Process Mining und Task Mining: Zwei Systeme, ein Ziel

532362
Bild: ©Anatoly Stojko/stock.adobe.com

Task Mining zeichnet Interaktionen auf dem Desktop der Mitarbeitenden auf, wie etwa Klicks, Eingaben oder das Wechseln zwischen Anwendungen. Ziel ist es, zu erkennen, welche Schritte zeitaufwendig oder redundant sind. Die Ergebnisse helfen, die persönliche Produktivität zu steigern und wiederkehrende Aufgaben effizienter zu gestalten.

Process Mining hingegen betrachtet Geschäftsprozesse aus der Vogelperspektive und nutzt dazu Ereignisprotokolle und Transaktionsdaten aus Systemen wie ERP, CRM oder MES. Dadurch wird sichtbar, wie Prozesse tatsächlich ablaufen und wo Abweichungen von der geplanten Vorgehensweise auftreten. Das erlaubt es, Ineffizienzen systematisch zu identifizieren und Optimierungsmaßnahmen auf Organisationsebene anzustoßen.

Unterschiedliche Datenquellen und technische Voraussetzungen

Die Datenbasis beider Ansätze ist so verschieden wie ihre Zielsetzung. Process Mining nutzt strukturierte Systemdaten, die häufig bereits in hoher Qualität vorliegen und über standardisierte Schnittstellen abrufbar sind. Dadurch lässt sich die Technologie vergleichsweise einfach in komplexe IT-Landschaften integrieren und über große Organisationen hinweg skalieren. Task Mining dagegen erfordert spezielle Aufzeichnungssoftware, die direkt auf den Endgeräten der Mitarbeiter installiert wird. Diese Software sammelt detaillierte Interaktionsdaten, was einerseits präzise Einblicke ermöglicht, andererseits aber auch Fragen zu Datenschutz, Compliance und Akzeptanz aufwirft. Die technische Implementierung ist oft aufwendiger, da sie tiefer in individuelle Arbeitsumgebungen eingreift.

Skalierbarkeit und Standardisierung im Praxiseinsatz

Für Unternehmen mit international verteilten Standorten und komplexen IT-Systemen bietet Process Mining klare Vorteile bei der Skalierung. Da die Technologie auf standardisierte Ereignisdaten zugreift, können Prozesse einheitlich gemessen, verglichen und optimiert werden, unabhängig davon, in welchem Land oder in welcher Abteilung sie stattfinden. Task Mining hingegen liefert zwar detailreiche Einblicke in einzelne Tätigkeiten, muss jedoch für unterschiedliche Rollen, Systeme und Standorte individuell angepasst werden. Das erschwert eine flächendeckende Standardisierung, macht die Methode aber nützlich für gezielte Optimierungen in besonders kritischen Prozessschritten. In der Praxis setzen viele Unternehmen Process Mining als strategisches Analysewerkzeug ein, während Task Mining punktuell für operative Verbesserungen genutzt wird.

Kulturelle Faktoren

Neben den technischen Anforderungen spielen auch kulturelle Faktoren eine große Rolle für den Erfolg. Task Mining ist sehr nah an der individuellen Arbeit einzelner Personen und kann daher auf Vorbehalte stoßen, wenn nicht klar kommuniziert wird, wie und zu welchem Zweck die Daten erhoben werden. Transparenz, Freiwilligkeit und eine enge Einbindung der Mitarbeitenden sind hier entscheidend. Process Mining hingegen analysiert Prozesse auf einer aggregierten Ebene und wird deshalb eher als neutrales Hilfsmittel für organisatorische Verbesserungen wahrgenommen. Es untersucht Abläufe, nicht Personen, und ist dadurch meist einfacher im gesamten Unternehmen einzuführen. Dennoch gilt: Auch hier ist eine klare Kommunikation wichtig, um Akzeptanz und Beteiligung zu fördern.

Der wirtschaftliche Nutzen

Process Mining schafft Transparenz über End-to-End-Prozesse und liefert datenbasierte Entscheidungsgrundlagen für strukturelle Veränderungen. Task Mining ergänzt diese strategische Sicht um konkrete, schnell umsetzbare Verbesserungen auf der Arbeitsebene. Die Kombination beider Ansätze ermöglicht sowohl Effizienzsteigerungen als auch kurzfristige Produktivitätsgewinne.

Ein Beispielszenario

Ein produzierendes Unternehmen setzt Process Mining ein, analysiert damit die Auftragsabwicklung und erkennt, dass der Genehmigungsprozess deutlich länger dauert als erwartet. Um die Ursache zu verstehen, ergänzt die Firma die Analyse mit Task Mining und stellt fest, dass Mitarbeitende viele Informationen manuell aus verschiedenen Systemen zusammenführen. Auf dieser Grundlage startet das Unternehmen ein Automatisierungsprojekt, verkürzt die Genehmigungszeit und senkt gleichzeitig die Fehlerquote. Unternehmen können jedoch auch mit nur einem der beiden Ansätze Verbesserungen erzielen. Entscheidend bleibt, welche Ziele sie verfolgen und welche Rahmenbedingungen vorliegen. Kriterien wie die Verfügbarkeit und Qualität von Daten, die Komplexität der Prozesse, die gewünschte Detailtiefe der Analyse sowie die kulturelle Akzeptanz in der Organisation bestimmen, welche Methode den größten Nutzen bringt. Für den Einsatz von KI-Agenten bedeutet eine solche Datengrundlage, dass diese Systeme Prozesse nicht nur beobachten, sondern aktiv unterstützen und Entscheidungen vorschlagen können. Je strukturierter und transparenter die Datenbasis ist, desto verlässlicher lassen sich KI-Agenten in operative Abläufe integrieren.

