Energieautarkie durch Solarstrom vom Dach

Industriebau mit PV-Anlage
Industriebau mit PV-AnlageBild: Doma VKW

Ein Microgrid ist ein kleines lokales Stromversorgungsnetz, das erneuerbare und konventionelle Energiequellen kombiniert. Es kann sowohl netzgekoppelt als auch autark arbeiten. Diese Flexibilität macht Microgrids besonders attraktiv für Industrieunternehmen, die ihre Energieversorgung sichern und gleichzeitig Nachhaltigkeitsziele erreichen wollen. Typischerweise bestehen Microgrids aus mehreren zentralen Elementen: Erzeugungsanlagen wie Photovoltaik-Anlagen, Windkraftanlagen, Blockheizkraftwerke oder Brennstoffzellen bilden das Herzstück und liefern die benötigte Energie. Energiespeicher, etwa Lithium-Ionen-Batterien oder Wasserstoffspeicher, puffern Überschüsse und geben Energie bei Bedarf ab, um die Netzstabilität zu sichern.

Smart gesteuert und vernetzt

Intelligente Steuerungssysteme optimieren den Energiefluss in Echtzeit, ermöglichen Lastmanagement und sorgen für eine effiziente Nutzung der Ressourcen. Das lokale Verteilnetz verbindet Erzeuger und Verbraucher direkt, reduziert Übertragungsverluste und erhöht die Effizienz des Systems. Die Schnittstelle zum öffentlichen Netz ermöglicht den Austausch mit dem übergeordneten Netz oder die Trennung für den Inselbetrieb.

Vorteile für Industrie und Gewerbe

Die Nähe zwischen Erzeugern und Verbrauchern ist eine der zentralen Stärken von Microgrids. Durch die lokale Erzeugung und Nutzung von Energie werden Übertragungsverluste reduziert. Darüber hinaus ist die Zuschaltung oder der Tausch von Energieerzeugungseinheiten durch die kleine Skalierung und das lokale Energiemanagement deutlich sicherer und einfacher zu bewerkstelligen als dies im bisherigen großen Maßstab möglich war. Zudem können Backup-Systeme schmaler ausfallen und kritische Infrastruktur ist bei entsprechendem Security-Konzept einfacher zu schützen.

In diesem Beispiel können vom EZA-Regler bis zu 100 Erzeugungseinheiten (EZE) gemanaged werden. Die EZE sind über standardisierte Gateways 
angeschlossen, die rasch parametriert werden können.
In diesem Beispiel können vom EZA-Regler bis zu 100 Erzeugungseinheiten (EZE) gemanaged werden. Die EZE sind über standardisierte Gateways angeschlossen, die rasch parametriert werden können. – Bild: Bachmann Electronic GmbH

Stromkosten sinken deutlich

Diese Vorteile bringen den industriellen Anwendern einen konkreten Nutzen. Durch die Optimierung des Eigenverbrauchs und das sogenannte Peak-Shaving können Unternehmen ihre Stromkosten deutlich reduzieren. Im industriellen Kontext ist die Entscheidung zur Installation einer eigenen Dachsolaranlage oftmals der Ausgangspunkt für die Schaffung eines eigenen Microgrids, weil für größere PV-Anlagen ab 100kW besondere rechtliche Bedingungen für die Steuerbarkeit gelten.

Aktuelle Nutzung und Ausbauziele in Deutschland

In Deutschland verfügt die Industrie nach einer detaillierten Marktanalyse von Garbe Industrial Real Estate über rund 363 Millionen Quadratmeter Dachfläche, die für die Installation von Solaranlagen geeignet sind. Dieses Potenzial könnte nach einer Analyse des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW) bis zu 36GW Solarstrom erzeugen, was der Leistung von 36 Kernkraftwerken entspricht. Doch bisher nutzen weniger als 10 Prozent der Industrie- und Logistikunternehmen ihre Dachflächen für die Stromproduktion. Der Bund hat ehrgeizige Ausbauziele formuliert und plant, den jährlichen Zubau der Photovoltaik-Leistung auf 22 bis 26GW zu steigern. Industrie- und Gewerbedächer spielen dabei eine zentrale Rolle, um diese Ziele zu erreichen. Besonders Dachflächen ab 1.500 Quadratmetern sind wirtschaftlich rentabel und können maßgeschneiderte Solaranlagen aufnehmen.

