeigt, dass diese Unternehmen OPC UA grundsätzlich anwenden bzw. anwenden wollen, sich die Implementierungsgeschwindigkeit jedoch unterscheidet. Der Startpunkt, den uns die meisten nennen und den wir auch empfehlen, ist, mit OPC UA for Machinery zu beginnen. Diese Spezifikation kann ohne Erweiterungen auf jede Maschine und jede Komponente in einer Produktion implementiert werden.

Eine Herausforderung für KMU ist natürlich der Ressourceneinsatz. Daher ist ein pragmatischer Einstieg quasi essentiell. Diesen unterstützen wir nach besten Möglichkeiten – beispielsweise mit Schulungsangeboten, Demonstratoren oder Angeboten zur Mitarbeit in den entsprechenden Gremien.

Für KMU stellt sich zudem oft auch die Frage: Make or Buy? Meistens wird es die Buy-Entscheidung, weil es den Unternehmen an Entwicklern fehlt. Der Markt stellt hier bereits extrem viele Produkte bereit, die OPC UA unterstützen. Auch im Bereich der Companion Specs gibt es eine solide Produktpalette, mit steigender Tendenz.

Was sind aus Ihrer Sicht dann die größten Missverständnisse beim Einsatz von OPC UA?

Es gibt ein paar Mythen rund um OPC UA, die wir immer wieder hören. Beispielsweise, dass OPC UA ein Protokoll ist. Per se ist es aber erstmal ein Standard für Digitalisierung und Interoperabilität, der verschiedene Protokolle – etwa MQTT oder HTTPS – verwendet. OPC UA findet zudem nicht nur auf der Shopfloor-Ebene statt. Dort liegt zwar aktuell der größte Anwendungsbereich, es gibt Seitens der OPC Foundation aber auch Initiativen wie die Cloud Initiative oder die FLC Initiative (Field Level Communication). Diese arbeiten daran, Daten mit OPC UA von der Produktion bis in die Cloud zu bringen, inklusive der Semantiken der Companion Specs. Man kann wirklich sagen, dass die gesamte industrielle Kommunikation mit OPC UA abbildbar ist.

Zudem wird oft behauptet, dass OPC UA an sich bereits interoperabel sei. Hier kommt es jedoch auf die konkrete Implementierung an: Wenn schlecht implementiert wird, etwa indem eigene Variablen entwickelt werden, führt dies den Interoperabilitätsgedanken teilweise ad absurdum. Die Empfehlung lautet daher: Wenn Unternehmen OPC UA implementieren, dann richtig – idealerweise auch mit Zertifizierung, denn nur so sind sie tatsächlich interoperabel. Dieser Aspekt wird von vielen häufig ausgeblendet.Der Teufel steckt jedoch im Detail.

Der VDMA hat kürzlich ein Wissensportal zu OPC UA gestartet. Wo sehen Sie hier den größten Weiterbildungsbedarf und an wen richten Sie sich mit dem Portal?

Das Portal richtet sich sowohl an Experten als auch an Führungskräfte aus dem Maschinenbau. Wir sehen oft, dass zwar Expertinnen und Experten von OPC UA begeistert sind, aber die Führungskraft vielleicht noch nicht ganz verstanden hat, was das eigentlich bringt. Perspektivisch wollen wir ein neutrales Portal für potenzielle Nutzer etablieren. Das Angebot wird also wachsen.

Wer pflegt die Inhalte des Portals? Sind das die Produkthersteller? Sind das die Mitgliedsunternehmen des VDMA?

Die Inhalte bestehen aktuell aus VDMA-Knowhow und entstehen in Kooperation mit der Industrie sowie weiteren Organisationen. Wenn wir irgendwann an den Punkt kommen, dass dort auch Technologien oder Produkte aufgeführt werden, werden wir die Verantwortung dann auch an die jeweiligen Hersteller geben, die sich dort präsentieren. Was wir nicht wollen, ist, dass etwa ein Beratungsunternehmen die Inhalte dort definiert und damit für sich Interessenvertretung betreibt. Es soll kein Marktplatz werden, sondern das Portal soll OPC UA zugänglicher machen – transparent, objektiv und unvoreingenommen.

Wie treibt der VDMA darüber hinaus den Einsatz von OPC UA voran?

Unser Ziel ist es, zunächst die Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Maschinenbaus voranzutreiben. 2017/2018 sind wir gestartet und haben unsere Mitglieder nach ihren Wünschen im Kontext von Interoperabilität befragt. Hier wurde OPC UA bereits ins Spiel gebracht. Daraufhin haben wir damit begonnen, die Semantiken der Schnittstellen in den OPC UA Companion Specifications zu standardisieren. 2021 wurde letztendlich die Abteilung Machine Information Interoperability gegründet, die sich dem gesamten Ökosystem widmet. Wir betrachten beispielsweise, wie Eclass nutzbar gemacht werden kann und welche Ansätze für die Verwaltungsschale geeignet sind.

Wir würden niemals die OPC-UA-Technologie an sich standardisieren, sondern bringen unser Domänen-Knowhow ein. OPC UA ist hier die Trägertechnologie, die von unseren Mitgliedern ausgewählt wurde.

Aktuell arbeiten wir daran, unsere Semantik in das Common Data Dictionary zu überführen. Dabei handelt es sich um ein technologieagnostisches Dictionary, in dem auch Semantiken aus anderen Bereichen aufgeführt sind. Dies wird die Reichweite unserer Semantik weiter erhöhen. In diesem Kontext arbeiten wir auch daran, die Adaption dieser Semantiken zu stärken, indem wir Demos anbieten, Quick Guides erstellen oder mit internationalen Partnern zusammenarbeiten. Es geht darum, die Mehrwerte zu zeigen.