Constantin Wehmschulte
Autor Constantin Wehmschulte – Bild: Mehrwerk GmbH

Zwei Werkzeuge für effizientere Prozesse

Process Mining und Task Mining verfolgen beide das Ziel, Prozesse effizienter und transparenter zu gestalten, unterscheiden sich jedoch grundlegend in Herangehensweise und Wirkung. Process Mining steigert die organisationale Exzellenz und skaliert Verbesserungen im gesamten Unternehmen. Task Mining liefert präzise Analysen, steigert die individuelle Effizienz und identifiziert Automatisierungspotenziale. Die Kombination beider Ansätze schafft einen digitalen Zwilling, der relevante Daten integriert, Prozesse sichtbar macht und als Grundlage für kontinuierliche Optimierung und Automatisierung dient. Mit einer soliden Datenbasis entsteht zudem die Grundlage, auf der KI-Agenten agieren, Prozesse adaptiv steuern und Entscheidungen unterstützen können.



  • Sehen, wenn die Schraube locker ist

    Sehen, wenn die Schraube locker ist

    Das Forschungszentrum IoT-COMMs hat eine intelligente Schraubverbindung entwickelt, die eine drahtlose, energieautarke Überwachung ermöglicht. Ziel ist es, eine energieautarke Überwachung von Strukturen wie z.B. Brücken, Gerüsten, Windkraftanlagen in einem permanenten…

    mehr lesen: Sehen, wenn die Schraube locker ist

  • Sabine Schaar wird Regional Vice President Sales bei Equinix

    Sabine Schaar wird Regional Vice President Sales bei Equinix

    Mit Sabine Schaar hat Equinix eine neue Vice President Sales für Deutschland. Schaar kommt von Capgemini Deutschland zu Equinix.

    mehr lesen: Sabine Schaar wird Regional Vice President Sales bei Equinix

  • Siemens mit leichten Umsatzeinbußen

    Siemens mit leichten Umsatzeinbußen

    Weniger Umsatz und weniger Aufträge. Die Siemens AG hat ihre Zahlen für das am 30. September abgelaufene Geschäftsjahr vorgestellt.

    mehr lesen: Siemens mit leichten Umsatzeinbußen

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Mehr KI-Einsatz in der Industrie

    Mehr KI-Einsatz in der Industrie

    Die Deutschen stehen dem Einsatz von künstlicher Intelligenz im industriellen Umfeld positiv gegenüber. In anderen Bereichen fällt die Zustimmung laut einer Bosch-Studie jedoch geringer aus.

    mehr lesen: Mehr KI-Einsatz in der Industrie

  • Stratasys und nTopology arbeiten zusammen

    Stratasys und nTopology arbeiten zusammen

    Stratasys und nTopology wollen ihre Kräfte bündeln, um 3D-gedruckte Werkzeuge und Vorrichtungen für die Fertigung zu vereinfachen.

    mehr lesen: Stratasys und nTopology arbeiten zusammen

  • TÜV und Ponemon Institute veröffentlichen Studie

    TÜV und Ponemon Institute veröffentlichen Studie

    Die gesamte Wertschöpfungskette vor Cyberattacken zu schützen, zählt in der zunehmend digitalisierten Welt zu den größten Herausforderungen. Besonders der Industrie- und Fertigungsbranche fällt es schwer, Cyberrisiken in ihren Unternehmen und…

    mehr lesen: TÜV und Ponemon Institute veröffentlichen Studie

  • Neuer Managing Director bei Dassault Systèmes

    Neuer Managing Director bei Dassault Systèmes

    Mit Dominic Kurtaz hat Dassault Systèmes einen neuen Managing Director für Zentraleuropa ernannt. Zudem wurde das Vertriebsteam neu aufgestellt.

    mehr lesen: Neuer Managing Director bei Dassault Systèmes

  • S&T hebt Prognose an

    S&T hebt Prognose an

    Mehr Umsatz, ein besseres Ergebnis und angehobene Ziele für das laufende Geschäftsjahr. Der Technologiekonzern ist bisher vergleichsweise gut durch die aktuelle Krise gekommen. Verantwortlich dafür sind auch Zuwächse im Medizintechnikbereich.

    mehr lesen: S&T hebt Prognose an

  • Ein digitaler Zwilling für die Produktion

    Ein digitaler Zwilling für die Produktion

    Die Prostep AG, das Institut der Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen der Universität Hannover und die ISB wollen in einem gemeinsamen Projekt KMUs den digitalen Zwilling näher bringen.

    mehr lesen: Ein digitaler Zwilling für die Produktion

  • Produktionserwartungen der Industrie sind gedämpft

    Produktionserwartungen der Industrie sind gedämpft

    Nach mehreren Anstiegen in Folge, sind die Produktionserwartungen der deutschen Industrie im Oktober insgesamt etwas zurückgegangen. Eine Mehrzahl der Branchen plane jedoch eine Ausweitung der Produktion, so Ifo-Experte Klaus Wohlrabe.

    mehr lesen: Produktionserwartungen der Industrie sind gedämpft

  • Leadec übernimmt AVI GmbH

    Leadec übernimmt AVI GmbH

    Leadec hat zum 1. November die AVI GmbH übernommen. Das Unternehmen ist im Bereich Automation sowie produktionsnaher IT tätig.

    mehr lesen: Leadec übernimmt AVI GmbH