Forschende gehen technologiebezogenen Verschwörungstheorien auf den Grund

News titles on screen in hand with Conspiracy theories3d illustration
Bild: ©Skórzewiak/stock.adobe.com

Technologien spielen eine wichtige Rolle bei der Verbreitung von Verschwörungstheorien oder radikalen Meinungen. Dass Suchmaschinen oder Apps allerdings immer häufiger selbst in den Fokus der Erzählungen geraten, zeigt eine neue Studie von Forschenden der Universitäten Paderborn und Göttingen, die das Ausmaß, die Ursachen und die Folgen mit empirischen Daten belegt. Die Ergebnisse wurden nun im Magazin ’Information Systems Research’ veröffentlicht.

Der Studie liegt eine Ausgangsbefragung von mehr als 1.000 Personen in den USA zugrunde. Aus dieser geht hervor, dass das Wissen um und der Glaube an technologiebezogene Verschwörungstheorien weit verbreitet ist. So haben beispielsweise 67 Prozent der Befragten von der Theorie gehört, dass die smarten Amazon Echo-Lautsprecher die Nutzerinnen und Nutzer abhören, auch wenn das Gerät ausgeschaltet ist. 36 Prozent davon stimmten dieser Theorie sogar zu.

Prof. Dr. Simon Thanh-Nam Trang, Professor für Wirtschaftsinformatik, insb. Nachhaltigkeit an der Universität Paderborn.
Prof. Dr. Simon Thanh-Nam Trang, Professor für Wirtschaftsinformatik, insb. Nachhaltigkeit an der Universität Paderborn. Bild: Daniel Li

’Verschwörungsmentalität’ mit weitreichenden Folgen

In einer Feldstudie analysierte das Forschungsteam die Entstehung des Glaubens an Verschwörungstheorien im Zusammenhang mit der Corona-Warn-App in Deutschland. Hierbei ist die Annahme, dass der Zweck, die Corona-Bekämpfung, nur vorgeschoben ist, und eigentlich die Bevölkerung ausspioniert werden soll. Ein Labor-Experiment zu einem fiktiv neu eingeführten smarten Autoassistenzsystem lieferte den Forschenden zusätzliche Erkenntnisse darüber, wie nicht nur die Wahrnehmung der Technologie, sondern auch die des Herstellers den Glauben an technologiebezogene Verschwörungstheorien beeinflussen. Zudem fanden sie Hinweise darauf, dass der Glaube an technologiebezogene Verschwörungstheorien nachteilige Folgen hat, die über die Nutzung der Technologie hinausgehen. Demnach deuten die Daten darauf hin, dass der Glaube an technologiebezogene Verschwörungstheorien eine Eigendynamik in Gang setzen kann, durch die Individuen eine ’Verschwörungsmentalität’ entwickeln.

„Unsere Forschung zeigt eine alarmierende Verbreitung von technologiebezogenen Verschwörungstheorien innerhalb der Gesellschaft. Aufgrund der ’Verschwörungsmentalität‘ interpretieren Betroffene ihre Umwelt zunehmend durch eine verschwörungstheoretische Brille“, sagt Prof. Dr. Simon Thanh-Nam Trang, Professor für Wirtschaftsinformatik, insb. Nachhaltigkeit an der Universität Paderborn. „Die durch solche Überzeugungen geförderte Denkweise erschwert die soziale Zusammenarbeit und einen konstruktiven politischen Diskurs, was die Fähigkeit der Gesellschaft, auf zukünftige Krisen zu reagieren, beeinträchtigen könnte“, ergänzt Prof. Dr. Manuel Trenz, Professor für Interorganisationale Informationssysteme an der Universität Göttingen.

Für potenzielle Risiken sensibilisieren

Die Studie ermöglicht es den Forschenden, ein erstes Verständnis dafür zu entwickeln, welche Technologien besonders gefährdet sind, Ziel von Verschwörungstheorien zu werden. Trang unterstreicht die politischen Implikationen der Studie: „Wir hoffen, dass diese Ergebnisse Entscheidungsträger – egal ob Politiker oder Technologieentwickler – für die potenziellen Risiken und langfristigen Folgen sensibilisieren.“ Die Erkenntnisse sollen als Anstoß für Forschende dienen, sich mit diesem Thema zu befassen, das sowohl gegenwärtig als auch zukünftig große Auswirkungen hat.



