Mehr Cyberangriffe, weniger Plagiatsfälle

Press enter button on the keyboard computer Shield cyber Key loc
Bild: ©sarayut_sy/stock.adobe.com

Der Schutz vor Cyberangriffen erlangt für die Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau eine immer größere Bedeutung, während die Bekämpfung von Produkt- und Markenpiraterie unverändert wichtig bleibt. Denn in beiden Fällen entstehen der Branche durch Hacker, Spionage beziehungsweise Plagiatoren und Kopisten jährlich enorme Schäden in Milliardenhöhe. So lauten zentrale Erkenntnisse der neuen VDMA-Studie ’Industrial Security und Produktpiraterie 2024‘, an der sich etwa 100 VDMA-Mitgliedsfirmen beteiligt haben und die vom Fraunhofer-Institut für Angewandte und Integrierte Sicherheit AISEC erstellt wurde.

Seit vielen Jahren untersucht der Verband im zweijährigen Turnus die Gefahren und Auswirkungen durch Produktpiraterie im Maschinen- und Anlagenbau. Erstmals wurde die Studie nun um Fragen rund um Cybersecurity durchgeführt. „Die Verknüpfung von physischer und digitaler Welt und der Umzug krimineller Strukturen in den Cyberraum zeigt sich in den diesjährigen Ergebnissen doch deutlich“, sagt Steffen Zimmermann, Leiter VDMA Competence Center Industrial Security.

Jedes vierte Unternehmen betroffen

Die Zahl der Cybersicherheitsvorfälle nehme auch im Maschinen- und Anlagenbau zu, so die Studienverantwortlichen. Laut Umfrage war in den vergangenen beiden Jahren bereits rund jedes vierte Unternehmen (24 Prozent) von einem signifikanten Cybersicherheitsvorfall betroffen. Dazu zählen zum Beispiel gezielte Hackerangriffe oder Erpressungen, um an Geschäftsgeheimnisse zu kommen .

Die Unternehmen reagieren auf diese Bedrohung: 96 Prozent der befragten Firmen gaben an, ihre Betriebsstätte mit mindestens einer Cybersicherheits-Maßnahme abzusichern. 80 Prozent der Unternehmen setzen dabei Maßnahmen zur Angriffserkennung ein. Zusätzlich haben 59 Prozent der Firmen eine Cyberversicherung abgeschlossen. Außerdem wächst die Bereitschaft, sich in lokalen oder regionalen Cyberbündnissen zu vernetzen. 13 Prozent der Firmen engagieren sich bereits in solchen Bündnissen, 50 Prozent können sich ein Engagement grundsätzlich vorstellen.

Die neue Richtlinie für den cybersicheren Betrieb von Informationssystemen (NIS2) adressiert den Maschinen- und Anlagenbau als wichtigen Sektor. Unternehmen sind verpflichtet, sich bei der nationalen Behörde selbst zu registrieren. Die Ermittlung der konkreten Betroffenheit von der NIS2 fällt den Unternehmen jedoch nicht leicht. Während ein Drittel der teilnehmenden Unternehmen angibt, noch gar keine Prüfung vorgenommen haben, kamen 24 Prozent zu der Feststellung, dass sie von der NIS2 nicht betroffen sind. In einer eigenen Analyse hat der VDMA jedoch festgestellt, dass sich eine ganze Reihe von Unternehmen hier falsch einstuft. „Die NIS2-Betroffenheit liegt tatsächlich bei rund 90 Prozent aller Firmen. Hier müssen die Unternehmen aufpassen, dass sie sich nicht fälschlicherweise aus der Verantwortung nehmen“, sagt Zimmermann.

Weniger Plagiatsfälle registriert

Eine positive Entwicklung zeigt die Befragung für den Bereich Produktpiraterie: Nach zuletzt 72 Prozent Betroffenheit (2022) gaben nun nur noch 46 Prozent der Unternehmen an, von illegalen Nachbauten, Kopien oder anderen Plagiatsverletzungen betroffen gewesen zu sein. Insgesamt berechnet der Verband daraus ein Gesamtschaden im Maschinen- und Anlagenbau von 4,1 Mrd.€, der damit 2,3Mrd.€ unter dem Wert der Studie aus dem Jahr 2022 liegt. Der aktuelle Schaden entspreche rund 16.000 Arbeitsplätzen im Maschinen- und Anlagenbau, so der VDMA.

Unverändert rangiert dabei die Volksrepublik China auf Platz 1 der Liste der Herkunftsländer von Plagiaten (82 Prozent). Auf Platz zwei folgt Indien mit 18 Prozent, vor Deutschland auf Platz drei (16 Prozent). Als Plagiatoren beziehungsweise als Auftraggeber von Plagiaten treten direkte Wettbewerber mit 58 Prozent seltener in Erscheinung als früher (2022: 70 Prozent). Dafür ist bei professionellen Großplagiatoren (42 Prozent) und staatlichen Unternehmen (18 Prozent) ein deutlicher Zuwachs der registrierten Fälle zu verzeichnen. Kunden und Zulieferer sind laut Umfrage dagegen keine relevanten Plagiatoren mehr.