Seiten: 1 2



  • Ifo-Geschäftsklimaindex legt auch im August zu

    Ifo-Geschäftsklimaindex legt auch im August zu

    Nach dem durch die Corona-Krise verursachten Einbruch im April, ist der Ifo-Geschäftsklimaindex im August erneut angestiegen – zum vierten Mal in Folge.

    mehr lesen: Ifo-Geschäftsklimaindex legt auch im August zu

  • Unternehmen nutzen zwei bis vier Anbieter

    Unternehmen nutzen zwei bis vier Anbieter

    Laut einer Studie von Forrester Research nutzen 80 Prozent der Unternehmen Multi-Cloud-Umgebungen für geschäftskritische Anwendungen. Zudem berichten die befragten Unternehmen fast einstimmig von Vorteilen, die durch die Nutzung von Managed…

    mehr lesen: Unternehmen nutzen zwei bis vier Anbieter

  • Wirtschaftskriminalität in Deutschland: Datenklau und Urheberrechtsverletzungen

    Wirtschaftskriminalität in Deutschland: Datenklau und Urheberrechtsverletzungen

    Wie aus einer Studie von KPMG hervorgeht, ist in den vergangenen zwei Jahren etwa ein Drittel der Unternehme Opfer von Wirtschaftskriminalität geworden. Dabei kommen die Täter nicht nur von außen.

    mehr lesen: Wirtschaftskriminalität in Deutschland: Datenklau und Urheberrechtsverletzungen

  • Forcam übernimmt Industriesoftware-Spezialisten

    Forcam übernimmt Industriesoftware-Spezialisten

    Als neues Tochterunternehmen wird die Ensico GmbH zukünftig zu Forcam gehören. Das Unternehmen bietet u.a. das Produktionsleitsystem ‘E-MES‘ an.

    mehr lesen: Forcam übernimmt Industriesoftware-Spezialisten

  • Exporte im Maschinenbau spürbar gebremst

    Exporte im Maschinenbau spürbar gebremst

    Die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer haben im ersten Quartal ein Exportminus von 22,9 Prozent verzeichnet. Im Juni fiel das Minus dabei jedoch weniger stark aus.

    mehr lesen: Exporte im Maschinenbau spürbar gebremst

  • Produktivität und Flexibilität verbinden

    Produktivität und Flexibilität verbinden

    Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entwickelt ein Forschungsteam gemeinsam mit Industriepartnern ein neuartiges Produktionsplanungssystem, das die hohe Produktivität und Genauigkeit von Spezialmaschinen mit der Flexibilität von Industrierobotern kombinieren soll.

    mehr lesen: Produktivität und Flexibilität verbinden

  • Hacken mit legitimen Tools

    Hacken mit legitimen Tools

    Sind Cyberattacken einmal in das Unternehmensnetzwerk eingedrungen, nutzen Hacker oftmals auch legitime Tools für weitere Aktivitäten, was die Angriffserkennung erschwert. Dies hat eine Analyse von Kaspersky ergeben.

    mehr lesen: Hacken mit legitimen Tools

  • Altair übernimmt Simulations-Anbieter S&WISE

    Altair übernimmt Simulations-Anbieter S&WISE

    Mit der Übernahme von S&WISE erweitert Altair sein Simulationsangebot um eine Polyurethanschaum-Simulationslösung.

    mehr lesen: Altair übernimmt Simulations-Anbieter S&WISE

  • Corona bringt Ingenieurarbeitsmarkt ins Wanken

    Corona bringt Ingenieurarbeitsmarkt ins Wanken

    Im Vergleich zum Vorjahresquartal ist die Arbeitskräftenachfrage im Ingenieurbereich um 23,7 Prozent zurückgegangen, im Gegenzug stieg die Arbeitslosigkeit in diesem Sektor um 38,6 Prozent an. Das geht aus dem Ingenieurmonitor…

    mehr lesen: Corona bringt Ingenieurarbeitsmarkt ins Wanken

  • IBHsoftec und TeamViewer kooperieren bei Industriesteuerungen

    IBHsoftec und TeamViewer kooperieren bei Industriesteuerungen

    Steuerungsspezialist IBHsoftec und der Anbieter von Fernzugriffslösungen Teamviewer haben eine gemeinsame Lösung vorgestellt. Diese bietet weitreichende Funktionen zur Ferninstallation, Fernüberwachung und zum Fernzugriff auf industrielle Steuerungstechnik.

    mehr lesen: IBHsoftec und TeamViewer kooperieren bei Industriesteuerungen

  • Michael Leonhardt verantwortet den Professional Service bei iTAC

    Michael Leonhardt verantwortet den Professional Service bei iTAC

    Der MES-Hersteller iTAC besetzt den Posten Director Professional Service. Der Manager Michael Leonhardt wird sich künftig um die Service- und Qualitätsorientierung der Dürr-Tochter kümmern.

    mehr lesen: Michael Leonhardt verantwortet den Professional Service bei iTAC

  • Nur noch 5,6 Millionen in Kurzarbeit

    Nur noch 5,6 Millionen in Kurzarbeit

    Die Zahl der Beschäftigten in Kurzarbeit ging im Juli auf 5,6 Millionen zurück, gegenüber 6,7 Millionen im Juni. Doch während immer mehr Händler und Dienstleister aufatmen können, sinken die Zahlen…

    mehr lesen: Nur noch 5,6 Millionen in Kurzarbeit