Wirtschaftliche und ökologische Effekte

Solarstrom vom Dach ist in vielen Regionen bereits günstiger als Strom aus dem Netz. Fraunhofer ISE und BSW Solar zeigen in Analysen, dass Unternehmen bis zu 80 Prozent ihres Strombedarfs selbst decken und so Energiekosten langfristig senken können. Die Implementierung von Microgrids und Solaranlagen ist mit mehreren Herausforderungen verbunden. Die Anfangsinvestitionen für Erzeugungsanlagen, Speicher und Steuerungssysteme stellen eine Hürde dar. Allerdings zeigen Zahlen des Fraunhofer ISE, dass Industrie-PV-Anlagen mit Eigenverbrauch heute Renditen von 8 bis 12 Prozent pro Jahr erzielen, was eine Amortisation von fünf bis acht Jahren ermöglicht. Förderprogramme und innovative Finanzierungsmodelle wie Microgrid-as-a-Service können zusätzlich Abhilfe schaffen. Power Purchase Agreements (PPAs, zu Deutsch ‚Stromabnahmeverträge‘) ermöglichen Unternehmen, Solarstrom ohne eigene Investitionen zu beziehen.

Mehrstufiger Schutz möglich

Modulare Microgrids lassen sich schrittweise erweitern, um wachsende Energiebedarfe zu decken. Intelligente Energie-management-Systeme bieten Echtzeit-Monitoring und ermöglichen eine optimierte Nutzung der erzeugten Energie. Mehrstufige Schutzkonzepte wie verschlüsselte Kommunikation und Zugriffskontrollen schützen vor Hackerangriffen und sollen die Versorgungskontinuität sicherstellen.

Wohin geht der Trend?

Nach einer Marktstudie von Fortune Business Insights wird der globale Photovoltaik-Markt bis 2034 auf etwa 1,5 Billionen US-Dollar (rund 1,3 Billionen Euro) anwachsen, mit einer jährlichen Wachstumsrate von mehr als 14 Prozent. Microgrids werden dabei eine zentrale Rolle spielen, weil sie die Integration dezentraler Energieerzeugung ermöglichen und die Netzstabilität erhöhen. Die EU-weite Gebäuderichtlinie und Solarpflichten, wie sie in Frankreich und den westlichen Bundesländern in Deutschland eingeführt wurden, beschleunigen den Ausbau von Solaranlagen. Zielgerichtete Subventionen für Industriedächer senken die Einstiegshürden für Unternehmen und fördern die Energiewende.

Die Systemintelligenz steigt

In technischer Hinsicht wird künstliche Intelligenz eine zunehmend wichtige Rolle in der Steuerung von Microgrids spielen. Präzisere Lastprognosen und automatisierte Steuerungsstrategien erhöhen die Effizienz und Zuverlässigkeit der Systeme. Grüner Wasserstoff kann als Langzeitspeicher die Flexibilität von Microgrids weiter steigern und die Integration erneuerbarer Energien verbessern. Neue Geschäftsmodelle wie Microgrid-as-a-Service machen Microgrids auch für kleinere Unternehmen zugänglich und beschleunigen die Verbreitung. Die Zukunft der Energieversorgung ist dezentral, intelligent und nachhaltig – Microgrids und Solaranlagen auf Industriedächern sind zentrale Bausteine auf diesem Weg.

Wie gehen Unternehmen vor?

1. Potenzialanalyse: Unternehmen sollten die Eignung ihrer Dachflächen für Solaranlagen prüfen und die Integration in ein Microgrid evaluieren.

2. Fördermittel nutzen: Aktuelle Förderprogramme und steuerliche Anreize können die Wirtschaftlichkeit deutlich verbessern.

3. Pilotprojekte starten: Best-Practice-Beispiele können als Vorbild für eigene Projekte dienen.

4. Partnerschaften eingehen: Die Zusammenarbeit mit Energieexperten, Netzbetreibern und Automatisierungsspezialisten hilft, technische und regulatorische Hürden zu überwinden.