Ganze Maschinen werden seltener kopiert

Auf die Frage, was illegal kopiert wird, nannten die Unternehmen am häufigsten (60 Prozent) die beiden Kategorien ‚Komponenten‘ und ‚äußeres Erscheinungsbild‘ (Design). Auch die Fälle, in denen Kataloge, Broschüren und Produktfotos plagiiert wurden, haben wieder zugenommen. Plagiate von Webseiten und Online-Shops wurden von fast einem Drittel der Befragten genannt. Der illegale Nachbau ganzer Maschinen wurde dagegen nur noch von gut einem Viertel der betroffenen Firmen angegeben. Auftraggeber für Plagiate sind weiterhin zuallererst die eigenen Wettbewerber, wenngleich ihre Nennung von 70 auf 58 Prozent zurückgegangen ist. Deutlich angestiegen ist dagegen das Auftreten von professionellen Großplagiatoren (von 30 auf 42 Prozent der Fälle).

41 Prozent der Unternehmen berichten in der Studie von Fälschungen, die eine Gefahr für Bediener oder Anwender mit sich bringen. Mehr als die Hälfte der Befragten (54 Prozent) sehen bei den von ihnen entdeckten Plagiaten eine Gefahr für den sicheren Betrieb der Anlage.



  • Keine FMB in diesem Jahr

    Keine FMB in diesem Jahr

    Vom 4. bis zum 6. November sollte in Bad Salzuflen die FMB – Zuliefermesse für den Maschinenbau über die Bühne gehen. Durch die aktuelle Pandemie-Lage haben die Veranstalter die Messe…

    mehr lesen: Keine FMB in diesem Jahr

  • Arbeitsmarktbarometer im Oktober stabil

    Arbeitsmarktbarometer im Oktober stabil

    Mit einem leichten Anstieg um 0,1 Punkte gegenüber dem Vormonat zeigt sich das IAB-Arbeitsmarktbarometer im Oktober stabil.

    mehr lesen: Arbeitsmarktbarometer im Oktober stabil

  • Verkaufszahlen von Servicerobotern steigen weltweit um 32 Prozent

    Verkaufszahlen von Servicerobotern steigen weltweit um 32 Prozent

    Der Markt für Serviceroboter erfährt durch die Covid-19-Pandemie einen Schub. So prognostiziert die International Fedaration of Robotics, dass sich der Umsatz mit in diesem Bereich bis 2022 mehr als verdoppeln…

    mehr lesen: Verkaufszahlen von Servicerobotern steigen weltweit um 32 Prozent

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Deutsche Wirtschaft wieder etwas skeptischer

    Deutsche Wirtschaft wieder etwas skeptischer

    Erstmals nach fünf Anstiegen in Folge ist der Ifo-Geschäftsklima-Index im Oktober wieder gesunken. Im Verarbeitenden Gewerbe liegt der Geschäftsklimaindikator allerdings erstmals seit Juni 2019 wieder im positiven Bereich.

    mehr lesen: Deutsche Wirtschaft wieder etwas skeptischer

  • Kontron-Standorte gründen europäischen EMS/ODM-Verbund

    Kontron-Standorte gründen europäischen EMS/ODM-Verbund

    Die europäischen Produktionsstandorte des Embedded-Spezialisten Kontron sollen zu einem EMS/ODM-Verbund zusammengeschlossen werden.

    mehr lesen: Kontron-Standorte gründen europäischen EMS/ODM-Verbund

  • Partnerschaft zwischen Siemens und Log.Go.Motion

    Partnerschaft zwischen Siemens und Log.Go.Motion

    Im Rahmen einer Partnerschaft vertreibt Siemens zukünftig die Lösung Moby.Check des Digitalisierungsspezialisten Log.Go.Motion.

    mehr lesen: Partnerschaft zwischen Siemens und Log.Go.Motion

  • SAP legt Quartalszahlen vor und passt Jahresziele an

    SAP legt Quartalszahlen vor und passt Jahresziele an

    Der Softwarekonzern SAP hat seine Zahlen für das dritte Quartal 2020 veröffentlicht. Demnach erzielte der Softwarekonzern weniger Umsatz als noch im Vorjahresquartal. Das Cloudgeschäft legte hingegen zu.

    mehr lesen: SAP legt Quartalszahlen vor und passt Jahresziele an

  • Dr. Marianne Janik übernimmt bei Microsoft Deutschland

    Dr. Marianne Janik übernimmt bei Microsoft Deutschland

    Zum 1. November wird Dr. Marianne Janik die Leitung von Microsoft Deutschland von Sabine Bendiek übernehmen, die zu SAP wechseln wird.

    mehr lesen: Dr. Marianne Janik übernimmt bei Microsoft Deutschland

  • Fraunhofer-Außenstelle in Schweinfurt eröffnet

    Fraunhofer-Außenstelle in Schweinfurt eröffnet

    Unter der Überschrift ‘KI-noW‘ (Künstliche Intelligenz (KI) für eine nachhaltig optimierte Wertschöpfung) wollen Forscher des Fraunhofer IPA neueste Erkenntnisse der angewandten Forschung in die industrielle Praxis überführen. Zur Veranschaulichung zeigt…

    mehr lesen: Fraunhofer-Außenstelle in Schweinfurt eröffnet

  • Lagebericht der IT-Sicherheit

    Lagebericht der IT-Sicherheit

    Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat Mitte Oktober seinen Bericht zur Lage der IT-Sicherheit in Deutschland 2020 veröffentlicht. Dazu erklärt Susanne Dehmel, Mitglied der Bitkom-Geschäftsleitung: „Zu Beginn…

    mehr lesen: Lagebericht der IT-Sicherheit

  • Cognizant erweitert IoT-Portfolio

    Cognizant erweitert IoT-Portfolio

    Mit der Übernahme des IoT-Spezialisten Bright Wolf, will der IT-Dienstleister Cognizant seine Expertise im Bereich Internet of Things erweitern.

    mehr lesen: Cognizant erweitert IoT-Portfolio