  • Fraunhofer IKS startet in München

    Fraunhofer IKS startet in München

    In München wurde das neue Fraunhofer-Institut für Kognitive Systeme IKS  eröffnet. Schwerpunkt der Forschung soll auf der Absicherung künstlicher Intelligenz (Safe Intelligence) liegen.

    mehr lesen: Fraunhofer IKS startet in München

  • Auftragseingang sinkt zweistellig

    Auftragseingang sinkt zweistellig

    Nach einer kurzfristigen Entspannung im September liegt der Auftragseingang im Maschinen- und Anlagenbau im Oktober elf Prozent unter dem Vorjahreswert.

    mehr lesen: Auftragseingang sinkt zweistellig

  • Fast 200.000 Ingenieure im Maschinenbau

    Fast 200.000 Ingenieure im Maschinenbau

    Im Maschinen- und Anlagenbau sind laut der aktuellen Ingenieurerhebung des VDMA 199.800 Ingenieure beschäftigt – Rekordniveau, wie der Branchenverband mitteilt. Dennoch haben die Unternehmen Schwierigkeiten entsprechende Stellen zu besetzen.

    mehr lesen: Fast 200.000 Ingenieure im Maschinenbau

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Neues Institutsgebäude für das KIT

    Neues Institutsgebäude für das KIT

    Ab dem nächsten Frühjahr sollen die Arbeiten am InformatiKOM auf dem Campus Süd des Karlsruher Instituts für Technologie beginnen. Auf 10.000m² entstehen zwei Gebäude, in denen unterschiedliche Disziplinen zusammengebracht werden…

    mehr lesen: Neues Institutsgebäude für das KIT

  • Produktivere Mitarbeiter durch künstliche Intelligenz

    Produktivere Mitarbeiter durch künstliche Intelligenz

    Die große Mehrheit der im Rahmen einer IFS-Studie befragten Unternehmen plant, in KI-Technologien zu investieren. Davon erhoffen sie sich an erster Stelle Produktivitätssteigerungen der Belegschaft.

    mehr lesen: Produktivere Mitarbeiter durch künstliche Intelligenz

  • Datenschutz und Quantencomputing

    Datenschutz und Quantencomputing

    Im neuen Projekt ‘PQC4MED‘ arbeitet das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) gemeinsam mit mehreren Partnern an Verfahren daran, medizinische Daten durch updatefähige Systeme langfristig vor Attacken durch Quantencomputer zu…

    mehr lesen: Datenschutz und Quantencomputing

  • Arbeitsmarktbarometer legt zu

    Arbeitsmarktbarometer legt zu

    Das IAB-Arbeitsmarktbarometer ist im November gestiegen. Gegenüber dem Vormonat legte der Frühindikator des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) um 0,5 auf 102,1 Punkte zu. Verbessert hat sich der Ausblick…

    mehr lesen: Arbeitsmarktbarometer legt zu

  • Holger Michalka wird Teil der MR-Geschäftsführung

    Holger Michalka wird Teil der MR-Geschäftsführung

    Von Rittal zu MR: Zum April nächsten Jahres stößt Holger Michalka zur Maschinenfabrik Reinhausen und übernimmt dort die Leitung des Geschäftsbereichs ‘Products und Operations‘.

    mehr lesen: Holger Michalka wird Teil der MR-Geschäftsführung

  • Rockwell Automation tritt ISA Global Cybersecurity Alliance bei

    Rockwell Automation tritt ISA Global Cybersecurity Alliance bei

    Der neu gegründete Zusammenschluss ISA Global Cybersecurity Alliance hat sich zum Ziel gesetzt, die IT-Sicherheit in industriellen Betrieben voranzutreiben.

    mehr lesen: Rockwell Automation tritt ISA Global Cybersecurity Alliance bei

  • Hildegard Müller wird neue VDA-Präsidentin

    Hildegard Müller wird neue VDA-Präsidentin

    Hildegard Müller ist neue Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). Sie tritt die Nachfolge von Bernhard Mattes an, der sein Amt zum Jahresende aufgibt.

    mehr lesen: Hildegard Müller wird neue VDA-Präsidentin

  • Siemens und Qualcomm installieren erstes privates Standalone-5G-Netz im industriellen Umfeld

    Siemens und Qualcomm installieren erstes privates Standalone-5G-Netz im industriellen Umfeld

    Siemens und Qualcomm Technologies haben das erste eigenständige private 5G-Netz in einer realen industriellen Umgebung bei Nutzung des 3,7 – 3,8GHz-Frequenzbandes implementiert.

    mehr lesen: Siemens und Qualcomm installieren erstes privates Standalone-5G-Netz im industriellen Umfeld