  • Sichere Anlagen in der Prozessindustrie

    Sichere Anlagen in der Prozessindustrie

    Die Prozessindustrie stellt spezifische Anforderungen an die Sicherheit ihrer Anlagen. Wesentliche Elemente sind dabei die PLT-Sicherheitseinrichtungen.

    mehr lesen: Sichere Anlagen in der Prozessindustrie

  • Neue Lösungen in Instandhaltung und Service

    Neue Lösungen in Instandhaltung und Service

    Am 20. und 21. April findet das 16. Anwenderforum ‘Einsatz mobiler Lösungen‘ statt. In diesem Jahr als reine Online-Veranstaltung.

    mehr lesen: Neue Lösungen in Instandhaltung und Service

  • Talend wird von Thoma Bravo übernommen

    Talend wird von Thoma Bravo übernommen

    Für 2,4Mrd.US$ will das Private Equity Unternehmen Thoma Bravo den Cloud-Integrator Talend übernehmen. Das Board of Directors von Talend hat der Absichtserklärung zugestimmt.

    mehr lesen: Talend wird von Thoma Bravo übernommen

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Besserer Schutz bei der Arbeit mit Cobots

    Besserer Schutz bei der Arbeit mit Cobots

    Im Forschungsprojekt ‘Digitale Gefahrenprävention für kollaborative Roboterarbeitsplätze mithilfe einer webbasierten Planungshilfe (CobotPlaner)‘ hat das Fraunhofer IFF im Auftrag der Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) eine webbasierte Planungshilfe entwickelt, die für…

    mehr lesen: Besserer Schutz bei der Arbeit mit Cobots

  • SAP-Kunden überdenken Pläne zur ERP-Umstellung

    SAP-Kunden überdenken Pläne zur ERP-Umstellung

    Die Corona-Pandemie führt bei Firmen zu verzögerten S/4Hana-Umstellungen. Der Befragung zufolge wollen die meisten Unternehmen ihre SAP-Installationen dennoch bis 2025 umgestellt haben. Besonders beliebt sind wohl Hybrid-Cloud-Infrastrukturen.

    mehr lesen: SAP-Kunden überdenken Pläne zur ERP-Umstellung

  • Unternehmen senken F&E-Ausgaben

    Unternehmen senken F&E-Ausgaben

    Im vergangenen Jahr lag der Anteil der F&E-Ausgaben deutscher Unternehmen gemessen am Umsatz bei 3,2 Prozent und damit unter dem Durchschnitt der Vorjahre.

    mehr lesen: Unternehmen senken F&E-Ausgaben

  • Corona-Pandemie gefährdet langfristig Ingenieurarbeitsmarkt

    Corona-Pandemie gefährdet langfristig Ingenieurarbeitsmarkt

    Die Corona-Pandemie hat im dritten Quartal in Folge gravierende Spuren auf dem Ingenieurarbeitsmarkt hinterlassen. Das zeigen die Zahlen für das 4. Quartal 2020 aus dem aktuellen Ingenieurmonitor, den der VDI…

    mehr lesen: Corona-Pandemie gefährdet langfristig Ingenieurarbeitsmarkt

  • Pandemie sorgt für Rekordrückgang des Arbeitsvolumens

    Pandemie sorgt für Rekordrückgang des Arbeitsvolumens

    Mit einem Rückgang um 4,7 Prozent auf 59,64 Milliarden Stunden ist das Arbeitsvolumen im Jahr 2020 aufgrund der Covid-19-Pandemie so stark eingebrochen wie noch nie. Dies geht aus der Anfang…

    mehr lesen: Pandemie sorgt für Rekordrückgang des Arbeitsvolumens

  • IFS bringt Portfolio in die Cloud

    IFS bringt Portfolio in die Cloud

    Der schwedische Softwarehersteller IFS hat die Lösung IFS Cloud vorgestellt. Anwender können damit nach Unternehmensangaben alle IFS-Funktionalitäten, von ERP-System bis zu den produktionsnahen Modulen, als Cloud-System nutzen. Der Cloud-und On-Premise-Betrieb…

    mehr lesen: IFS bringt Portfolio in die Cloud

  • Kooperation zwischen NET und PDSVision

    Kooperation zwischen NET und PDSVision

    Im Rahmen einer strategischen Partnerschaft will NET dem schwedischen Unternehmen PDSVision einen besseren Zugang zum deutschsprachigen Markt ermöglichen.

    mehr lesen: Kooperation zwischen NET und PDSVision

  • Forschungsprojekt Saviour: Druckqualität per App überwachen

    Forschungsprojekt Saviour: Druckqualität per App überwachen

    Wissenschaftler aus Hannover und Aachen wollen eine App zur automatischen Überwachung der Druckqualität in der Additiven Fertigung entwickeln. Der Fokus liegt dabei auf der Medizintechnik.

    mehr lesen: Forschungsprojekt Saviour: Druckqualität per App überwachen